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Das Artefakt |
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(von
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Prolog
"Ich hab' es geschafft. Ich hab's wirklich geschafft!", dachte mAd. Sie saß hier, an ihrem Schreibtisch in ihrem luxuriösen Büro. Daß das Büro fünf Stockwerke tief im Keller lag, störte sie nicht. Alle wichtigen Einrichtungen der Organisation waren unterirdisch angelegt. Und außerdem wäre die Aussicht hier in der Berliner Innenstadt sowieso nicht sonderlich schön. Aber auch daß hätte sie nicht weiter interessiert. Ja, früher, da hatte sie sich Gedanken über so was gemacht.
Damals, als sie noch eine kleine Sekretärin in der Verwaltung war. Doch dann hatte sie ihrem Job bei Gunther Consulting GmbH verloren. Das war jetzt fast 10 Jahre her, eine kleine Ewigkeit. Eine ganze Weile ging es mir ihr bergab, bis sie nicht mehr weiter wußte und einen Job als Rennfahrerin und Motorrad-Duellistin annahm. Sie war schon immer gern Motorrad gefahren, und so groß war der Unterschied ja nicht. Dachte sie zumindest. In den nächsten Jahren fuhr sie Rennen, für verschiedene Auftraggeber und immer außerhalb der Legalität. Zweimal wurde sie bei "Renn-Unfällen" fast getötet, und nur mit viel Chrom konnten die Ärzte sie wieder zusammenflicken. Und sie veränderte sich dabei. Aus einem lebenslustigen, jungen Mädchen wurde eine kalte Maschine, die Menschen nicht als Lebewesen verstand, sondern als Ersatzteile und Aktivposten. Und ihr Verhalten wurde zunehmend exzentrischer. Damals begannen die anderen Fahrer, sie mAd zu nennen, vErrÜckt.
Vor zwei Jahren hatte sie dann genug von den Duellen. Sie spürte genau, daß sie den nächsten Unfall nicht mehr überleben würde. Sie war ja bereits mehr Chrom als Wetware. mAd war inzwischen auf die Organisation aufmerksam geworden - oder die auf sie, so genau ließ sich das nicht feststellen. Auf jeden Fall hatte man ihr einen Job angeboten. Anfangs nur als Kurier, doch schon bald wurde die Organisation auf ihre taktischen Fähigkeiten aufmerksam. Sie begann die Kariereleiter schnell hinaufzusteigen, und vor drei Monaten schließlich wurde sie Sektionsleiterin für die neue Außenstelle Berlin. Die anderen Sektionsleiter im Rat kamen nicht gut mit ihr zurecht, hätten sie sogar um ein Haar vom Rat abwählen lassen, doch Boss hatte sich persönlich für sie eingesetzt. "mAd hat zwar einige, äh, interessante Ansichten über ihre Mitmenschen, aber ich glaube dennoch: Sie ist die richtige für diesen Posten. Und außerdem ist der Rat im Moment etwas zu magielastig, eine Riggerin als Sektionsleitung ist da genau das Richtige.", hatte Boss bei jenem Ratstreffen gesagt. Und gestern waren ihre neuen Räume in Berlin dann endlich fertig.
Jetzt saß sie hier; zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie ein eigenes Büro, eigene Assistenten; Man wollte ihr zunächst auch einen Chauffeur zuteilen, aber da hat sie dann doch abgelehnt. Endlich hatte sie das Sagen, und nicht andere.
mAd schüttelt den Kopf. Sie ist zwar hier in Berlin ihr eigener Herr, aber Träumereien während der Arbeit kann sie sich trotzdem nicht leisten. Vor ihr liegt ein Datenchip in einer verstärkten Transporthülle. Ein Kurier hatte ihn eben erst herein gebracht. Der Chip kam per Expreß von einem Agenten im Herzogtum Pomorya. Dieser Agent hatte die Informationen als wertvoll eingestuft, entsprechend verschlüsselt und sofort an die Sektionsleitung geschickt. mAd legt den Chip in das Lesegerät, das in den Tisch eingebaut war, und drückt auf PLAY.
Nacht. Im Inneren eines düsteren Lagerhauses. Die Kamera scheint beschädigt zu sein, denn das Bild setzt immer wieder aus. Und es ist eine externe Kamera, die der Agent am Kopf trägt, denn das Bild wackelt leicht. Das Bild wird schärfer; man kann jetzt zwei Elfen erkennen. Beide tragen lange, dunkle Mäntel und haben ihre Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Einer der beiden (1. Elf) schaut fast direkt in die Kamera, von seinem Begleiter ist nur der Rücken zu sehen. Der 2. Elf schaut umher, scheint etwas zu suchen.
"Ist das Artefakt immer noch hier?"
Der 1. ist bei diesen Worten sichtlich erschrocken.
"Halt die Klappe! Ich habe dir doch gesagt, du sollst das... Paket nicht erwähnen! Wenn uns jemand hört!"
"Na und? Wer sollte uns hier in unserem eigenen Reich etwas anhaben? Und ich verstehe immer noch nicht, warum du es überhaupt außer Landes bringen läßt."
"Es ist zwar unser Reich, aber leider haben da einige Drachen und unsere sogenannten Freunde aus dem Tir noch ein paar Worte mitzureden. Nein, es ist besser, wenn das Drach... das Ding für ein paar Wochen verschwindet."
"Aber ausgerechnet nach Bayern? Ausgerechnet in dieses spezielle Labor? Bei deren Sicherheitsdienst ist ja 'unfähig' noch ein Kompliment!"
"1. Genau das ist Teil der Tarnung; niemand würde im Keller einer solchen Einrichtung einen Hochsicherheitstresor vermuten.
2. Sollten wir diese Diskussion lieber in einem abhörsicheren Ort führen. Wenn unsere Feinde oder unsere Freunde davon erfahren, dann haben wir ernste Probleme!"
"Ach, du machst die viel zu viele Sorgen! Niemand ist in der Lage, meine Schutzzauber unbemerkt zu durchdringen. Wir sind alleine hier."
Der 1. Elf dreht sich wütend um (und von der Kamera weg) und stapft davon: "Dieser rotzfreche Bengel! Kann kaum auf eigenen Beinen stehen und gibt mir Belehrungen! Wenn es nicht wegen seinem Vater wäre, längst hätte ich mir eine neue Heimat gesucht! Der soll nur aufpassen! Ich bin nicht so alt geworden, weil ich unvorsichtig war! Oh nein!..."
Der zweite Elf nimmt den Wutausbruch mit einem Schulterzucken hin.
Plötzlich sind laute Schritte zu hören, seitlich neben der Kamera. Die Kamera schwenkt herum und zwei Wachen der Herzoglichen Garde kommen ins Bild. Jetzt erkennt man, daß die Aufnahmen von einem Art Zwischenboden aus, liegend, etwa 5 Meter über dem Boden der Halle gemacht wurden. Die Wachen rufen gänzlich unprofessionell: "Halt! Oder wir schießen." Der Agent nutzt diese Zeit jedoch um aufzuspringen und versucht davon zu laufen. Schüsse fallen...
Hier endet die Aufnahme, oder zumindest der Ausschnitt den man mAd geschickt hatte. Sie kannte das Labor von dem hier die Rede war und weiß sofort was zu tun ist. mAd greift zum VidKom und wählt die Nummer von Boss. Er mußte sofort über diese günstige Gelegenheit informiert werden, und mAd selbst durfte in Bayern nicht einfach so aktiv werden: Für das Gebiet war PAX zuständig.
Doch es ist nicht Boss, der abhebt.
Das ist unangenehm, aber nicht unerwartet.
"wO?", fragt mAd einfach, ohne einen Funken Höflichkeit.
Chandhra läßt sich davon aber nicht ärgern; - nicht mehr, besser gesagt. Statt dessen versucht sie es mAd bei jeder Gelegenheit heimzuzahlen: "Hoi mAd!" - kurze Pause - "Schön daß du anrufst. Ja, danke, mir geht's gut. Wie geht's dir?" - wieder eine Pause - "Ach, du willst Ihn sprechen? Er ist gerade nicht da, aber wenn es wichtig ist, werde ich's gern weitergeben."
"eIne günstIge gelegenheIt Im herzOgtUm. eIn ArtefAkt, vIelleIcht mIt drAchen."
Chandhras Ärger war plötzlich verflogen: "Hast du genauere Details?"
"eIne dAteI"
Chandhra stellt etwas an ihrem VidKom ein.
"Ok, ich bin für den Datentransfer bereit."
"trAnsfer läUft ... zUr hälfte dUrch ... fertIg!"
"Ok, alles angekommen. Ich werd's sofort weitergeben."
mAd legt ohne ein weiteres Wort auf. Sie kann Chandhra einfach nicht ausstehen. Eigentlich ist Chandhra auch nur eine S-L, so wie mAd. Aber Chandhra hat noch zusätzlichen Status, und sie war bis zum Schluß gegen mAd als S-L gewesen. mAd haßt Chandhra dafür und versucht sie zu ärgern, wo sie nur kann. Zum Beispiel spricht mAd nicht immer so seltsam, sie kann sogar ganz normal reden. Wenn sie will. Und bei Chandhra wollte sie ganz eindeutig nicht.
Erst jetzt betrachtet sie den Chip ein zweites Mal, und gleich darauf noch einmal. Beim vierten Mal ist sie sich dann sicher, daß die schlechte Bildqualität von einem Fehler an der Kamera kam, und daß die Aufnahme ausschließlich per Chip und nicht per Funk übertragen worden war.
Das ist gut. Damit kann keiner unserer Konkurrenten den Inhalt kennen. mAd erinnert sich an die Sorglosigkeit des jüngeren Elfen. Andererseits, es ist wohl auch anderen möglich sein, die beiden zu belauschen. So ein Verhalten ist ja schon fast kriminell! Aber das es nur per Chip kopiert wurde hat noch einen Vorteil. Der Agent muß überlebt haben, oder zumindest wurde die Kamera von uns gerettet. mAd haßt es, Ausrüstungsteile oder Aktivposten zu verlieren.
Boss wird sie später noch anrufen, und mAd überlegt, was sie ihm sagen wird. Diese Geschichte (so denn die Organisation eingreift) wird mindestens zwei Sektionen betreffen. Eine solche Aktion wird normalerweise vorher im Rat diskutiert. Jetzt im Moment werden wohl gerade die anderen S-L informiert, und in ein bis zwei Stunden wird Boss sie um ihre Meinung fragen. Eine direkte Aktion. Ja, genau, ich werde für eine direkte Aktion stimmen.
1
"Über den Schienen" war eine Bar in der Münchner Innenstadt, in der Nähe des alten Bahnhofs.
Etwa um die Jahrhundertwende hatte man den alten Hauptbahnhof (ein Kopfbahnhof mit einer Unzahl an Rangiergleisen) abgerissen und durch einen unterirdischen Bahnhof ersetzt. Ein Großteil der Rangiergleise war nun unnötig und wurde mit entfernt. Die übrigen Gleise verschwanden ab der Donnersberger Brücke in einer gewaltigen Tunnelrohre, die erst am Ostbahnhof, auf der anderen Seite der Stadt, wieder hervor kam. An Stelle der alten Gleise wurden Bürogebäude und kleinere Gewerbegebiete angelegt. Allerdings wurde es mehr oder minder ein Flop: beim (damals noch neuen) Franz-Josef-Strauß-Flughafen waren größere Flächen billiger zu haben. So blieben viele der Gebäude leer und als in Pasing der neue Transrapid-Knotenpunkt gebaut wurde ging es endgültig bergab.
Heute war das Viertel eine zwielichtige Gegend. Etwa die Hälfte der alten Bürogebäude standen leer, in den übrigen waren Etablissements und Läden aller Art zu finden. Nur die relative Nähe zur Stadtmitte mit ihrem Großaufgebot an Sicherheit verhinderte, daß sich hier Gangs einnisteten. (Und wenn doch, blieben die Ganger nicht lange...) Solange man nicht unangenehm auffiel, konnte man sich hier frei Bewegen. Und allen möglichen legalen, halblegalen und illegalen Geschäften nachgehen.
Die Schienen war eine ganz normale Bar wie vielleicht ein Dutzend anderer in der Gegend auch, aber es war wohl die einzige Kneipe im 1. Stock weit und breit. Denn das Erdgeschoß und der Keller des Hauses waren Teil des Eisenbahntunnels. Hier, kurz nach der D-Brücke waren die Röhren noch nicht tief genug im Erdreich und gelegentlich wackelte der Fußboden, wenn einer der wenigen Regionalzüge durch den Tunnel donnerte.
Chip sah sich in dem Schuppen um. Die übrigen Besucher waren fast alle Messerklauen, "Straßensamurais". Sie selbst war dagegen eher zierlich gebaut, erst 18 Jahre alt und paßte überhaupt nicht hier her. Der Grund warum sie in den Schienen saß, war die kleine Metallbuchse an ihrer Schläfe. Sie war Deckerin und sollte mit ihren Runnerkollegen einen Herrn Schmidt treffen.
Neben ihr an der Theke saß Hexxer, ein Magier und der de-facto-Anführer ihrer Gruppe. Hexxer war ein etwa 1,80 großer Norm, helle Haut, einigermaßen gutaussehend, 25 bis 30 Jahre alt.
Sie hatte ihn vor Jahren kennengelernt. Damals hatte sie, Charlotta-Maria Spitzer alias Chip, eine sehr schwere Zeit gehabt. Sie erinnerte sich nicht gerne daran zurück. Sie war zufällig auf Hexxer getroffen und er hatte sie aus dem Drek gezogen. Seit jener Zeit waren sie zusammen. Nicht als Paar, sondern wie Geschwister. Er war für sie so etwas wie ein großer Bruder.
Herxxer hatte sie damals beschützt, weil sie ihn so sehr an seine richtige Schwester erinnerte. Das wußte Chip inzwischen, aber er hatte ihr nie erzählt was aus seiner Schwester geworden ist. Und Chip hatte gelernt ihn nicht danach zu fragen. Überhaupt war es Hexxer unangenehm, wenn Chip ihn nach seiner Vergangenheit fragte.
So wußte Chip auch nicht, warum Hexxer keine Geister mochte. Er war ein richtiger Magier, kein Magieradept oder Aspektmagier oder wie das hieß. Nur aus irgendeinem Grund weigerte er sich irgendwelche Geister zu beschwören, sowohl Elementare als auch Watchers. Er war sehr gut in Spruchzauberei und beherrschte auch die Rituelle Magie. Er konnte auch Geister bannen, und als niederstufiger Initiat verstand er ein wenig von der Metamagie. Nur Geister konnte er nicht leiden, obwohl in seiner "Bibliothek" (wie er seine Büchersammlung nannte) viele historische und auch neuere Bücher über Geisterbeschwörungen waren. Gewissermaßen als Hobby hatte er eines Tages mit dem Kartenlegen angefangen.
Die anderen Mitglieder ihres Teams waren Little Joe, Klingen-Karl und Straßenteufel.
Schon seine Eltern hatten Little Joe so genannt, weil er wesentlich kleiner war als seine drei Geschwister. Er trug, wie immer, einen langen, dunkelgrauen Duster und seine Sonnenbrille. Das mit der Sonnenbrille war ein Tick von Joe. Er hatte keine Cyberaugen, aber die meisten Leute die stets eine Sonnenbrille tragen haben welche. Also trägt Joe immer eine 'Brille und schon glauben alle es wäre etwas besonderes an seinen Augen. Als Bewaffnung bevorzugte er ein schweres Maschinengewehr, ein Ares M107, und eine Ares Predator II mit der er höllisch genau schießen konnte. Und auch mit dem schweren MG hatte er keine Probleme, er konnte es sogar locker unter seinem Mantel verstecken. Troll muß man eben sein!
Klingen-Karl war praktisch das perfekte Gegenstück. Er war ein Norm, etwa 1.75 groß und dunkelhäutig. Wie es kommt, daß ein Neger "Karl" hieß, hatte er nie jemanden erzählt. Wie er aber zu dem Zusatz "Klingen-" kam, war einfach. Cybersporne in beiden Handrücken, ausfahrbare Fingernägel rechts und eine CyberSnake unter der Zunge. Einige spöttische Stimmen behaupteten gar, er habe "Cyber-Zehennägel". Je eine Packung Kunstmuskeln in den Armen und verdrahtete Reflexe rundeten das Bild ab. Und falls er einmal nicht Nahe genug an den Gegner 'ran kam, hatte er noch einen Colt Manhunter dabei.
Das einzige Team-Mitglied, das nicht irgendwo in der Bar saß, war Straßenteufel. Sie war die Riggerin des Teams und verließ nur selten ihr Auto. Wie die meisten Elfen war sie hübsch anzuschauen, allerdings war sie psychisch instabil. Sie schaffte es locker in nur 5 Minuten ein ganzes Dutzend extremer Stimmungschwankungen zu durchleben. Manchmal war das Autofahren mit ihr ein größeres Abenteuer als der eigentliche Run. Aber sie war die Einzige, die den TeufelsBus (einen EMC Serena mit zusätzlicher Panzerung und Bewaffnung) steuern konnte. Und das konnte sie verdammt gut!
Chip sah sich erneut in der Bar um, als sie endlich fand wonach sie suchte: Patt und Pattachon. Die beiden waren alte Chummers. Und heute Nacht würden sie dem Team wieder einmal mit zusätzlicher Feuerkraft beistehen.
Patt war ein Elf. Mit über 2,20 Meter sogar für einen Elf sehr groß, hatte er aber den typischen, schlanken Körperbau seiner Rasse. Sein Gesicht war bildhübsch und alterslos. Patt war ein ki-Adept. Was ihm an Kraft mangelte, machte er über Schnelligkeit und Geschicklichkeit wieder wett. Er war ein Spezialist im waffenlosen Kampf und konnte gut mit (Wurf-)Messern und Wurfsternen umgehen. Er hatte eine leichte Abneigung gegen Schußwaffen (wegen dem Lärm), und so nahm er für größere Distanzen lieber einen klassischen Langbogen als ein Gewehr.
Pattachon war das genaue Gegenteil: Ein Zwerg, kräftig aber dafür nicht ganz so schnell. Durch seinen dichten Bart sah er sehr alt aus. Und er war ein ausgesprochener Waffennarr. Außerdem konnte er so einigermaßen mit Sprengstoffen umgehen. In seiner rechten Handfläche war ein SmartGun-Adapter implantiert; "Falls i amal präzis' Schiassen muas, weil fürs Baidhändige taugd dees ja net" , wie Pattachon selbst sagte. Chip war sich nicht sicher, ob Pattachon inzwischen seine Reflexe hat aufbessern lassen oder nicht.
Ihre seltsamen Namen hatten die beiden aus einer uralten SitCom. "Slapstick" hatte man das damals noch genannt. Die Serie war in einer Zeit gelaufen als das Trid noch zweidimensional und schwarzweiß gewesen ist. Chip verstand nicht, wie einem so etwas gefallen konnte.
Beide, Patt und Pattachon, trugen wie üblich die selbe Kleidung: bequeme Schuhe mit leisen Sohlen und dunkle Hosen. Darüber hatten sie geräumige Jacken aus schwarzem Leder, natürlich ohne irgendwelche Abzeichen oder gar Gang-Farben. Patt hatte keine sichtbaren Waffen, aber bei ihm bedeutete das nicht viel. Pattachon trug zwei Maschinenpistolen Baretta Model 70 in Schnell-Zieh-Holstern. Die Schalldämpfer der beiden Barettas waren ein Zugeständnis an Patt.
"Hoi, Ihr Beiden", grüßte Chip sie, als sie zur Theke kamen. Mit einem Nicken zu Pattachon: "Heut' mal unbewaffnet?"
"Naa, mei Dynamit und de schware Artillerie hob i scho in eian Bus nei do", antworte Pattachon darauf. Chip mußte das erst einmal im Geiste übersetzen. Der Sprengstoff und die schweren Waffen waren also schon im TeufelsBus.
"Wir werden das Zeug nachher noch brauchen", fügte Patt überzeugt hinzu, "Die Sicherheit ist zwar lasch, aber wir müssen erst einmal über oder durch die Mauer."
"Ihr Beiden. Ihr wißt schon wieder mehr als wir, oder?"
Patt und Pattachon sahen sich an und lächelten geheimnisvoll. Chip war nicht sonderlich erstaunt. Die Beiden wußten fast immer vorher, was Herr Schmidt von ihnen wollte.
Da jetzt das ganze Team versammelt war, gingen sie zu ihrem Schieber. Er wartete bereits in einem ruhigen Hinterzimmer der Bar.
Ignaz III. Freiherr von Kunibert-Westhöhe nannte sich ihr Kontakt. Er war zwar Zwerg, aber nicht gewillt den üblichen Fantasy-Klischees zu entsprechen: er war glattrasiert und machte einen gepflegten Eindruck. Der Adelstitel war allerdings frei erfunden.
"Hoi Kurza!", grüßte ihn Chip. Ignazius "Iggs" Kunwaldt hörte das nicht gerne, aber mit 1,57 war Chip selbst nicht gerade eine der größten.
"Hallo kleine Dame!", gab Iggs zurück und Chip blickte darauf finster drein.
Damit war das Begrüßungsritual vorbei und alle setzten sich an den Tisch. Hexxer saß wie immer genau gegenüber von Iggs.
Hexxer und Iggs sprachen nie darüber, aber selbst für einen zufälligen Beobachter war offensichtlich, daß sich die zwei schon eine ganze Weile kannten. Manchmal warfen sie sich sogar versteckte und auch offene Drohungen an den Kopf. Dennoch arbeitete Hexxer mit praktisch keinem anderen Schieber zusammen, und auch die anderen im Team hatten Iggs längst als einen verläßlichen Geschäftspartner akzeptiert.
Heute saßen zwei weitere Personen am Tisch, ein Mann und eine Frau, beide Norms. Iggs stellte sie vor: "Das sind Johann Anderson und Emilia Brendt."
"Hoi!" - "ha... hallo!"
"Anderson wird euch heute als zweiter Rigger zur Verfügung stehen. Er war bislang in Norddeutschland und den Resten Dänemarks aktiv, aber die Luft ist ihm da oben zu bleihaltig geworden. Er ist dort als Kurierfahrer und Rigger bekannt, der auch vor einem richtigen Feuergefecht nicht zurückschreckt. Meine Kontakte loben sein Können und seine Einsatzbereitschaft in höchsten Tönen. Laut deren Aussage ist er absolut zuverlässig."
Anderson war etwa 1,85 groß, hellhäutig und hatte rotblondes Haar. Er sah für einen Heißsporn schon etwas zu alt aus, etwa 30, und machte einen selbstsicheren und überzeugenden Eindruck. Iggs erinnerte sich, was er noch über ihn wußte. Beim ersten Zusammentreffen mit Iggs hatte er sich als "Jochohn Andrsonn" vorgestellt, mit starkem skandinavischen Akzent. Im weiteren Gespräch war von diesem Akzent aber keine Spur mehr gewesen. Außerdem hatte Iggs ihn heimlich mit Sensoren scannen lassen. Andersons einzige Cyberware war die Riggerbuchse in seinem Hinterkopf, fast am Übergang zum Nacken. Ungewöhnlich war nur Andersons Jacke. In den weichen Stoff der Jacke waren viele, feine Fäden aus einer Silberlegierung eingeflochten. Vielleicht wollte sich Anderson damit vor Zappern, Werwölfen oder sonst etwas schützen. Oder er war einfach nur abergläubisch. Iggs wußte es nicht, und eigentlich interessierte es ihn auch nicht.
Emilia war ebenfalls Weiße, aber nur 1,65 groß. Mit ihrem altmodischen, dunkelblauen Kleid war sie vielleicht das Traummodell eines erzkonservativen Biedermeiers, aber in den Schatten wirkte sie völlig Fehl am Platz. Dennoch hatten Iggs' Quellen für ihr Können garantiert, ebenso wie sie das Ego-Problem bestätigten: Emilia hatte kaum Selbstvertrauen. Aber das sollte bei diesem Run kein Problem werden.
"Emilia, oder Emmy, wird für den heutigen Abend die zweite Magierin des Teams sein. Sie ist auf Heilzauber spezialisiert. Sie wird euch außerdem mit zusätzlichen Technischen Informationen aushelfen können. Auch wenn sie nicht danach aussieht, aber die Dame weiß, wie man einen Tresor knackt. Also hört ihr zu, wenn sie etwas sagt!"
"Zweiter Fahrer? Zweite Magierin? Und dazu Patt und Pattachon. Soll der Run etwa gegen zwei Ziele gleichzeitig gehen?", wollte Hexxer wissen. Patt nickte schon bevor Iggs antworten konnte.
"Ich kann Besserwisser nicht leiden!", fauchte Iggs in Richtung Patt und Pattachon. Mit geschäftlicher Stimme fuhr er fort: "Euer Auftrag wäre folgender..."
2
Das Runnerteam hatte sich auf dem kleinen Parkplatz hinter der Bar versammelt. Der TeufelsBus war hier geparkt. Wie sich heraus stellte, stand Johanns Wagen rein zufällig gleich daneben. Es war ein nachtschwarzer Sportwagen. (Auf den ersten Blick erinnerte er an einen Porsche 996/37, aber der Wagen war ein paar Zentimeter zu groß.) Interessanterweise hatte der Wagen neben einer Buchse für den Rigger auch ein konventionelles Cockpit.
Der Auftrag war relativ einfach und 20K EC pro Nase eine angemessene Bezahlung. Sie sollten der Firma InnovaTech Innovative Technik GmbH einen "Prototypen" und einige Forschungsdaten klauen. Normalerweise hatte InnovaTech nichts was irgendwie brand-aktuell war, trotz des vielversprechenden Firmennamens. Diesmal aber, so hieß es in den Schatten, sollten sie angeblich an einer bahnbrechenden Erfindung arbeiten. Und ihr Auftraggeber wollte diesen "Prototypen" und die zugehörigen Daten für sich einheimsen.
Wie Patt von anderen "Arbeiten" wußte, war die Sicherheit von IT geradezu lächerlich. Für die Gebäudesicherheit in ihrem Labor war ein kleinerer, unbedeutender Wachdienst zuständig. Die Cops hielten sich bei InnovaTech größtenteils zurück. IT war zwar keineswegs exterritorial, aber bei verschiedenen Gelegenheiten hatten sie gegen Polizeieinsätze geklagt, obwohl die Cops zu deren Schutz gekommen waren. Eine der Klagen war sogar erfolgreich gewesen! Und entsprechend motiviert zeigte sich das zuständige Polizeirevier. Das einzige ernst zu nehmende Hindernis war die große Stahlbetonmauer rund um das Gelände, die InnovaTech quasi vom Vorbesitzer geerbt hatte.
Das weitaus größere Problem waren die Forschungsdaten. InnovaTech besaß noch ein weiteres Gebäude, einen Wohnblock in einem besseren Teil Dachaus. Einer der Wissenschaftler hatte einen Teil der Daten mit nach Hause genommen, war aber vor zwei Tagen auf eine Geschäftsreise aufgebrochen. (Das behauptete zumindest Iggs. Tatsache war: der Forscher war seit zwei Tagen nicht mehr gesehen worden, wurde aber offiziell nicht vermißt).
Bei diesem Teil des Auftrags waren die Probleme etwas größer. Zum einen war die Computeranlage im Apartment 304 von der öffentlichen Matrix abgeriegelt. Und zum anderen war die Sicherheit in Dachau etwas besser, da InnovaTech wegen der guten Nachbarschaft nicht schlecht dastehen wollte.
Damit war die Aufteilung der Gruppe in zwei Teams eigentlich klar. Johann würde zum Apartmenthaus fahren, da sein Sportwagen dort weniger auffiel. Chip mußte ihn begleiten da sie die Daten aus dem Computer kopieren sollte. Der TeufelsBus würde beim Labor halten und Pattachon würde sich dort um die Mauer bzw. das Haupttor kümmern. Die anderen konnten sich verteilen, wie sie es für angemessen hielten.
Und so waren sich Little Joe, Hexer und Chip nicht einig darüber wie das aussehen sollte. Joe hatte in Johanns Wagen nicht genug Platz, er mußte also zum Labor fahren. Aber er wollte Hexxer dabei haben, da er eine gute magische Rückendeckung wollte und Emmys Fähigkeiten mißtraute. (Er war zwar kein Schnelldenker, aber Joe war auch nicht blöd.).
Hexxer andererseits wollte unbedingt bei Chip bleiben, um auf sie aufzupassen. Chip hingegen hatte eigentlich keine Probleme ohne Hexxer aufzubrechen, da ja Klingen-Karl sie dann beschützen würde. Aber diese Idee brachte Hexxer erst so richtig in Fahrt.
Während Joe, Hexxer und Chip noch diskutierten, war Anderson schon mal eingestiegen. Er schüttelte seinen linken Jackenärmel kurz und das Ende eines Glasfaserkabels fiel heraus. Mit diesem Kabel stöpselte er sich in die kleine Buchse am Lenkrad seines Wagens ein.
"Ja genau, die beiden hübschen Kleinen fahren bei mir mit. Und wer weiß, wenn mir der Run nicht gefällt, fahre ich eben einfach mit den beiden davon. Ich hätte dann zwar kein Geld, aber trotzdem meinen Spaß!"
Anderson grinste lüstern bei diesem Kommentar. Emmy war noch mehr eingeschüchtert als vorher, doch Chip wußte sich im Notfall ihrer Haut zu erwehren.
"Hexxer!", rief Klingen-Karl, "wir fahren beide bei Anderson mit."
Karl sah Anderson finster an: "Und wenn du deine Hände nicht bei dir behältst, oder noch mal irgend etwas gegen Chip sagst, dann werden wir den Run eben ohne dich durchziehen." Als ob man diese Worte noch mißverstehen konnte, schossen Karls Cybersporne aus seiner Hand hervor.
Anderson tat so, als wäre ihm die Lust gründlich vergangen. Doch in Wirklichkeit wollte Johann vor Freude jubeln. Na Bitte! Hätte mir noch gefehlt, daß dieses Mauerblümchen bei mir mitfährt. Und einen guten Samurai kriege ich auch gleich dazu.
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Team 1, bestehend aus Patt, Pattachon, Little Joe, Emmy Brendt und Straßenteufel, hatte schon nach kurzer Fahrt sein Ziel erreicht. Es war inzwischen dunkel geworden, was den Runnern natürlich sehr entgegen kam. Teufel hielt den Bus an, etwa 25 Meter vom Haupttor des InnovaTech Geländes entfernt. Pattachon hatte derweil seinen Waffenvorrat durchsucht, bis er die Ares SuperSquirt fand. Er wollte die Wachen mit einer ordentlichen Ladung aus DMSO und Gamma-Scopolamin flachlegen.
Das Haupttor war im Grunde nur eine Stahlplatte mit Rollen darunter. Wenn man das Tor öffnete, wurde es von einem kleinen Motor einfach zur Seite geschoben und verschwand so in der Wand. Neben dem Tor war außerdem eine kleine, leicht gepanzerte Kabine für den Pförtner. Vom Inneren der Kabine aus führte eine zweite, stark gesicherte Türe durch die Wand auf das Gelände. Die Kabine hatte zwar Funkkontakt zur restlichen Sicherheit, aber keinerlei Sichtkontakt. (Die Überwachungskamera hing lose vom Dach herunter.)
Nachts saß statt dem Pförtner ein Wachmann in der Kabine. Heute, in dieser lauen Sommernacht, hatte er sich aber vor die Kabine gestellt, um frische Luft zu tanken. Er hatte gesehen wie der Teufelsbus anhielt und blickte besorgt in die Richtung der Runner.
Mit einem plötzlichen Ruck öffnete Patt die seitliche Schiebetür des Wagens und Pattachon deckte den Wachmann mit seiner SuperSquirt ein. Noch bevor der bewußtlose Wachmann zu Boden gefallen war, waren Pattachon, Joe und Patt aus dem Bus gesprungen und sicherten die Stelle. Pattachon deute mit einem Nicken die Wand entlang. "Dort hinten habe ich eine geeignete Stelle gesehen." Emmy war die einzige, der das völlige Fehlen seines bayrischen Dialekts auffiel.
Patt und Joe rannten etwa 10 Meter an der Mauer entlang. Dann stellte sich Joe für eine "Räuberleiter" mit dem Rücken zur Wand. Patt nahm zwei Schritte Anlauf, Joe gab ihm noch etwas Schwung mit und schon flog er regelrecht über die Mauer. Bei seiner Landung war kein Laut zu hören, doch schon bald klapperte es leise auf der anderen Seite. Es klang so, als würden Metallgegenstände unvorsichtig zu Boden fallen.
Kurz darauf gab Patt über Funk sein OK.
Jetzt war wieder Pattachon an der Reihe. Er steckte eine kleine Menge seines Sprengstoffs in den Schließmechanismus des Tores. Noch ein kleiner Zünder darauf und Pattachon eilte in Deckung. "Drei. Zwei. Eins. Achtung!!" Eine dicke Rauchwolke stieg von den Resten des Schlosses auf. Die Druckwelle hatte sich in Grenzen gehalten und es waren keine Teile umhergeflogen. Jetzt warteten alle gespannt, ob sie durch den Lärm irgendwelches Aufsehen erregt hatten. Doch alles blieb ruhig.
Mit vereinten Kräften versuchten die drei Sammies das Tor zur Seite zu schieben. Es gab mit einem plötzlichen Ruck nach. Little Joe verlor das Gleichgewicht und stürzte, aber er wurde dabei nicht ernsthaft verletzt. Straßenteufel hatte die ganze Zeit in aller Seelenruhe abgewartet und fuhr den T-Bus nun auf das Gelände.
Emmy war auch im Auto sitzen geblieben. Weder "Aufsprengen eines Tores" noch "Ausschalten von mehreren Wachleuten" gehörten zu ihrem Spezialgebiet. Und durch das gewalttätige Auftreten ihrer Begleiter war sie zusätzlich gehemmt. Ziemlich brutal aber trotzdem ist es gut, daß ich die anderen dabei habe. Ohne die drei Messerklauen wäre ich in Hundert Jahren nicht ins Labor reingekommen...
3
Team 2 fuhr in Johanns Wagen auf der Landstraße in Richtung Dachau. Zwar hätte man auch vom alten Hauptbahnhof aus geradewegs hinfahren können, aber damit wäre man nur in den Megastau geraten, den die Münchner hoffnungsvoll "Straßenverkehr" nannten. So mußte man eben an der Westseite aus der Stadt raus, und würde von Norden her wieder zurückkommen.
Die Runner hatten sich doch noch friedlich auf die Sitzplätze verteilt: Anderson war natürlich der Fahrer, Klingen-Karl spielte den Beifahrer, Hexxer saß hinter ihm und Chip hinter Johann. Karl hatte Anderson die anzügliche Bemerkung vor der Abfahrt noch lange nicht vergeben und beäugte ihn immer wieder mißtrauisch.
Und während Chip wohl zum x. Male ihr Cyberdeck kontrollierte beschloß Hexxer Tarotkarten zu legen. Er hatte zwar eigentlich nicht genug Platz um die Karten richtig auszubreiten, aber es würde schon gehen. Schließlich war er ein Meister auf diesem Gebiet, oder glaubte das zumindest. Hexxer nahm seine Karten und begann sich zu konzentrieren. Zuerst mischte er gründlich, dann schloß er die Augen, murmelte "Das ist es..." und zog die oberste Karte. Hexxer drehte die Karte um, und ohne die Augen zu öffnen wußte er: Der König der Schwerter. Er hatte eine Vision dabei: Wie der König sein Schwert hob, um zu kämpfen, um seine gerechte Sache gegen alle Feinde zu verteidigen.
Jetzt murmelte Hexxer "Und das auch..." und zog die nächste Karte von Stapel, immer noch mit geschlossenen Augen. Wieder drehte er die Karte um, doch die Karte blieb leer. Hexxer riß verblüfft die Augen auf. Er blickte auf seine leere Hand: Er hatte gar keine Karte gezogen! Aber er hatte die Karte doch ganz deutlich in der Hand gespürt. Hexxer blickte verstört im Wagen umher, aber keiner seiner Freunde schien es zu bemerken. Da fällt sein Blick von hinten auf den Fahrer und ganz deutlich spürte er wie Anderson ihn anlächelte, und von allen Menschen auf der Welt lächelte Anderson nur ihn an. So als wolle Anderson sagen: Komm! Versuchs einfach nochmal...
Und das erkannte Hexxer, obwohl er Andersons Gesicht nicht sehen konnte.
Von jetzt an würde Hexxer den neuen Fahrer ganz genau im Auge behalten. Wer ist der Typ eigentlich?, überlegte er, Vor allem, als Rigger dürfte er beim Fahren doch nichts mitbekommen vom Rest der Welt. Speziell nichts was mit Magie zu tun hat. Er seufzte leise. Ich hoffe nur, die anderen haben keine Probleme. Irgendwie habe ich ein ganz mulmiges Gefühl...
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Little Joe und Emmy schlichen einen Flur hinunter. Team 1 hatte sich vorübergehend in zwei Gruppen getrennt, um leichter vorgehen zu können. Die anderen beiden waren im 1. Stock und drangen in das dortige Labor ein. Emmy und ihr Begleiter wollten den Tresor im 2. Stock ausräumen, wo die übrigen Unterlagen über den Prototypen lagerten. Sie näherten sich einer Abzweigung, hier würden sie abbiegen. Dritte Türe auf der linken Seite, dort war das Büro mit dem Safe. Joe wollte gleich um die Ecke stürmen, doch Emmy hielt ihn zurück: "Vo... Vorsicht"
Tatsächlich! Vor der Türe stand eine Wache. Aber laut den Plänen waren keine Wachen innerhalb des Gebäudes eingeteilt. Was wollte der Typ hier? Joe lehnte sein Ares M107 an die Wand und zog seine Predator II. Noch ehe Emmy einen Zauberspruch wirken, oder auch nur irgend etwas tun konnte, zielte Joe auf den unvorsichtigen Wachmann. Ein Schuß krachte und die Wache fiel zu Boden.
"he... Hey! Was sollte das? we... Wenn noch mehr von denen 'rumlaufen?" fragte Emmy fast ängstlich. Man sollte keine Anfänger mitnehmen, dachte Joe, besonders keine Weiber. Bringen nur Ärger, diese Biester. Er steckte die Predator wieder weg, und hob sein MG auf. Vorsichtig und fast geräuschlos ging Joe zur Leiche hinüber. Er untersuchte sie und war überrascht. Die Uniform des Wachmanns war komplett gepanzert. Wenn er nicht auf den Kopf geschossen hätte, wäre die Kugel wahrscheinlich wirkungslos abgeprallt. Aber keiner der Wächter im Aussenbereich des Gebäudes hatte eine solche Panzerung getragen. Angeblich hatte die Sicherheitsfirma solche Schutzkleidung gar nicht. "Wos zum Teifel isn da los?", fragte Joe.
Eine plötzliche Bewegung hinter ihm. Little Joe drehte sich um und Emmy tippte ihm sanft an die Stirn. "Et In Terra Pax!" Joe wurde schwarz vor Augen, und im Fallen hörte er eine gar nicht schüchterne Emmy: "Sorry, Chummer! Aber das war die falsche Frage..."
Emmy mußte sich beeilen, sie hatte jetzt nicht viel Zeit.
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Während dessen hatte Team 2 den Wohnblock erreicht. Der Plan sah vor, daß Klingen-Karl, Hexxer und Chip das Haus über den Hintereingang auf der Rückseite betreten und zum Zimmer 304 im 3. Stock vordringen. Der Vordereingang schied aus, weil dort mindestens zwei Bewaffnete standen. Wenn Team 1 im Labor Alarm auslösen sollte, konnten es sogar mehr werden. Anderson sollte die ganze Zeit im Wagen warten, falls eine schnelle Flucht notwendig wird.
Die drei stiegen aus und entfernten sich. Sie knackten ohne Probleme das Schloß des Notausgangs und betraten unbemerkt das Gebäude. Als die drei aus seinem Blickfeld verschwunden waren, wartete Johann noch ein paar Sekunden. Dann trennte er seine Verbindung zum Wagen und stieg aus. An die Arbeit! dachte Johann, und während er einige Streckübungen machte, prüfte er seine Ausrüstung. MagSchloß-Knacker, Dietrichset, Ersatzmuni: Alles da und komplett. Er überprüfte auch seine Waffen, eine umgebaute NarcoJect, die an seinen rechten Unterarm geschnallt war und für Notfälle hatte er eine Streetline Special, hinten im Hosenbund. Er zog ein zweites Funkgerät aus der Innentasche seiner Jacke und aktivierte es: "König an Basis. König an Basis. Ich gehe jetzt rein."
"Basis bestätigt: König greift an. Meldung von Königin. Alles ruhig, aber es gab ein Turmopfer."
"König bestätigt: Königin hatte Turmopfer. König geht auf Bereitschaft."
Mit diesen Worten drückte Johann einen weiteren Knopf des Funkgeräts und steckte es wieder in die Tasche. Das "Turmopfer" konnte noch Probleme bringen, aber vorerst war ihre Mission nicht gefährdet. Während seine neuen Freunde also über den Hintereingang eindrangen (und hoffentlich einige Wachen ablenkten), ging Johang zur Vorderseite des Hauses. Als er sich den Wachleuten bis auf etwa 10 Meter genähert hatte, bereite einer der beiden den CredStick-Leser und Retinascanner vor. Die Wachleute waren echte Profis und ließen Johann keine Sekunde aus den Augen. Doch Johann war besser: Er hob die rechte Hand, so als ob er seinen CredStick suchen würde. Als sein Arm ziemlich genau auf die Wachleute zeigte, schossen mit einem leisen ThumpThump! zwei NarcoJect-Pfeile aus seinem Jackenärmel. Überraschung, Freunde! dachte Johann mit einem deutlichen Lächeln. Beide Wachen fielen betäubt zu Boden. Aber jetzt mußte sich Johann beeilen, das leise Piepsen seines Funkgeräts hatte ihm gerade gesagt: T minus 15 Minuten.
4
Patt und Pattachon hatten weniger Probleme. Fast in Rekordzeit hatten sie das richtige Labor gefunden und aufgebrochen. Den Prototypen, eine merkwürdige Plastikbox mit verschiedenen Buchsen und Steckern daran, hatten sie eben so schnell eingesackt. Allerdings konnten sie ihre beiden Kollegen nicht mehr über Funk erreichen. So beschlossen sie nach ihnen zu suchen.
Sie versuchten mit ihren eigenen Funkgeräten die Geräte der anderen anzupeilen. Pattachon kannte da einige Tricks, wie man das macht, und anfangs klappte es sogar. Wenn man aber dem angepeilten Funkgerät zu nahe kam, war ab einem bestimmten Punkt keine genaue Peilung mehr möglich. Das Signal wurde dann einfach zu stark.
So standen sie jetzt kurz vor einer Abzweigung (Es war genau jene, an der Joe vorhin auf den Wachmann geschossen hatte) und wußten nicht in welche Richtung sie weitersuchen sollten. Sie entschieden sich, zuerst im Büro nachzusehen.
Die Tür des Büros war aufgebrochen und davor war eine Blutlache. Aber keine Erklärung, wo das Blut hergekommen war. Hinter sich hören sie ein verdächtiges Geräusch.
Pattachon wirbelt herum und pumpte zwei Dutzend Patronen in eine weitere Türe, ehe er seine Reflexe wieder unter Kontrolle bekommt. Patt war verärgert darüber. Pattachon hatte ihm versprochen, seinen Reflextrigger nachjustieren zu lassen. Aber dafür war es jetzt mal wieder zu spät.
Durch die durchlöcherte Tür klangen schon wieder Geräusche. Ein leises Stöhnen, als hätte jemand Schmerzen oder einen Alptraum. Patt spürte ein Kribbeln, und seine Nackenhaare stellten sich auf. Magie! Je näher und stärker ein Zauber war, desto heftiger wurde das Kribbeln. Und seinem Gefühl nach, war verdammt viel Magie hinter der Tür. Dennoch öffnete er die Tür, diesmal ganz normal, mit der Klinke. Dahinter lag ein kleiner Raum in dem die Putzfrau ihre Putzmittel, Lappen und Staubsauger abstellte. Etwa einen halben Meter hinter der Tür war eine Wand aus schimmernder Energie. In ihr steckte ein Großteil der Kugeln und einige Holzsplitter.
Hinter der Barriere lag der bewußtlose Little Joe und ein offensichtlich toter Wachmann. Patt konzentrierte sich und wollte sich einen Weg durch die Wand bahnen. Doch als er sie berührte, verschwand das Hindernis einfach. Die Kugeln vielen scheppernd zu Boden. Auch Little Joe, der sich bislang unruhig herumgewälzt hatte, kam wieder zu sich.
Anfangs war er noch etwas benommen, doch schon bald konnte er seinen Freunden berichten, was vorgefallen war. Zumindest soweit er wach gewesen war. Überrascht bemerkte er, daß seine Waffen und sonstige Ausrüstung noch vollzählig waren und ihn obendrein jemand geheilt hatte. Joe hatte sich beim Öffnen des Haupttores eine leichte Prellung und ein paar Aufschürfungen zugezogen, aber die Verletzungen waren verschwunden.
Den toten Wachmann ließen sie liegen, wo sie ihn gefunden hatten.
Zu Dritt sahen sie sich im aufgebrochenen Büro um. Irgend jemand, vermutlich Brendt, hatte scheinbar ganze Arbeit geleistet. Die Schubladen und Aktenschränke waren durchwühlt, der Inhalt auf dem Boden verstreut. Der Safe stand offen, und einzelne Blätter lagen davor.
Die Runner waren sich sicher, daß ihr Auftrag die Klospülung runter war. Trotzdem sah Patt sich die restlichen Unterlagen im, und um den Safe herum genau an. Tatsächlich! Alle Unterlagen über den Prototypen waren noch da!
Nur warum? Hatte Emmy Brendt etwas ganz anderes gesucht? Oder hatte sie die Gelegenheit genutzt um die Papiere gegen Fälschungen auszutauschen?...
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Nachdem die Wachen am Vordereingang versorgt waren, zog Johann den MagSchloß-Knacker aus seiner Jacke. Sekunden später hatte er das Schloß an der Haustür geöffnet. Johann bog gleich links ab und ging zum Treppenhaus. Das Treppenhaus war, wie erwartet, verlassen, und er stieg die Stufen zum ersten Stock hinauf. Dort angekommen, griff er an den Saum seines linken Hosenbeines und öffnete eine kleine Naht. Zeit, die Knallfrösche herzurichten! Johann zog die zwei Streifen Platzpatronen aus seinem Hosenbein. Knallfrösche waren spezielle Patronen, die mit einem Fernzünder versehen waren und bei Übungseinsätzen gegnerisches Feuer simulieren sollten. Diese Streifen hier waren beide etwa 50 cm lang, Typ MP.
Johann deponierte die Streifen auf seinem Weg in den zweiten Stock. Einer plötzlich Eingebung folgend drehte er am Ende des ersten Streifens ein, zwei echte Patronen aus seiner Ersatzmuni hinein. Beim zweiten Streifen veränderte er die Zündschnur, damit die Streifen nicht gleichzeitig losgehen. Im 2. Stock verließ er das Treppenhaus und ging den Flur hinunter, zum Fenster. Er öffnete das Fenster und klettere hinaus. Vor dem Fenster befand sich eine Art Balkon und eine Feuerleiter, welche die Stockwerke miteinander verband. Die Feuerleiter ging allerdings nur bis zum 1.Stock hinunter, damit niemand über die Leiter einbrechen konnte. Aber für Johanns Absichten genügte das.
Im 1. Stock benutzte Johann sein Dietrichset um das dortige Fenster geräuschlos von außen zu knacken. Er öffnete das Fenster noch nicht, denn auf dem Flur vor ihm standen noch zwei Wächter. Erneut piepste leise sein Funkgerät: T minus 10 Minuten. Johann hoffte, daß er nicht all zulange warten mußte. Gleich werden die Anderen Alarm auslösen. Sein Warten wurde kurze Zeit später belohnt. Ein kurzes Doppelpiepsen seines Funkgeräts: Achtung! Alarmanlage! Jetzt zündete er über sein Funkgerät die Knallfrösche.
Die Wachen auf dem Gang waren ziemlich gut. Aber bei einem Alarm auf seinem Posten zu bleiben, ist eine Sache. Eine ganz andere Sache ist es, ruhig zu bleiben, wenn nur 15 Meter entfernt eine Schießerei im Gange ist.
Beide Wachen drehten sich von Johann weg und liefen in Richtung Treppenhaus. Einer der beiden öffnete die Tür und in jenem Moment Pfiff eine Kugel über seinen Kopf hinweg. Beide Wachen sprangen in Deckung, doch die Schießerei im Treppenhaus schien schon vorbei zu sein. Der erste Wachmann gab seinem Partner ein Zeichen und öffnete die Tür erneut, wesentlich vorsichtiger diesmal. Alles blieb ruhig. Der Wachmann zeigte an, er werde jetzt rein gehen und sein Partner soll ihm den Rücken decken.
Johann hatte zwischenzeitlich das Fenster geöffnet und war hereingeklettert. Als der erste Wächter im Treppenhaus verschwand schoß Johann zweimal mit seiner NarcoJect. ThumpThump! Die zweite Wache sank zu Boden. Johann lief blitzschnell zur Wache hinüber und legt sie so gegen die Tür, daß der erste Wächter im Treppenhaus eingeschlossen war. Außerdem zog er die beiden Pfeile aus dem Bewußtlosen, um keine unnötigen Spuren zu hinterlassen. Da Johanns neue Freunde den Aufzug abgeschaltet hatten, war er fürs erste ungestört. - Solange die Wache nicht an die Feuerleiter dachte.
Johann machte sich darüber aber keine langen Gedanken. Mit seinem MagSchloß-Knacker öffnete er die Tür zu Apartment 127, jene Tür, vor der die beiden Wachen gestanden hatten. Er betrat das dunkle Apartment und sah sich ein bißchen um. Der InnovaTech-Geschäftsführer schlief fest, aber Johann gab ihm zur Sicherheit noch einen Schuß aus der NarcoJect.. Auch diesen Pfeil steckte Johann wieder ein.
Johann ging zum Hauptanschluß im Wohnraum des Apartments hinüber. Eine Kontrollampe neben der kombinierten Telefon/VidKom/Computer-Buchse bestätigte seine Annahme: Das lokale System des Zimmers war von der öffentlichen Matrix komplett getrennt. InnovaTech weiß eben, das ihre Sicherheit miserabel ist. Johann ließ erneut das Kabel aus seinem linken Ärmel fallen und stöpselte sich ein.
Schwärze. Ich hasse diesen Moment, bis mein Deck richtig läuft, aber es muß eben sein...
Nur weil ich meinen Wagen über die Datenbuchse steuere, glauben die Leute ich wäre ein Rigger. Doch in Wahrheit manipuliere ich nur den Autopiloten, den ich zusammen mit einer echten Riggerin selbst geschrieben habe. Das Programm läßt mir relativ viel Freiraum und macht sich wenig Sorgen über die Verkehrsregeln...
Andere wiederum halten mich für otaku. Doch in Wahrheit übersehen sie nur, daß ich fast immer meine "Cyberjacke" trage. Und was meine Fähigkeiten als Decker betrifft: Ich bin zwar recht gut beim Improvisieren von neuen Programmteilen, aber einem echten Matrixkampf auf Leben und Tod gehe ich lieber aus dem Weg...
Und dann geschehen seltsame Dinge in meiner Nähe und schon glauben alle, ich wäre Magier oder so. Hey! Ich habe die verschiedensten Tests gemacht, alle negativ! Die seltsamen Effekte kommen wohl eher von den Zaubersprüchen, die mein geliebtes Weib fest an mir verankert hat...
Irgendwie muß ich bei dem Gedanken lächeln. Meine wahren Fähigkeiten liegen in einem ganz anderen Bereich. Nur bezweifle ich, daß das so schnell jemand bemerkt...
Ah! Mein Cyberdeck ist inzwischen auch fertig. Das Deck hat insgesamt vier komplette Chipsätze mit jeweils völlig verschiedenem Persona-Programm. Ich kann zwar auch damit meine Persona nicht einfach so wechseln, aber ein spezielles Steuerprogramm erlaubt mir beim Einschalten des Decks festzulegen, welchen Chipsatz ich diesmal benutzen will. Nur dauert das Erkennen und Prüfen der zusätzlichen Chips eben länger als bei einem normalen Deck.
Mein heutiges Icon sieht aus wie ein Cyborg. Das heißt, es sieht so aus, wie man sich Ende des vorigen Jahrhunderts einen Cyborg vorgestellt hat. Mein rechter Unterarm, beide Beine und meine linke Gesichthälte sind aus matt-schwarzen Metall. Der Rest ist organisch. Und aus meiner unnatürlich bleichen Haut stehen Schläuche und Kabel hervor, die an anderen Stellen wieder unter der Haut oder in den Implantaten verschwinden. Das Icon stammt aus einer Science-fiction Serie, die damals sehr beliebt war. Bork oder Brog oder so ähnlich hatte man diese Bösewichte genannt. Widerstand ist irrelevant! Sie werden assembliert! Irgendwie macht es mir Spaß, so herum zu laufen.
Ich sollte mich besser auf meine Arbeit konzentrieren. Ich habe leider die Tendenz mich in Nebensächlichkeiten zu verlieren und vor mich hinzuträumen. Manchmal eröffnet das zwar völlig neue Perspektiven, meistens aber ist es einfach nur ungesund. Besonders für jemanden in meiner Position.
Das System entspricht haargenau dem UMS-Standard. Das einzige Highlight ist wohl mein Icon. Hinter mir ist ein großes, weißes Dreieck: Die Zugangsbuchse. Rechts von mir befindet sich ein weiteres Dreieck, ein matt-graues: die abgeschaltete Verbindung zur Matrix. Ich wende mich also nach links und folge der Leitung.
Auf dem Weg zur nächsten SPU begegnen mir vereinzelte Datenpakete. Sie müssen Teil der Systemautomatik sein - Sicherungskopien, Autodiagnose und der gleichen - denn außer mir ist sonst keiner da. Ich untersuche einige der Pakete mit dem Analyse-Utility in meinem linken Bork-Auge. So finde ich den Weg zu den Datenspeichern des Systems.
Schon bald stehe ich in einer Art Raum. Vor mir sind einige Dutzend Würfel, die alle schwach rötlich leuchten. Die gesuchten Datenspeicher. Erneut setze ich mein Analyse-Utility ein. Bald habe ich gefunden, was ich suche: Jahrhunderte alte Aufzeichnungen, die erst kürzlich in das System kopiert wurden. Eigentlich sind die Tagebücher eines antiken Königs nicht gerade das, was man in einem Computerspeicher sucht.
Aber mein Bork-Auge sagt auch, daß die Daten von schwerem Wirbel-ICE geschützt sind. Ich beende das Analyse-Programm und lade ein anderes Utility für mein Bork-Auge. Das Auge verwandelt sich in einen starken Laserstrahl/Schweißbrenner.
Es hat mich ziemlich viel Aufwand gekostet in mein Icon und meine Utilities eine einheitliche Schnittstelle einzubauen. Aber so kann ich viele meiner Programme fest mit meiner Persona verbinden. Wenn ich es will. Sonst werden die Utilities als "extern" geladen, wie bei einer ganz normalen Persona auch. Mein künstlicher Arm, zum Beispiel, ist ein exzellentes Angriffsprogramm. Auch wenn ich es heute wohl nicht brauchen werde.
Zurück zu meiner Aufgabe. Mit dem Laser brenne ich vorsichtig das Wirbel-ICE von der Oberfläche des Datenwürfels. Kein Alarm - Kein Problem. Ich kopiere den Inhalt des Würfels in den Speicher meines Decks. Ich überprüfe den Kopiervorgang mit einem entsprechenden Programm. Wäre ja auch zu blöd, wenn sich beim Kopieren ein Datenfehler einschleichen würde.
Jetzt muß ich nur noch das Original vernichten.
Ja, mir ist klar, daß von diesem System regelmäßig Sicherungskopien gezogen werden. Aber selbst fähige Experten brauchen Stunden um bei einem kompletten Datenverlust das System neu aufzubauen. Bei InnovaTech dürfte es wohl eher Tage dauern.
Ich lade ein weiteres Programm. In meiner linken Hand erscheint ein kleiner, zylindrischer Behälter: etwa 20 cm Durchmesser, 30 cm lang. Oben und Unten besteht der Behälter aus einer Kappe aus Kunststoff, verbunden durch vier lange Stifte. Die großen Öffnungen des Behälters sind mit einem schimmernden Energiefeld verschlossen. An der oberen Kappe ist eine Art Schaltuhr eingebaut. Ich stelle die Uhr auf fünf Sekunden und drücke START.
Der Behälter ist ein weiteres Zubehör aus der Science-fiction Serie, sein Inhalt aber ist neu: Ein Virus in Form kleiner Motten.
Ich bin stolz auf das Virus.
Das Virus greift wahllos Datenspeicher und Programme an und beginnt hübsche Muster der Zerstörung zu hinterlassen. Dabei ist das Virus schnell. In ein bis zwei Minuten sind 98% aller Datenspeicher infiziert und in etwa 5 Minuten ist fast nichts mehr zu retten.
Als zusätzlichen Bonus hat dieses Virus keinerlei Signatur. Dadurch werden zwar einige Datenspeicher mehrfach infiziert, aber das stört nicht. Aber da es keine Signatur gibt, gibt es auch nichts was man irgendwie zurückverfolgen könnte. Mehr noch, wenn in einer halben Stunde alle Daten restlos vernichtet sind, werden sich die Viren gegenseitig infizieren und in etwa 2 Stunden wird das System zu 100% leer sein.
Bei einer Sekunde auf der Uhr verlasse eilig ich das System.
Gerade als Johann sich ausgestöpselt hatte, tönte plötzlich Hexxers Stimme aus dem Funkgerät, dem anderen Funkgerät: "Anderson!? Laß schon mal den Wagen an! Wir sind in 3 bis 4 Minuten unten! Karl ist schwer verletzt und wir haben Verfolger!"
Aus reinem Reflex prüfte Johann das Display seines zweiten Funkgeräts: T minus 5 Minuten 52. Dann deaktivierte er es: Seine Zeit war bereits abgelaufen...
5
Emmy lehnte mit dem Rücken an der Wand und atmete schwer. Fast wäre sie umgefallen, aber sie konnte sich gerade so halten. Verdammter Entzug! So stark war der Zauber doch auch wieder nicht!
Zuvor war Emmy in das Büro im zweiten Stock eingedrungen. Sie hatte mit einem kräftigen Tritt gegen das Schloß die Türe geöffnet. Anschließend hatte sie ihren Verbündeten gerufen, damit er den Safe für sie knackt. Emmy hatte derweil die Schubladen des Schreibtisches und die Aktenschränke durchwühlt. Wie erwartet hatte sie nichts Verwertbares gefunden. Als der Safe offen war, nahm sie etwa zwei Drittel des Inhalts heraus, achtet aber darauf, für die anderen noch genug übrig zu lassen. Sie hatte das Zeug ihrem Geist gegeben und ihm befohlen, er solle in ihr Versteck zurückkehren.
Danach war sie zurück auf den Flur geeilt und hatte sich um die betäubte Messerklaue und den Wachmann gekümmert. Sie war dem Flur weiter gefolgt bis zum Aufzugsschacht und hatte Glück: Der Aufzug war im zweiten Stock und die Tür war offen gewesen, als das Team den Aufzug lahmgelegt hatte. Schnell öffnete sie eine Wartungsluke im Boden und ließ sich vorsichtig in den Schacht hinunter.
Etwa ein, zwei Meter legte sie im freien Fall zurück, danach wirkte ihr Levitationszauber, und sie schwebte sanft bis zum Keller hinunter. Die Aufzugstür im Keller stellte zunächst ein Problem da, aber eine magische Druckwelle löste die Schwierigkeiten schnell und dauerhaft. (Emilia Brendt hatte sich zwar vor einiger Zeit auf Heilzauber spezialisiert, aber als hochstufige Initiatin hatte sie inzwischen noch eine Menge mehr gelernt.)
Emmy ging exakt 5 Schritte vorwärts und bog dann scharf nach rechts ab. An dieser Stelle befand sich ein geheimer Seitengang. Ohne zu zögern ging sie quer durch die Wand und durchbrach damit die Illusion, die den Gang tarnte.
Emmy hielt an. Vor ihr lag die nächste Schwierigkeit: eine magische Barriere. Sie wechselte in den Astralraum und untersuchte das Hindernis. Nach kurzer Zeit hatte sie eine Schwachstelle entdeckt und begann die Barriere mit ihrer Magie zu bearbeiten. Sie erzeugte ein Loch, durch das sie hineinschlüpfen würde. Das selbe Loch würde sie auch wieder herauslassen, sich dann aber hinter ihr von selbst schließen.
Als nächstes hatte Emyy sich um den Tresor gekümmert. Sie konnte wegen der Barriere ihren Verbündeten nicht rufen und so mußte sie es selbst machen. Sie hatte auch schon eine Idee. Sie kannte einen Zauber, mit dem man Gegenstände kurzzeitig beleben konnte. Dadurch würden aus den Leitungen des elektrischen Schlosses Nerven und aus den Stahlwänden Muskeln. Allerdings wird das dafür nötige Mana komplett dem Magier entzogen.
Jetzt stand Emmy hier und erholte sich von den Folgen eben jenes Zaubers.
Emmy zog eine große Gänsefeder hervor. Sie brauchte die Feder normalerweise für einige spezielle Zauber, aber diesmal hatte sie etwas anders vor.
Normalerweise war einem belebten Gegenstand nur schwer beizukommen. Sie hatten keine Intelligenz oder der gleichen, aber sie hatten für die Wirkungsdauer des Zaubers eine sehr schnelle Regeneration und waren so praktisch immun gegen Magie, Gifte, Säuren oder normale Waffen. Genau das war der eigentliche Sinn dieses Zaubers: einen unzerstörbaren Gegenstand zu schaffen, wenn auch nur für kurze Zeit. Doch Emmy kannte einen entscheidenden Schwachpunkt.
Die dicken Stahlwände des Tresors waren jetzt Muskeln, extrem kräftige Muskeln. Wenn diese Muskeln sich verkrampften, würden sich der Tresor quasi selbst zerreißen. Und Emmy hatte vor, die Nerven des Tresors kräftig zu kitzeln...
Schon nach wenigen Minuten war ein scharfer Knall und anschließend ein Geräusch zu hören, als würde jemand ein Dutzend alter Telefonbücher gleichzeitig zerreißen. Emmy mußte sich abwenden um ihre Übelkeit zu bekämpfen. Drek! Eigentlich bin ich Heilerin!, dachte sie traurig.
Schnell hatte sie sich wieder unter Kontrolle. Aus verschiedenen Taschen und Falten ihres Kleides holte sie 6 identisch Plastikquadrate sowie einen kleinen Clip hervor. Jedes Quadrat war etwa 25x25 cm groß und hatte an den Rändern kleine Häkchen zum Zusammensetzen. Sie baute aus fünf Teilen einen kleinen, offenen Würfel. An einer der Seitenwände befestigte sie zusätzlich den Clip. Jetzt stülpte sie eine der Taschen ihres Kleides um und begann die Nähte aufzutrennen. Diese besondere Tasche war aus zwei weichen Samtstücken gefertigt. Mit einem der beiden Stücke polsterte sie den Würfel aus, das andere legte sie vorerst bei Seite.
Sie konzentrierte sich ein weiteres Mal auf ihre Magie. Mit unsichtbaren Fingern levitierte sie den einzigen Gegenstand des Tresors in den Würfel. Anschließend steckte sie das zweite Stück Samt dazu, sorgsam darauf bedacht, den Gegenstand nicht mit ihrer Hand zu berühren.
Deckel drauf und fertig! Emmy klipste sich den verschlossenen Würfel an den Gürtel ihres Kleides und dachte kurz nach. Eigentlich hätte ich nur kurz verschwinden sollen und wäre anschließend mit den anderen wieder zurückgefahren. Aber nachdem Zwischenfall mit Little Joe kann ich das wohl vergessen.
Aber es gab noch eine andere Möglichkeit. Emmy war die einzige Person in Team 1, die in den Astralraum sehen konnte. Sie würde sich einfach unsichtbar machen und zum Bus gehen. Da keiner sie sehen oder sonstwie aufspüren konnte, würde sie einfach als blinder Passagier mitreisen. Nur bei diesem Elf, Patt, würde sie aufpassen müssen.
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Hexxer war mit Chip und Karl problemlos in das Haus eingedrungen. Sie gingen vorsichtig zu den Aufzügen hinüber, wobei sie den Vordereingang mißtrauisch im Auge behielten. Aber niemand schien ihre Anwesenheit zu bemerken.
Chip stöpselte sich in die Aufzugssteuerung ein, und zusammen fuhren sie in die 3. Etage. Dort angekommen schaltete Chip den Aufzug ganz ab. Wenn nichts ungewöhnliches passierte, würde Chip sie damit wieder runter bringen. Sonst wurde es eben Zeit für "Plan B".
Auf dem Flur im 3. Stock war ein Wachmann unterwegs. Chip hatte sie bereits vorgewarnt. Eigentlich sollte der Wachmann hier seine Runden drehen, aber er hatte sich ganz faul hingesetzt und war mit anderen Dingen beschäftigt.
Hexxer würde dafür sorgen, daß es auch so blieb. Und daß der Wächter schon ein paarmal in seinen Flachmann geblickt hatte, half zusätzlich.
Hexxer versteckte sich hinter einer Ecke des Ganges, so daß er den Wachmann sehen konnte, aber nicht umgekehrt. Er verdrehte seine Finger auf seltsame Weise und flüsterte dabei: "Du wirst müde... ganz müüde..."
Der Wachmann gähnte.
Hexxer stieß plötzlich mit seinem Zeigefinger vor und befahl leise: "Schlaf' ein!"
Der Wachmann sackte vorn über und begann laut zu schnarchen...
Karl und Hexer hoben den Wachmann vorsichtig an und trugen ihn zum Treppenhaus. Dort legten sie ihn als "kleines Hindernis" vor die Tür, falls irgendwer die Treppe herauf kommen sollte.
Ohne weitere Zwischenfälle fanden sie die Tür von Apartment 304 und brachen sie auf. Sie sahen sich um, fanden aber nichts besonderes. Es sah genau so aus, wie man es erwartet, wenn der Bewohner für ein paar Tage verreist ist.
Chip hatte sich inzwischen an den Computer gesetzt und sich eingestöpselt. Hexxer war dabei immer ein bißchen unwohl, da er ihr in der Matrix nicht helfen konnte. So wanderte er unruhig im Zimmer umher, auf der Suche nach irgend etwas verdächtigem.
Klingen-Karl hatte sich auf einen Stuhl neben Chip gesetzt. Auch wenn Hexxer es nicht wahrhaben wollte, er kannte sich besser mit den Anzeichen eines gegrillten Deckers aus. Und Karl hatte die nötigen Reflexe um Chip schnell genug auszustöpseln.
Doch es gab keinerlei Probleme.
Als Chip fertig war und sich ausstöpselte, fiel ihr Blick zufällig auf die gegenüberliegende Wand. Eine kleine silberne Scheibe, etwa 3cm Durchmesser, hing dort. Irgendwie sah die Metallscheibe seltsam aus, so als würde sie nicht hierher gehören. Von der Scheibe führten zwei dünne Drähte zu einer kleinen Abdeckplatte neben der Tür. Noch merkwürdiger war, daß die Drähte auf und nicht in der Wand verlegt waren. Ihrer plötzlichen Neugier folgend riß Chip die Scheibe ab und steckte sie ein.
Jetzt wurde es Zeit zu gehen. Doch als die Runner wieder draußen auf dem Flur waren, kam ihnen ein Vierer-Team Wachleute entgegen. Die Wachleute waren weit weniger überrascht und hoben ihre Waffen. Irgendwo, irgendwann mußten die Runner einen stillen Alarm ausgelöst haben.
Die Konzernwachen eröffneten mit ihren Sturmgewehren das Feuer. Chip und Hexxer konnten gerade noch in Deckung springen, aber Karl wurde von einer Salve mitten in die Brust getroffen. Er stolperte ein paar Schritte zurück, gegen die Wand und brach zusammen.
Als der Kugelhagel nachließ, streckte Hexxer vorsichtig den Kopf heraus. Doch schon pfiff eine weitere Salve über ihn hinweg. Und zu allem Überfluß näherten sich die Wachen langsam seiner Position.
Hexer holte einen Spiegel aus seiner Jacke. Vorsichtig und hielt er ihn hoch, damit er die Wachleute besser beobachten konnte. Einer der Wächter war unvorsichtig. Er hielt zwar sein Gewehr stur auf die Deckung der Runner gerichtet, stand dabei aber selbst voll im Blickfeld des Magiers. Auf den hatte Hexxer es abgesehen.
Er schleuderte mit aller Kraft einen Feuerball, und die Wache löste sich in der flammenden Kugel auf. Die übrigen sprangen in Deckung.
Chip und Hexxer nutzten diesen Moment. Hexxer hatte jetzt nicht die Zeit Karl näher zu untersuchen, denn Flüchten war jetzt wichtiger. So schnappten sie sich den bewußtlosen Runner und rannten in Richtung Fenster. Die Feuertreppe an der Außenseite war für diesen "Plan B" vorgesehen. Jeder von ihnen hatte ein Seil dabei, etwa einen Meter lang, mit einem Enterhaken. Nicht genug um irgendwo einzusteigen, aber lang genug um sich vom 1. Stock aus abzuseilen. Zumindest so einigermaßen.
Kurz bevor sie das Fenster erreichten, legte Hexxer eine kurze Verschnaufpause ein um Anderson zu warnen. Daß ihr Fahrer seltsam irritiert klang, merkte er nicht. Sie hechteten schon auf die Treppe hinaus. Unter ihnen erklangen ebenfalls Geräusche und so hielten sie kurz inne. Sie konnten aber nichts erkennen, und die Wachleute waren ihnen jetzt wieder dicht auf den Fersen. Sie mußten weiter!
Sie eilten die Leitern hinunter. Im 2. Stock wäre ihnen Karl um ein Haar ausgekommen und abgestürzt, aber sie konnten ihn gerade noch halten. Sie rannten weiter.
Endlich kamen sie unten am Wagen an, der bereits auf sie wartete. Beim Losfahren aber legte Anderson den Gang von Hand ein. Doch in der Eile bemerkt keiner seiner Begleiter diesen Fehlgriff. Und wenige Sekunden später war Johann wieder richtig eingestöpselt.
Glücklicherweise wurde ihr Wagen nicht weiter verfolgt. Anderson wäre das ziemlich egal gewesen, er hätte sich sogar über eine Verfolgungsjagd gefreut. Johann aber wäre ein Kampf unangenehm gewesen. Zwar machte er die schwere Minigun scharf, die hinten auf einem Hardpoint unter dem Kofferraum saß, aber es war ihm lieber wenn die Runner nichts von der Waffe mitbekamen.
Einige Zeit später kam auch Klingen-Karl wieder zu sich. Wie sich herausgestellt hatte, war er nur leicht verletzt worden. Der Aufprall der Kugeln auf seiner kugelsicheren Jacke hatte ihn ein paar Schritte zurückgeworfen. Dabei hatte er sich den Kopf gestoßen und war bewußtlos geworden. Ein, zwei Kugeln waren dabei als Streifschüsse durch dünnere Stellen seiner Schutzkleidung gedrungen. Und durch das Blut hatte alles viel dramatischer ausgesehen, als es war...
6
Patt fühlte sich unwohl. Er war mit dem Rest von Team 1 am vorher vereinbarten Treffpunkt eingetroffen. Team 2 mußte auch bald zurück sein und danach würden alle zusammen zu den Schienen fahren, den Schieber treffen. Das war aber nicht der Grund für Patts Unbehagen. Während der Fahrt vom Labor zum Treffpunkt hatten sich mehrmals seine Nackenhaare aufgestellt, so als wäre starke Magie in der Nähe. Beim ersten Mal hatte er Pattachon noch ein Zeichen gegeben, aber es war nichts ungewöhnliches passiert.
Und dann war da noch die Sache mit dieser Emmy Brendt. Seit sie Little Joe schlafen geschickt hatte, hatten sie nichts mehr von ihr gesehen oder gehört. Sie hatten sogar versucht ihr Funkgerät anzupeilen, aber entweder hatte Brendt es zerstört oder sonst wie zum Schweigen gebracht.
Und warum hatte Brendt die Unterlagen liegengelassen? Es war alles so seltsam, der ganze Run so unwirklich...
Kurz darauf wurde Patt aus seinen Überlegungen gerissen: Team 2 war vom Wohnblock zurück. Chip, Hexxer und Klingen-Karl waren heil, aber seltsam bedrückt. Nur dieser Anderson schien sich zu freuen. Patts Freunde stiegen aus. Doch als auch Anderson aussteigen wollte hielt Hexxer ihn auf. Er solle doch vorläufig im Wagen warten, hieß es und Anderson nahm die Provokation gelassen hin.
Hexxer, Karl und Chip kamen herüber. Schnell wurde klar, was den Dreien solche Sorgen bereitete: Sie trauten Anderson nicht weiter als sie ihn sehen konnten. Karl war bei der Hinfahrt aufgefallen, das Johann scheinbar volle Kontrolle über seine Wetware hatte, obwohl er eingestöpselt war. Patt erzählte ihnen daraufhin, was bei seinem Team vorgefallen ist. Chip und die anderen konnten es kaum glauben, daß Team 1 dennoch erfolgreich gewesen ist.
Irgendwie stank der ganze Run zum Himmel.
Patt hatte noch eine Idee und rief Anderson herüber.
"Was ist denn jetzt schon wieder?" Anderson wollte nicht aussteigen.
"Wir wollen mit dir reden. Einfach nur so. Keine Angst, wir tun dir nichts."
Jetzt stieg Anderson doch aus seinem Wagen. Anderson war ein wenig ängstlich, doch Johann machte sich keine Sorgen. Er hatte noch genug Pfeile in seiner NarcoJect und er wußte, daß er schneller war als die anderen.
"Nachdem sich diese Brendt aus dem Staub gemacht hat, haben wir alle in unserem Bus Platz. Du kannst also allein zur Bar fahren." Das war kein Vorschlag, sondern eine Feststellung.
"Und was soll das? Traut ihr mir etwa nicht?", fragte Anderson ganz offen.
Patt entgegnete: "Nimm's nicht persönlich, Chummer. Aber nachdem was meinem Team heute passiert ist, wollen wir vorerst unter uns bleiben."
Anderson stimmte nach dieser Erklärung mißmutig zu.
Während dieses kurzen aber unfreundlichen Gesprächs hatte sich die Beifahrertür von Johanns Wagen geöffnet und, wie von Geisterhand, auch wieder geschlossen. Einer der vielen Sensoren des Wagens hatte den Vorfall gemeldet, doch Johann sagte den Runnern nichts...
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Chip stieg aus dem Kleinbus aus. Sie waren inzwischen vor den Schienen angekommen und die anderen Runner warteten schon auf Chip. Sie hatte auf der Fahrt ihr Deck eingeschaltet - "kurz was nachschaun", wie sie gesagt hatte. Jetzt standen alle vor dem Eingang, denn Anderson war noch nicht aufgetaucht.
Teufel erklärte ihr: "Er war die ganze Zeit direkt hinter uns. Ein paar Ampeln vorher hatte sich dann ein roter Lieferwagen zwischen uns gedrängt. Ich wollte zuerst langsamer fahren, damit Anderson wieder aufholen kann. Und ich hab' gesehen, wie Anderson versucht hat den Roten zu überholen. Er ist aber nicht vorbei gekommen. Aber er war trotzdem die ganze Zeit noch da, und weil wir schon kurz vor den Schienen waren, habe ich's bleiben lassen. Als ich dann einen Parkplatz gesucht habe, hab' ich ihn nur ein paar Sekunden aus den Augen gelassen. Und da war er weg. Einfach verschwunden. Wie unsichtbar."
Chip nickte bedächtig. "Ich habe auch Neuigkeiten", sagte sie düster. "Ich glaube, wir sind komplett verarscht worden. Ich weiß nur nicht warum und von wem."
Sie hob die dünne Scheibe aus dem Apartment hoch. "Das Ding hier is ein kombinierter Wärme-Schweiß-Sensor. Er reagiert auf Körperwärme von ca. 37 Grad und die Ausdünstung von Schweiß. Is also der ideale Personendetektor. Es gibt nur zwei Probleme damit:
Zum einen: das Ding is MilSpec. Also, auf normalen Wege nicht zu bekommn. Selbst dieser drittklassige Wachdienst, den InnovaTech bschäftigt, kommt an sowas nicht ran.
Zum andern: selbst wenn der Wachdienst so einen Sensor hätt: Laut deren Unterlagen is in letzter Zeit keine Änderung an der Alarmanlage in Zimmer 304 gmacht wordn. Wenn der Sensor aber vorher schon da war, hätt er praktisch ständig Alarm ausglöst."
"Wos wuistn daamid song?", wollte Joe wissen.
Hexxer hatte bereits verstanden: "Also haben andere, eine dritte Partei, in den letzten zwei Tagen den Sensor installiert. Jemand wollte, daß wir den Alarm auslösen, und wollte dabei ganz sicher gehen. Nur wer und warum?"
"Das ist eine gute Frage", meinte Karl grimmig, "Am Besten gehen wir rein und fragen unseren guten Kumpel Ignaz"
"Und was ist mit Anderson?", warf Straßenteufel ein, "Obwohl, ich glaub langsam, daß wir den nicht wiedersehen werden."
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Ignaz von Kunibert war ziemlich nervös. Eigentlich waren Hexxer und die anderen ja gute Kumpel von ihm, aber im Moment sahen sie nicht gerade freundlich aus. Und sie suchten nach ihm. Aber irgendwie konnte er ihnen das nicht verübeln, er hätte wohl genauso reagiert.
Patt hatte Ignaz entdeckt und die ganze Gruppe drängte sich an seinen Tisch. Alle nahmen Platz und Hexxer saß Iggs wieder einmal genau gegenüber: "Möchtest du uns nicht noch etwas sagen? Irgendwelche letzten Worte?"
Hexxer sah nicht aus, als würde er spaßen.
"Es tut mir leid... Ich wußte nichts davon...", fing Iggs mit Erklärungen an.
Hexxer sah ihn nur schief an.
"Wirklich. Ihr müßt mir glauben! Ehrenwort!
Kurz nachdem ihr losgefahren seid, hatte ich's erfahren. Ja ich weiß, normalerweise checke ich neue Leute vor dem Run gründlichst durch. Aber mein Decker hatte diesmal nur einen Vorabbericht fertig. Es sah alles OK aus, also habe ich diese Emilia Brendt vorbeikommen lassen. Nachher hat mein Decker herausgefunden, daß die Hintergrundgeschichte der Brendt komplett gelogen war, daß sie wahrscheinlich ein Maulwurf ist. Ich wollte euch noch warnen, aber ich habe euch nicht mehr erwischt.
Ich bin froh, daß ihr es heil überstanden habt.
Apropos Neulinge, wo ist eigentlich Anderson?"
"Verschwunden. Hat sich einfach aus dem Staub gemacht."
"Oh!"
Hexxer und Ignaz handelten noch die Übergabe von Ware und Bezahlung aus. Incl. eines besonderen Gefahrenzuschlags wegen Brendt, versteht sich. Chip sah derweil den anderen Mitgliedern der Gruppe tief in die Augen und stellte ihnen eine wortlose Frage. Patt und Pattachon lehnten ab. Sie waren zu sehr Profis, als daß sie ihre Zeit mit Rachegedanken verschwendeten. Hexxers Antwort kannte sie bereits und auch Karl, Joe und Teufel stimmten zu: Wir werden herausfinden, wer uns ausgenutzt hat. Und dann kriegt derjenige Ärger.
Epilog
PAX läßt sich erschöpft auf das Sofa sinken. Sie hat es extra für Tage wie diesen in ihr luxuriöses Büro stellen lassen. Die letzten Tage waren ziemlich anstrengend gewesen. Normalerweise arbeitet sie im Büro, meistens an irgendwelchen internen Angelegenheiten der Organisation. Das Hauptgeschäft der Organisation sind Schieberaktivitäten, in praktisch jeder Größenordnung. Aber als Sektionsleiterin muß PAX bei den wenigsten dieser Deals persönlich eingreifen, dafür hat sie ihre Unterhändler. Jetzt aber kommt sie von einer ganz anderen Geschichte zurück: Die Umstände hatten von ihr verlangt, selbst in die Schatten zu gehen, selbst an einem Run teilzunehmen. Aber es war alles gut gegangen. Alle hatten es ohne gröbere Verletzungen überlebt, und sie hatten sogar mehr erbeutet, als sie erhofft hatten.
Viel mehr sogar. PAX schmunzelt bei dem Gedanken.
PAX steht auf und geht zu einem der Bücherschränke hinüber. Hier war eine Minibar versteckt, ihr Muntermacher für Müde Tage. Sie öffnet die Bar, nimmt ein Sektglas heraus und greift nach der teuren Champagnerflasche. Komisch, die Flasche ist schon geöffnet und in der Minibar fehlt außerdem ein weiteres Sektglas. Trotzdem genehmigt sie sich erstmal einen kräftigen Schluck.
"Wir haben verdammt viel Drek gebaut!", tönt eine Stimme aus dem Ledersessel hinter dem Schreibtisch. Der Stuhl ist von ihr weg gedreht. So kann sie zwar nicht sehen, wer im Sessel sitzt, aber sie kennt die Stimme. Und es gibt nur eine Person, die sich einfach so in ihr Büro schleichen würde. "Hallo Laechler! Du weißt also von der Minibar."
Laechler dreht den Stuhl mit einem kleinen Schubs um. In seiner rechten Hand hält er das fehlende Sektglas, es ist nur noch halbvoll. "Ja, vor allem dein Champagner ist vorzüglich." Laechler betont das letzte Wort übermäßig. "Aber du lenkst vom Thema ab. Wir haben trotzdem Drek gebaut."
"Wirklich? Also, wenn ich nicht gerade unter Gedächtnisschwund leide, haben wir das Artefakt unbeschädigt erbeutet. Ohne daß die Elfen wissen, daß wir es haben. Und obendrein konnten wir noch ein paar nützliche Forschungsdaten mitnehmen. Auch wenn das meiste aus dem ersten Safe für uns wertlos ist. Alles in allem ein voller Erfolg."
"Nicht ganz! Du hast zwar recht was den Erfolg der Mission betrifft, aber die wäre ja gleich zu Beginn beinahe gescheitert. Was wäre passiert, wenn wir beide zum Apartment gefahren wären? Wer hätte dann das Ei gestohlen? Und später haben unsere 'netten Kollegen' ziemlich eindeutig gemerkt, daß ich kein Rigger bin."
"Also, daß mit dem Riggen ist dein Problem, das hab nicht ich verbockt!"
"Zugegeben, aber auch der Abschluß ist nicht nach meinem Geschmack. Es stimmt, die Elfen haben keine Ahnung. Noch nicht. Aber die Runner wissen, daß sie reingelegt wurden und kennen unsere Gesichter. Und wenn die Elfen die Sache untersuchen, könnten sie Hinweise auf die Runner finden. Und über die Runner würden die Elfen uns finden."
"Kalkuliertes Risiko, Laechler. Überhaupt hattest du selbst diesen Plan ausgearbeitet. Und was könnten wir sonst tun? Die Runner zu beseitigen ist auch keine Option. Vielleicht brauchen wir sie später nochmal." PAX schüttelt den Kopf. "Wenn man dir so zuhört, bleibt ja an unserem Einsatz kein gutes Haar."
"Stimmt, solch gute Runner für eine einzige Operation zu opfern wäre Verschwendung. Trotzdem müssen wir bis auf weiteres vorsichtiger sein. Und ja, es gab auch Pluspunkte an dieser Mission. Du hast, zum Bleistift, deine Rolle als schüchterne Magierin verdammt gut gespielt. Und wie du den Tresor geknackt hast: Einfach genial."
PAX freut sich über dieses Lob. Nach der Erschöpfung der letzten Tage ist ihr der Alkohol wohl schneller zu Kopf gestiegen. Sie lächelt verführerisch: "Wenn du mir weiter so schmeichelst, kann ich dir keinen Wunsch abschlagen."
"Tja, ich würde gern auf dein Angebot eingehen, aber würdest du es dann Chandhra beichten, oder hoffst du das ich das übernehme?"
"Ach Boss! Sinn und Zweck einer Affäre ist es doch, daß die Ehefrau nichts davon erfährt."
Laechler grinst. "Ich weiß! Aber ich hänge einfach zu sehr an ihr, als daß ich ihr das antun würde. Außerdem sollst du mich nicht Boss nennen. Du weißt genau, daß ich das nicht mag! Das klingt immer so, als würde ich alle Entscheidungen im Alleingang fällen."
"Ja, ja, schon gut." PAX wird plötzlich mißtrauisch. "Warum eigentlich diese Nachbesprechung? Du planst doch nicht etwa, solche Einsätze öfter zu machen? "
Bevor Laechler antworten kann (oder muß), klingelt das VidKom. Er wendet sich demonstrativ von dem Gerät ab, um PAX Platz zu machen. "Schließlich ist es dein Büro."
PAX dreht den Bildschirm zu sich und drückt ein paar Tasten. "Es ist doch für dich. Unser Lieblingskunde. Auf Leitung 3"
PAX dreht den Bildschirm wieder zurück, so daß Laechler ihn gut sehen kann. Er überprüft noch einmal die LTG-Nummer des Anrufers und drückt dann die Taste für Verbindungsaufbau. Auf dem Schirm erscheint ein älterer Herr, europäischer Abstammung, etwa Mitte 50. Allerdings sind auf seinem Gesicht überraschend wenig Falten zu sehen, und als der Mann lächelt, blitzen goldene Schneidezähne auf.
"Guten Abend, Laechler!"
Laechler's Stimme klingt jetzt wie reinster Honig, und Das Freundliche Lächeln™ auf seinem Gesicht nimmt kein Ende mehr: "Guten Tag, Lofwyr! Ich denke, auf Ihrer Seite der Erdkugel ist doch noch Tag, oder?
Lofwyr zuckt bei dieser Bemerkung überrascht mit den Augen. "Lassen wir das lieber." Und ein wenig freundlicher: "Ich hörte, Sie sind kürzlich wieder unterwegs gewesen?"
"Ich sehe, Sie sind mal wieder bestens informiert. Ich habe da tatsächlich etwas Neues im Angebot. Könnte recht interessant für Sie sein. Ein magisches Artefakt, das aussieht wie ein steinernes Drachenei. Frisch aus Pomorya..."
- Ende -
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