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von
Der Yamaha Waverider glitt fast lautlos über
das Wasser. Der Motor war extra gedämpft worden um die Anwesenheit
des schlanken Bootes nicht vorzeitig zu verraten. Es war wieder einmal
diesig und neblig. Die Sicht war schlecht, so daß T.D. die Riggerin
mit dem blauen Haar sich ganz auf die Sensoren des Waverider verließ.
Das weltweite Positionssystem, der Nachfolger des veralteten GPS, verriet
ihr die Position des Bootes. Sie steuerte sicher durch das enge Labyrinth
der Speicherstadt, welche immer noch den größten Lagerkomplex
der Welt beherbergt. Nur das dieser heute auch von den Küstenpiraten
genutzt wird. Jenen Freibeutern, die als Nachfahren Störtebeckers,
die Nordsee zu ihrem Jagdgebiet gemacht hatten. Und obwohl die HEST und
das 3. Kieler Küstenschutzgeschwader versuchten diesem Treiben Einhalt
zu gebieten, so verurteilte die ungeheure Menge an Tretboot - Rikschas,
kleinen und mittleren Booten,KüMo's und Überseetransportschiffen
dieses vorhaben von vornherein zum scheitern. So das sich die Sicherheitskräfte
meistens schon damit zufriedengaben, wenn es nicht zu Gefechten im Elberaum
kam. T.D. steuerte den Waverider gen Süden hinaus auf das offene Wasser.
Ihr Ziel heute abend war ein Frachter, er gerade aus den UCAS kam. Micha
sah die Lichter der Speicherstadt hinter sich im Nebel verschwinden.Nur
die Geräusche drangen noch Gedämpft zu ihnen durch. Es war das
ununterbrochene Poltern, das von dem be- und entladen der Schiffeerzeugt
wurde, dort wo Stahl auf Stahl traf. Als T.D. den Waverider beschleunigte
übertönte das Motor- und Fahrwassergeräusch die Geräusche
vom Land und es schien so, als würde nur noch das Boot und der Nebel
existieren. Micha blicke die anderen an. Da war T.D. die sich in die Kontrollen
des Waveriders eingestöpselt hatte und nun zu schlafen schien. Micha
gegenüber saß sichtlich nervös Mario, der Magier. Micha
wußte, das Mario dieser Job überhaupt nicht gefiel. Das lag
an zwei Dingen. Ersten haßte Mario das Wasser, vor allem wenn es
soviel auf einmal war. Außerdem mochte Mario es generell nicht mit
an vorderster Linie zu stehen,jedenfalls was Mario dafür hielt. Er
zog es vor die anderen von T.D.'sgepanzertem Lieferwagen zu unterstützen
und nicht in einem ungeschützten schaukelnden Boot. Neben Mario saß
Jake. Er war einmal Mitglied bei ihrer Majestät Special Boat Service
gewesen, einer Spezialeinheit der Britischen Marine. Micha hatte ihn bei
den Pink Panthers, einer kleinen Söldnereinheit, bei der er eine Zeit
lang nach seinem Berlinaufenthalt gedient hatte, kennengelernt.Jake war
zu Kampfschwimmer ausgebildet worden, hatte dann aber ähnlichwie Micha
die Nase voll vom Soldat spielen und war dann in die Schatten abgetaucht.
Micha hatte erst vor kurzem wieder von ihm gehört und war dankbar,
das Jake dabei war, denn er war absoluter Profi. Der letzte im Bunde war
Bozo. Er war eigentlich ein mechanisches Genie,das aber von Zeit zu Zeit
etwas Sehnsucht nach Aktion bekam. Micha hatte ihn aufgefordert mit zu
kommen, da es wahrscheinlich zu einem'mechanischen' Problem kommen würde.
Bozo war ein gemütlicher Kerl,etwas dicklicher Kerl und ein Kumpel
auf den man sich absolut verlassenkonnte. Micha war davon überzeugt,
das der Job für sie kein Problem sein sollte. Vorgestern hatte Tommyknocker,
Michas bevorzugter Schieber, ein Treffen mit einem Schmidt arrangiert.
Der Job den der Schmidt angeboten hatte war ziemlich verlockend gewesen,
allein schon, wegen der fürstlichen Bezahlung, also hatten sie ihn
Angenommen. Ziel des Jobs war ein neuartiges elektronisches Zielverfolgungssystem,
das GMC für die neue Version der Banshee entwickelt hatte. Den Daten
zufolge, die der Schmidt mit geliefert hatte, befand sich eine der neuen
Banshees auf dem Frachter, dessen Position T.D. gerade ansteuerte. Doch
nach den Daten des Schmidts sollt der Frachter erst Morgen im Laufe des
Tages eintreffen und gleich an den Schuppen der Hapag festmachen. Was nicht
in den Daten des Schmidts gestanden hatte, das der Frachter an dem Schuppen
90a Festmachen sollten, einem der Schuppen, der für die Sicherheitseinrichtungen
berüchtigt ist. Micha hatte sich schon mit einem harten Gefecht abgefunden,
doch Shadow, die Deckerin, hatte eine elegante Lösung gefunden. Einer
ihrer Ex Freunde hatte bei Hapag gearbeitet und dieser hatte immer über
die Unpünktlichkeit der Schiffer geärgert. Entweder kamen sie
viel zu früh, so das kein Liegeplatz frei war,oder sie kamen zu spät,
so das der kostbare Liegeplatz frei gehalten werden mußte. Und Shadow
hatte den richtigen Riecher gehabt, der Frachter würde etwa einen
Tag zu früh in Hamburg erwartet. Micha und die anderen hatten dann
beschlossen, in der Nacht den Frachter zu entern. T.D.s Stimme tönte
aus dem Lautsprecher des Interkoms, einem Erbstück,das Micha aus seiner
Zeit als Söldner mitgebracht hatte. Es waren ein paarsehr alte Exemplare,
mit sehr beschränkter Reichweite und nur sehrprimitiver Signalverschlüsselung,
doch für ihre Zwecke waren die Gerätefast ideal. "Noch 3
Minuten zum Punkt A. Ich schalte jetzt das PES aus" Der Plan sah vor,
das Positionserkennungssignal kurz vor dem Frachterausgeschaltet werden
sollte. Die modernen Verkehrsüberwachungssysteme arbeiteten nicht
Primär mit aktiven Sensoren, sondern ein kleinerSignalgeber an Bord
jedes Fahrzeuges, strahlte den Fahrzeugcode und diePosition des Fahrzeugs
ab, so das die Empfänger daraus inSekundenschnelle ein Bild der Umgebung
berechnen konnten. Als T.D. dasPES-Signal abgeschaltet hatte war der Waverider
von den Radarschirmenverschwunden und konnte nur noch mit aktiven Sensoren
aufgespürtwerden. Doch in einem so dichten Gedränge, wie das
im Hamburger Hafen,war dies nicht einfach und die Besatzung des Frachters
würde von ihnensicher keine Notiz nehmen. Mehr Kopfzerbrechen bereitete
ihnen das 3.KKSG oder die HEST, die gerade noch solchen Booten Ausschau
hielten.Am Punkt A sollte Jake mit einem Taucheranzug bewaffnet sich demFrachter
nähern, während T.D. halb um den Frachter herumfahren sollteum
dann an der Gangway anzulegen.
"Jake, Zeit für dein Bad." T.D.'s,
eh schon rauhe Stimme klang über dasInterkom noch mehr wie ein Reibeisen.
Jake setzte die Brille auf und stieg auf den Rand des Booten, während
T.D.die Motoren ein wenig drosselte. Jake sprang in das dunkle kalte Wasserund
war verschwunden. T.D. ließ die Motoren wieder mit Höchstleistungarbeiten
und der Waverider preschte wieder über das Wasser. Aus dem Nebel Tauchte
die Silhouette des Frachters auf. Zu erst waren nurdie Positionsleuchten
zu sehen, dann tauchte der Rumpf aus dem Nebelauf. Der Waverider passierte
den Frachter am Heck und fuhr weiter geradeaus, bis der Frachter fast wieder
im Nebel verschwunden war, doch danndrosselte T.D. die Motoren, bis sie
fast keine Leistung mehr brachten undwendete das Boot. Sie näherte
sich dem Frachter nun von Steuerbord,wobei einer der Motoren abgeschaltet
war und der andere nur nochstotternd lief. Die Gangway war nicht heruntergelassen.
Das war nicht vorgesehen gewesen. Soweit sie in Erfahrung gebrachthatten
war es üblich, das ein Teil der Crew Abends an Land ging um sich zuvergnügen.
Anscheinend hatte der Kapitän Landgänge nicht gestattet,warum
auch immer. Micha hatte dies jedoch mit in seine Planung mit eingeschlossen.
Er holteeine Enterpistole unter einer Plane hervor um damit das Schiff
zu entern,doch plötzlich kam eine Stimme vom Frachter: "Hallo.
Was wollen sie?" Die Stimme sprach brüchig Englisch mit einemstarken
Akzent. Doch der Chip, den Micha benutze um seineEnglischkenntnisse zu
verbessern lieferte eine einigermaßen Übersetzung.Während
Micha noch nach einer Antwort suchte ertönte rechts von ihmT.D.'s
Stimme: "Ja du könntest und helfen Schnuki! Wir haben hier einen
Motorschaden undder verdammte Kahn läuft voll. Es wäre einfach
tuffig, wenn du dieGangway runter lassen könntest, damit wir hier
nicht bald nasse Füßebekommen!" T.D.'s Englisch hatte auch
einige Ecken und Kanten, was darauf hinwies,das es nicht von einem Chip
kam. "Ah, tut mir leid, ich Nix kann entscheiden. Ich müssen
.. RGGL" rief dieStimme vom Frachter, bis sie in einem kehligen Laut
erstickte. Etwas fielplötzlich vom Frachter, neben dem Waverider ins
Wasser und ließ das Bootschwanken. Über ihnen nahmen die Winden,
welche die Gangwayfesthielten mit einem gequälten Summen die Arbeit
auf. Jake mußte denFrachter bereits geentert haben. "Mario,
kümmer' dich um den Magier!" Micha deutete mit dem Finger aufden
Magier, der immer noch sichtlich blaß in einer Ecke des Waveriderskauerte.
Der Magier versank sofort in einen tiefen Trance. Schiffe wie dieses hatten
im allgemeinen keine Große Besatzung. Diemeiste Zeit fuhren sie sogar
unbemannt, doch für die Fahrt auf derNordsee wurde immer eine Besatzung
eingesetzt, da es dort von Piratenund Giftgeistern wimmelte. Deshalb fuhr
auch immer ein Magier mit, umden Giftgeistern Einhalt zu gebieten. Ohne
diesen Magier war das Schiff sogut wie verloren, wenn es einem Geist begegnete.
Dieser Magier war jetztMichas größte Sorgen, da er meisten genauso
gut Menschen, wieGiftgeister jagen konnte. Die Gangway war fast unten.
Micha sprang auf die Gangway und begannseinen Aufstieg. Bozo folgte ihm
auf dem Fuß. T.D. und Mario blieben aufdem Waverider zurück.
Micha hatte eine Ares Squirt für diesen Run gewählt. Diese Waffe
verschoßein Trägergel aus einem Reservoir, das mit einem starkenBetäubungsmittel
versetzt war. Die Waffe war leise und effektiv, wenn auchnicht tödlich.
Oben an der Gangway erwartete sie Jake. "Wie sieht es aus?",
fragte Micha. "Das Deck ist Sauber, sie müssen in den Aufbauten
oder unter Deckstecken." Jake hatte die Taucherbrille wieder abgenommen
und seineCyberaugen glänzten. Er hatte gerade etwas 800m geschwommen
und wareine 4 Meter hohe Bordwand hochgeklettert, doch er sah kein wenigerschöpft
aus. "Ok, laßt uns die Mannschaft suchen." Hedgehoc sah
die beiden nocheinmal an und sprintete dann über den Stahl, zu den
weiß getünchtenAufbauten, davon. Die Gangway befand sich etwas
Mittschiffs auf der Steuerbordseite. Diedrei rannten entlang der Reeling,
immer darauf bedacht im Schatten derriesigen Verladeluken zu bleiben. Die
sechs großen Klappen, die immerPaarweise angeordnet waren, wurden
zu Be- und Entladen des Schiffesbenutzt. Wenn sie geöffnet waren hatten
die Verladekräne freien Zugriffauf das innere des Schiffes. Doch sie
waren noch geschlossen, so das diedrei sich einen anderen Weg zum Laderaum
suchen mußten. Ihr erstes Zielwürde jedoch die Brücke sein.
Wenn es jemand schaffte von dort einenHilferuf zu senden, dann war das
Unternehmen so gut wie gelaufen.Sie erreichten die Aufbauten und gingen
zu der Tür, die sich auf derSteuerbordseite befand. Shadow war es
gelungen einige prinzipielleBaupläne von den Schiffen dieses Typs
zu bekommen, so wußten sieungefähr, welchen Weg sie nehmen mußten.Micha
öffnete vorsichtig die Tür, doch der Flur hinter der Tür
war leer. Siebewegten sich schnell durch den Flur, der nur schlecht beleuchtet
wurde.Ein paar Notausgangsleuchten summten vor sich hin, während sich
dereingebaute Akkumulator Strom aus dem Bordnetz holte, damit sie auchwährend
eines Stromausfalls den Weg zum Ausgang beleuchten konnten.Der Flur machte
einen scharfen Knick nacht rechts, während an der linkenWand eine
Tür auftauchte, auf der sich das Symbol für das Treppenhausbefand.
Nach Shadows Plänen befand sich in diesem Stockwerk nur dieKombüse
und die Messen für die Offiziere und Mannschaften. Der schaleGeruch,
der über dem Flur lag, bestätigten in sofern die Pläne.
Bozo öffnete ruckartig die Tür zum Treppenhaus und Jake und Michasprangen
hinein. Jake sicherte die Treppe, die nach oben führte. Siebegann
direkt gegenüber der Tür und führte steil in das nächste
Stockwerk.Micha kümmerte sich um den Treppenflur, der nach rechts
ab ging. Anseinem Ende konnte man eine Tür in der rechten Wand erkennen.
Derschwache Geruch nach Schmierstoffen ließen darauf schließen,
das sie zuMaschinenraum führte. Die drei arbeiteten sich Stockwerk
für Stockwerk durch das Treppenhaus,trafen jedoch auf niemanden. Die
oberste Treppe führte direkt auf die Brücke und endete nicht
in einemweiteren Treppenflur. Micha und die anderen enterten die Brücke
sauberund lautlos. Sie trafen nur auf eine völlig überraschte
Brückenwache, diegemütlich in einem Stuhl vor dem Sensordisplay
döste. Die Mannschafthatte sich also völlig auf die HEST und
das 3.KKSG verlassen, was an sichkein wunder war. Hier im Hafen waren Piratenüberfälle
eher selten.Außerdem befanden sie sich in der Nähe des Harburger
Hafen, dem dieHEST besondere Aufmerksamkeit schenkte. Die modernenÜberwachungssysteme
hatten eine Brückenwache sowieso fast überflüssiggemacht.
Micha befahl der Wache, den Kapitän und den ersten Offizier auf die
Brückezu rufen und Jake unterstütze die Forderung mit einem ziemlich
langenböse aussehenden Kampfmesser, das plötzlich an der Kehle
des Matrosenauftauchte. Also blieb dem Mann nichts anderes übrig als
zu gehorchen, er konnte sichgenau ausrechnen, was passieren würde,
wenn er die anderen zu warnenversuchte. Bozo war unterdessen im Funkraum
im hinteren Teil der Brückeverschwunden. Er setzte die Funkanlage
gekonnt außer Gefecht, so das dieMannschaft keine Möglichkeit
einen Funkspruch abzusetzen. Außerdemstörte er die bordinterne
Kommunikation, so das, wenn ein Mitglied derBesatzung bemerken sollte was
geschehen war, es die anderen nichtbenachrichtigen konnte. Mario hatte
sich unterdessen gemeldet. Er hatte den Magier nicht findenkönnen
und das machte ihn nervös. Ein Magier war an sich schon verdammtgefährlich,
doch noch gefälliger war es, wenn man diesen Magier nichtfinden konnte.
Micha und Jake blieb nichts anderes übrig als den Matrosen nach demMagier
zu befragen. Dieser war allerdings schon so verzweifelt, das ergleich plauderte.
Der Magier war in einem Kampf mit einem Giftgeistumgekommen. Es war ihm
wohl gelungen den Geist zu bannen, doch diedafür notwendigen astralen
Energien hatten den Magier überfordert, so daser seinem eigenen Zauber
zum Opfer gefallen war. Micha und Jakeerfuhren sogar, wo die Leiche gelagert
wurde. Sie lag zusammen mit derLeiche eines weiteren Matrosen in dem Zimmer
des Magiers. Die beidenwaren wohl in Leichensäcke verpackt worden,
damit ihre Körper dennächsten Angehörigen zur Beerdigung
übergeben werden konnte. DieLeichensäcke sorgten für eine
ausreichende Konservierung, damit dieLeichen nicht während der Transports
verwesten. Das Gespräch wurde abrupt von 2 Herren in Offiziersuniformenunterbrochen
Offenbar der 1O und der Kapitän. Doch angesichts der Waffender Runner
lieferten sie keinen Widerstand. Der Kapitän wollte mit einer Triade
über Piraterie und internationalenSeerecht beginnen, als Jake ihn
mit einem Tranqpatch schlafen schickte.Der erste Offizier und der Matrosen
folgten nur kurze Zeit später.Micha fand bei dem Kapitän eine
Keycard, die ihnen Zugang zu denComputern an Bord gewähren würde.
Micha warf die Karte zu Bozo hinüber,der in wieder im Funkraum, in
dem sich auch die Computer befanden,verschwand. Micha und Jake fesselten
die drei Besatzungsmitglieder, die sie schlafengeschickt hatten. Danach
sperrten sie sie in den Kartenraum, der sichneben dem Funkraum befand.
Bozo hatte inzwischen die Computer durchstöbert und war auf ein paarwichtige
Informationen gestoßen. Es taten zur Zeit 8 Mann an Bord dienst.
Also blieben noch 2 Mann übrig.Dem Computer zu folge war es der Leitende
Ingenieur und ein Maschinist,welche zur Zeit dienst im Maschinenraum haben
sollte, jedenfalls nach demDienstplan. Der Computer bestätigte außerdem
das Schicksal des Magiersund des 4ten Matrosen. Bozo hatte auch die Position
der Banshee ermittelt. Sie stand im vorderenDrittel des Laderaums auf der
Backbordseite. Zu der Banshee gab es auchnoch ein nettes Zusatzfile mit
einigen verweisen. Es sah so aus, als wenn eseinige Probleme gegeben hatte.
Der Frachter war nämlich nicht wie üblichunbemannt gefahren,
sondern voll Bemannt plus einer Gruppe von GMCMitarbeiter. Außerdem
wurde von einem Rendezvous mit einem VTOL aufoffener See berichtet. Offenbar
hatte man an der Banshee noch ein paarnachträgliche Korrekturen vorgenommen.
Sie standen vor der Kabinentür des LI. Bozo
hatte aus dem Computererfahren, welche Kabine er bewohnte. Die Kabine war
im Stockwerk unterder Bücke die erste und damit die kleinste. Auf
diesem Stockwerk lagenauch die Kabinen des 1O und des Kapitäns.Die
Tür war unverschlossen und der Mann im Bett schlief den Schlaf desGerechten.
Jake verpaßte ihm vorsichtshalber ein Tranqpatch und fesselteihn
an sein Bett. Die nächste Station war der Maschinenraum, der die einzige
Verbindungzum Laderaum enthielt. Dort würden sie auch auf den letzten
Mann derBesatzung treffen. Bis her war alles glatt gelaufen hoffentlich
würde esauch so bleiben. Die drei stiegen die Treppen wieder hinunter
und blieben vor der Tür zuMaschinenraum stehen. Die Tür war genauer
gesagt ein feuerfestesStahlschott, das mit 2 Hebeln gesichert waren. Jake
wollte sie geradeöffnen, als Micha ihn stoppte. "Warte",
sagte er zu Jake "Mario, bitte Melden", Micha benutze das Interkom
um en Magier zuerreichen "Ja, was gibt's", die Stimme sagte viel
über seinen Zustand aus. Er fühltesich immer noch nicht gut.
"Kannst du bitte im Maschinenraum nachsehen, wo da ein Mensch ist,
Over" Etwa eine bis zwei Minuten blieb der Kanal ruhig, bis sich dann
die Stimmeder Magiers erneut meldete: "Hier Mario. Ich hab' ein menschliches
Wesen im Maschinenraum gefunden.Es befindet sich am Heck des Schiffes im
untersten Stockwerk auf derrechten Seite und bastelt da irgend etwas."
"Danke. Bleib' bei dem Kerl und sag uns Bescheid, wenn sich etwas
tut,Over." Micha nickte zu Jake, der nun langsam das Schott öffnete.
Hinter dem Schott befand sich eine Treppe, die nach unten in denMaschinenraum
führte. An der Wand hinter der Tür prangerte ein großes'Rauchen
Verboten' Schild. Sie stiegen Vorsichtig und leise die Treppehinunter.
Jake führte die Prozession an, dahinter folgten Micha und Bozo. Die
Maschine des Frachters war gewaltig. Sie umfaßte 4 kompletteStockwerke,
von dem Zylinderköpfen im ersten Unterschoß, bis zu derNockenwelle
im dritten Untergeschoß. Die Maschine Selbst war im erstenund zweiten
Untergeschoß von einer Galerie umgeben. Im drittenUntergeschoß,
reichten die Bodenplatten zwar bis fast an die Maschineheran, doch es blieb
dennoch ein Spalt, der in die Bilge hinunter führte. Das gehen auf
Stahlplatten erzeugt immer irgendwelche Geräusche, abersie kamen dennoch
unbemerkt auf das dritte Untergeschoß, jedenfallsließen Marios
schweigen und das unregelmäßige klappern und Fluchen auseiner
Ecke des Maschinenraumes dies vermuten. Mario hatte gesagt, das er auf
der rechten Seite des Schiffes an derMaschine arbeiten würde, doch
als sie das Heck auf der Steuerbordseiteerreichten fanden sie niemanden
vor. Micha lauschte und auch die Arbeitsgeräusche waren verschwunden,
daseinzige, was er hören konnte, was das Atmen seiner Freunde. "Mario,
bitte kommen!" Stille "Mario!" Ein leiser Fluch entwich
Michas Kehle. Der Magier war wahrscheinlich imAstralraum und konnte sie
deshalb nicht hören. Plötzlich gab es einen lauten Knall. Danach
wieder Stille. Die drei gingensofort in Kampfposition, Waffen im Anschlag
und auf alles gefaßt."Ja hab' ich euch!", rief eine Stimme.
Micha, Jake und Bozo suchten verzweifelt die Umgebung ab, konnten aberkeinen
erkennen. Nur ihre Professionalität hielt sie davon ab wild durch
dieGegend zu ballern. "Ihr dachtet wohl ihr könntet euch wehren,
aber ich hab' noch jede Mutterab gekriegt!" Die Stimme hatte einen
heiteren lockeren Klang.Micha senkte seine Waffe und gestattet es sich
etwas ruhiger zu werden.Offenbar hatte der andere Mann mit ein paar Schrauben
und Mutterngefochten. Aber wo war er. Mich gab Jake und Bozo ein Zeichen.
Sie würden um die Hauptmaschineherumgehen und auf der anderen Seite
nachsehen. Sie hatten die Maschine noch nicht ganz umrundet, als sie einen
Mannsahen, dessen Oberkörper fast ganz in einem Loch, im Gehäuse
derHauptmaschine verschwand. Neben ihm lag eine Menge Werkzeug undMaschinenteile
verstreut. Micha hob leise einen schweren Schraubenschlüssel auf und
ließ ihn miteinem lauten Knall wieder auf den Boden fallen. Der Mann
zucktezusammen und stieß sich den Kopf, als er seinen Oberkörper
all zu hektischaus dem Loch ziehen wollte. Mit lautem Fluchen drehte er
sich zu derQuelle des Kraches um, als er in das Geschäftsende von
drei Waffen starrte.Der Mann hatte keine Zeit zu begreifen, was ihm wieder
fuhr, als ein GelGeschoß aus Michas Waffe ihn auf der Brust traf.
Das DMSO, das alsTrägersubstanz für die Betäubungsdroge
fungierte drang mit Leichtigkeitdurch die Kleidung des Maschinisten und
Sekunden Später lag dieserBewußtlos auf dem Boden. "Alles
Klar?", ertönte Marios Stimme aus dem Interkom und Jake bestätigtemit
einem gegrunztem "Ja!".
Vom Maschinenraum aus, verschafften sich Micha und
Bozo Zutritt zumLaderaum, wo sie auch recht schnell die Banshee fanden.
Währenddessenkehrte Jake zur Gangway zurück um den Matrosen der
so unsanft über Bordgegangen war zu Holen. T.D. hatte ihn aus dem
Wasser gefischt, damit ernicht ertrank. Jake trug den Mann in die Kombüse,
wo er ihn an einen Tischsetzte und seinen rechten Fuß an das Tischbein
fesselte.
Das Ausbauen der gesuchten Elektronikkomponenten
erwies sich alserstaunlich einfach, so das sie etwa eine viertel Stunde
später wiederablegen konnten, keine Minute zu früh wie sich herausstellen
sollte.T.D. ließ die Motoren mit wenig Leistung arbeiten und sie
entfernten sichlangsam vom Frachter, der nun wieder im Nebel verschwand.
T.D. wolltenoch einen Augenblick warten um das PES Signal wieder zu aktivieren,damit
sie keinen Verdacht erregten und niemand ihre Spur zum Frachterzurück
verfolgen konnte. Doch dies sollte sich als Fehler erweisen.Plötzlich
ertönte eine Sirene aus dem Nebel und eine Lautsprecherstimmebefahl
ihnen: "Achtung, Achtung hier spricht die HEST drosseln sie ihre Motoren
undwerden sie langsamer, wir kommen an Bord!" Hintern ihnen flammte
plötzlich ein Suchscheinwerfer auf und tastete durchdie Nacht. T.D.
dachte nicht daran langsamer zu werden und ließ die Motorenaufheulen.
Der Waverider war eines der schnellsten Boote auf dem Marktund sie hatten
eine gute Chance zu entkommen. Das andere Boot schien bemerkt zu haben,
was sie geplant hatten unddrehte nun ebenfalls die Motoren auf, aber es
schien nicht so schnell wieder Waverider zu sein. Plötzlich zuckte
ein Strahl durch die Nacht, begleitet von dem typischenKnattern eines schweren
MGs. Die Opposition verwendeteLeuchtspurgeschosse, die den Geschoßhagel
wie einen Laserstrahlaussehen ließ. Die Leuchtspurgeschosse hatten
zwar nicht dieDurchschlagskraft wie Normale Kugeln, aber sie ließen
den Beschuß vielgefährlicher wirken. Die meisten Geschosse verfehlten
ihr Ziel, aber ein oder zwei prallten alsQuerschläger vom Waverider
ab. Micha sah sich kurz um, ob jemandverletzt war. Mario lag in regungslos
in einer Ecke des Waverides. Michadachte zuerst, das er getroffen worden
war, doch als er keine Verletzungfinden konnte schloß er, das der
Magier im Astralraum war. Jake eröffnete als erster von ihnen das
Feuer. Er feuerte in kontrolliertenFeuerstößen mit seiner Ingram
Warrior auf das Boot der HEST, jedenfallsauf den Scheinwerfer, der als
einziges zu sehen war. Man konnte jedochnicht erkennen ob er traf. Weitere
Salven wurden von dem HEST Boot herüber zum Waveridergeschickt, doch
die meisten lagen zu kurz und schlugen wirkungslos imWasser ein. Mittlerweile
hatte Micha auch sein Colt M22A2 - Sturmgewehr hervorgeholtund den unter
dem Lauf angebrachten Granatwerfer mit einerOffensivgranate geladen. Die
Granate würde die Panzerung des Bootesnicht durchschlagen, doch wenn
jemand auf Deck stand, würde die Wuchtihn von Bord werfen. Micha stellte
seine Cyberaugen auf Infrarot Sicht um uns suchte nach demHEST Boot. Der
Suchscheinwerfer leuchtete Grell als eine der größtenWärmequellen
auf dem Boot. Unter ihm waren auch die erhitzen Läufe desMaschinengewehrs
zu erkennen. Und wenn Micha sich nicht irrte, standhinter den beiden eine
menschliche Wärmequelle. Sein Taktikcomputergab' dem eine Wahrscheinlichkeit
von etwa 88%. Der Entfernungsmessergab die Entfernung zum Ziel mit 213.45
Metern an. Verdammt weit füreinen Granatwerfer vor allem bei so einer
rasanten Verfolgungsfahrt aufeinem schwankenden Boot, bei der man schon
genug damit zu tun hattenicht umzufallen. Micha stellte sich breitbeinig
an das Heck das Waverider, etwas hinter Jake,der gerade damit beschäftigt
war ein neues Magazin in seine MPeinzulegen. Mit einem Plopp verließ
die Granate den Lauf derGranatwerfers und schlug rechts hinter dem Boot
der HEST. Eine weißeGischtwolke markierte den Einschlagspunkt. Micha
lud erneut eine Granatein den Granatwerfer und legte erneut an, als Jake
plötzlich neben ihmzusammen sackte. Micha sah zu seinem Freund hinüber.
Es schien so alshabe er eine Kugel in den Oberbauch bekommen, doch die
gepanzerteKleidung hatte die meiste Wucht absorbiert. Bozo zog' Jake, derMittlerweile
zu stöhnen und zu Fluchen begonnen hatte zu sich. Er hatteschon ein
Medkit aus der Bordapotheke besorg und begann Jake zuversorgen. Eine Kugel,
die von dem Waverider abprallte, erinnerte Micha wieder andas, sie verfolgende,
HEST Boot. Micha legte erneut an und konzentriertesich, bis er dann den
Auslöser des Granatwerfers betätigte. Diese Granatelag schon
besser. Sie schlug direkt vor dem Boot der HEST ein. Der MGSchütze
mußte sich etwas erschrocken haben, denn die nächsten Salvenlagen
weit ab vom Ziel. "Könnt ihr die Kerl jetzt vielleicht mal loswerden!
Wir haben sonst bald dieGesamte Hamburg Flotte am Hals!", reif T.D.
von vorn. Micha lud wieder eine Granate nach, immer bemüht seine Ruhe
undKonzentration nicht zu verlieren. Diese Granate trag das HEST Boot am
Bug. Die Granate Explodierte ineinem Feuerball, der für einen Moment,
den ganzen Himmel erleuchtete.Das MG verstummte und der Scheinwerfer erlosch.
Anscheinend hatte ersein Ziel getroffen. Die Frage war nur ob sie das einschüchtern
würde. DasBoot brauchte sie nur weiter zu verfolgen und zu warten
bis dieVerstärkung eingetroffen war, die sie ohne Zweifel schon angeforderthatten.
Doch das Boot wurde langsamer. Anscheinend war der Kanonier über Bordgegangen
und sie wollten ihren wahrscheinlich verletzten Kameradenretten.
Der Abstand zwischen dem Waverider und dem HEST Boot
vergrößerte sichzusehends und wenige Minuten erreichten sie
das schützende Labyrinthder Speicherstadt. Jake war nicht allzu schwer
verletzt. Sie würden ihn zu einemSchattendoktor bringen und er würde
bald wieder auf dem Damm sein.
Nun mußten sie nur noch das Geschäft mit
ihrem Schmidt beenden und alles würde gut werden ...
... Hoffentlich !?
Die Frau trat durch die Tür. Licht umspielte
die schlanken Kurven ihresKörper. Sie war von großem Wuchs aber
nicht üppig. Ihr makelloser Körperwar nur von einem weißen,
seidigem Tuch eingehüllt, das ihre Weiblichkeiteher unterstrich, als
sie zu verhüllen. Ihr dunkles langes, fülliges Haar lagoffen
auf ihren Schulter und duftete nach Aprikosen. Der Mann saß aufeinem
Bett. Er hatte nichts an, das seine muskulösen Formen verbergenwürde.
Als die Frau den Raum betrat, stand er auf und trat ihr entgegen.Sie sahen
sich beide fest in die Augen. Ihre Augen waren Blau und tief, sodas der
Mann glaubte er müsse darin ertrinken. Die muskulösen Arme desMannes
umschlossen die Frau und zogen sie fest an seinen Körper. Dabeifiel
das Tuch von ihr ab, es hatte jetzt keinen nutzen mehr. Ihr Körper
warweich und kühl - etwa 36.2o C - im Gegensatz zu seinem, der von
einerinneren Hitze verschlungen wurde. Ihr Haar duftete wundervoll und
derMann sog ihren Geruch ein, als währe es eine Droge. Sie hatte inzwischenihre
Arme um seinen Nacken geschlungen und zog mit ihren langenwohlgeformten
Fingern seinen Kopf an ihren. Als sich ihre Lippen berührten wußte
er, das er im Himmel sein mußte. DerMann nahm die Frau auf den Arm
und ging mit ihr hinüber zu Bett, wo ersie vorsichtig hinlegte. Der
Mann begann sie über all zu Küssen. Er ließseinen Mund
über ihren Hals - zum töten des Objekts Halsschlagader mitscharfen
Gegenstand durchtrennen, oder Luftzufuhr durch würgenunterbinden -
zu ihrer Brust wandern, die er zu liebkosen begann - dierechte Brust ist
ein gutes Ziel für Feuer- und Stichwaffen Einsatz. Der Schrecke hoch
und sah die Frau. Ihr Körper wurde plötzlich von einemGitternetz
eingehüllt und vermessen. Eine Computerstimme verkündetestolz
ihre Kleidergrößen, während eine andere ihm die besten
Wege verrietum die Frau schnell und effizient zu töten. Der Mann sah
sich um und fand einen Spiegel, doch was er dort sah ließ ihrzutiefst
erschauern. Sein Kopf war nun ein grinsender Totenschädel aus feinstem
Stahl. Dort wosich seine Augen befunden hatten saßen nun böse,
rötlich leuchtendeCyberaugen. Überall auf einem Kopf leuchteten
kleine LED, wie auf einemSupercomputer. Sein Körper war zum Teil noch
menschlich, doch wie eineFeuerwand, die alles verzehrt, was ihr in den
Weg kommt, breitete sich derZustand, der seinen Kopf befallen hatte über
seinen Körper aus und überallwo es gewesen war hinterließ
es das Cybertechnische Pendant zu seinembiologischen Vorgänger. Der
Mann hörte in der ferne jemanden schreien. Zuerst dachte er es währedie
Frau, also drehte er sich zu ihr um. Sie lag immer noch auf dem Bett und
sah ihn an. Als sie jedoch zubegreifen schien, was mit ihm geschah, stand
sie auf und ging zur Türhinaus. Was der Mann nicht sah war, das sie
weinte. Der Schrei war immer noch da und wurde immer lauter. 'Woher mag
erbloß kommen', dachte der Mann und sah sich weiter um. Jedoch ohneErfolg,
bis er dann endlich bemerkte woher der Schrei kam. Er war es derda Schrie
...
Micha schreckte aus dem Schlaf hoch. Er wußte
nicht mehr warum er soplötzlich und unsanft wach geworden war. Es
kam ihm jedoch gelegen. In 4 Minuten hätte der Wecker ihn sowiesogeweckt.
Die Leuchtziffern auf dem Display des Weckers zeigten 15: 26 an.Nach den
Strapazen der letzten Nacht hatte Micha etwas länger schlafenwollen.
Nach dem Ausflug zum Frachter hatten sie, nachdem sie im Gewirr derSpeicherstadt
der Polizei entkommen waren, Jake zu einem Arzt gebracht.In den ADL mit
dem immer noch recht guten sozialen Netz wäre es an sichkein Problem
einen kranken behandeln zu lassen. Wenn man mal von derQualität der
Behandlung absieht. Bei Schußwunden sah die Sache jedochanders aus.
Schußwunden mußten der Polizei gemeldet werden und daranwaren
angeschossene Schattenläufer gar kein Interesse. Also gab es aucheine
ganze Reihe von halb legalen Ärzten, die gegen ein entsprechendesHonorar
bereit waren diese Regelung zu vergessen.Dies waren dann auch meistens
die Ärzte, die bereit waren mehr oderweniger illegale Cyber- und Bioware
zu implantieren. Doch das Spektrumreichte auch hier vom Kurpfuscher zum
genialen Nobelpreisanwärter, derdie Schatten einer Klage wegen Kurpfuscherei
vorgezogen hatte. Es gabsogar Gerüchte, das einige Leute aus der Narkose
aufgewacht waren undsich in Einzelteilen im Ersatzteillager eines Bodyshops
wiedergefundenhatten. Micha kannte jedoch eine kompetente Ärztin,
die bereit war illegal auchSchußwunden zu behandeln. Sie hatte ihn
auch schon des öfteren wiederzusammen geflickt. Sie wurde von allen
Bony genannt. Die Müdigkeit war noch nicht ganz aus seinem Körper
gewichen, als Michasich aus dem Bett erhob. Der süßliche Geruch
von Schweiß erfüllte denRaum. Er mußte wohl ganz schön
geschwitzt haben. Micha zog die Jalousienhoch und öffnete das Fenster.
Im Wohnzimmer wurde der Schweißgeruch von dem Geruch alterPizzareste
ersetzt. Micha fühlte sich hundeelend und die 6 Dosen Bierlagen neben
dem Couchtisch als stumme Zeugen. Auch hier öffnete Michadas Fenster.
Der Smog des Metroplexes war immer noch besser als derGeruch alter Pizza.
Die Sonne hatte anscheinend den Nebel der letztenNacht verdrängt und
die Welt sah jetzt wesentlich lebendiger aus,jedenfalls hier draußen
am Stadtrand, wo es sogar noch Bäume undGrünflächen gab.
Micha beschoß zu duschen bevor die anderen kamen. Sie hatten sich
für umVier Uhr bei ihm zu Hause verabredet um das weiter vorgehen
zu klären. Erging also ins Badezimmer, aber nicht ohne einen Umweg
über die Küche zumachen und die Kaffeemaschine an zu stellen.
Die eiskalte Dusche hatte neues Leben in Michas Körper gebracht und
erwar nun fast bereit zu neuen Schandtaten. Doch bevor er zum Haaretrocknen
kam, klingelte es an der Tür. Er schnappte sich also ein Handtuch
und schlang es um die Hüften. Als er durch den Türspion sah,
wußte er, das seine Ahnung richtig war. Nureiner kam immer zu früh
zu Verabredungen. Als die Tür geöffnet wurde, gab sie den Blick
auf eine Frau frei. Es wart dieFrau, die aus Michas Traum. Nur diesmal
war sie nicht in ein Seidentuch,sondern in typisches Straßenleder
gehüllt und auf ihrer Schläfe blitzte eineDatenbuchse. Micha
lächelte sie an und bat sie herein.
Im Wohnzimmer angekommen stellte die Frau einen Koffer,
deranscheinend ein Cyberdeck enthielt, neben den Couchtisch. Sie drehte
sichwieder zu Micha um und sah ihn an. Die Augen strahlten ein blaues Feueraus
und zogen ihn in ihren Bann "Hallo, Shadow!", sagte Micha leise.
"Hallo, Micha!", antwortete Shadow. Sie war die Deckerin gewesen,
die dieSache mit dem Schiff herausgefunden hatte. Micha hatte sie auf einem
Runkennengelernt und hielt immer noch Verbindung mit ihr. Man konnte niewissen,
wann man mal einen guten Decke braucht. "Kann ich dir irgend etwas
anbieten?" "Ja, dich", antwortete sie und zog ihn an sich
heran. Seine Antwort ersticktesie mit einem Leidenschaftlichen Kuß.
Micha war für einen Moment etwas verwirrt. Nicht das er sie nicht
liebteoder das sie ihn nicht liebte, doch im allgemeinen war sie nicht
soheißblütig, sondern eher zurückhaltend. Micha zog sie
auch fest an sich. Ihre Hände streichelten seinen Rücken undwandten
hinunter bis zum Handtuch, das nicht wirklich Widerstand leisteteuns sich
bald auf dem Fußboden wiederfand. Micha hatte ihr inzwischenden Jacke
und den Pullover ausgezogen und nahm sie nun auf den Arm undging mit ihr
ihn Schlafzimmer. Im Gegensatz zu dem Traum warf er siediesmal auf da Bett,
was sie laut aufjuchzen lies. Micha stieg ihr hinterher, während Shadow
sich das T-Shirt auszog. Ihrekleine Brust wurde von einem BH bedeckt. Plötzlich
klingelte es an der Tür. Zuerst schienen beide gelähmt zu sein.
Dann fiel Micha wie eineMarionette, deren Fäden gekappt worden waren,
neben Shadow auf dasBett zurück. Sie sahen einander an und mußten
beide anfangen zu lachen. Es klingelte erneut. Micha stand auf und suchte
sein Handtuch, währen Shadow die Teile ihrerKleidung zusammensuchte
und wieder anzog. "Machst du bitte auf", sagte er zu ihr und
verschwand wieder im Bad.
Mario, T.D. und Bozo waren noch bei Jake gewesen,
bevor sie zu Michagekommen waren. Sie sagten, das es ihm gut gehe und das
er jetzt zuHause im Bett lag und sich auskurierte. Die Wunde war nicht
so schlimmgewesen und nachdem Bony ihn wieder zusammen geflickt hatte,
war erschon wieder nach Hause gegangen. Die Besprechung dauerte nicht lange,
weil klar war, was zu tun war. Siewollten ihren Schmidt anrufen und ein
Treffen für die Übergabeausmachen. Dabei sollte Shadow die Rückendeckung
in der Matrixübernehmen.
Gesagt getan. T.D., Mario, Bozo und Micha stiegen
in T.D.s Bulldog undmachten sich auf den Weg eine günstige Telekomzelle
zu finden von deraus sie ihren Schmidt anrufen konnten. Shadow blieb unterdessen
beiMicha zurück und stöpselte sich in das Hamburger LTG Netz
ein.
In Rothenburgsort wurden sie fündig. Eine von
drei den Zellen war nochintakt. Sie standen abseits und konnten Leicht
überwacht werden, so dassich ihnen keiner unbemerkt nähern konnte.
Mario und Micha stiegen ausund gingen zur Telekomzelle, während T.D.
das Gelände mit ihrenSensoren überwachte. Micha zog eine Dose
Rasierschaum aus der Tascheseiner Jacke und sprühte die Kamera damit
voll. Er hielt die Methode füreleganter als das Objektiv zu zerstören
oder permanent mit Farbe zubedeckten. Mario wählte die Nummer von
Michas Privaten Anschluß zu Hause. Esklingelte nicht einmal, als
sich Shadow schon meldete: "Heute schon rasiert?", fragte sie
keck. "Ist alles OK" "Ja keine Angst ich hab' den Anschluß"
Danach wurde die Verbindung getrennt. Shadow hatte den LTG-Anschlußdes
Telekoms in der Matrix aufgespürt. Sie würde sich nun in der
Näheaufhalten, falls jemand anderes das Gleiche versuchen sollte.
Mario wählte nun die Nummer, die sie von ihrem
Schmidt erhalten hatten.Es läutete ein paar mal bis sich eine männliche
Stimme meldete. "Hallo?" "Guten Tag hier ist der Lieferservice
für die GMC Spezial" Dies war der verabredete Codesatz, der dem
Schmidt anzeigen solltewerde da am Telefon war. Sie hatten sich alle über
den Satz totgelacht,doch der Schmidt hatte darauf bestanden. "AH ja,
und was kann ich für sie tun. Haben sie Probleme?" "Ganz
im Gegenteil. Wir haben die Lieferung komplett und wollten siegerne anliefern."
"Oh, das ist sehr erfreulich. Ich übermittle ihnen die Daten
desTreffpunktes. Wenn sie so freundlich währen und ein Datenträger
einlegenwürden." Mario sah Micha fragend an und zog aus seiner
Tasche einen optischenSpeicherchip hervor, den er in den dafür vorgesehenen
Steckplatz imTelekom schob. Auf dem Bildschirm erschienen die Worte "Datentransfer.Bitte
Warten." mit einem Laufbalken darunter, der sich immer schnellerfüllte.
Schließlich erschien "Datentransfer beendet" auf dem Display
und derSchmidt meldete sich wieder. "Ich muß leider auf diesem
Treffpunkt insistieren, da ich unter gewissenZwängen stehe. Ich versichere
ihnen aber, das der Treffpunkt sicher ist." "Gut. Die Daten enthalten
alle Einzelheiten die Wichtig sind?" "Ja die Daten enthalten
Ort und Zeit des Treffens. Ich bitte sie pünktlich zuerscheinen, da
mein Terminplan sehr eng ist." "Gut, bis dann", sagte Mario
und beendete das Gespräch.
Die Durchsicht des Datenpakets ergab, das sie sich
Morgen Abend mit demSchmidt treffen sollten. Der Treffpunkt war eine alte
Lagerhalle inRothenburgsort, die, nach den Angaben des Schmidts, schon
lange Leerstehen sollte. Sie beschlossen sich Morgen wieder zu Treffen
um gemeinsam zumTreffen zu fahren. Damit war die Versammlung aufgelöst.
T.D. bot ihnenan, jeden einzelnen nach Hause zu fahren, doch Micha lehnte
dankend ab.Er kannte T.D.s Masche. Sie fragte ganz unschuldig ob ihr Opfer
etwasdagegen hätte, das sie noch fünf Minuten mit hineinkommt
auf ein wasauch immer und dann wurde wieder die ganze Nacht gesumpft. Nicht
dasdiese Partys schlecht oder langweilig waren. T.D. hatte das seltene
Talentjeden Party zu einem Erlebnis zu machen, aber heute wollte er einfachnach
Hause. Micha wußte das Shadow auf ihn warten würde. Also ging
erzurück zur Telekomzelle und rief sich ein Taxi.
Micha hatte sich ein Mittelklasse Taxi gerufen. Mittelklasse
hieß in diesemFall, das man nicht legal beraubt wurde, wie das bei
Luxustaxis der Fallwar, anderseits fand man auf keine Überbleibsel
des letzten Fahrgastes imFond. Das Taxi hielt vor seinem Haus. Micha hatte
es sich von dem Geldwas er von seinem ersten Run in Hamburg bekommen hatte
gekauft. Es warnicht groß und nur aus Holz gebaut, aber er fühlte
sich hier wohl. Esgehörte sogar ein kleiner Garten zu dem Haus. Leider
hatte Micha 2 linkeHände, was Pflanzen betraf, so das er sich einen
Gärtner genommen hatte,der ab und zu mal nach dem rechten sah. Die
Haustür war unverschlossen, ein gutes Zeichen. Shadow war also nachnicht
gegangen. Micha trat ein und fand sie im Wohnzimmer sitzend. Sah war wohl
bei einerziemlich langweiligen Tridshow eingeschlafen. Sie sah einfach
göttlich aus,wenn sie schlief. Micha beschloß sie nicht zu Wecken.
Er ging in die Kücheund holte eine Flasche Mineralwasser aus dem Kühlschrank.
Es war Zeit,das er sich wieder an seine Regeln hielt und die schlossen
Alkohol währendeines Jobs aus. Die Flasche gab beim öffnen ein
lautes Zischen von sich, alsdie Kohlsäure entwich. Er holte ein Glas
aus dem Küchenschrank undschenkte es sich halb voll. Die Flache wanderte
zurück in den Kühlschrank. Shadow lag noch immer auf der Couch
und schlief. Micha betrachtete sieganz genau. Die feinen Linien ihrer Lippen,
ihr filigraner Hals, ihreschlanken Finger. Alles paßte ganz genau
zusammen. Mein Gott liebte erdiese Frau. Plötzlich schlug sie ihre
Augen auf. "Hallo", sagte sie sanft. "Na, du Schlafnase!"
"Wie lange stehst du da schon?" Shadow setzte sich auf und streckte
ihremüden Glieder. "Nicht lange" Micha ging zu ihr hinüber
und setzte sich neben sie. Das Glasstellte er auf den Couchtisch, neben
eine Leere Packung Knabberkram.Dann beugte er sich zu ihr und gab ihr einen
leidenschaftlichen Kuß. Sieerwiderte den Kuß mit der gleichen
Leidenschaft, doch plötzlich löste siesich von ihm. "Ich
glaub ich muß los", sagte sie hastig. "Was ist los? Hab
ich was falsch gemacht?" Micha war vollkommen verwirrt. "Es ist
nichts mit dir. Es ist nur schon so spät und ich ..." Shadow
fischt nach ihrer Jacke, die neben der Couch lag und zog sie an. Das einzige
was Micha tun konnte war sie gehen zu lassen. Das Cyberdeck wanderte wieder
in den Tragekoffer, den Shadow wiederschulterte. Micha brachte sie noch
zur Tür. "Ich liebe dich!" rief er ihr hinterher. "Ich
dich auch", war ihre Antwort. Micha mußte es, doch er konnte
sie nicht verstehen.
Die Nacht verlief ruhig für Micha, keine Alpträume.
Den Rest des darauffolgenden Tages verbrachte Micha damit seine Waffen
zu Reinigen. Er rief auch noch Shadow an um ihr mitzuteilen, was sie am
Abend erfahren hatten. Sie entschuldigte sich kurz für ihr überhasteten
Aufbruch, aber es mußte einfach sein. Eine ihrer Standart Ausreden.
Shadow würde auch heute Abend nicht mitkommen. Sie hielt nichts von
Schußwaffen und würde den anderen nur im Weg stehen, wenn es
zu Problemen mit Blei kam. Am späten Nachmittag traf sich Micha mit
den anderen im Billys Bar. Billys Bar war eines ihrer Stammlokale. Sie
hatten Billy mal einen gefallengetan und nun etwas gut bei ihm. Es dauerte
nicht lange, bis der letzte eingetroffen war. Es war wie immer Bozo, der
Mechaniker. Er meinte erhätte nur ganz kurz an einem Smartlink gearbeitet
und schwupps, schon war eine Stunde vergangen. Bevor Bozo jedoch etwas
ordern konnte brachen sie jedoch auf. Sie wolltensich die Halle vorher
etwas genauer ansehen. Es gab genügend Schmidts,die versuchte die
Schattenläufer übers Ohr zu hauen. Das Gebäude lag in Mitten
eines Industriegebietes, wo sich viele kleineFirmen oder kleine Ableger
der großen Konzerne mischten. Hier und daStand eine Halle leer, ein
Zeichen dafür, das es auch Verlierer im großen Spiel gab. Ein
rostiges Metallschild hing noch zur Hälfte über dem großen
Tor, das fast die ganze Stirnseite der Halle, die der Treffpunkt war,einnahm.
In schon verblaßten Lettern stand '& Sohn' darauf.Micha stieg
aus dem Wagen und ging hinüber zur Halle. Unter seinemLangen Mantel
hatte er sein Colt M22A2 Sturmgewehr schußbereit. Ernäherte
sich langsam dem großen Tor. Durch die dunkel blaue Farbewuchsen
schon Rostflecken. Über das Interkom, das sie wieder angelegthatten,
meldete sich Mario. "Micha, die Halle ist sauber. Hier war heute noch
keiner." Der Magier hattedie Halle Strahl erkundet. Ein gute und schnelle
Methode sich vorÜberraschungsgästen zu schützen. Aber der
Astralraum hatte auch seineGrenzen. Alles tote Material sah dort gleich
aus, so das man technischeSpielereien nicht entdecken konnte. Hinter sich
hörte Micha, wie eine Tür des GMC Bulldog geöffnet wurde.
Eswar Bozo mit einem Werkzeugset. Wenn es in diesem Haus fallen gab, dannwürde
Bozo sie finden. Micha wartete bis Bozo ihn erreichte, dann gingen sie
gemeinsam zumgroßen Tor an der Stirnseite der Halle. Bozo untersuchte
die Halle genau. Er fand jedoch nichts. Er gab natürlichviele Möglichkeiten,
wie man aus einem Gebäude eine Todesfalle machenkonnte. Bozo kannte
die meisten. Ein paar C12 Geschenke, oder einennetten Kanister mit Nervengas
und schon war man Geschichte. Die Halle an sich hatte einen rechteckigen
Grundriß. An dem Ende, das demgroßem Tor gegenüber lag,
war ein weiteres Geschoß auf stelzen gebautworden. Darin befanden
sich die Büros, Sanitären anlagen und das Magazin,jedenfalls
die Überreste davon. Unter dem Obergeschoß, konnte man nochdie
Fundamente für einige Werkzeugmaschinen erkennen. Offenbar warendiese
verkauft worden, als der Betrieb pleite ging. Das Obergeschoß konntedurch
eine Treppe erreicht werden, die trotz ihres Aussehens einenstabilen Eindruck
machte. Sie führte zu einer Galerie, von der aus man dieRäume
des oberen Stockwerks erreichen konnte. Außerdem führe dieGalerie
auch noch an den Seitenwänden der Halle bis zu der Wand mit demgroßen
Tor. Die Galerie machte im Gegensatz zu der Treppe keinenSoliden Eindruck.
Als Bozo fertig war, trafen sie sich wieder an T.D.s Wagen. "Also
die Halle ist soweit Sauber, aber da gibt es eine Hintertür, die zu
denUmkleideräumen führt und die macht mir Kopfschmerzen. Ein
guter Ort füreinen Hinterhalt. Wenn sich ein paar ungebetene Gäste
da rein schleichen,dann bemerken wir sie erst, wenn es zu spät ist.
Deshalb wollte ich da einkleines Geschenk anbringen." Bozo holte einen
kleinen BlockPlastiksprengstoff aus einem kleinen Koffer. "Ich hoffe
ihr merkt euch das, das Baby weis nämlich nicht, das ihr die gutenseid."
Bozo sah in die Runde. Sie einigten sich schnell darauf, das T.D. ihren
Wagen in der Halle parkensollte. Die Feuerkraft des Autos würde den
Schmidt davon abhaltenDummheiten zu machen.
Sie warteten etwa eine Stunde bis der Schmidt kam.
Sie hörten dasGeräusch eines Hubschraubers, der sich schnell
näherte. Kurze Zeit spätertauchte ein Messerschmitt - Kawaski
Kolibri über dem Dach derangrenzenden Halle auf. Der Hubschrauber
drehte noch eine kleine Rundeüber dem Gebäude und setzte dann
davor auf. Der Schmidt sprang heraus. Er war allein und hatte wieder einen
Aktenkoffer dabei. Der Pilot blieb im Helikopter sitzen und ließ
die Turbine im Leerlauf weiter arbeiten. Micha hatte sich derweil auf die
Galerie begeben. Er traute der ihr zwar immer noch nicht aber die Schußposition
war zu gut um sie auf zu geben. Auf der linken Seite stand T.D. mit ihrem
Bulldog und auf der anderen Seitewartete Micha mit seinem Sturmgewehr.
Eine tödliche Kombination. Micha konnte nicht genau hören, was
Mario mit dem Schmidt besprach. Aber es schien Probleme zu geben. Sie Standen
vor der offenen Heckklappe des Bulldogs. Der Koffer der sie Platinen enthielt
stand offenim Wagen. Der Schmidt hatte die Platinen begutachtet und dann
hatten Mario und der Schmidt angefangen zu diskutieren. Micha hatte vollstes
Vertrauen in Mario. Er hatte immer ein ordentliches Honorar ausgehandeltund
diesmal schien der Schmidt sich ganz besonders zu zieren. Plötzlich
jaulte jedoch die Turbine des Hubschraubers auf und der Helikopter erhob
sich in die Luft. Micha konnte nicht sehen was Vorging, Bozo war jedoch
aus dem Wagen gestiegen um zu sehen was los war. Der Kolibri gewann schnell
an Höhe und flog Richtung Süden davon. Der Schmidt schien allerdings
unbeeindruckt davon. Er ließ seine Hände, mit denen er die meiste
Zeit heftig gestikuliert hatte in die Taschen sinken. Mario redete weiter
auf ihn ein, doch der Mann schien gar nicht mehr zuzuhören. Die Sprengladung
kündigte die ungebetenen Gäste an. Die Stahltür, hinter
denen sich die Umkleideräume befunden hatten wurde von der Detonation
fast aus dem Rahmen gerissen. Gleichzeitig zog der Schmidt etwas aus der
Tasche und ließ es auf den Boden fallen. Daraufhin füllte sich
die Halle mit dichtem Rauch. Micha ließ die Cyberware anlaufen. Seine
Cyberaugen schaltete er auf Infrarote Sicht. Die Technik rezitierte wieder
die vertraute Litanei des Todes: 'Alle Systeme einsatzbereit. Waffe : Colt
M22A2 Feuerwaffenmodus initialisiert. 39 Schuß im Magazin, 1 im Lauf
- Waffe betriebsbereit. Bitte Ziel wählen ... Bitte Ziel wählen
....' Die Kalte stimme seines taktischen Computer hallte wieder durch seinen
Kopf. Er wollte töten er fühlte es kribbeln als ob seine Nerven
unter Hochspannung stünden. Er war bereit. Am Boden der Halle konnte
er keine Wärmequellen erkennen. Bozo und Mario hatten sich anscheinend
im Wagen verkrochen, doch wohin war der Schmidt verschwunden. Wahrscheinlich
hatte er sich hinter einer der Kisten versteckt, die im hinteren Teil der
Halle unter dem Büros, standen. Eine ziemlich große Wärmequelle
kam durch das halb offene Tor herein und eröffnete das Feuer auf T.D.s
Wagen mit einer ziemlich großen Waffe. Der Computer speicherte sofort
das Ziel und überschüttete ihn mit Daten. Das Ziel sei mit hoher
Wahrscheinlichkeit ein Troll, der ein leichtes MG benutzte. Er konnte erkennen
wie Kugeln an der Panzerung des Bulldogs abprallten und ein wahres Funken
Gewitter verursachten.Micha eröffnete das Feuer auf dem Troll. Er
hatte das Sturmgewehr auf Vollautomatik gestellt und schickte dem Trolle
eine volle Salve entgegen. Er konnte das Ziel auch unter den Einschlägen
zucken sehen. Die meisten Kugel hatten getroffen. Aber das schien den Troll
nur am Rande zuinteressieren. Dieser drehte sich nämlich um und legte
auf Micha an. Doch in dem Moment wo der Troll abdrücken wollte wurde
er von einer Salve aus T.D.s Autokanone fast zerrissen. Micha wartete ein
etwa eine Minute. Als sich jedoch nicht regte ging er die Galerie entlang
zu der Tür, die zu den Umkleideräumen führte. Die Türhing
nur noch lose in den Angeln, so das Micha kein Problem hatte sie aufzumachen.
Er trat die Tür mit seinem Fuß auf, das Gewehr im Anschlag.
Die andere Tür und ein großes Stück der Wand fehlten. Vorsichtig
näherte er sich dem Loch in der Wand. Eine Treppe hatte hinauf geführt,
doch dieselag jetzt ziemlich verbogen auf dem Boden. Er konnte drei Gestalten
erkennen, die sich jedoch nicht mehr rührten. Micha machte sich auf
den Weg zurück zu T.D.s Wagen. Als er dortangekommen war hatte sich
der Rauch verflüchtigt und er konnte Bozo erkennen, wie er über
dem toten Körper ihres Auftraggebers kniete. "Er muß sich
einen Querschläger eingefangen haben", sagte Bozo tonlosund deutete
auf eine Wunde an der Schläfe. Sie durchsuchten die Leiche gründlich
und nahmen ein paarAufzeichnungen mit.
Sie machten sich schnell auf den Weg um nicht der
Polizei zu begegnen,die Explosion war bestimmt nicht unbemerkt geblieben.
Sie machten nicht viel Worte, als sie von dem Treffpunkt
flohen. Sie wußten, das sie ein Problem hatten. Sie hatten verdammt
viel riskiert und saßen jetzt auf einer ganzen Menge Hi-Tech Drek,
für den sie nicht einen EC sehen würden. Die Ware war novaheiß,
so heiß, das wenn sie überhaupt ein Schieber nehmen würde,
der preis ein Witz sein würde. Sie würden vielleicht gerade mal
die Auslagen decken können und dabei waren die verschossenen Kugeln
nur der kleinste Posten. Jake mußte versorgt werden, dann war da
noch der Waverider, den T.D. von einem Chummer gemietet hatte, ganz zu
schweigen, von den Schmiergeldern mit denen sie ihre Informationen besorgt
hatten.
Micha hatte neben T.D. Platz genommen und beschäftigte
sich mit dem Aufzeichnungen, die sie dem toten Schmidt abgenommen hatten.
Er hatte einen Taschencomputer ein seinem Mantel gehabt. Einer jener Knechte,
die einen Filofax überflüssig gemacht hatten. Sie waren für
einen Exec von heute so gut wie unentbehrlich, da sie de facto das ganze
Leben ihres Besitzers enthielten. Ohne den kleinen Diener, der in jede
Innentasche eines Anzugs paßte wurde der Geburtstag von Frau und
Kind vergessen, ganz zu schweigen von wichtigen Telekomnummern und Terminen.
Genau danach hielt Micha Ausschau. Nach Terminen oder nach der Telekomnummer
des Auftraggebers. Wenn der Zwischenhändler tot war, na und? Micha
war sicher, das der Mann nur ein Rad im Getriebe war. Das einzige was Micha
wirklich Kopfzerbrechen bereitete, war die Tatsache, daß er nicht
wußte ob der Auftag die Schattenläufer zu töten von dem
Boß erteilt worden war oder ob ihr Schmidt tatsächlich plötzlich
Eigeninitiative entwickelt hatte.
Micha war noch ganz in den Daten versunken, als T.D.
ihn vor seinem Haus absetzte. "Sag' mal hast du noch 'n bißchen
Zeit", fragte T.D., wobei sie einen fordernden Blick aufsetzte. Micha
bemerkte zuerst gar nicht recht, das T.D. mit ihm sprach. Er war gerade
dabei sich so etwas wie 'Tschüs bis Morgen' über die Lippen zu
schieben, bis er bemerkte, das die Frage an ihn gerichtet war. Also sah
er sich zu T.D. um und suchte verzweifelt nach einer Ausrede: "Puh,
ähm. Eigentlich sollte ich mir dir Daten noch einmal ansehen, wenn
wir wenigstens ein wenig Geld sehen wollten. Außerdem bin ich ein
wenig geschafft." Micha hoffte sie würde die Ausrede so schlucken.
Doch T.D. hatte bereits ein grinsen auf den Lippen. "Na, nix für
ungut ich hab' ja immer noch Bozo im Wagen, vielleicht kann ich ja den
überzeugen." Das Fenster vom Bulldog schob sich wieder nach oben
und T.D. fuhr wieder los, ohne auf eine Antwort zu warten. Nicht viele
kamen mit T.D.s anzüglicher, direkter, manchmal sehr schroffen Art
zurecht, doch Micha hatte sich mittlerweile schon daran gewöhnt.
Als Micha das Haus betrat fiel ihm auf, das die Tür
nicht abgeschlossen war. War Shadow noch nicht gegangen? Der Abend schien
noch ein paar andere Überraschungen parat zu haben. Als Micha das
Wohnzimmer betrag, fand er Shadow schlafend auf der Couch vor. Der Koffer,
der ihr Cyberdeck enthielt lag offen auf dem Tisch vor der Couch, das Kabel,
mit dem sich Shadow in die Matrix einstöpselte lag jedoch sauber aufgerollt
auf der Tastatur. Micha beschloß sie noch ein wenig schlafen zu lassen,
also ging er in die Angrenzende Wohnküche, die nur von einem Tresen
von dem Wohnzimmer getrennt war. Der Kühlschrank summte leise vor
sich hin und als Micha ihn öffnete drang die Kälte heraus. Micha
nahm eine Flasche Mineralwasser heraus und schloß den Kühlschrank
wieder. Aus einem Schrank nahm er ein schlankes Glas und goß ich
ein. Die Flasche wanderte zurück in den Kühlschrank. Micha warf
einen Blick über den Tresen aus Shadows schlafende Gestalt. Sie war
wundervoll. Oh Gott ja, er liebte diese Frau, trotz all der Schwierigkeiten
die sie hatten. Micha hatte Shadow vor etwa einem halben Jahr bei einem
Job kennen gelernt. Zuerst hatte er sie kaum beachtet, da sie von sich
aus sehr still war. Doch irgendwann war sie ihm aufgefallen, weil ein anderes
Teammitglied angefangen hatte sie zu belästigen. Raschow war ein wirklicher
dämlicher Ork. Micha hatte ihn nur kurz gesehen und fand ihn schon
unsympathisch, was bei einem normalerweise friedfertigen Menschen, wie
es Micha war, eine Seltenheit ist. Doch dieser Ork hatte in seiner penetranten
Art etwas an sich, so das Micha ständig das Bedürfnis hatte ihm
eine zu verplätten. Das komische war, das Micha zuerst dachte Shadow
und Raschow wären ein Paar, denn sein erster Gedanke an Shadow war:"
Wie kommt o ein Typ wie Raschow an so eine klasse Frau?" Doch das
Mißverständnis war schnell geklärt, als Micha Shadow bei
ein paar Besorgungen begleitete. Dort hatte sie sich gründlich darüber
aus geheult, wie sehr Raschow sie belästigen würde, das sie aber
keinen weg kenne ihn loszuwerden. Kurz darauf gab Micha seinem Wunsch Raschow
doch mal ein paar Verhaltensregeln ein zu bleuen nach und danach ließ
Raschow die Finger von Shadow. Seit dem hatten sie versucht eine Beziehung
auf zu bauen. Die Liebe zueinander war da, doch sie hatten beide verschiedene
Formen sie auszudrücken, so das sie die meiste Zeit doch nur stritten.
Es waren ungefähr 50 Prozent Himmel und 50 Prozent Hölle und
dennoch würde Micha Shadow niemals aufgeben. Es war wie eine innere
Verbundenheit, die stärker war als alles was er jemals erlebt hatte.
Diese Verbundenheit schien unzerstörbar zu sein. Micha konnte ihr
nie lange Böse sein obwohl er schon mit Leuten wegen weniger als das,
was Shadow im manchmal antat, nie wieder ein Wort gesprochen hatte, vermochte
Shadow ihm schnell wieder ein lächeln zu entlocken. Es war nicht so
das sie untreu war, ihn nicht liebte oder ihn nur benutzen wollte, es war
einfach so, das sie ihre liebe zu ihm nicht so darstellen konnte, wie Micha
es erwarten konnte. Es war einfach nicht ihre Art ihre Gefühle offen
zu zeigen, auch nicht dem Mann gegenüber den sie liebte. Aber Micha
brauchte gerade das manchmal, wenn ihn die alten Dämonen quälten
oder er sich verlassen vorkam. So kam es, das er sowieso niedergeschlagen
war, sie sich gegen seine schwülstigen Gefühlsausbrüche
abschottete und er dann mit seinen Träumen und Ängsten soweit
alleine war, bis er explodierte. Es war immer wieder das gleiche, doch
das Problem zu kennen hieß nicht es lösen zu können. Shadow
drehte sich auf die Seite und gab ein paar nuschelnde Geräusche von
sich. Micha sah zu ihr hinüber und hing weiter seinen Gedanken nach.
Sie hatten sich zuletzt bis vor fünf Tagen gestritten und nun verband
sie wieder diese überwältigende Innigkeit, als wäre man
ein Teil des anderen. Es war unbeschreiblich. Davor hatten sie sich knapp
drei Wochen nicht gesehen und auch nicht miteinander gesprochen. Sie hatten
beschlossen sich zu trennen, da sie beide übereingekommen waren, das
sie niemals eine Beziehung haben könnten, die sie beide glücklich
machen würde. Doch vor fünf Tagen hatte Shadow ihn angerufen
und er war zu ihr Gefahren. Sie hatten festgestellt, das sie sich noch
nicht von einander trennen konnten. Micha war nämlich auch kurz davor
gewesen sie anzurufen. Die ganze Sache war verrückt, doch das war
die sechste Welt auch Micha beschloß sich noch etwas Mineralwasser
zu besorgen. Als er die Flasche gerade wieder in den Kühlschrank zurück
stellen wollte Bemerkte er, das Shadow sich aufrichtete. Sie reckte sich
um die Müdigkeit aus ihrem Körper zu vertreiben. Micha haßte
es, wenn sie diese Pose einnahm, alles in seinem Körper schrie dann
geradezu nach ihr. "Hallo, gut geschlafen?" frage er. "Wie
ein Murmeltier", sagte Shadow wobei sie diesen merkwürdigen Gesichtsausdruck
hatte, der wie ein verschlafenes lächeln wirkte. "Wie lange bist
du schon hier", fuhr sie fort. "Nicht lange." Micha ging
zu ihr und zog sie zu ihm hoch. Er gab ihr einen leidenschaftlichen Kuß
um quasi da wieder zu beginnen, wo sie so unsanft gestört worden waren.
Shadow erwiderte den Kuß auch, doch plötzlich, als würde
es in ihrem Kopf 'Klick' machen, löste sie sich von ihm. Er sah ihr
in die Augen und wußte was kommen würde. Shadow sah sich verlegen
um und packte die Sachen die zu ihrem Deck gehörten in den Koffer,
den sie daraufhin schloß. "Ich bin noch ziemlich geschafft,
ich hoffe da verstehst das", sie war sehr unruhig, wie ein Tier, das
man eingesperrt hatte," ich hoffe du verstehst ..." Micha antwortet
nicht, er sah sie nur verständnisvoll an und brachte sie zu Tür.
Sie sahen sich noch kurz in die Augen und Micha konnte die Verwirrung sehen,
die sie so plötzlich überfallen hatte. Außerdem war da
auch die liebe, die sie für ihn empfand. "Ich liebe dich!"
Sagte Micha zu ihr "Ich weiß", antwortete sie und ging.
Es war wieder eine unruhige Nacht für Micha.
Die alten Dämonen ließen ihn zwar weitestgehend in Ruhe, doch
dafür beschäftigten ihn die letzten Ereignisse. Als er jedoch
gegen Morgen in den Schlaf gesunken war weckte ihn das Telekom. Ignorieren
half nichts, also raffe er sich auf und nahm das Gespräch an. Es meldete
sich Tommyknocker. "Sag' mal, warum nimmst du denn nicht auf. Ich
las das eine Ewigkeit klingeln und du rührst dich nicht." Der
Schieber war sichtlich aufgeregt und verärgert. "Krieg' dich
mal wieder ein", antwortete Micha, der immer noch versuchte die Müdigkeit
aus seinem Körper zu verbannen. "Was heißt hier Krieg dich
mal wieder ein! Ich versuche gerade deinen Arsch zu retten und du blaffst
mich hier dumm von der Seite an" Micha wußte, das Tommyknocker
immer etwas theatralisch auftat und das er fließend in 3 Sprachen
log, aber irgend etwas in dieser morgendlichen Triade ließ bei ihm
die Alarmglocken schrillen. "Tschuldige, du hast mich gerade aus dem
Schlaf gerissen, und ich muß nicht auf die Uhr sehen um zu wissen,
das man um diese Zeit keinen Hund vor die Tür setzten würde."
Micha ließ gerade die richtige Menge Zorn herüber kommen, um
sich vor dem Schieber keine Blöße zu geben. "Was ist also
der Grund für deinen ungewöhnlichen Anruf", fuhr Micha fort.
"Ich hab' euch doch einen einfachen Job vermittelt und nun sitzt mir
mein Johnson im Nacken und will mehr Infos über euch. Ich hab' ihn
ganz unverbindlich gefragt, was denn los wäre und also eines will
ich dir sagen, so einen Einlauf hab' ich noch nie bekommen. Erst mußte
ich mir sagen lassen, wich ich dazu käme solche Flaschen überhaupt
zu vermitteln, da ich doch ganz genau wüßte, wie unzuverlässig
ihr wärt. Dann forderte der Kerl abwechselnd euren Kopf und seine
Ware. Ich konnte ihn dann doch soweit zügeln, das er mit einem weiteren
Treffen einverstanden ist. Ich sag' dir alter das machst du noch mal mit
mir. Wie könnt ihr bitte so blöde sein, den Schmidt umzubringen.
Ganz ehrlich. Habt ihr euch das letzte bißchen Grips heraus explantieren
lassen. Meine Güte wie dumm kann man sein!" Micha saß ruhig
am Telekom, während der Schieber erst begann sich in seine Triade
hineinzusteigern. Irgendwann als der Schieber zum ende gekommen zu sein
schien griff Micha wieder ins Gespräch ein: "Nun halt mal die
Luft an, sonst wird dein Telekom noch rot! Ich weiß nicht was dein
Kontakt dir erzählt hat. Du hast uns einen Schmidt geschickt mit dem
wir einen Deal hatten. Lief alles wunderbar, bis wir die Ware übergeben
und kassieren wollten. Dann hat uns dieser linke Vogel gelinkt und wollte
uns Eiskalt abservieren. Wie findest du denn das. Wenn wir das erzählen,
dann wird keiner von dir mehr einen Job wollen." 'Schluck das erst
mal ', dachte Micha bei sich. "Nun fang du damit auch noch an! Ich
hab' euch einen Job vermittelt. Mehr nicht und ich kann dir sagen, das
was nachdem der Kontakt hergestellt worden ist nicht meine Sache ist. Ihr
habt dafür zu sorgen, das der Schmidt euch nicht abzockt!", der
Schieber wollte schon wieder einen Wortschwall ab lassen, doch Micha stoppt
ihn frühzeitig. "Genau das haben wir getan. Also warum lassen
wir jetzt nicht die dummen Sprüche und kommen zu Kern des Problems."
"Öhm, ja, gut", stammelte der Schieber, der von Michas Initiative
überrumpelt worden war. "Wir haben die Dinge, die wir für
unseren Schmidt besorgen sollten. Der ist jetzt tot. Du sagst du hast jemanden,
der den Boß des Schmidts darstellt und der ist immer noch an den
Sachen interessiert.?" "Ja, genau. Und ..." "Also wo
ist das Problem?" Micha konnte sehen, wie der Schieber es hast, wenn
er unterbrochen wurde. "Ihr wollt also ein Treffen?" "Ich
dachte der neue Schmidt wäre interessiert an einem Treffen mit uns?"
Tommyknocker schien heute Abend auch nichts für Spitzfindigkeiten
übrig zu haben, jedenfalls sagte dies sein Gesichtsausdruck. "Ja,
genau das." der Schieber war eindeutig verstimmt." Der Schmidt
schlägt ein treffen am gleichen Ort zur gleichen Zeit vor." Micha
verzog absichtlich übertrieben die Mine. "Ganz schlecht. Ich
würde sagen der Ort bringt schlechtes Karma. Schick ihn um die Zeit
ins 'Tiny Fisch' und die Sache geht klar. Du kannst ihm auch sagen, das
wir die Richtigen Sachen haben. Sein Vorgänger war jedenfalls sehr
interessiert an den Sachen, die wir hatten." Micha setzte ein breites
grinsen auf. Er war genau in der richtigen Stimmung um den Schieber zu
ärgern. "Ok, ich versuch' es. Wenn ihr nichts mehr von mir hört,
dann läuft die Sache wie besprochen ab." Genauso unerwartet,
wie Tommyknocker angerufen hatte beendete das Gespräch. Micha beschloß,
das keine Zeit mehr für Schlaf war und ging hinüber in die Küche
um sich einen Kaffee zu machen. Seine Gedanken beschäftigten sich
immer noch mit Tommyknockers Anruf. Er kannte den Schieber noch aus seiner
Zeit im fernen Osten. Damals hatte er versucht ein guter Söldner zu
werden, doch er hatte einfach nicht das Zeug dazu gehabt. Dafür war
er ein glänzender Organisator. Er konnte alles besorgen, was die Einheit
brauchte. Micha würde sogar fast soweit gehen ihn als Freund zu bezeichnen.
Er traute ihm soweit man einem Schieber eben trauen konnte, dennoch gab
es in seiner Zunft Leute, welche die Runner schon für weniger verkauft
hätten. Deshalb war er auch so beunruhigt, das Tommyknocker so aufgeregt
gewesen war. Micha vermutete, das diejenigen die ihn unter Druck gesetzt
hatten einiges an Macht hatten. Außerdem schien es sich um eine Organisation
zu handeln, denn hätte ihr Schmidt allein gehandelt wäre nichts
weiter gefolgt. Micha vermutete, das es sich wahrscheinlich um einen weiteren
Schieber handelte. Vor allen anderen Körperschaften hätte Tommyknocker
nicht so viel Angst. Der Staat hatte nicht die Macht, die Megakonzerne
hatten meist nicht das Interesse und andere illegale Organisationen wie
Russenmafia, Yakuza oder die Fratellanza hatten mit dem Fall, soweit Micha
das beurteilen konnte, mit der Sache nichts zu tun. Micha hatte schon von
Schieberkriegen gehört. Nichts war schlimmer für diese Leute,
als wenn Hilfsquellen plötzlich reihenweise versiegten. Tommyknocker
war nicht der kleinste in seinem Geschäft, doch wenn er Druck von
einem der wirklich großen im Geschäft bekam, würde es sich
das ganze sehr gut überlegen.
Micha beschloß die anderen anzurufen und sich
mit ihnen zu treffen. Er war sich sicher, das sich eine Organisation hinter
der Sache verbarg und es war gut möglich, das sie mehrgleisig fuhr.
Warum eine Sache kaufen, wenn man sie stehlen konnte. Um ein paar tot Schattenläufer
würde kaum einer eine Träne vergießen. Er erreichte alle
auf anhieb, so Tommyknocker ihn erreicht hatte. Keiner war wirklich glücklich
über seinen Anruf, doch sie sahen die Notwendigkeit ein. Also trafen
sie sich wieder bei ihm.
Das warten war wie immer das schlimmste. Vor allem,
weil keiner genau wußte, ob eine Gefahr drohte. Also verbrachten
sie die Zeit mit Fernsehen und ähnlichen Sinnvollen Tätigkeiten.
Als die Stunde ihres Treffens näher rückte, verlagerte sich jedoch
der Schwerpunkt ihrer Aktivitäten auf das säubern und überprüfen
ihrer Waffen.
Das 'Tiny Fisch' lag in er Innenstadt von Hamburg,
genau gesagt am Rödingsmarkt. Die Gegend war nach der Flut jedoch
nicht mehr dieselbe gewesen. Es ragten von den Alten Häusern nur noch
die Oberen Stockwerke aus der Wasser. Hamburg war zu einem richtigen Venedig
geworden. Der erste Besitzer des 'Tiny Fisch' hatte sich dies zu nutze
gemacht. Vor dem Restaurant waren einige Anlegestege für Boote, dem
einzigen Verkehrsmittel, mir dem man das 'Tiny Fisch' erreichen konnte.
T.D. hatte sich von ihrem Chummer wieder den Yamaha Waverider geliehen
und so langsam wurden die Kosten bei diesem Unternehmen zu einem echten
Ärgernis. Der Besitzer hatte einige Einschußlöcher am Rumpf
festgestellt und hatte eine Entschädigung gefordert. Da T.D. sich
den Waverider warm halten wollte mußten sie zahlen. Als das Boot
an einem der Anlegestege festgemachte hatte gingen sie in Richtung des
Eingangs. Man konnte an den Reliefs an der Hauswand erkennen, das hier
vorher wahrscheinlich ein Fester und nicht die gläserne Eingangstür,
durch den die Schattenläufer jetzt das Restaurant betraten. Das Foyer
war dezent eingerichtet. Man konnte erkennen, das hier auch einige Exec's
großer Konzerne verkehrten. Das 'Tiny Fish' war auch wegen seiner
guten Küche bekannt. Die Schattenläufer gaben ihre Waffen an
der Garderobe ab, da sie wußte, das die diese nicht durch die auf
der einen Seite unauffälligen, aber jedoch sehr guten Sicherheitsmaßnahmen
bringen würden. Micha hatte einen guten bekannten hier, der ihm auch
heute wieder eine der Stillen Ecken für ein Gespräch reserviert
hatte und er wollte ihn nicht mit solchen Mätzchen verärgern.
Sie gingen eine Treppe abwärts in den eigentlichen Speiseraum des
'Tiny Fish'. Der Gedanke des Erbauers war gewesen weiterhin einen Blick
durch die Fenster des 'Tiny Fish' zu gewähren. Doch leider machte
der Starke Verschmutzungsgrad der Elbe ihm einen Strich durch die Rechnung
so waren vor den Fenster Aquarien von doch recht beträchtlicher Größer
angebracht worden, in denen tatsächlich Fische schwammen. So machte
es fast den Eindruck, das es einigen Fischarten doch noch möglich
war in der Elbe zu überleben. Was die meisten Gäste natürlich
nicht wußten, das wenn wirklich Elbwasser in die Aquarien eingedrungen
wäre, wären die meisten Fische ziemlich schnell verendet. Die
Schattenläufer wurden jedoch von einem ober durch den Speiserum hindurch
geführt zu den Hinterzimmern, die von einem kleinen Gang abging, der
wiederum durch eine Tür vom Speiseraum getrennt war. Diese Hinterzimmer
wurden häufig für Geschäftsessen und ähnliche Dinge
genutzt. Michas Entscheidung hierher ins 'Tiny Fisch zu kommen war eine
taktische gewesen. Durch den etwas exklusiveren Hauch hatte er versucht
eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Durch die Tatsache, das beide
Seiten mit hoher Wahrscheinlichkeit unbewaffnet waren , wurden die Gemüter
zusätzlich beruhigt. Er hatte auch eine gewisse Anspannung in der
Gruppe wahr genommen. Jeder der im Schattengeschäft war haßte
Komplikationen, da sie viel zu oft tödlich endeten.
Ihr Schmidt erschien fast genau zu der verabredeten
Zeit. Der Mann war Konzern durch und durch. Sein distinguiertes Aussehen
und die Macht, die er Ausstrahlte machten das deutlich. Seine Bewegungen
waren kontrolliert, aber entspannt. Er wirkte gerade so, als wenn er sich
mit seinen Kollegen zu einem Arbeitsessen traf. Die Runner hatten sich
bereits an dem rechteckigen Tisch gesetzt als sein angekommen waren. Dabei
hatte Mario als Verhandlungsführer, den Platz an dem Kopf des Tisches
eingenommen. Rechts von ihm saß Micha, daneben Shadow. Auf der linken
Seite saßen, neben Mario, T.D. und Bozo. Jake lag immer noch im der
Schattenklink, da es kleine Komplikationen gegeben hatte. Der Schmidt nahm
nun am anderen Kopfende des Tisches Platz. "Herr Schmidt nehme ich
an", sagte Mario gelassen. "So in der Art." Erwiderte der
Mann kühl. "Es hat anscheinend einige Komplikationen gegeben.
Ich hoffe wir können uns nun einigen." Währen Micha zu dem
Schmidt sprach, schloß Mario kurz die Augen und wechselte in den
Astralraum. Mario konnte an den Auren seiner Freunde die Anspannung erkennen,
die Micha instinktiv erfaßt hatte. Die Aura des Schmidts zeugte dagegen
von äußerster Ruhe und Gelassenheit. Sie schien Mario fast unnatürlich,
er konnte jedoch nichts Ungewöhnliches an der Aura des Schmidt feststellen.
Ihr Schmidt war ein ganz mundaner Homo Sapiens Sapiens, der keine Cyberware
trug. Als Mario mit der Untersuchung der Aura des Schmidts fertig war kehrte
er in seinen Körper zurück. Hatte der Schmidt gelächelt
als Mario die seine Augen wieder geöffnete hatte. War dieser Mann
doch mehr als er schien. Der Schmidt schien Marios argwöhnischer Blick
nicht entgangen zu sein: "Ich kann sie beruhigen", sagte der
Mann zu Mario," ich bin leider durch und durch nicht magisch, wie
sie bestimmt festgestellt haben. Aber wenn sie eine bestimmte Position
erreicht haben, werden sie häufiger von Magiern askennt, die ihre
heutige Laune und ähnliches Feststellen wollen. Einige Leute tun alles,
damit sie bei geschäftlichen Verhandlungen besser abschneiden."
Das Haifischlächen konnte nicht darüber hinweg täuschen,
das der Schmidt jemand der obersten Ränge war. Normale Sarimänner
und mittlere Exec's kamen nicht einmal in die nähe von Magiern. "Ich
schlage vor wir kommen zu Geschäft." Der Schmidt ließ sich
den Ball nicht aus der Hand nehmen, so das den Runnern nichts weiter blieb
als der Dinge zu harren, die der Schmidt vorschlug. "Wie sie sicher
schon gemerkt haben ist bei der Abwicklung des Geschäftes etwas schief
gegangen, das sie leider auszubaden hatten. Ein Mitarbeiter der Organisation,
die wir für die Beschaffung der Gegenstände, die sie wiederum
beschafft haben, hat Leider versucht auf eigene Rechnung zu arbeiten. So
wie es aussah, wollte er ihnen einen Mißerfolg anhängen und
die Objekte dann selbst weiter zu verkaufen. Dieses Vorgehen hat dann auch
zu seinem an sich nicht bedauerlichen Ableben geführt. Wir sind bereit
die Sache zu vergessen, da es nicht ihr verschulden war. Die Schuldigen
sind schon oder werden noch zur Rechenschaft gezogen. Deshalb sind wir
bereit das Abkommen, das mit ihnen getroffen wurde so zu übernehmen,
wie es mit dem Verstorbenen ausgehandelt wurde plus einer fünf Prozent
Zulage für die Unannehmlichkeiten." Mario ließ sich die
Zahlen einmal kurz durch den Kopf gehen. Das Angebot war jetzt schon verlockend,
aber wer soviel Zahlen kann und das auf anhieb... "Ich würde
ihnen raten das Angebot anzunehmen. Eine Erhöhung wird es nicht geben.
Uns sie können sich ausrechnen, was sie für die Ware auf der
Straße bekommen würden. Sie wissen selbst das die ganze Sache
so heiß ist, das kein vernünftiger Schieber die Sachen nehmen
würde, außer jemand, der für uns Arbeitet. Dann würden
sie jedoch sehr viel weniger bekommen." Der Schmidt hatte recht, also
gab Mario Bozo einen Wink. Der holte einen Koffer unter dem Tisch hervor
und schob ihm zu dem Schmidt hinüber. Ein kurzer Blick des Schmidt
genügte um die Echtheit der Platinen zu bestätigen. Er nickte
zufrieden und zog aus der Innentasche seiner Jacke einen Kredstab hervor.
Shadow nahm den Stab an sich und checkte ihn, ob die vereinbarte Summe
auch wirklich vorhanden war. Danach transferierte sie das Geld schnell
auf einige vorbereitete Konten, die für die Runner sicher waren. Als
sie fertig war, nickte sie Mario zu. "Es war ein Vergnügen mit
ihnen Geschäfte zu machen", sagte der Schmidt, stand auf und
ging.
- ENDE -
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