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Banshee

von


Der Yamaha Waverider glitt fast lautlos über das Wasser. Der Motor war extra gedämpft worden um die Anwesenheit des schlanken Bootes nicht vorzeitig zu verraten. Es war wieder einmal diesig und neblig. Die Sicht war schlecht, so daß T.D. die Riggerin mit dem blauen Haar sich ganz auf die Sensoren des Waverider verließ. Das weltweite Positionssystem, der Nachfolger des veralteten GPS, verriet ihr die Position des Bootes. Sie steuerte sicher durch das enge Labyrinth der Speicherstadt, welche immer noch den größten Lagerkomplex der Welt beherbergt. Nur das dieser heute auch von den Küstenpiraten genutzt wird. Jenen Freibeutern, die als Nachfahren Störtebeckers, die Nordsee zu ihrem Jagdgebiet gemacht hatten. Und obwohl die HEST und das 3. Kieler Küstenschutzgeschwader versuchten diesem Treiben Einhalt zu gebieten, so verurteilte die ungeheure Menge an Tretboot - Rikschas, kleinen und mittleren Booten,KüMo's und Überseetransportschiffen dieses vorhaben von vornherein zum scheitern. So das sich die Sicherheitskräfte meistens schon damit zufriedengaben, wenn es nicht zu Gefechten im Elberaum kam. T.D. steuerte den Waverider gen Süden hinaus auf das offene Wasser. Ihr Ziel heute abend war ein Frachter, er gerade aus den UCAS kam. Micha sah die Lichter der Speicherstadt hinter sich im Nebel verschwinden.Nur die Geräusche drangen noch Gedämpft zu ihnen durch. Es war das ununterbrochene Poltern, das von dem be- und entladen der Schiffeerzeugt wurde, dort wo Stahl auf Stahl traf. Als T.D. den Waverider beschleunigte übertönte das Motor- und Fahrwassergeräusch die Geräusche vom Land und es schien so, als würde nur noch das Boot und der Nebel existieren. Micha blicke die anderen an. Da war T.D. die sich in die Kontrollen des Waveriders eingestöpselt hatte und nun zu schlafen schien. Micha gegenüber saß sichtlich nervös Mario, der Magier. Micha wußte, das Mario dieser Job überhaupt nicht gefiel. Das lag an zwei Dingen. Ersten haßte Mario das Wasser, vor allem wenn es soviel auf einmal war. Außerdem mochte Mario es generell nicht mit an vorderster Linie zu stehen,jedenfalls was Mario dafür hielt. Er zog es vor die anderen von T.D.'sgepanzertem Lieferwagen zu unterstützen und nicht in einem ungeschützten schaukelnden Boot. Neben Mario saß Jake. Er war einmal Mitglied bei ihrer Majestät Special Boat Service gewesen, einer Spezialeinheit der Britischen Marine. Micha hatte ihn bei den Pink Panthers, einer kleinen Söldnereinheit, bei der er eine Zeit lang nach seinem Berlinaufenthalt gedient hatte, kennengelernt.Jake war zu Kampfschwimmer ausgebildet worden, hatte dann aber ähnlichwie Micha die Nase voll vom Soldat spielen und war dann in die Schatten abgetaucht. Micha hatte erst vor kurzem wieder von ihm gehört und war dankbar, das Jake dabei war, denn er war absoluter Profi. Der letzte im Bunde war Bozo. Er war eigentlich ein mechanisches Genie,das aber von Zeit zu Zeit etwas Sehnsucht nach Aktion bekam. Micha hatte ihn aufgefordert mit zu kommen, da es wahrscheinlich zu einem'mechanischen' Problem kommen würde. Bozo war ein gemütlicher Kerl,etwas dicklicher Kerl und ein Kumpel auf den man sich absolut verlassenkonnte. Micha war davon überzeugt, das der Job für sie kein Problem sein sollte. Vorgestern hatte Tommyknocker, Michas bevorzugter Schieber, ein Treffen mit einem Schmidt arrangiert. Der Job den der Schmidt angeboten hatte war ziemlich verlockend gewesen, allein schon, wegen der fürstlichen Bezahlung, also hatten sie ihn Angenommen. Ziel des Jobs war ein neuartiges elektronisches Zielverfolgungssystem, das GMC für die neue Version der Banshee entwickelt hatte. Den Daten zufolge, die der Schmidt mit geliefert hatte, befand sich eine der neuen Banshees auf dem Frachter, dessen Position T.D. gerade ansteuerte. Doch nach den Daten des Schmidts sollt der Frachter erst Morgen im Laufe des Tages eintreffen und gleich an den Schuppen der Hapag festmachen. Was nicht in den Daten des Schmidts gestanden hatte, das der Frachter an dem Schuppen 90a Festmachen sollten, einem der Schuppen, der für die Sicherheitseinrichtungen berüchtigt ist. Micha hatte sich schon mit einem harten Gefecht abgefunden, doch Shadow, die Deckerin, hatte eine elegante Lösung gefunden. Einer ihrer Ex Freunde hatte bei Hapag gearbeitet und dieser hatte immer über die Unpünktlichkeit der Schiffer geärgert. Entweder kamen sie viel zu früh, so das kein Liegeplatz frei war,oder sie kamen zu spät, so das der kostbare Liegeplatz frei gehalten werden mußte. Und Shadow hatte den richtigen Riecher gehabt, der Frachter würde etwa einen Tag zu früh in Hamburg erwartet. Micha und die anderen hatten dann beschlossen, in der Nacht den Frachter zu entern. T.D.s Stimme tönte aus dem Lautsprecher des Interkoms, einem Erbstück,das Micha aus seiner Zeit als Söldner mitgebracht hatte. Es waren ein paarsehr alte Exemplare, mit sehr beschränkter Reichweite und nur sehrprimitiver Signalverschlüsselung, doch für ihre Zwecke waren die Gerätefast ideal. "Noch 3 Minuten zum Punkt A. Ich schalte jetzt das PES aus" Der Plan sah vor, das Positionserkennungssignal kurz vor dem Frachterausgeschaltet werden sollte. Die modernen Verkehrsüberwachungssysteme arbeiteten nicht Primär mit aktiven Sensoren, sondern ein kleinerSignalgeber an Bord jedes Fahrzeuges, strahlte den Fahrzeugcode und diePosition des Fahrzeugs ab, so das die Empfänger daraus inSekundenschnelle ein Bild der Umgebung berechnen konnten. Als T.D. dasPES-Signal abgeschaltet hatte war der Waverider von den Radarschirmenverschwunden und konnte nur noch mit aktiven Sensoren aufgespürtwerden. Doch in einem so dichten Gedränge, wie das im Hamburger Hafen,war dies nicht einfach und die Besatzung des Frachters würde von ihnensicher keine Notiz nehmen. Mehr Kopfzerbrechen bereitete ihnen das 3.KKSG oder die HEST, die gerade noch solchen Booten Ausschau hielten.Am Punkt A sollte Jake mit einem Taucheranzug bewaffnet sich demFrachter nähern, während T.D. halb um den Frachter herumfahren sollteum dann an der Gangway anzulegen.

"Jake, Zeit für dein Bad." T.D.'s, eh schon rauhe Stimme klang über dasInterkom noch mehr wie ein Reibeisen. Jake setzte die Brille auf und stieg auf den Rand des Booten, während T.D.die Motoren ein wenig drosselte. Jake sprang in das dunkle kalte Wasserund war verschwunden. T.D. ließ die Motoren wieder mit Höchstleistungarbeiten und der Waverider preschte wieder über das Wasser. Aus dem Nebel Tauchte die Silhouette des Frachters auf. Zu erst waren nurdie Positionsleuchten zu sehen, dann tauchte der Rumpf aus dem Nebelauf. Der Waverider passierte den Frachter am Heck und fuhr weiter geradeaus, bis der Frachter fast wieder im Nebel verschwunden war, doch danndrosselte T.D. die Motoren, bis sie fast keine Leistung mehr brachten undwendete das Boot. Sie näherte sich dem Frachter nun von Steuerbord,wobei einer der Motoren abgeschaltet war und der andere nur nochstotternd lief. Die Gangway war nicht heruntergelassen. Das war nicht vorgesehen gewesen. Soweit sie in Erfahrung gebrachthatten war es üblich, das ein Teil der Crew Abends an Land ging um sich zuvergnügen. Anscheinend hatte der Kapitän Landgänge nicht gestattet,warum auch immer. Micha hatte dies jedoch mit in seine Planung mit eingeschlossen. Er holteeine Enterpistole unter einer Plane hervor um damit das Schiff zu entern,doch plötzlich kam eine Stimme vom Frachter: "Hallo. Was wollen sie?" Die Stimme sprach brüchig Englisch mit einemstarken Akzent. Doch der Chip, den Micha benutze um seineEnglischkenntnisse zu verbessern lieferte eine einigermaßen Übersetzung.Während Micha noch nach einer Antwort suchte ertönte rechts von ihmT.D.'s Stimme: "Ja du könntest und helfen Schnuki! Wir haben hier einen Motorschaden undder verdammte Kahn läuft voll. Es wäre einfach tuffig, wenn du dieGangway runter lassen könntest, damit wir hier nicht bald nasse Füßebekommen!" T.D.'s Englisch hatte auch einige Ecken und Kanten, was darauf hinwies,das es nicht von einem Chip kam. "Ah, tut mir leid, ich Nix kann entscheiden. Ich müssen .. RGGL" rief dieStimme vom Frachter, bis sie in einem kehligen Laut erstickte. Etwas fielplötzlich vom Frachter, neben dem Waverider ins Wasser und ließ das Bootschwanken. Über ihnen nahmen die Winden, welche die Gangwayfesthielten mit einem gequälten Summen die Arbeit auf. Jake mußte denFrachter bereits geentert haben. "Mario, kümmer' dich um den Magier!" Micha deutete mit dem Finger aufden Magier, der immer noch sichtlich blaß in einer Ecke des Waveriderskauerte. Der Magier versank sofort in einen tiefen Trance. Schiffe wie dieses hatten im allgemeinen keine Große Besatzung. Diemeiste Zeit fuhren sie sogar unbemannt, doch für die Fahrt auf derNordsee wurde immer eine Besatzung eingesetzt, da es dort von Piratenund Giftgeistern wimmelte. Deshalb fuhr auch immer ein Magier mit, umden Giftgeistern Einhalt zu gebieten. Ohne diesen Magier war das Schiff sogut wie verloren, wenn es einem Geist begegnete. Dieser Magier war jetztMichas größte Sorgen, da er meisten genauso gut Menschen, wieGiftgeister jagen konnte. Die Gangway war fast unten. Micha sprang auf die Gangway und begannseinen Aufstieg. Bozo folgte ihm auf dem Fuß. T.D. und Mario blieben aufdem Waverider zurück. Micha hatte eine Ares Squirt für diesen Run gewählt. Diese Waffe verschoßein Trägergel aus einem Reservoir, das mit einem starkenBetäubungsmittel versetzt war. Die Waffe war leise und effektiv, wenn auchnicht tödlich. Oben an der Gangway erwartete sie Jake. "Wie sieht es aus?", fragte Micha. "Das Deck ist Sauber, sie müssen in den Aufbauten oder unter Deckstecken." Jake hatte die Taucherbrille wieder abgenommen und seineCyberaugen glänzten. Er hatte gerade etwas 800m geschwommen und wareine 4 Meter hohe Bordwand hochgeklettert, doch er sah kein wenigerschöpft aus. "Ok, laßt uns die Mannschaft suchen." Hedgehoc sah die beiden nocheinmal an und sprintete dann über den Stahl, zu den weiß getünchtenAufbauten, davon. Die Gangway befand sich etwas Mittschiffs auf der Steuerbordseite. Diedrei rannten entlang der Reeling, immer darauf bedacht im Schatten derriesigen Verladeluken zu bleiben. Die sechs großen Klappen, die immerPaarweise angeordnet waren, wurden zu Be- und Entladen des Schiffesbenutzt. Wenn sie geöffnet waren hatten die Verladekräne freien Zugriffauf das innere des Schiffes. Doch sie waren noch geschlossen, so das diedrei sich einen anderen Weg zum Laderaum suchen mußten. Ihr erstes Zielwürde jedoch die Brücke sein. Wenn es jemand schaffte von dort einenHilferuf zu senden, dann war das Unternehmen so gut wie gelaufen.Sie erreichten die Aufbauten und gingen zu der Tür, die sich auf derSteuerbordseite befand. Shadow war es gelungen einige prinzipielleBaupläne von den Schiffen dieses Typs zu bekommen, so wußten sieungefähr, welchen Weg sie nehmen mußten.Micha öffnete vorsichtig die Tür, doch der Flur hinter der Tür war leer. Siebewegten sich schnell durch den Flur, der nur schlecht beleuchtet wurde.Ein paar Notausgangsleuchten summten vor sich hin, während sich dereingebaute Akkumulator Strom aus dem Bordnetz holte, damit sie auchwährend eines Stromausfalls den Weg zum Ausgang beleuchten konnten.Der Flur machte einen scharfen Knick nacht rechts, während an der linkenWand eine Tür auftauchte, auf der sich das Symbol für das Treppenhausbefand. Nach Shadows Plänen befand sich in diesem Stockwerk nur dieKombüse und die Messen für die Offiziere und Mannschaften. Der schaleGeruch, der über dem Flur lag, bestätigten in sofern die Pläne. Bozo öffnete ruckartig die Tür zum Treppenhaus und Jake und Michasprangen hinein. Jake sicherte die Treppe, die nach oben führte. Siebegann direkt gegenüber der Tür und führte steil in das nächste Stockwerk.Micha kümmerte sich um den Treppenflur, der nach rechts ab ging. Anseinem Ende konnte man eine Tür in der rechten Wand erkennen. Derschwache Geruch nach Schmierstoffen ließen darauf schließen, das sie zuMaschinenraum führte. Die drei arbeiteten sich Stockwerk für Stockwerk durch das Treppenhaus,trafen jedoch auf niemanden. Die oberste Treppe führte direkt auf die Brücke und endete nicht in einemweiteren Treppenflur. Micha und die anderen enterten die Brücke sauberund lautlos. Sie trafen nur auf eine völlig überraschte Brückenwache, diegemütlich in einem Stuhl vor dem Sensordisplay döste. Die Mannschafthatte sich also völlig auf die HEST und das 3.KKSG verlassen, was an sichkein wunder war. Hier im Hafen waren Piratenüberfälle eher selten.Außerdem befanden sie sich in der Nähe des Harburger Hafen, dem dieHEST besondere Aufmerksamkeit schenkte. Die modernenÜberwachungssysteme hatten eine Brückenwache sowieso fast überflüssiggemacht. Micha befahl der Wache, den Kapitän und den ersten Offizier auf die Brückezu rufen und Jake unterstütze die Forderung mit einem ziemlich langenböse aussehenden Kampfmesser, das plötzlich an der Kehle des Matrosenauftauchte. Also blieb dem Mann nichts anderes übrig als zu gehorchen, er konnte sichgenau ausrechnen, was passieren würde, wenn er die anderen zu warnenversuchte. Bozo war unterdessen im Funkraum im hinteren Teil der Brückeverschwunden. Er setzte die Funkanlage gekonnt außer Gefecht, so das dieMannschaft keine Möglichkeit einen Funkspruch abzusetzen. Außerdemstörte er die bordinterne Kommunikation, so das, wenn ein Mitglied derBesatzung bemerken sollte was geschehen war, es die anderen nichtbenachrichtigen konnte. Mario hatte sich unterdessen gemeldet. Er hatte den Magier nicht findenkönnen und das machte ihn nervös. Ein Magier war an sich schon verdammtgefährlich, doch noch gefälliger war es, wenn man diesen Magier nichtfinden konnte. Micha und Jake blieb nichts anderes übrig als den Matrosen nach demMagier zu befragen. Dieser war allerdings schon so verzweifelt, das ergleich plauderte. Der Magier war in einem Kampf mit einem Giftgeistumgekommen. Es war ihm wohl gelungen den Geist zu bannen, doch diedafür notwendigen astralen Energien hatten den Magier überfordert, so daser seinem eigenen Zauber zum Opfer gefallen war. Micha und Jakeerfuhren sogar, wo die Leiche gelagert wurde. Sie lag zusammen mit derLeiche eines weiteren Matrosen in dem Zimmer des Magiers. Die beidenwaren wohl in Leichensäcke verpackt worden, damit ihre Körper dennächsten Angehörigen zur Beerdigung übergeben werden konnte. DieLeichensäcke sorgten für eine ausreichende Konservierung, damit dieLeichen nicht während der Transports verwesten. Das Gespräch wurde abrupt von 2 Herren in Offiziersuniformenunterbrochen Offenbar der 1O und der Kapitän. Doch angesichts der Waffender Runner lieferten sie keinen Widerstand. Der Kapitän wollte mit einer Triade über Piraterie und internationalenSeerecht beginnen, als Jake ihn mit einem Tranqpatch schlafen schickte.Der erste Offizier und der Matrosen folgten nur kurze Zeit später.Micha fand bei dem Kapitän eine Keycard, die ihnen Zugang zu denComputern an Bord gewähren würde. Micha warf die Karte zu Bozo hinüber,der in wieder im Funkraum, in dem sich auch die Computer befanden,verschwand. Micha und Jake fesselten die drei Besatzungsmitglieder, die sie schlafengeschickt hatten. Danach sperrten sie sie in den Kartenraum, der sichneben dem Funkraum befand. Bozo hatte inzwischen die Computer durchstöbert und war auf ein paarwichtige Informationen gestoßen. Es taten zur Zeit 8 Mann an Bord dienst. Also blieben noch 2 Mann übrig.Dem Computer zu folge war es der Leitende Ingenieur und ein Maschinist,welche zur Zeit dienst im Maschinenraum haben sollte, jedenfalls nach demDienstplan. Der Computer bestätigte außerdem das Schicksal des Magiersund des 4ten Matrosen. Bozo hatte auch die Position der Banshee ermittelt. Sie stand im vorderenDrittel des Laderaums auf der Backbordseite. Zu der Banshee gab es auchnoch ein nettes Zusatzfile mit einigen verweisen. Es sah so aus, als wenn eseinige Probleme gegeben hatte. Der Frachter war nämlich nicht wie üblichunbemannt gefahren, sondern voll Bemannt plus einer Gruppe von GMCMitarbeiter. Außerdem wurde von einem Rendezvous mit einem VTOL aufoffener See berichtet. Offenbar hatte man an der Banshee noch ein paarnachträgliche Korrekturen vorgenommen.

Sie standen vor der Kabinentür des LI. Bozo hatte aus dem Computererfahren, welche Kabine er bewohnte. Die Kabine war im Stockwerk unterder Bücke die erste und damit die kleinste. Auf diesem Stockwerk lagenauch die Kabinen des 1O und des Kapitäns.Die Tür war unverschlossen und der Mann im Bett schlief den Schlaf desGerechten. Jake verpaßte ihm vorsichtshalber ein Tranqpatch und fesselteihn an sein Bett. Die nächste Station war der Maschinenraum, der die einzige Verbindungzum Laderaum enthielt. Dort würden sie auch auf den letzten Mann derBesatzung treffen. Bis her war alles glatt gelaufen hoffentlich würde esauch so bleiben. Die drei stiegen die Treppen wieder hinunter und blieben vor der Tür zuMaschinenraum stehen. Die Tür war genauer gesagt ein feuerfestesStahlschott, das mit 2 Hebeln gesichert waren. Jake wollte sie geradeöffnen, als Micha ihn stoppte. "Warte", sagte er zu Jake "Mario, bitte Melden", Micha benutze das Interkom um en Magier zuerreichen "Ja, was gibt's", die Stimme sagte viel über seinen Zustand aus. Er fühltesich immer noch nicht gut. "Kannst du bitte im Maschinenraum nachsehen, wo da ein Mensch ist, Over" Etwa eine bis zwei Minuten blieb der Kanal ruhig, bis sich dann die Stimmeder Magiers erneut meldete: "Hier Mario. Ich hab' ein menschliches Wesen im Maschinenraum gefunden.Es befindet sich am Heck des Schiffes im untersten Stockwerk auf derrechten Seite und bastelt da irgend etwas." "Danke. Bleib' bei dem Kerl und sag uns Bescheid, wenn sich etwas tut,Over." Micha nickte zu Jake, der nun langsam das Schott öffnete. Hinter dem Schott befand sich eine Treppe, die nach unten in denMaschinenraum führte. An der Wand hinter der Tür prangerte ein großes'Rauchen Verboten' Schild. Sie stiegen Vorsichtig und leise die Treppehinunter. Jake führte die Prozession an, dahinter folgten Micha und Bozo. Die Maschine des Frachters war gewaltig. Sie umfaßte 4 kompletteStockwerke, von dem Zylinderköpfen im ersten Unterschoß, bis zu derNockenwelle im dritten Untergeschoß. Die Maschine Selbst war im erstenund zweiten Untergeschoß von einer Galerie umgeben. Im drittenUntergeschoß, reichten die Bodenplatten zwar bis fast an die Maschineheran, doch es blieb dennoch ein Spalt, der in die Bilge hinunter führte. Das gehen auf Stahlplatten erzeugt immer irgendwelche Geräusche, abersie kamen dennoch unbemerkt auf das dritte Untergeschoß, jedenfallsließen Marios schweigen und das unregelmäßige klappern und Fluchen auseiner Ecke des Maschinenraumes dies vermuten. Mario hatte gesagt, das er auf der rechten Seite des Schiffes an derMaschine arbeiten würde, doch als sie das Heck auf der Steuerbordseiteerreichten fanden sie niemanden vor. Micha lauschte und auch die Arbeitsgeräusche waren verschwunden, daseinzige, was er hören konnte, was das Atmen seiner Freunde. "Mario, bitte kommen!" Stille "Mario!" Ein leiser Fluch entwich Michas Kehle. Der Magier war wahrscheinlich imAstralraum und konnte sie deshalb nicht hören. Plötzlich gab es einen lauten Knall. Danach wieder Stille. Die drei gingensofort in Kampfposition, Waffen im Anschlag und auf alles gefaßt."Ja hab' ich euch!", rief eine Stimme. Micha, Jake und Bozo suchten verzweifelt die Umgebung ab, konnten aberkeinen erkennen. Nur ihre Professionalität hielt sie davon ab wild durch dieGegend zu ballern. "Ihr dachtet wohl ihr könntet euch wehren, aber ich hab' noch jede Mutterab gekriegt!" Die Stimme hatte einen heiteren lockeren Klang.Micha senkte seine Waffe und gestattet es sich etwas ruhiger zu werden.Offenbar hatte der andere Mann mit ein paar Schrauben und Mutterngefochten. Aber wo war er. Mich gab Jake und Bozo ein Zeichen. Sie würden um die Hauptmaschineherumgehen und auf der anderen Seite nachsehen. Sie hatten die Maschine noch nicht ganz umrundet, als sie einen Mannsahen, dessen Oberkörper fast ganz in einem Loch, im Gehäuse derHauptmaschine verschwand. Neben ihm lag eine Menge Werkzeug undMaschinenteile verstreut. Micha hob leise einen schweren Schraubenschlüssel auf und ließ ihn miteinem lauten Knall wieder auf den Boden fallen. Der Mann zucktezusammen und stieß sich den Kopf, als er seinen Oberkörper all zu hektischaus dem Loch ziehen wollte. Mit lautem Fluchen drehte er sich zu derQuelle des Kraches um, als er in das Geschäftsende von drei Waffen starrte.Der Mann hatte keine Zeit zu begreifen, was ihm wieder fuhr, als ein GelGeschoß aus Michas Waffe ihn auf der Brust traf. Das DMSO, das alsTrägersubstanz für die Betäubungsdroge fungierte drang mit Leichtigkeitdurch die Kleidung des Maschinisten und Sekunden Später lag dieserBewußtlos auf dem Boden. "Alles Klar?", ertönte Marios Stimme aus dem Interkom und Jake bestätigtemit einem gegrunztem "Ja!".

Vom Maschinenraum aus, verschafften sich Micha und Bozo Zutritt zumLaderaum, wo sie auch recht schnell die Banshee fanden. Währenddessenkehrte Jake zur Gangway zurück um den Matrosen der so unsanft über Bordgegangen war zu Holen. T.D. hatte ihn aus dem Wasser gefischt, damit ernicht ertrank. Jake trug den Mann in die Kombüse, wo er ihn an einen Tischsetzte und seinen rechten Fuß an das Tischbein fesselte.

Das Ausbauen der gesuchten Elektronikkomponenten erwies sich alserstaunlich einfach, so das sie etwa eine viertel Stunde später wiederablegen konnten, keine Minute zu früh wie sich herausstellen sollte.T.D. ließ die Motoren mit wenig Leistung arbeiten und sie entfernten sichlangsam vom Frachter, der nun wieder im Nebel verschwand. T.D. wolltenoch einen Augenblick warten um das PES Signal wieder zu aktivieren,damit sie keinen Verdacht erregten und niemand ihre Spur zum Frachterzurück verfolgen konnte. Doch dies sollte sich als Fehler erweisen.Plötzlich ertönte eine Sirene aus dem Nebel und eine Lautsprecherstimmebefahl ihnen: "Achtung, Achtung hier spricht die HEST drosseln sie ihre Motoren undwerden sie langsamer, wir kommen an Bord!" Hintern ihnen flammte plötzlich ein Suchscheinwerfer auf und tastete durchdie Nacht. T.D. dachte nicht daran langsamer zu werden und ließ die Motorenaufheulen. Der Waverider war eines der schnellsten Boote auf dem Marktund sie hatten eine gute Chance zu entkommen. Das andere Boot schien bemerkt zu haben, was sie geplant hatten unddrehte nun ebenfalls die Motoren auf, aber es schien nicht so schnell wieder Waverider zu sein. Plötzlich zuckte ein Strahl durch die Nacht, begleitet von dem typischenKnattern eines schweren MGs. Die Opposition verwendeteLeuchtspurgeschosse, die den Geschoßhagel wie einen Laserstrahlaussehen ließ. Die Leuchtspurgeschosse hatten zwar nicht dieDurchschlagskraft wie Normale Kugeln, aber sie ließen den Beschuß vielgefährlicher wirken. Die meisten Geschosse verfehlten ihr Ziel, aber ein oder zwei prallten alsQuerschläger vom Waverider ab. Micha sah sich kurz um, ob jemandverletzt war. Mario lag in regungslos in einer Ecke des Waverides. Michadachte zuerst, das er getroffen worden war, doch als er keine Verletzungfinden konnte schloß er, das der Magier im Astralraum war. Jake eröffnete als erster von ihnen das Feuer. Er feuerte in kontrolliertenFeuerstößen mit seiner Ingram Warrior auf das Boot der HEST, jedenfallsauf den Scheinwerfer, der als einziges zu sehen war. Man konnte jedochnicht erkennen ob er traf. Weitere Salven wurden von dem HEST Boot herüber zum Waveridergeschickt, doch die meisten lagen zu kurz und schlugen wirkungslos imWasser ein. Mittlerweile hatte Micha auch sein Colt M22A2 - Sturmgewehr hervorgeholtund den unter dem Lauf angebrachten Granatwerfer mit einerOffensivgranate geladen. Die Granate würde die Panzerung des Bootesnicht durchschlagen, doch wenn jemand auf Deck stand, würde die Wuchtihn von Bord werfen. Micha stellte seine Cyberaugen auf Infrarot Sicht um uns suchte nach demHEST Boot. Der Suchscheinwerfer leuchtete Grell als eine der größtenWärmequellen auf dem Boot. Unter ihm waren auch die erhitzen Läufe desMaschinengewehrs zu erkennen. Und wenn Micha sich nicht irrte, standhinter den beiden eine menschliche Wärmequelle. Sein Taktikcomputergab' dem eine Wahrscheinlichkeit von etwa 88%. Der Entfernungsmessergab die Entfernung zum Ziel mit 213.45 Metern an. Verdammt weit füreinen Granatwerfer vor allem bei so einer rasanten Verfolgungsfahrt aufeinem schwankenden Boot, bei der man schon genug damit zu tun hattenicht umzufallen. Micha stellte sich breitbeinig an das Heck das Waverider, etwas hinter Jake,der gerade damit beschäftigt war ein neues Magazin in seine MPeinzulegen. Mit einem Plopp verließ die Granate den Lauf derGranatwerfers und schlug rechts hinter dem Boot der HEST. Eine weißeGischtwolke markierte den Einschlagspunkt. Micha lud erneut eine Granatein den Granatwerfer und legte erneut an, als Jake plötzlich neben ihmzusammen sackte. Micha sah zu seinem Freund hinüber. Es schien so alshabe er eine Kugel in den Oberbauch bekommen, doch die gepanzerteKleidung hatte die meiste Wucht absorbiert. Bozo zog' Jake, derMittlerweile zu stöhnen und zu Fluchen begonnen hatte zu sich. Er hatteschon ein Medkit aus der Bordapotheke besorg und begann Jake zuversorgen. Eine Kugel, die von dem Waverider abprallte, erinnerte Micha wieder andas, sie verfolgende, HEST Boot. Micha legte erneut an und konzentriertesich, bis er dann den Auslöser des Granatwerfers betätigte. Diese Granatelag schon besser. Sie schlug direkt vor dem Boot der HEST ein. Der MGSchütze mußte sich etwas erschrocken haben, denn die nächsten Salvenlagen weit ab vom Ziel. "Könnt ihr die Kerl jetzt vielleicht mal loswerden! Wir haben sonst bald dieGesamte Hamburg Flotte am Hals!", reif T.D. von vorn. Micha lud wieder eine Granate nach, immer bemüht seine Ruhe undKonzentration nicht zu verlieren. Diese Granate trag das HEST Boot am Bug. Die Granate Explodierte ineinem Feuerball, der für einen Moment, den ganzen Himmel erleuchtete.Das MG verstummte und der Scheinwerfer erlosch. Anscheinend hatte ersein Ziel getroffen. Die Frage war nur ob sie das einschüchtern würde. DasBoot brauchte sie nur weiter zu verfolgen und zu warten bis dieVerstärkung eingetroffen war, die sie ohne Zweifel schon angeforderthatten. Doch das Boot wurde langsamer. Anscheinend war der Kanonier über Bordgegangen und sie wollten ihren wahrscheinlich verletzten Kameradenretten.

Der Abstand zwischen dem Waverider und dem HEST Boot vergrößerte sichzusehends und wenige Minuten erreichten sie das schützende Labyrinthder Speicherstadt. Jake war nicht allzu schwer verletzt. Sie würden ihn zu einemSchattendoktor bringen und er würde bald wieder auf dem Damm sein.

Nun mußten sie nur noch das Geschäft mit ihrem Schmidt beenden und alles würde gut werden ...

... Hoffentlich !?

Die Frau trat durch die Tür. Licht umspielte die schlanken Kurven ihresKörper. Sie war von großem Wuchs aber nicht üppig. Ihr makelloser Körperwar nur von einem weißen, seidigem Tuch eingehüllt, das ihre Weiblichkeiteher unterstrich, als sie zu verhüllen. Ihr dunkles langes, fülliges Haar lagoffen auf ihren Schulter und duftete nach Aprikosen. Der Mann saß aufeinem Bett. Er hatte nichts an, das seine muskulösen Formen verbergenwürde. Als die Frau den Raum betrat, stand er auf und trat ihr entgegen.Sie sahen sich beide fest in die Augen. Ihre Augen waren Blau und tief, sodas der Mann glaubte er müsse darin ertrinken. Die muskulösen Arme desMannes umschlossen die Frau und zogen sie fest an seinen Körper. Dabeifiel das Tuch von ihr ab, es hatte jetzt keinen nutzen mehr. Ihr Körper warweich und kühl - etwa 36.2o C - im Gegensatz zu seinem, der von einerinneren Hitze verschlungen wurde. Ihr Haar duftete wundervoll und derMann sog ihren Geruch ein, als währe es eine Droge. Sie hatte inzwischenihre Arme um seinen Nacken geschlungen und zog mit ihren langenwohlgeformten Fingern seinen Kopf an ihren. Als sich ihre Lippen berührten wußte er, das er im Himmel sein mußte. DerMann nahm die Frau auf den Arm und ging mit ihr hinüber zu Bett, wo ersie vorsichtig hinlegte. Der Mann begann sie über all zu Küssen. Er ließseinen Mund über ihren Hals - zum töten des Objekts Halsschlagader mitscharfen Gegenstand durchtrennen, oder Luftzufuhr durch würgenunterbinden - zu ihrer Brust wandern, die er zu liebkosen begann - dierechte Brust ist ein gutes Ziel für Feuer- und Stichwaffen Einsatz. Der Schrecke hoch und sah die Frau. Ihr Körper wurde plötzlich von einemGitternetz eingehüllt und vermessen. Eine Computerstimme verkündetestolz ihre Kleidergrößen, während eine andere ihm die besten Wege verrietum die Frau schnell und effizient zu töten. Der Mann sah sich um und fand einen Spiegel, doch was er dort sah ließ ihrzutiefst erschauern. Sein Kopf war nun ein grinsender Totenschädel aus feinstem Stahl. Dort wosich seine Augen befunden hatten saßen nun böse, rötlich leuchtendeCyberaugen. Überall auf einem Kopf leuchteten kleine LED, wie auf einemSupercomputer. Sein Körper war zum Teil noch menschlich, doch wie eineFeuerwand, die alles verzehrt, was ihr in den Weg kommt, breitete sich derZustand, der seinen Kopf befallen hatte über seinen Körper aus und überallwo es gewesen war hinterließ es das Cybertechnische Pendant zu seinembiologischen Vorgänger. Der Mann hörte in der ferne jemanden schreien. Zuerst dachte er es währedie Frau, also drehte er sich zu ihr um. Sie lag immer noch auf dem Bett und sah ihn an. Als sie jedoch zubegreifen schien, was mit ihm geschah, stand sie auf und ging zur Türhinaus. Was der Mann nicht sah war, das sie weinte. Der Schrei war immer noch da und wurde immer lauter. 'Woher mag erbloß kommen', dachte der Mann und sah sich weiter um. Jedoch ohneErfolg, bis er dann endlich bemerkte woher der Schrei kam. Er war es derda Schrie ...

Micha schreckte aus dem Schlaf hoch. Er wußte nicht mehr warum er soplötzlich und unsanft wach geworden war. Es kam ihm jedoch gelegen. In 4 Minuten hätte der Wecker ihn sowiesogeweckt. Die Leuchtziffern auf dem Display des Weckers zeigten 15: 26 an.Nach den Strapazen der letzten Nacht hatte Micha etwas länger schlafenwollen. Nach dem Ausflug zum Frachter hatten sie, nachdem sie im Gewirr derSpeicherstadt der Polizei entkommen waren, Jake zu einem Arzt gebracht.In den ADL mit dem immer noch recht guten sozialen Netz wäre es an sichkein Problem einen kranken behandeln zu lassen. Wenn man mal von derQualität der Behandlung absieht. Bei Schußwunden sah die Sache jedochanders aus. Schußwunden mußten der Polizei gemeldet werden und daranwaren angeschossene Schattenläufer gar kein Interesse. Also gab es aucheine ganze Reihe von halb legalen Ärzten, die gegen ein entsprechendesHonorar bereit waren diese Regelung zu vergessen.Dies waren dann auch meistens die Ärzte, die bereit waren mehr oderweniger illegale Cyber- und Bioware zu implantieren. Doch das Spektrumreichte auch hier vom Kurpfuscher zum genialen Nobelpreisanwärter, derdie Schatten einer Klage wegen Kurpfuscherei vorgezogen hatte. Es gabsogar Gerüchte, das einige Leute aus der Narkose aufgewacht waren undsich in Einzelteilen im Ersatzteillager eines Bodyshops wiedergefundenhatten. Micha kannte jedoch eine kompetente Ärztin, die bereit war illegal auchSchußwunden zu behandeln. Sie hatte ihn auch schon des öfteren wiederzusammen geflickt. Sie wurde von allen Bony genannt. Die Müdigkeit war noch nicht ganz aus seinem Körper gewichen, als Michasich aus dem Bett erhob. Der süßliche Geruch von Schweiß erfüllte denRaum. Er mußte wohl ganz schön geschwitzt haben. Micha zog die Jalousienhoch und öffnete das Fenster. Im Wohnzimmer wurde der Schweißgeruch von dem Geruch alterPizzareste ersetzt. Micha fühlte sich hundeelend und die 6 Dosen Bierlagen neben dem Couchtisch als stumme Zeugen. Auch hier öffnete Michadas Fenster. Der Smog des Metroplexes war immer noch besser als derGeruch alter Pizza. Die Sonne hatte anscheinend den Nebel der letztenNacht verdrängt und die Welt sah jetzt wesentlich lebendiger aus,jedenfalls hier draußen am Stadtrand, wo es sogar noch Bäume undGrünflächen gab. Micha beschoß zu duschen bevor die anderen kamen. Sie hatten sich für umVier Uhr bei ihm zu Hause verabredet um das weiter vorgehen zu klären. Erging also ins Badezimmer, aber nicht ohne einen Umweg über die Küche zumachen und die Kaffeemaschine an zu stellen. Die eiskalte Dusche hatte neues Leben in Michas Körper gebracht und erwar nun fast bereit zu neuen Schandtaten. Doch bevor er zum Haaretrocknen kam, klingelte es an der Tür. Er schnappte sich also ein Handtuch und schlang es um die Hüften. Als er durch den Türspion sah, wußte er, das seine Ahnung richtig war. Nureiner kam immer zu früh zu Verabredungen. Als die Tür geöffnet wurde, gab sie den Blick auf eine Frau frei. Es wart dieFrau, die aus Michas Traum. Nur diesmal war sie nicht in ein Seidentuch,sondern in typisches Straßenleder gehüllt und auf ihrer Schläfe blitzte eineDatenbuchse. Micha lächelte sie an und bat sie herein.

Im Wohnzimmer angekommen stellte die Frau einen Koffer, deranscheinend ein Cyberdeck enthielt, neben den Couchtisch. Sie drehte sichwieder zu Micha um und sah ihn an. Die Augen strahlten ein blaues Feueraus und zogen ihn in ihren Bann "Hallo, Shadow!", sagte Micha leise. "Hallo, Micha!", antwortete Shadow. Sie war die Deckerin gewesen, die dieSache mit dem Schiff herausgefunden hatte. Micha hatte sie auf einem Runkennengelernt und hielt immer noch Verbindung mit ihr. Man konnte niewissen, wann man mal einen guten Decke braucht. "Kann ich dir irgend etwas anbieten?" "Ja, dich", antwortete sie und zog ihn an sich heran. Seine Antwort ersticktesie mit einem Leidenschaftlichen Kuß. Micha war für einen Moment etwas verwirrt. Nicht das er sie nicht liebteoder das sie ihn nicht liebte, doch im allgemeinen war sie nicht soheißblütig, sondern eher zurückhaltend. Micha zog sie auch fest an sich. Ihre Hände streichelten seinen Rücken undwandten hinunter bis zum Handtuch, das nicht wirklich Widerstand leisteteuns sich bald auf dem Fußboden wiederfand. Micha hatte ihr inzwischenden Jacke und den Pullover ausgezogen und nahm sie nun auf den Arm undging mit ihr ihn Schlafzimmer. Im Gegensatz zu dem Traum warf er siediesmal auf da Bett, was sie laut aufjuchzen lies. Micha stieg ihr hinterher, während Shadow sich das T-Shirt auszog. Ihrekleine Brust wurde von einem BH bedeckt. Plötzlich klingelte es an der Tür. Zuerst schienen beide gelähmt zu sein. Dann fiel Micha wie eineMarionette, deren Fäden gekappt worden waren, neben Shadow auf dasBett zurück. Sie sahen einander an und mußten beide anfangen zu lachen. Es klingelte erneut. Micha stand auf und suchte sein Handtuch, währen Shadow die Teile ihrerKleidung zusammensuchte und wieder anzog. "Machst du bitte auf", sagte er zu ihr und verschwand wieder im Bad.

Mario, T.D. und Bozo waren noch bei Jake gewesen, bevor sie zu Michagekommen waren. Sie sagten, das es ihm gut gehe und das er jetzt zuHause im Bett lag und sich auskurierte. Die Wunde war nicht so schlimmgewesen und nachdem Bony ihn wieder zusammen geflickt hatte, war erschon wieder nach Hause gegangen. Die Besprechung dauerte nicht lange, weil klar war, was zu tun war. Siewollten ihren Schmidt anrufen und ein Treffen für die Übergabeausmachen. Dabei sollte Shadow die Rückendeckung in der Matrixübernehmen.

Gesagt getan. T.D., Mario, Bozo und Micha stiegen in T.D.s Bulldog undmachten sich auf den Weg eine günstige Telekomzelle zu finden von deraus sie ihren Schmidt anrufen konnten. Shadow blieb unterdessen beiMicha zurück und stöpselte sich in das Hamburger LTG Netz ein.

In Rothenburgsort wurden sie fündig. Eine von drei den Zellen war nochintakt. Sie standen abseits und konnten Leicht überwacht werden, so dassich ihnen keiner unbemerkt nähern konnte. Mario und Micha stiegen ausund gingen zur Telekomzelle, während T.D. das Gelände mit ihrenSensoren überwachte. Micha zog eine Dose Rasierschaum aus der Tascheseiner Jacke und sprühte die Kamera damit voll. Er hielt die Methode füreleganter als das Objektiv zu zerstören oder permanent mit Farbe zubedeckten. Mario wählte die Nummer von Michas Privaten Anschluß zu Hause. Esklingelte nicht einmal, als sich Shadow schon meldete: "Heute schon rasiert?", fragte sie keck. "Ist alles OK" "Ja keine Angst ich hab' den Anschluß" Danach wurde die Verbindung getrennt. Shadow hatte den LTG-Anschlußdes Telekoms in der Matrix aufgespürt. Sie würde sich nun in der Näheaufhalten, falls jemand anderes das Gleiche versuchen sollte.

Mario wählte nun die Nummer, die sie von ihrem Schmidt erhalten hatten.Es läutete ein paar mal bis sich eine männliche Stimme meldete. "Hallo?" "Guten Tag hier ist der Lieferservice für die GMC Spezial" Dies war der verabredete Codesatz, der dem Schmidt anzeigen solltewerde da am Telefon war. Sie hatten sich alle über den Satz totgelacht,doch der Schmidt hatte darauf bestanden. "AH ja, und was kann ich für sie tun. Haben sie Probleme?" "Ganz im Gegenteil. Wir haben die Lieferung komplett und wollten siegerne anliefern." "Oh, das ist sehr erfreulich. Ich übermittle ihnen die Daten desTreffpunktes. Wenn sie so freundlich währen und ein Datenträger einlegenwürden." Mario sah Micha fragend an und zog aus seiner Tasche einen optischenSpeicherchip hervor, den er in den dafür vorgesehenen Steckplatz imTelekom schob. Auf dem Bildschirm erschienen die Worte "Datentransfer.Bitte Warten." mit einem Laufbalken darunter, der sich immer schnellerfüllte. Schließlich erschien "Datentransfer beendet" auf dem Display und derSchmidt meldete sich wieder. "Ich muß leider auf diesem Treffpunkt insistieren, da ich unter gewissenZwängen stehe. Ich versichere ihnen aber, das der Treffpunkt sicher ist." "Gut. Die Daten enthalten alle Einzelheiten die Wichtig sind?" "Ja die Daten enthalten Ort und Zeit des Treffens. Ich bitte sie pünktlich zuerscheinen, da mein Terminplan sehr eng ist." "Gut, bis dann", sagte Mario und beendete das Gespräch.

Die Durchsicht des Datenpakets ergab, das sie sich Morgen Abend mit demSchmidt treffen sollten. Der Treffpunkt war eine alte Lagerhalle inRothenburgsort, die, nach den Angaben des Schmidts, schon lange Leerstehen sollte. Sie beschlossen sich Morgen wieder zu Treffen um gemeinsam zumTreffen zu fahren. Damit war die Versammlung aufgelöst. T.D. bot ihnenan, jeden einzelnen nach Hause zu fahren, doch Micha lehnte dankend ab.Er kannte T.D.s Masche. Sie fragte ganz unschuldig ob ihr Opfer etwasdagegen hätte, das sie noch fünf Minuten mit hineinkommt auf ein wasauch immer und dann wurde wieder die ganze Nacht gesumpft. Nicht dasdiese Partys schlecht oder langweilig waren. T.D. hatte das seltene Talentjeden Party zu einem Erlebnis zu machen, aber heute wollte er einfachnach Hause. Micha wußte das Shadow auf ihn warten würde. Also ging erzurück zur Telekomzelle und rief sich ein Taxi.

Micha hatte sich ein Mittelklasse Taxi gerufen. Mittelklasse hieß in diesemFall, das man nicht legal beraubt wurde, wie das bei Luxustaxis der Fallwar, anderseits fand man auf keine Überbleibsel des letzten Fahrgastes imFond. Das Taxi hielt vor seinem Haus. Micha hatte es sich von dem Geldwas er von seinem ersten Run in Hamburg bekommen hatte gekauft. Es warnicht groß und nur aus Holz gebaut, aber er fühlte sich hier wohl. Esgehörte sogar ein kleiner Garten zu dem Haus. Leider hatte Micha 2 linkeHände, was Pflanzen betraf, so das er sich einen Gärtner genommen hatte,der ab und zu mal nach dem rechten sah. Die Haustür war unverschlossen, ein gutes Zeichen. Shadow war also nachnicht gegangen. Micha trat ein und fand sie im Wohnzimmer sitzend. Sah war wohl bei einerziemlich langweiligen Tridshow eingeschlafen. Sie sah einfach göttlich aus,wenn sie schlief. Micha beschloß sie nicht zu Wecken. Er ging in die Kücheund holte eine Flasche Mineralwasser aus dem Kühlschrank. Es war Zeit,das er sich wieder an seine Regeln hielt und die schlossen Alkohol währendeines Jobs aus. Die Flasche gab beim öffnen ein lautes Zischen von sich, alsdie Kohlsäure entwich. Er holte ein Glas aus dem Küchenschrank undschenkte es sich halb voll. Die Flache wanderte zurück in den Kühlschrank. Shadow lag noch immer auf der Couch und schlief. Micha betrachtete sieganz genau. Die feinen Linien ihrer Lippen, ihr filigraner Hals, ihreschlanken Finger. Alles paßte ganz genau zusammen. Mein Gott liebte erdiese Frau. Plötzlich schlug sie ihre Augen auf. "Hallo", sagte sie sanft. "Na, du Schlafnase!" "Wie lange stehst du da schon?" Shadow setzte sich auf und streckte ihremüden Glieder. "Nicht lange" Micha ging zu ihr hinüber und setzte sich neben sie. Das Glasstellte er auf den Couchtisch, neben eine Leere Packung Knabberkram.Dann beugte er sich zu ihr und gab ihr einen leidenschaftlichen Kuß. Sieerwiderte den Kuß mit der gleichen Leidenschaft, doch plötzlich löste siesich von ihm. "Ich glaub ich muß los", sagte sie hastig. "Was ist los? Hab ich was falsch gemacht?" Micha war vollkommen verwirrt. "Es ist nichts mit dir. Es ist nur schon so spät und ich ..." Shadow fischt nach ihrer Jacke, die neben der Couch lag und zog sie an. Das einzige was Micha tun konnte war sie gehen zu lassen. Das Cyberdeck wanderte wieder in den Tragekoffer, den Shadow wiederschulterte. Micha brachte sie noch zur Tür. "Ich liebe dich!" rief er ihr hinterher. "Ich dich auch", war ihre Antwort. Micha mußte es, doch er konnte sie nicht verstehen.

Die Nacht verlief ruhig für Micha, keine Alpträume. Den Rest des darauffolgenden Tages verbrachte Micha damit seine Waffen zu Reinigen. Er rief auch noch Shadow an um ihr mitzuteilen, was sie am Abend erfahren hatten. Sie entschuldigte sich kurz für ihr überhasteten Aufbruch, aber es mußte einfach sein. Eine ihrer Standart Ausreden. Shadow würde auch heute Abend nicht mitkommen. Sie hielt nichts von Schußwaffen und würde den anderen nur im Weg stehen, wenn es zu Problemen mit Blei kam. Am späten Nachmittag traf sich Micha mit den anderen im Billys Bar. Billys Bar war eines ihrer Stammlokale. Sie hatten Billy mal einen gefallengetan und nun etwas gut bei ihm. Es dauerte nicht lange, bis der letzte eingetroffen war. Es war wie immer Bozo, der Mechaniker. Er meinte erhätte nur ganz kurz an einem Smartlink gearbeitet und schwupps, schon war eine Stunde vergangen. Bevor Bozo jedoch etwas ordern konnte brachen sie jedoch auf. Sie wolltensich die Halle vorher etwas genauer ansehen. Es gab genügend Schmidts,die versuchte die Schattenläufer übers Ohr zu hauen. Das Gebäude lag in Mitten eines Industriegebietes, wo sich viele kleineFirmen oder kleine Ableger der großen Konzerne mischten. Hier und daStand eine Halle leer, ein Zeichen dafür, das es auch Verlierer im großen Spiel gab. Ein rostiges Metallschild hing noch zur Hälfte über dem großen Tor, das fast die ganze Stirnseite der Halle, die der Treffpunkt war,einnahm. In schon verblaßten Lettern stand '& Sohn' darauf.Micha stieg aus dem Wagen und ging hinüber zur Halle. Unter seinemLangen Mantel hatte er sein Colt M22A2 Sturmgewehr schußbereit. Ernäherte sich langsam dem großen Tor. Durch die dunkel blaue Farbewuchsen schon Rostflecken. Über das Interkom, das sie wieder angelegthatten, meldete sich Mario. "Micha, die Halle ist sauber. Hier war heute noch keiner." Der Magier hattedie Halle Strahl erkundet. Ein gute und schnelle Methode sich vorÜberraschungsgästen zu schützen. Aber der Astralraum hatte auch seineGrenzen. Alles tote Material sah dort gleich aus, so das man technischeSpielereien nicht entdecken konnte. Hinter sich hörte Micha, wie eine Tür des GMC Bulldog geöffnet wurde. Eswar Bozo mit einem Werkzeugset. Wenn es in diesem Haus fallen gab, dannwürde Bozo sie finden. Micha wartete bis Bozo ihn erreichte, dann gingen sie gemeinsam zumgroßen Tor an der Stirnseite der Halle. Bozo untersuchte die Halle genau. Er fand jedoch nichts. Er gab natürlichviele Möglichkeiten, wie man aus einem Gebäude eine Todesfalle machenkonnte. Bozo kannte die meisten. Ein paar C12 Geschenke, oder einennetten Kanister mit Nervengas und schon war man Geschichte. Die Halle an sich hatte einen rechteckigen Grundriß. An dem Ende, das demgroßem Tor gegenüber lag, war ein weiteres Geschoß auf stelzen gebautworden. Darin befanden sich die Büros, Sanitären anlagen und das Magazin,jedenfalls die Überreste davon. Unter dem Obergeschoß, konnte man nochdie Fundamente für einige Werkzeugmaschinen erkennen. Offenbar warendiese verkauft worden, als der Betrieb pleite ging. Das Obergeschoß konntedurch eine Treppe erreicht werden, die trotz ihres Aussehens einenstabilen Eindruck machte. Sie führte zu einer Galerie, von der aus man dieRäume des oberen Stockwerks erreichen konnte. Außerdem führe dieGalerie auch noch an den Seitenwänden der Halle bis zu der Wand mit demgroßen Tor. Die Galerie machte im Gegensatz zu der Treppe keinenSoliden Eindruck. Als Bozo fertig war, trafen sie sich wieder an T.D.s Wagen. "Also die Halle ist soweit Sauber, aber da gibt es eine Hintertür, die zu denUmkleideräumen führt und die macht mir Kopfschmerzen. Ein guter Ort füreinen Hinterhalt. Wenn sich ein paar ungebetene Gäste da rein schleichen,dann bemerken wir sie erst, wenn es zu spät ist. Deshalb wollte ich da einkleines Geschenk anbringen." Bozo holte einen kleinen BlockPlastiksprengstoff aus einem kleinen Koffer. "Ich hoffe ihr merkt euch das, das Baby weis nämlich nicht, das ihr die gutenseid." Bozo sah in die Runde. Sie einigten sich schnell darauf, das T.D. ihren Wagen in der Halle parkensollte. Die Feuerkraft des Autos würde den Schmidt davon abhaltenDummheiten zu machen.

Sie warteten etwa eine Stunde bis der Schmidt kam. Sie hörten dasGeräusch eines Hubschraubers, der sich schnell näherte. Kurze Zeit spätertauchte ein Messerschmitt - Kawaski Kolibri über dem Dach derangrenzenden Halle auf. Der Hubschrauber drehte noch eine kleine Rundeüber dem Gebäude und setzte dann davor auf. Der Schmidt sprang heraus. Er war allein und hatte wieder einen Aktenkoffer dabei. Der Pilot blieb im Helikopter sitzen und ließ die Turbine im Leerlauf weiter arbeiten. Micha hatte sich derweil auf die Galerie begeben. Er traute der ihr zwar immer noch nicht aber die Schußposition war zu gut um sie auf zu geben. Auf der linken Seite stand T.D. mit ihrem Bulldog und auf der anderen Seitewartete Micha mit seinem Sturmgewehr. Eine tödliche Kombination. Micha konnte nicht genau hören, was Mario mit dem Schmidt besprach. Aber es schien Probleme zu geben. Sie Standen vor der offenen Heckklappe des Bulldogs. Der Koffer der sie Platinen enthielt stand offenim Wagen. Der Schmidt hatte die Platinen begutachtet und dann hatten Mario und der Schmidt angefangen zu diskutieren. Micha hatte vollstes Vertrauen in Mario. Er hatte immer ein ordentliches Honorar ausgehandeltund diesmal schien der Schmidt sich ganz besonders zu zieren. Plötzlich jaulte jedoch die Turbine des Hubschraubers auf und der Helikopter erhob sich in die Luft. Micha konnte nicht sehen was Vorging, Bozo war jedoch aus dem Wagen gestiegen um zu sehen was los war. Der Kolibri gewann schnell an Höhe und flog Richtung Süden davon. Der Schmidt schien allerdings unbeeindruckt davon. Er ließ seine Hände, mit denen er die meiste Zeit heftig gestikuliert hatte in die Taschen sinken. Mario redete weiter auf ihn ein, doch der Mann schien gar nicht mehr zuzuhören. Die Sprengladung kündigte die ungebetenen Gäste an. Die Stahltür, hinter denen sich die Umkleideräume befunden hatten wurde von der Detonation fast aus dem Rahmen gerissen. Gleichzeitig zog der Schmidt etwas aus der Tasche und ließ es auf den Boden fallen. Daraufhin füllte sich die Halle mit dichtem Rauch. Micha ließ die Cyberware anlaufen. Seine Cyberaugen schaltete er auf Infrarote Sicht. Die Technik rezitierte wieder die vertraute Litanei des Todes: 'Alle Systeme einsatzbereit. Waffe : Colt M22A2 Feuerwaffenmodus initialisiert. 39 Schuß im Magazin, 1 im Lauf - Waffe betriebsbereit. Bitte Ziel wählen ... Bitte Ziel wählen ....' Die Kalte stimme seines taktischen Computer hallte wieder durch seinen Kopf. Er wollte töten er fühlte es kribbeln als ob seine Nerven unter Hochspannung stünden. Er war bereit. Am Boden der Halle konnte er keine Wärmequellen erkennen. Bozo und Mario hatten sich anscheinend im Wagen verkrochen, doch wohin war der Schmidt verschwunden. Wahrscheinlich hatte er sich hinter einer der Kisten versteckt, die im hinteren Teil der Halle unter dem Büros, standen. Eine ziemlich große Wärmequelle kam durch das halb offene Tor herein und eröffnete das Feuer auf T.D.s Wagen mit einer ziemlich großen Waffe. Der Computer speicherte sofort das Ziel und überschüttete ihn mit Daten. Das Ziel sei mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Troll, der ein leichtes MG benutzte. Er konnte erkennen wie Kugeln an der Panzerung des Bulldogs abprallten und ein wahres Funken Gewitter verursachten.Micha eröffnete das Feuer auf dem Troll. Er hatte das Sturmgewehr auf Vollautomatik gestellt und schickte dem Trolle eine volle Salve entgegen. Er konnte das Ziel auch unter den Einschlägen zucken sehen. Die meisten Kugel hatten getroffen. Aber das schien den Troll nur am Rande zuinteressieren. Dieser drehte sich nämlich um und legte auf Micha an. Doch in dem Moment wo der Troll abdrücken wollte wurde er von einer Salve aus T.D.s Autokanone fast zerrissen. Micha wartete ein etwa eine Minute. Als sich jedoch nicht regte ging er die Galerie entlang zu der Tür, die zu den Umkleideräumen führte. Die Türhing nur noch lose in den Angeln, so das Micha kein Problem hatte sie aufzumachen. Er trat die Tür mit seinem Fuß auf, das Gewehr im Anschlag. Die andere Tür und ein großes Stück der Wand fehlten. Vorsichtig näherte er sich dem Loch in der Wand. Eine Treppe hatte hinauf geführt, doch dieselag jetzt ziemlich verbogen auf dem Boden. Er konnte drei Gestalten erkennen, die sich jedoch nicht mehr rührten. Micha machte sich auf den Weg zurück zu T.D.s Wagen. Als er dortangekommen war hatte sich der Rauch verflüchtigt und er konnte Bozo erkennen, wie er über dem toten Körper ihres Auftraggebers kniete. "Er muß sich einen Querschläger eingefangen haben", sagte Bozo tonlosund deutete auf eine Wunde an der Schläfe. Sie durchsuchten die Leiche gründlich und nahmen ein paarAufzeichnungen mit.

Sie machten sich schnell auf den Weg um nicht der Polizei zu begegnen,die Explosion war bestimmt nicht unbemerkt geblieben.

Sie machten nicht viel Worte, als sie von dem Treffpunkt flohen. Sie wußten, das sie ein Problem hatten. Sie hatten verdammt viel riskiert und saßen jetzt auf einer ganzen Menge Hi-Tech Drek, für den sie nicht einen EC sehen würden. Die Ware war novaheiß, so heiß, das wenn sie überhaupt ein Schieber nehmen würde, der preis ein Witz sein würde. Sie würden vielleicht gerade mal die Auslagen decken können und dabei waren die verschossenen Kugeln nur der kleinste Posten. Jake mußte versorgt werden, dann war da noch der Waverider, den T.D. von einem Chummer gemietet hatte, ganz zu schweigen, von den Schmiergeldern mit denen sie ihre Informationen besorgt hatten.

Micha hatte neben T.D. Platz genommen und beschäftigte sich mit dem Aufzeichnungen, die sie dem toten Schmidt abgenommen hatten. Er hatte einen Taschencomputer ein seinem Mantel gehabt. Einer jener Knechte, die einen Filofax überflüssig gemacht hatten. Sie waren für einen Exec von heute so gut wie unentbehrlich, da sie de facto das ganze Leben ihres Besitzers enthielten. Ohne den kleinen Diener, der in jede Innentasche eines Anzugs paßte wurde der Geburtstag von Frau und Kind vergessen, ganz zu schweigen von wichtigen Telekomnummern und Terminen. Genau danach hielt Micha Ausschau. Nach Terminen oder nach der Telekomnummer des Auftraggebers. Wenn der Zwischenhändler tot war, na und? Micha war sicher, das der Mann nur ein Rad im Getriebe war. Das einzige was Micha wirklich Kopfzerbrechen bereitete, war die Tatsache, daß er nicht wußte ob der Auftag die Schattenläufer zu töten von dem Boß erteilt worden war oder ob ihr Schmidt tatsächlich plötzlich Eigeninitiative entwickelt hatte.

Micha war noch ganz in den Daten versunken, als T.D. ihn vor seinem Haus absetzte. "Sag' mal hast du noch 'n bißchen Zeit", fragte T.D., wobei sie einen fordernden Blick aufsetzte. Micha bemerkte zuerst gar nicht recht, das T.D. mit ihm sprach. Er war gerade dabei sich so etwas wie 'Tschüs bis Morgen' über die Lippen zu schieben, bis er bemerkte, das die Frage an ihn gerichtet war. Also sah er sich zu T.D. um und suchte verzweifelt nach einer Ausrede: "Puh, ähm. Eigentlich sollte ich mir dir Daten noch einmal ansehen, wenn wir wenigstens ein wenig Geld sehen wollten. Außerdem bin ich ein wenig geschafft." Micha hoffte sie würde die Ausrede so schlucken. Doch T.D. hatte bereits ein grinsen auf den Lippen. "Na, nix für ungut ich hab' ja immer noch Bozo im Wagen, vielleicht kann ich ja den überzeugen." Das Fenster vom Bulldog schob sich wieder nach oben und T.D. fuhr wieder los, ohne auf eine Antwort zu warten. Nicht viele kamen mit T.D.s anzüglicher, direkter, manchmal sehr schroffen Art zurecht, doch Micha hatte sich mittlerweile schon daran gewöhnt.

Als Micha das Haus betrat fiel ihm auf, das die Tür nicht abgeschlossen war. War Shadow noch nicht gegangen? Der Abend schien noch ein paar andere Überraschungen parat zu haben. Als Micha das Wohnzimmer betrag, fand er Shadow schlafend auf der Couch vor. Der Koffer, der ihr Cyberdeck enthielt lag offen auf dem Tisch vor der Couch, das Kabel, mit dem sich Shadow in die Matrix einstöpselte lag jedoch sauber aufgerollt auf der Tastatur. Micha beschloß sie noch ein wenig schlafen zu lassen, also ging er in die Angrenzende Wohnküche, die nur von einem Tresen von dem Wohnzimmer getrennt war. Der Kühlschrank summte leise vor sich hin und als Micha ihn öffnete drang die Kälte heraus. Micha nahm eine Flasche Mineralwasser heraus und schloß den Kühlschrank wieder. Aus einem Schrank nahm er ein schlankes Glas und goß ich ein. Die Flasche wanderte zurück in den Kühlschrank. Micha warf einen Blick über den Tresen aus Shadows schlafende Gestalt. Sie war wundervoll. Oh Gott ja, er liebte diese Frau, trotz all der Schwierigkeiten die sie hatten. Micha hatte Shadow vor etwa einem halben Jahr bei einem Job kennen gelernt. Zuerst hatte er sie kaum beachtet, da sie von sich aus sehr still war. Doch irgendwann war sie ihm aufgefallen, weil ein anderes Teammitglied angefangen hatte sie zu belästigen. Raschow war ein wirklicher dämlicher Ork. Micha hatte ihn nur kurz gesehen und fand ihn schon unsympathisch, was bei einem normalerweise friedfertigen Menschen, wie es Micha war, eine Seltenheit ist. Doch dieser Ork hatte in seiner penetranten Art etwas an sich, so das Micha ständig das Bedürfnis hatte ihm eine zu verplätten. Das komische war, das Micha zuerst dachte Shadow und Raschow wären ein Paar, denn sein erster Gedanke an Shadow war:" Wie kommt o ein Typ wie Raschow an so eine klasse Frau?" Doch das Mißverständnis war schnell geklärt, als Micha Shadow bei ein paar Besorgungen begleitete. Dort hatte sie sich gründlich darüber aus geheult, wie sehr Raschow sie belästigen würde, das sie aber keinen weg kenne ihn loszuwerden. Kurz darauf gab Micha seinem Wunsch Raschow doch mal ein paar Verhaltensregeln ein zu bleuen nach und danach ließ Raschow die Finger von Shadow. Seit dem hatten sie versucht eine Beziehung auf zu bauen. Die Liebe zueinander war da, doch sie hatten beide verschiedene Formen sie auszudrücken, so das sie die meiste Zeit doch nur stritten. Es waren ungefähr 50 Prozent Himmel und 50 Prozent Hölle und dennoch würde Micha Shadow niemals aufgeben. Es war wie eine innere Verbundenheit, die stärker war als alles was er jemals erlebt hatte. Diese Verbundenheit schien unzerstörbar zu sein. Micha konnte ihr nie lange Böse sein obwohl er schon mit Leuten wegen weniger als das, was Shadow im manchmal antat, nie wieder ein Wort gesprochen hatte, vermochte Shadow ihm schnell wieder ein lächeln zu entlocken. Es war nicht so das sie untreu war, ihn nicht liebte oder ihn nur benutzen wollte, es war einfach so, das sie ihre liebe zu ihm nicht so darstellen konnte, wie Micha es erwarten konnte. Es war einfach nicht ihre Art ihre Gefühle offen zu zeigen, auch nicht dem Mann gegenüber den sie liebte. Aber Micha brauchte gerade das manchmal, wenn ihn die alten Dämonen quälten oder er sich verlassen vorkam. So kam es, das er sowieso niedergeschlagen war, sie sich gegen seine schwülstigen Gefühlsausbrüche abschottete und er dann mit seinen Träumen und Ängsten soweit alleine war, bis er explodierte. Es war immer wieder das gleiche, doch das Problem zu kennen hieß nicht es lösen zu können. Shadow drehte sich auf die Seite und gab ein paar nuschelnde Geräusche von sich. Micha sah zu ihr hinüber und hing weiter seinen Gedanken nach. Sie hatten sich zuletzt bis vor fünf Tagen gestritten und nun verband sie wieder diese überwältigende Innigkeit, als wäre man ein Teil des anderen. Es war unbeschreiblich. Davor hatten sie sich knapp drei Wochen nicht gesehen und auch nicht miteinander gesprochen. Sie hatten beschlossen sich zu trennen, da sie beide übereingekommen waren, das sie niemals eine Beziehung haben könnten, die sie beide glücklich machen würde. Doch vor fünf Tagen hatte Shadow ihn angerufen und er war zu ihr Gefahren. Sie hatten festgestellt, das sie sich noch nicht von einander trennen konnten. Micha war nämlich auch kurz davor gewesen sie anzurufen. Die ganze Sache war verrückt, doch das war die sechste Welt auch Micha beschloß sich noch etwas Mineralwasser zu besorgen. Als er die Flasche gerade wieder in den Kühlschrank zurück stellen wollte Bemerkte er, das Shadow sich aufrichtete. Sie reckte sich um die Müdigkeit aus ihrem Körper zu vertreiben. Micha haßte es, wenn sie diese Pose einnahm, alles in seinem Körper schrie dann geradezu nach ihr. "Hallo, gut geschlafen?" frage er. "Wie ein Murmeltier", sagte Shadow wobei sie diesen merkwürdigen Gesichtsausdruck hatte, der wie ein verschlafenes lächeln wirkte. "Wie lange bist du schon hier", fuhr sie fort. "Nicht lange." Micha ging zu ihr und zog sie zu ihm hoch. Er gab ihr einen leidenschaftlichen Kuß um quasi da wieder zu beginnen, wo sie so unsanft gestört worden waren. Shadow erwiderte den Kuß auch, doch plötzlich, als würde es in ihrem Kopf 'Klick' machen, löste sie sich von ihm. Er sah ihr in die Augen und wußte was kommen würde. Shadow sah sich verlegen um und packte die Sachen die zu ihrem Deck gehörten in den Koffer, den sie daraufhin schloß. "Ich bin noch ziemlich geschafft, ich hoffe da verstehst das", sie war sehr unruhig, wie ein Tier, das man eingesperrt hatte," ich hoffe du verstehst ..." Micha antwortet nicht, er sah sie nur verständnisvoll an und brachte sie zu Tür. Sie sahen sich noch kurz in die Augen und Micha konnte die Verwirrung sehen, die sie so plötzlich überfallen hatte. Außerdem war da auch die liebe, die sie für ihn empfand. "Ich liebe dich!" Sagte Micha zu ihr "Ich weiß", antwortete sie und ging.

Es war wieder eine unruhige Nacht für Micha. Die alten Dämonen ließen ihn zwar weitestgehend in Ruhe, doch dafür beschäftigten ihn die letzten Ereignisse. Als er jedoch gegen Morgen in den Schlaf gesunken war weckte ihn das Telekom. Ignorieren half nichts, also raffe er sich auf und nahm das Gespräch an. Es meldete sich Tommyknocker. "Sag' mal, warum nimmst du denn nicht auf. Ich las das eine Ewigkeit klingeln und du rührst dich nicht." Der Schieber war sichtlich aufgeregt und verärgert. "Krieg' dich mal wieder ein", antwortete Micha, der immer noch versuchte die Müdigkeit aus seinem Körper zu verbannen. "Was heißt hier Krieg dich mal wieder ein! Ich versuche gerade deinen Arsch zu retten und du blaffst mich hier dumm von der Seite an" Micha wußte, das Tommyknocker immer etwas theatralisch auftat und das er fließend in 3 Sprachen log, aber irgend etwas in dieser morgendlichen Triade ließ bei ihm die Alarmglocken schrillen. "Tschuldige, du hast mich gerade aus dem Schlaf gerissen, und ich muß nicht auf die Uhr sehen um zu wissen, das man um diese Zeit keinen Hund vor die Tür setzten würde." Micha ließ gerade die richtige Menge Zorn herüber kommen, um sich vor dem Schieber keine Blöße zu geben. "Was ist also der Grund für deinen ungewöhnlichen Anruf", fuhr Micha fort. "Ich hab' euch doch einen einfachen Job vermittelt und nun sitzt mir mein Johnson im Nacken und will mehr Infos über euch. Ich hab' ihn ganz unverbindlich gefragt, was denn los wäre und also eines will ich dir sagen, so einen Einlauf hab' ich noch nie bekommen. Erst mußte ich mir sagen lassen, wich ich dazu käme solche Flaschen überhaupt zu vermitteln, da ich doch ganz genau wüßte, wie unzuverlässig ihr wärt. Dann forderte der Kerl abwechselnd euren Kopf und seine Ware. Ich konnte ihn dann doch soweit zügeln, das er mit einem weiteren Treffen einverstanden ist. Ich sag' dir alter das machst du noch mal mit mir. Wie könnt ihr bitte so blöde sein, den Schmidt umzubringen. Ganz ehrlich. Habt ihr euch das letzte bißchen Grips heraus explantieren lassen. Meine Güte wie dumm kann man sein!" Micha saß ruhig am Telekom, während der Schieber erst begann sich in seine Triade hineinzusteigern. Irgendwann als der Schieber zum ende gekommen zu sein schien griff Micha wieder ins Gespräch ein: "Nun halt mal die Luft an, sonst wird dein Telekom noch rot! Ich weiß nicht was dein Kontakt dir erzählt hat. Du hast uns einen Schmidt geschickt mit dem wir einen Deal hatten. Lief alles wunderbar, bis wir die Ware übergeben und kassieren wollten. Dann hat uns dieser linke Vogel gelinkt und wollte uns Eiskalt abservieren. Wie findest du denn das. Wenn wir das erzählen, dann wird keiner von dir mehr einen Job wollen." 'Schluck das erst mal ', dachte Micha bei sich. "Nun fang du damit auch noch an! Ich hab' euch einen Job vermittelt. Mehr nicht und ich kann dir sagen, das was nachdem der Kontakt hergestellt worden ist nicht meine Sache ist. Ihr habt dafür zu sorgen, das der Schmidt euch nicht abzockt!", der Schieber wollte schon wieder einen Wortschwall ab lassen, doch Micha stoppt ihn frühzeitig. "Genau das haben wir getan. Also warum lassen wir jetzt nicht die dummen Sprüche und kommen zu Kern des Problems." "Öhm, ja, gut", stammelte der Schieber, der von Michas Initiative überrumpelt worden war. "Wir haben die Dinge, die wir für unseren Schmidt besorgen sollten. Der ist jetzt tot. Du sagst du hast jemanden, der den Boß des Schmidts darstellt und der ist immer noch an den Sachen interessiert.?" "Ja, genau. Und ..." "Also wo ist das Problem?" Micha konnte sehen, wie der Schieber es hast, wenn er unterbrochen wurde. "Ihr wollt also ein Treffen?" "Ich dachte der neue Schmidt wäre interessiert an einem Treffen mit uns?" Tommyknocker schien heute Abend auch nichts für Spitzfindigkeiten übrig zu haben, jedenfalls sagte dies sein Gesichtsausdruck. "Ja, genau das." der Schieber war eindeutig verstimmt." Der Schmidt schlägt ein treffen am gleichen Ort zur gleichen Zeit vor." Micha verzog absichtlich übertrieben die Mine. "Ganz schlecht. Ich würde sagen der Ort bringt schlechtes Karma. Schick ihn um die Zeit ins 'Tiny Fisch' und die Sache geht klar. Du kannst ihm auch sagen, das wir die Richtigen Sachen haben. Sein Vorgänger war jedenfalls sehr interessiert an den Sachen, die wir hatten." Micha setzte ein breites grinsen auf. Er war genau in der richtigen Stimmung um den Schieber zu ärgern. "Ok, ich versuch' es. Wenn ihr nichts mehr von mir hört, dann läuft die Sache wie besprochen ab." Genauso unerwartet, wie Tommyknocker angerufen hatte beendete das Gespräch. Micha beschloß, das keine Zeit mehr für Schlaf war und ging hinüber in die Küche um sich einen Kaffee zu machen. Seine Gedanken beschäftigten sich immer noch mit Tommyknockers Anruf. Er kannte den Schieber noch aus seiner Zeit im fernen Osten. Damals hatte er versucht ein guter Söldner zu werden, doch er hatte einfach nicht das Zeug dazu gehabt. Dafür war er ein glänzender Organisator. Er konnte alles besorgen, was die Einheit brauchte. Micha würde sogar fast soweit gehen ihn als Freund zu bezeichnen. Er traute ihm soweit man einem Schieber eben trauen konnte, dennoch gab es in seiner Zunft Leute, welche die Runner schon für weniger verkauft hätten. Deshalb war er auch so beunruhigt, das Tommyknocker so aufgeregt gewesen war. Micha vermutete, das diejenigen die ihn unter Druck gesetzt hatten einiges an Macht hatten. Außerdem schien es sich um eine Organisation zu handeln, denn hätte ihr Schmidt allein gehandelt wäre nichts weiter gefolgt. Micha vermutete, das es sich wahrscheinlich um einen weiteren Schieber handelte. Vor allen anderen Körperschaften hätte Tommyknocker nicht so viel Angst. Der Staat hatte nicht die Macht, die Megakonzerne hatten meist nicht das Interesse und andere illegale Organisationen wie Russenmafia, Yakuza oder die Fratellanza hatten mit dem Fall, soweit Micha das beurteilen konnte, mit der Sache nichts zu tun. Micha hatte schon von Schieberkriegen gehört. Nichts war schlimmer für diese Leute, als wenn Hilfsquellen plötzlich reihenweise versiegten. Tommyknocker war nicht der kleinste in seinem Geschäft, doch wenn er Druck von einem der wirklich großen im Geschäft bekam, würde es sich das ganze sehr gut überlegen.

Micha beschloß die anderen anzurufen und sich mit ihnen zu treffen. Er war sich sicher, das sich eine Organisation hinter der Sache verbarg und es war gut möglich, das sie mehrgleisig fuhr. Warum eine Sache kaufen, wenn man sie stehlen konnte. Um ein paar tot Schattenläufer würde kaum einer eine Träne vergießen. Er erreichte alle auf anhieb, so Tommyknocker ihn erreicht hatte. Keiner war wirklich glücklich über seinen Anruf, doch sie sahen die Notwendigkeit ein. Also trafen sie sich wieder bei ihm.

Das warten war wie immer das schlimmste. Vor allem, weil keiner genau wußte, ob eine Gefahr drohte. Also verbrachten sie die Zeit mit Fernsehen und ähnlichen Sinnvollen Tätigkeiten. Als die Stunde ihres Treffens näher rückte, verlagerte sich jedoch der Schwerpunkt ihrer Aktivitäten auf das säubern und überprüfen ihrer Waffen.

Das 'Tiny Fisch' lag in er Innenstadt von Hamburg, genau gesagt am Rödingsmarkt. Die Gegend war nach der Flut jedoch nicht mehr dieselbe gewesen. Es ragten von den Alten Häusern nur noch die Oberen Stockwerke aus der Wasser. Hamburg war zu einem richtigen Venedig geworden. Der erste Besitzer des 'Tiny Fisch' hatte sich dies zu nutze gemacht. Vor dem Restaurant waren einige Anlegestege für Boote, dem einzigen Verkehrsmittel, mir dem man das 'Tiny Fisch' erreichen konnte. T.D. hatte sich von ihrem Chummer wieder den Yamaha Waverider geliehen und so langsam wurden die Kosten bei diesem Unternehmen zu einem echten Ärgernis. Der Besitzer hatte einige Einschußlöcher am Rumpf festgestellt und hatte eine Entschädigung gefordert. Da T.D. sich den Waverider warm halten wollte mußten sie zahlen. Als das Boot an einem der Anlegestege festgemachte hatte gingen sie in Richtung des Eingangs. Man konnte an den Reliefs an der Hauswand erkennen, das hier vorher wahrscheinlich ein Fester und nicht die gläserne Eingangstür, durch den die Schattenläufer jetzt das Restaurant betraten. Das Foyer war dezent eingerichtet. Man konnte erkennen, das hier auch einige Exec's großer Konzerne verkehrten. Das 'Tiny Fish' war auch wegen seiner guten Küche bekannt. Die Schattenläufer gaben ihre Waffen an der Garderobe ab, da sie wußte, das die diese nicht durch die auf der einen Seite unauffälligen, aber jedoch sehr guten Sicherheitsmaßnahmen bringen würden. Micha hatte einen guten bekannten hier, der ihm auch heute wieder eine der Stillen Ecken für ein Gespräch reserviert hatte und er wollte ihn nicht mit solchen Mätzchen verärgern. Sie gingen eine Treppe abwärts in den eigentlichen Speiseraum des 'Tiny Fish'. Der Gedanke des Erbauers war gewesen weiterhin einen Blick durch die Fenster des 'Tiny Fish' zu gewähren. Doch leider machte der Starke Verschmutzungsgrad der Elbe ihm einen Strich durch die Rechnung so waren vor den Fenster Aquarien von doch recht beträchtlicher Größer angebracht worden, in denen tatsächlich Fische schwammen. So machte es fast den Eindruck, das es einigen Fischarten doch noch möglich war in der Elbe zu überleben. Was die meisten Gäste natürlich nicht wußten, das wenn wirklich Elbwasser in die Aquarien eingedrungen wäre, wären die meisten Fische ziemlich schnell verendet. Die Schattenläufer wurden jedoch von einem ober durch den Speiserum hindurch geführt zu den Hinterzimmern, die von einem kleinen Gang abging, der wiederum durch eine Tür vom Speiseraum getrennt war. Diese Hinterzimmer wurden häufig für Geschäftsessen und ähnliche Dinge genutzt. Michas Entscheidung hierher ins 'Tiny Fisch zu kommen war eine taktische gewesen. Durch den etwas exklusiveren Hauch hatte er versucht eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Durch die Tatsache, das beide Seiten mit hoher Wahrscheinlichkeit unbewaffnet waren , wurden die Gemüter zusätzlich beruhigt. Er hatte auch eine gewisse Anspannung in der Gruppe wahr genommen. Jeder der im Schattengeschäft war haßte Komplikationen, da sie viel zu oft tödlich endeten.

Ihr Schmidt erschien fast genau zu der verabredeten Zeit. Der Mann war Konzern durch und durch. Sein distinguiertes Aussehen und die Macht, die er Ausstrahlte machten das deutlich. Seine Bewegungen waren kontrolliert, aber entspannt. Er wirkte gerade so, als wenn er sich mit seinen Kollegen zu einem Arbeitsessen traf. Die Runner hatten sich bereits an dem rechteckigen Tisch gesetzt als sein angekommen waren. Dabei hatte Mario als Verhandlungsführer, den Platz an dem Kopf des Tisches eingenommen. Rechts von ihm saß Micha, daneben Shadow. Auf der linken Seite saßen, neben Mario, T.D. und Bozo. Jake lag immer noch im der Schattenklink, da es kleine Komplikationen gegeben hatte. Der Schmidt nahm nun am anderen Kopfende des Tisches Platz. "Herr Schmidt nehme ich an", sagte Mario gelassen. "So in der Art." Erwiderte der Mann kühl. "Es hat anscheinend einige Komplikationen gegeben. Ich hoffe wir können uns nun einigen." Währen Micha zu dem Schmidt sprach, schloß Mario kurz die Augen und wechselte in den Astralraum. Mario konnte an den Auren seiner Freunde die Anspannung erkennen, die Micha instinktiv erfaßt hatte. Die Aura des Schmidts zeugte dagegen von äußerster Ruhe und Gelassenheit. Sie schien Mario fast unnatürlich, er konnte jedoch nichts Ungewöhnliches an der Aura des Schmidt feststellen. Ihr Schmidt war ein ganz mundaner Homo Sapiens Sapiens, der keine Cyberware trug. Als Mario mit der Untersuchung der Aura des Schmidts fertig war kehrte er in seinen Körper zurück. Hatte der Schmidt gelächelt als Mario die seine Augen wieder geöffnete hatte. War dieser Mann doch mehr als er schien. Der Schmidt schien Marios argwöhnischer Blick nicht entgangen zu sein: "Ich kann sie beruhigen", sagte der Mann zu Mario," ich bin leider durch und durch nicht magisch, wie sie bestimmt festgestellt haben. Aber wenn sie eine bestimmte Position erreicht haben, werden sie häufiger von Magiern askennt, die ihre heutige Laune und ähnliches Feststellen wollen. Einige Leute tun alles, damit sie bei geschäftlichen Verhandlungen besser abschneiden." Das Haifischlächen konnte nicht darüber hinweg täuschen, das der Schmidt jemand der obersten Ränge war. Normale Sarimänner und mittlere Exec's kamen nicht einmal in die nähe von Magiern. "Ich schlage vor wir kommen zu Geschäft." Der Schmidt ließ sich den Ball nicht aus der Hand nehmen, so das den Runnern nichts weiter blieb als der Dinge zu harren, die der Schmidt vorschlug. "Wie sie sicher schon gemerkt haben ist bei der Abwicklung des Geschäftes etwas schief gegangen, das sie leider auszubaden hatten. Ein Mitarbeiter der Organisation, die wir für die Beschaffung der Gegenstände, die sie wiederum beschafft haben, hat Leider versucht auf eigene Rechnung zu arbeiten. So wie es aussah, wollte er ihnen einen Mißerfolg anhängen und die Objekte dann selbst weiter zu verkaufen. Dieses Vorgehen hat dann auch zu seinem an sich nicht bedauerlichen Ableben geführt. Wir sind bereit die Sache zu vergessen, da es nicht ihr verschulden war. Die Schuldigen sind schon oder werden noch zur Rechenschaft gezogen. Deshalb sind wir bereit das Abkommen, das mit ihnen getroffen wurde so zu übernehmen, wie es mit dem Verstorbenen ausgehandelt wurde plus einer fünf Prozent Zulage für die Unannehmlichkeiten." Mario ließ sich die Zahlen einmal kurz durch den Kopf gehen. Das Angebot war jetzt schon verlockend, aber wer soviel Zahlen kann und das auf anhieb... "Ich würde ihnen raten das Angebot anzunehmen. Eine Erhöhung wird es nicht geben. Uns sie können sich ausrechnen, was sie für die Ware auf der Straße bekommen würden. Sie wissen selbst das die ganze Sache so heiß ist, das kein vernünftiger Schieber die Sachen nehmen würde, außer jemand, der für uns Arbeitet. Dann würden sie jedoch sehr viel weniger bekommen." Der Schmidt hatte recht, also gab Mario Bozo einen Wink. Der holte einen Koffer unter dem Tisch hervor und schob ihm zu dem Schmidt hinüber. Ein kurzer Blick des Schmidt genügte um die Echtheit der Platinen zu bestätigen. Er nickte zufrieden und zog aus der Innentasche seiner Jacke einen Kredstab hervor. Shadow nahm den Stab an sich und checkte ihn, ob die vereinbarte Summe auch wirklich vorhanden war. Danach transferierte sie das Geld schnell auf einige vorbereitete Konten, die für die Runner sicher waren. Als sie fertig war, nickte sie Mario zu. "Es war ein Vergnügen mit ihnen Geschäfte zu machen", sagte der Schmidt, stand auf und ging.

- ENDE -



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