Iron Spirit
(Reuter Part II)
von Furimande
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Von Hassel schritt vor seiner Truppe ab und sah über die kleine Menge.
"Noch Fragen?"
Janns Hand schnellte in die Höhe, ehe er begriff, was er da tat. Chuck
und Abor sahen ihn erschrocken an.
Eisenfaust blieb stehen und schaute ein wenig finster auf den Piloten
herab.
Jann fing augenblicklich an zu schwitzen. Warum macht er das immer
wieder?
Wenn Eisenfaust die Mission erklärte, dann blieben selten irgendwelche
Fragen offen. Seine Frage am Ende jeder Besprechung war meist
rethorischer Natur.
"Reuter mal wieder.", knurrte er. "Was gibt es, Lieutenant?"
Jann schluckte seinen Unmut herunter und verkniff sich auch das "Äh",
das ihm sonst immer rausrutschte."
"Sir. Nach der Mission die sie gerade beschrieben haben, verschieben wir
unsere außenposten um gute 1,5 Kilometer über die jetztige
Verteidigungslinie hinaus und unser Aktionsgebiet wird weiter nach
Nordwesten verschoben. Das geht nah an die Basis der Azzies."
Der Major drehte sich zum Bildschirm um. "Ich kann die Karte selber
lesen, Lieutenant. Ich weiß, wo die Basis der Azzies liegt."
"Das hätte ich nie in Frage gestellt, Sir. Aber warum nennen sie die
Mission "Aufklärung und Verteidigung"? Für mich sieht das sehr offensiv
aus, und ich verwette meinen Monatssold darauf, daß sich die Azzies von
unserer Truppenbewegung nicht nur bedroht, sondern auch provoziert
fühlen werden. Eine Gegenaktion dieser Seite wird wohl kaum ausbleiben."
Der Major blieb vor Jann stehen, stemmte die Fäuste in seine breiten
Hüften und schaute auf ihn hinunter.
Chuck und Abor, die neben ihm saßen, rückten auf ihren Stühlen ein wenig
weiter von ihm weg.
"Lieutenant Reuter,", begann von Hassel tadelnd, "Haben sie denn in der
Ausbildung gar nichts gelernt?"
"Wie...", fiepte Jann unsicher
"Ja wer hat ihnen denn befohlen zu denken, Lieutenant! Und ich kann mich
auch nicht erinnern, wer sie zum Strategen berufen hat! Sie sind nicht
hier, um die Missionsparameter zu hinterfragen, sondern um sie
auszuführen!
Habe ich mich vorhin nicht deutlich ausgedrückt, Lieutenant?"
"Doch schon, Sir.", begann Reuter. Chuck schlug sich gegen die Stirn und
versteckte sein Gesicht hinter seiner Hand. "Aber unser Auftrag heißt,
"Beobachten und Melden". Sie haben nicht gesagt, daß wir eingreifen
sollen, wenn etwas passiert. Aber die Azzies werden bestimmt irgendwas
machen. Was sollen wir tun, wenn sie angreifen?"
"Dem Hauptquartier melden. Anscheinend nuschele ich, Reuter."
"Ich höre nur schlecht, Sir. Wir sollen uns nicht verteidigen? Nur
melden, falls ein Vorposten angegriffen wird?"
"So lautete der Auftrag. War das alles?"
"Nein, Sir." Jann biss sich fast auf die Zunge, Chuck neben ihm
verschluckte sich fast und hinter ihm keuchte jemand. "Was, wenn wir auf
den Patroullienflügen angegriffen werden? Sollen wir zum HQ zurück
fliegen oder die Drohne dann aufgeben?"
"Lieutenant Reuter!", donnerte der Major. "Sie haben soeben die gesamten
Befehle wiederholt, die ich ihnen vorhin gegeben habe! Entweder spreche
ich so undeutlich oder sie sollten sich neue Ohren holen. Aber ich habe
weder die Zeit noch die Lust, mit ihnen über unsere Mission zu
philosophieren! Wenn es heißt "Beobachten und Melden" dann tun sie genau
das! Und wenn sie angegriffen werden, heißt das, das sie sich zurück
ziehen! Das sind einfache Regeln! Wo liegt ihr Problem?!"
"Ich verstehe das nicht, Sir. Ich dachte..."
"Sie Denken nicht!", brüllte von Hassel und Jann stellte zum zweiten mal
fest, daß Vorgesetzte im allgemeinen eine feuchte Aussprache haben,
insbesondere diese, die mit Vorliebe brüllen. "Sie haben nicht zu
denken! Sie führen ihre Befehle aus, bis man ihnen was anderes sagt!
Haben sie das verstanden?!"
Jann unterdrückte den Impuls, sich das Gesicht abzuwischen und richtete
sich in seinem Stuhl ein wenig auf.
"Ja, Sir.", antwortete er.
"Gut.", bellte von Hassel. Ohne den Blick von Jann zu nehmen fragte er
in den Raum "Hat sonst noch jemand Fragen?!"
Der Raum war so still, daß man das die Uhr draußen im Flur ticken hören.
"Dann an die Arbeit!"
Die Truppe erhob sich und verließ den Raum.
"Lieutenant Reuter, sie bleiben noch.", sagte der Major, als Jann
aufstand und zur Tür ging. Sein Herz sank ihm in die Hose.
Als der Raum leer war, griff von Hassel nach der Fernbedienung und
schaltete den Bildschirm ab.
Er trat zu Jann. "Warum haben sie diese Fragen gestellt?", wollte er von
dem Piloten wissen.
"Sir, Ich und meine Kameraden, ebenso wie andere Einheiten und Material
sind vor nur wenigen Monaten eingetroffen. Und heute wird unserer
Verteidigungslinie verschoben, in Richtung des HQ der Azzies.
Ich habe die Berichte gelesen und mir die Feldprojektionen angesehen,
einfach um zu wissen, was auf mich zu kommen wird. Von den Azzies hört
man ja so einiges. Und anscheinend finden die es schon alarmierend, wenn
sich hier jemand eine neue Uzi liefern lässt. Für mich erscheint diese
Mission wie eine Art Provokationskampagne, um entweder die Leute zu
einer Reakion zu zwingen, um uns den Vorwand für weitere Kriegsaktionen
zu geben, oder um deren Ambitionen auszuloten.
Anscheinend rechnet man damit, das auf das Verschieben unserer Grenzen
eine Reaktion erfolgt und ist bereit, dies in Kauf zu nehmen. Das würde
auch erklären, warum O'Haras Truppen nicht zu den Vorposten geschickt
werden, sondern die Grenze an den Randgebieten und an den Basisnahen
Punkten verstärken."
Major sah den Piloten eingehend an. Seine Miene bewegte sich ebenso sehr
wie ein Stein auf dem Mond.
"Erstaunliche Analyse, Lieutenant. Respekt."
Jann winkte ab. "Als Pilot wird man darauf trainiert, sich ein Bild von
der Gesamtlage zu machen, besonders von oben. Den anderen ist es auch
aufgefallen. Sie haben nur nichts gesagt."
Von Hassel seufzte. Jann glaubte zuerst, die Klimaanlage wäre kaputt.
"Reuter.", begann dieser. "Ich habe ähnliche Fragen an den Obersten Stab
gerichtet, als sie mir die Befehle schickten. Man hat mir in etwa das
gleiche gesagt, wie ich vorhin ihnen. Mehr oder weniger ebenso
freundlich.
Ganz gleich, was wir uns dazu denken, es spielt keine Rolle. Wir tun,
was uns gesagt wird und bekommen die Antworten später. So war das immer
im Militär, wird nie anders sein.
Ich kann also ihre Verwirrung verstehen. Wenn sie aber noch einmal meine
Befehle so offenkundig anzweifeln, wenn ich eine Besprechung halte,
dann fahren sie ab morgen nur noch die Wartungsdrohnen.
Ich hoffe, sie haben das verstanden."
"Nur allzu gut Sir.", sagte Jann. Er wollte noch hinzufügen, daß der
Major wohl unter Druck gesetzt wird und sichr fragt, warum er so
widersinnige Befehle weitergeben muß und diesmal keine Antworten von
oben bekommt. Aber Jann war nicht so dumm, sowas laut auszusprechen.
Er salutierte und verließ den Raum.
"Lieutenant Reuter meldet sich zum Einsatz.", schnarrte die Drohne.
Cullen stand neben dem kleinen Vehikel und bückte sich amüsiert zu den
Sensoren.
"Wie geht es Dir da drinnen?", fragte er und klopfte gegen die
gepanzerte Hülle.
"Sehr lustig." knackte es aus den Lautsprechern. "Mach das nochmal.",
bat Jann nach einer kurzen Pause.
Der Magier stand verwirrt vor dem Aparat. "Was?"
"Klopf nochmal gegen die Drohne."
Cullen zuckte mit den Schultern. "Wenn Du darauf stehst...". Er klopfte
nochmal gegen die Außenhülle.
"Die Sensoren wackeln.", stellte Jann fest. "Wenn Du dagegen klopfst,
verschwimmt das Bild und das Radar wird gestört"
"Hm, ein Wackelkontakt?" vermutete Trey.
Die Drohne schnarrte. "Glaube ich nicht. Wenn, dann ist es ein sehr
schlimmer. Hilf mir, das Ding auf den Jeep zu laden. Ich bring sie zum
Techniker."
Trey drehte sich zu dem Fahrzeug um. Jann stöpselte sich gerade aus der
Fenrsteuerkonsole aus und stieg vom Sitz.
Der Magier packte eine der Trageschienen und hob die Drohne mit Jann
zusammen auf die Ladefläche.
"Das Ding ist ziemlich schwer.", keuchte Cullen. "Wie hält sie sich nur
in der Luft?"
Jann klopfte sich die Hände an der Hose ab und betrachtete das kleine
Fluggerät auf dem Jeep.
"Vektorschub, Trey. Das Ding hat Düsen. Außerdem ist es bewaffnet und
mit dem vollen Sensorenpaket ausgestattet, den Treibstoff nicht zu
vergessen. Das macht noch einmal 40 Kilogramm mehr."
"Meine Güte. Was für eine Reichweite hat die Drohne denn? Die frisst
doch sicher Kerosin wie eine Flamme Sauerstoff!"
"Tut sie auch", antwortete Jann und stieg wieder auf den Fahrersitz. Er
zog an der Klappe und fummelte das Glasfaserkabel raus. "aber die
Reichweite ist enorm. Gute 1250 Kilometer schafft sie, bei einer
Geschwindigkeit von 350 Km/h."
Trey schwang sich auf den Beifahrersitz. "Sie bleibt also etwa 4 Stunden
in der Luft. Kaum zu glauben, wenn man sie mal gehoben hat."
"Tja, das Wunder der modernen Technik. Die Turbinen bringen eine
ziemliche Leistung bei geringem Verbrauch.", erklärte Jann, als der
Wagen losfuhr. "Aber frag nicht, wieviel so ein Gerät kostet.
Sag mal, warum fährst Du mit? Mußt Du nicht in den Einsatz?"
Cullen lächelte. "Wir fahren erst in zwei Stunden an die Grenze.
Kodolewskij hat sich mal wieder mit O'Hara in die Wolle bekommen und
jetzt muß der erstmal einen weiteren Stapel Formulare ausfüllen.
Außerdem kennst Du Sergeant Sirous noch nicht."
"Den Leiter des Technischen Stabs? Ich hab gehört, das die Leute von der
Technik immer ein wenig eigen sind."
Der Magier grinste in sich hinein. "Lass Dich überraschen."
Jann fuhr zu den Hangars der Werkstatthallen und parkte den Jeep nahe
der Laderampe für die Drohnen.
Eine Frau stritt gerade mit einem Piloten über die richtige Behandlung
von Triebwerken beim Überschallflug.
Der Pilot meinte, Triebwerke seien lediglich dazu da, ein Flugzeug oder
einen Panzer auf die entsprechende Geschwindigkeit zu bringen und hätten
sonst keinen Zweck. Die Frau in der Technikeruniform widersprach ihm
energisch. Sie war der festen Überzeugung, daß ein Triebwerk mehr war
als nur ein Antrieb, nämlich ein hochempfindliches Stück Technik, daß
ein wenig mehr Respekt verdiente und der Pilot sollte es sich bei seinem
nächstem Manöver genauer überlegen, was ihn in der Luft hält, bevor er
wieder zur Werkstatt latscht und seine Maschine gewartet haben will.
Der Pilot warf ihr das Formular in die Hände und stapfte entnervt davon.
Jann trat mit dem immer noch grinsenden Cullen zu der Frau. Mit einer
energischen bewegung wirbelte sie herum. Sie war größer als Jann, auch
größer als Cullen Trey und hatte langes, schwarzes Haar, das in einem
Zopf hinter dem Cappie, das sie trug, heraus hing. Ihre Haut war
olivbraun und sie hatte eine Nase, die einen Adler vor Scham hätte
erblassen lassen. Ihre dunkelbraunen Augen blitzen fast zornig aus ihrem
ölverschmierten Gesicht und ihr Mund schmollte vor Ärger. Sie blaffte:
"Und was für ein Problem hast Du?"
"Ich hab hier eine Drohne mit fehlerhaft arbeitenden Sensoren. Der Chef
soll sie sich mal ansehen, am besten noch diese Stunde, weil sie um 1500
für den Einsatz benötigt wird."
"Was hast Du denn mit ihr angestellt!?"
Jann sah fast überrascht auf. "Gar nichts habe ich mit ihr angestellt!
Ich habe sie eben erst zugewiesen bekommen und war gerade beim Check."
"Das sagen sie alle.", schimpfte die Technikerin. "Und damit wollen sie
nur ihre eigenen Fehler vertuschen. Hier halten mich wohl alle für
Blöd!"
"Das habe ich doch gar nicht gesagt", beschwor Jann. "Ich habe die
Drohne lediglich in Betrieb genommen und..."
"Spar Dir das Geschwätz!", unterbrach die Technikerin ihn und drückte
ihm ein Touchpad mit Formularen in die Hand. "Füll das aus und komm in
ein, zwei Tagen wieder. Ich will sehen, was ich machen kann."
"Was?!", platzte es aus Jann heraus. "Das soll wohl ein Witz sein! Ich
brauche die Drohne in zwei Stunden! Und ich habe nicht vor, wegen einem
dämlichen Wackelkontakt zwei Tage zu warten!" Das Temperament der
Technikerin war ansteckend. Jann merkte, wie in ihm der Zorn hochstieg.
Lediglich Cullen schien sich köstlich zu amüsieren und hielt sich die
Hand vor dem Mund, um sein Grinsen zu verbergen.
"Wenn Du so genau weißt, was an dem Ding kaputt ist, dann reparier es
doch selber, Ich habe hier genug zu tun." Sie verschränkte die Arme vor
der Brust und zeigte mit dem Daumen hinter sich auf eine Werkbank. "Da
hinten liegen die Werkzeuge. Bedien Dich."
Jann blieben seine Worte im Halse stecken. Die Frechheit der Technikerin
war einfach unglaublich.
Er hatte weder die Zeit noch die Lust, sich mit ihr auseinander zu
setzten. Er starrte sie zornig und kampfeslustig an, aber die
Technikerin verzog keine Miene und gab sich unbeeindruckt. Ihre Augen
jedoch verengten sich um eine Spur, gerade genug, um die Wüstenluft um
Jann und den Magier einige Grad abkühlen zu lassen. Jann zeigte sich
jetzt ebenso gelassen. "Nebenbei bemerkt, der ölige Teint ist seit dem
letzten Kalender out, hat Dir das niemand gesagt?" Hinter sich hörte
Jann ein Klatschen, als sich Trey stöhnend gegen die Stirn schlug. Die
Technikerin öffnete den Mund zu einem empörten Ruf, schluckte ihn aber
herunter. Jann verschränkte triumphierend die Arme und wartete auf ihren
Vorgesetzten.
"Freundchen.", knurrte die Frau und tippte mit dem Finger auf Janns
Brust. "Du kannst hier warten, bis Du Dich in eine Düne verwandelst.
Deine Drohne werde ich nicht reparieren. Mir ist egal, was daran nicht
stimmt und wie schnell Du ihn brauchst. Hier kommen täglich Piloten mit
Sonderwünschen an und halten mich von wirklich wichtiger Arbeit ab. Wenn
Du glaubst, Du kannst hier eine Show abziehen, nur weil Du ranghöher
bist und Deine Arbeit ach so wichtig erscheint, dann kannst Du ja mal
einen Tag lang einen Schraubenschlüssel in die Hand nehmen und die
Maschinen selber warten, während jede Minute irgend ein anderer ankommt
und Dich mit seinen Problemen vollsülzt. Mach was Du willst, aber Dein
Rostkübel muß warten!"
Zum zweiten Mal fehlten Jann die Worte. Als er sie wiederfand, platzen
sie ihm wütend heraus. "Was soll der ganze Mist! Wenn sie es noch nicht
kapiert haben: Hier startet gleich ein Einsatz! Und wenn sich nicht bald
jemand diese Drohne hier ansieht, wird das dem einen oder anderen
mächtige Probleme bereiten, und mir ist völlig gleich, wer das sein
wird! Denn wenn es soweit kommt, dann habe ich das nicht mehr zu
entscheiden!" Jann sah an der Frau herunter. Sie trug nicht die
Wüstenfarben sondern eine Hose und eine Jacke im typischen
grünbraun-Tarnmuster. Abzeichen oder Name war an der Uniform nicht zu
sehen.
"Sie tragen ja nicht einmal die vorgeschriebene Uniform!", donnerte er
weiter. "Für mich sieht das nach einer ganzen Menge Ärger aus für Sie.
Abgesehen davon lasse ich mir von einer einfachen Aushilfe doch nicht
sagen, was ich mit der Drohne zu tun habe! Entweder sie holen mir jetzt
endlich jemanden, der mir das Ding repariert, oder ich Ja was IST
DENN!?!"
Cullen Trey zupfte an Janns Uniform und versuchte schon die ganze Zeit,
ihn auf sich aufmerksam zu machen.
Jetzt, wo er endlich seine Aufmerksamkeit hatte, hielt er ihn am Arm
fest und winkte mit dem Kopf zum Jeep. "Komm mal kurz mit. Da gibt es
etwas, das Du wissen solltest..."
Jann warf der Technikerin noch einen fiesen Blick zu, den sie mit einem
spöttischen Grinsen beantwortete, und ließ sich dann von Cullen außer
Hörweite schleppen. Als er vor ihm stand mit verschränkten Armen und
ungeduldigem Ausdruck im Gesicht, fragte ihn der Magier"Was Du wissen
solltest, bevor Du hier auf der Basis gezwungen sein wirst, Deine
Einsätze in einem Pappkarton mit Gummizugpropeller zu fliegen...wenn die
Frau da sagt, Du kannst lange darauf warten, daß ihr Vorgesetzter
kommt...damit hat sie irgendwo recht."
"Ach ja?", brummte Jann. "Und woher willst Du das wissen?"
Ebenso um heraus zu finden, daß in einigen Bereichen die Dinge etwas
anders laufen.
Die Frau, die Du gerade so enthusiastisch herunter geputzt hast, sie ist
der ranghöchste Offizier im Technischen Stab..."
Janns Augen bekamen jenen glasigen Blick, der bei Menschen zu sehen ist,
die verzweifelt versuchen, die aufgenommenen Daten ihres Gehirns in
sinnvolle Informationen zu verwandeln. Als er begriff, weitete sich sein
Blick schlagartig und sein Kiefer klappte nach unten.
Seine Gedanken überschlugen sich, als er begriff. "Er..Sie ist Sergeant
Sirous?!"
"Technical Sergeant.", antwortete Cullen fröhlich. "Chefingenieur und
ranghöchster Offizier im technischen Stab. Yup, das ist sie. Hast Du
einen Zwerg erwartet oder sowas?"
"Frag lieber nicht...", seufzte Jann. "Aber warum reagiert sie so? Was
hab ich ihr getan? Ich woltle doch nur, daß sie sich meine Drohne
ansieht, und sie springt mir gleich ins Gesicht! Warum tut sie das?"
"Ihre Art.", erklärte der Magier. "Die Art aller Techniker. Sie fühlen
sich immer benachteiligt und mißverstanden und glauben an die Seele der
Maschinen."
"Maschinen haben keine Seele.", warf Jann dazwischen.
Trey sah ihn erstaunt an. "Und das von einem Piloten. Jann, Du
verwunderst mich. Du fliegst mit Helikoptern und Schwebepanzern, jeder
hat so seine Macken und Du bist mit ihnen mental verbunden. Und dann ein
solcher Spruch. Sag das niemals zu ihr", er deutete auf die
Technikerin, die die beiden immer noch unbewegt mit ihren Blicken
taxierte.
"Wie auch immer. Techniker haben es satt, daß jeder zu ihnen kommt,
ihnen ein kaputtes Maschinenteil oder ein ganzes Flugzeug hinstellt und
meint, es wäre das vorrangigste Projekt. Sie sind immer überarbeitet und
niemals richtig gelobt.Du kannst Dir sicher vorstellen, daß sie eine
Menge zu tun hat, gerade jetzt und es ist schon eine Glückssache, sie an
einem ihrer guten Tage anzutreffen. Für Sonderwünsche, ganz gleich
welcher Art, hat sie selten ein offenes Ohr. Und was auch immer die da
ganz oben sagen, die Dringlichkeit der Sache legt sie selber fest. Wer
soll ihr schon vorwerfen oder nachweisen, wie lange die Reperatur einer
Maschine dauert oder ob die Modifikationen machbar sind oder nicht.
Keiner der Piloten, die hier schon etwas länger sind, belästigen damit
ihren Kommandanten oder machen sich die Mühe, den Katalog der
erforderlichen Formulare auszufüllen. Entweder einigt man sich mit ihr
und steht auf gutem Fuße mit der Frau, oder Du fängst im nächsten
Einsatz an, nervös auf jedes ungewöhnliche Geräusch zu hören, daß die
Turbine Deines Helikopters von sich gibt."
"Aber sie trägt ihre Rangabzeichen nicht....", klagte Jann hilflos.
Trey breitete die Arme aus. "Wozu auch? Die werden bei der Arbeit nur
dreckig und jeder weiß, wer sie ist. Sie mag im Rang weit unter uns
stehen, aber hier auf ihrem Platz und spätestens, wenn Du etwas
dringendes von ihr brauchst, ist sie der General."
Der Magier klopfte Jann auf die Schulter. "Letztendlich ist das mehr
eine Masche. Das brauchen die.Und sie zieht das bei jedem ab, erst recht
mit den Neuen, damit der gleich weiß, was Sache ist. Sie hat es längst
nicht so ernst gemeint, wie es rüberkam. Aber ein Tip: Wenn Du etwas
dringendes hast, dann bleiben Dir zwei Möglichkeiten, das schnell
erledigt zu bekommen. Entweder Du füllst die entsprechenden Formulare
aus. Aber der Ironie der Bürokratie entsprechend dauert das ausfüllen
der Formulare für Dringlichkeit meist etwas über eine Stunde.
Oder aber Du bietest ihr was."
"Ihr was bieten? Was denn? Ich bin doch hier nicht auf einem Bazar!"
"Naja, Du hast Dir Doch eine Kiste von diesem Whisky aus Seattle
mitgebracht. Das wäre eine Möglichkeit."
"Meinen Whisky?!", jaulte Jann. "Das kann doch nicht Dein Ernst sein!
Weißt Du eigentlich, wieviel der gekostet hat? Abgesehen davon, wenn das
jemand mitbekommt, und das dann dem....woher weißt Du davon?"
Culen winkte ab. "Ich bin schon länger hier, das reicht als Erklärung.
Wie gesagt, das wäre eine Möglichkeit."
"Aber wieso soll ich ihr irgendwas für eine Arbeit geben, zu der sie
verpflichtet ist, sie für mich auszuführen?"
Trey klatschte in die Hände und zeigte dann auf Janns Gesicht. "Das ist
der Punkt! Techniker werden immer unterschätzt. Sie leisten meist wahre
Wunder und sind mit ihrer Arbeit der Magie meist näher als so mancher
Zauberer. Im Einsatz kommen am Tag zwanzig Piloten zu ihr und wollen ihr
Flugzeug gecheckt haben. Das Ding ist völlig hinüber und bräuchte Tage,
damit es wieder einsatzfähig ist. Der Pilot braucht seine Maschine aber
schnell wieder. Und dann zaubern sie. Der Pilot kommt zurück,
betrachtet mit kritischem Blick seine Maschine und fliegt, ohne irgend
einem Dank, wieder in den Himmel um sich die Maschine wieder zerschießen
zu lassen. Wer den Technikern ab und an zeigt, daß sie eigentlich
wunderbare und ebenso wertvolle Arbeit leisten, kann sich sicher sein,
daß er auch das bekommt, was er braucht. Denn schließlich mußt Du
zugeben, daß Du ohne sie wirklich aufgeschmissen wärest."
"Das weiß ich doch. Warum erzählst Du mir das alles?"
Cullen deutete mit einem Nicken auf die Technikerin. "Weil ich Dir damit
dieselbe Rede von ihr erspare. Und meine klingt auch viel netter als
ihre. Also sei nett zu ihr und lobe ihre Arbeit, wenn Du nicht die
nächste Stunde irgendwelche Dringlichkeitsformulare ausfüllen willst."
"Oh klasse.", stöhnte Jann. "Aber nicht meinen Whisky!"
Der Magier zuckte mit den Schultern. "Deine Wahl."
Jann ging zurück zu der Technikerin und räusperte. "Also, Sergeant
Sirous..."
"Lass das Sergeant weg.", warf die Frau dazwischen. "Und auch die
Förmlichkeiten. Das zieht bei mir sowieso nicht."
"Na gut.", hustete Jann. "Also, Sirous."
"Sahar."
"...Sahar. Ich brauche die Drohne in spätesten Zwei Stunden. Ich weiß
nicht, was daran kaputt ist, aber ich glaube nicht, daß es was schlimmes
ist. Nein, bitte unterbrich mich nicht!", mahnte er, als er merkte, wie
die Technikerin wieder zu einer Antwort Luft holte. "Du weißt sicher
besser, was es ein könnte und ich habe längst nicht soviel Ahnung von
Technik wie Du. Nur habe ich auch keine Zeit, irgendwelche Formulare
auszufüllen, das kann ich auch später noch machen. Schau Dir bitte die
Drohne an, es ist wirklich dringend."
Sahar zeigte auf den Hangar hinter sich. "Da liegen tausend dringende
Fälle. Warum sollte ich Deinen zuerst ansehen?"
Jann seufzte und lies die Schultern hängen. "Weil...Das habe ich doch
schon erklärt! Ich brauche..."
Ach, was solls, dachte er. So komme ich nicht weiter.
"Hör mal, Sahar. Vielleicht kann ich mich anders revanchieren. Ich weiß,
daß ihr hier alle viel zu tun habt und ich bin noch nicht so lange
hier, aber ich brauche Deine Hilfe. Vielleicht kann ich mich mit einem
Essen revanchieren oder so."
Sahar lachte kurz auf. "Die nächste große Stadt ist 500 Kilometer weit
weg.Und ich sehe Grund, warum ich mit Dir ausgehen sollte."
"Nein", winkte Jann schnell ab, so war das nicht gemeint! Es geht doch
nur um....", er seufzte. "Magst Du Whisky?"
"Schottischer Single Malt?"
"Aus einer Brauerei im Hochland.", bestätigte Jann müde und mit
blutendem Herzen. "Ich hab ihn aus Seattle mitgebracht. Ein Laden dort
importiert ihn und verkauft ihn zu annehmbaren Preisen. Ich hab mir eine
Ki...einen kleinen Vorrat besorgt, bevor ich wieder hierher flog."
Die Techninkerin überlegte kurz und schmunzelte. "Zwei Flaschen und ich
hole gleich mein Werkzeug."
"Zwei?! Die sind..." Cullen hinter ihm räusperte sich und Sahars Blick
bekam wieder so etwas frostiges.
"Ok, zwei Flaschen.", murmelte Jann resigniert.
Die Technikerin grinste bis zu den Ohrläppchen und griff nach ihrem
Multiwerkzeug am Gürtel.
Sie ging zu der Drohne und öffnete die Verschalung. "Diese
Vektorschubdrohnen haben noch einige Kinderkrankheiten. Der Modulaufsatz
für die Sensoren lockert sich oft, wenn die Drohne nach längerer Zeit
wieder in Betrieb genommen wird. Die Vibrationen sind zu stark."
Sie nahm ihren Lappen aus der hinteren Hosentasche und riss ein wenig
von ihm ab. "Wenn man die Aufsatzschienen auspolstert und die Sonsoren
in ihren Halterungen mit etwas weichen einklemmt, dann fangen sie die
Vibrationen ab und rütteln sich auch nicht mehr so leicht aus."
Sie brachte die Außenhaut wieder an und schraubte sie wieder zu. "Das
hier wird mit Sicherheit halten. Ich habe noch ein paar
Verschlußschrauben angebracht. Wenn der Einsatz nachher vorbei ist, dann
bring sie wieder bei mir vorbei. Bei den meisten Drohnen habe ich neue
Halterungssschienen angebracht. Das werde ich bei der auch machen, dann
wirst Du nie mehr Probleme mit wackelnden Sensoren haben."
Jann stand völlig verblüfft vor dem Jeep. "Das war alles?!" fragte er.
"Du stopfst einfach einen öligen Lappen in das Ding und ziehst einige
Schrauben an?"
Sahar verstaute ihr Werkzeug und schaute unschuldig auf den Piloten.
"Ja, das war alles."
"Du hast das gewußt!", rief Jann aufgebracht. "Die Drohne war nicht mal
richitg kaputt und Du machst hier so einen Aufstand wegen einer
Kleinigkeit!"
Die Technikerin schaute nachdenklich auf die Drohne. "Wenn es Dir
zuwenig war, kann ich gerne noch etwas daran kaputt machen."
"Nein Nein!", rief Jann erschrocken. "Bloß nicht! Darum geht es doch
nicht! Es ist nur..." er winkte ab. "Vergiss es. Danke für die Mühe."
Die Technikerin setzte ein erstaunlich liebevolles Lächeln auf und
schlug ihre Augen nieder. "Gern geschehen.", säuselte sie.
Jann grunzte nur und setzte sich auf den Jeep. Cullen neben ihm kämpfte
mühsam mit seinen Tränen. Es war deutlich zu sehen, daß er sich auf die
Zunge biss, um nicht laut loszulachen.
"Du hast das alles gewußt.", knurrte Jann, als sie in Richtung Tor
fuhren. "Das ganze Spiel war doch von euch eingefädelt. Wahrscheinlich
macht ihr das mit allen neuen hier."
"Nein!", grölte Trey schließlich. "Nur mit denen, die wir ganz besonders
mögen."
"Du meinst, die Dummen." Folgerte Jann. Trey lachte nur lauthals. "Du
schuldest mir zwei Flaschen Whisky."
"Ich doch nicht.", wieherte Trey. "Ist doch nicht meine Schuld, daß Du
Deinen Stoff verschenkst. Das war nur eine Idee, die ich aufzählte,
keine Regel."
"Danke.", Jann sah ihn finster an, aber das brachte Cullen nur einen
weiteren Lachanfall.
"Warte erst ab.", gluckste er atemlos. "Was sie Dir für einen Panzer
abknöpfen wird!"
einer Meinung nach ist ein Angriff nur noch eine Frage der Zeit.",
meinte Major Willee. "Die Berichte sind eindeutig und mein Stab sowie
die Taktik stimmen mir dabei zu."
"Was ist so neu daran?", fragte Von Hassel in die Runde. "Die Azzies
greifen mit einer Regelmäßigkeit an, nach der man eine Atomuhr stellen
könnte. Der Nächste Versuch eines Übergriffs ist eh schon überfällig.
Aber ich glaube weder, daß die Besetzung in Sollstärke noch die
Truppenbewegungen unserer Basis der Anlass dafür sind. Ebenso wenig sehe
ich einen Grund, besondere Härte oder massivere Maßnahmen zu erwarten.
Es müßte..."
"Ihre Meinung ist hier nicht ausschlaggebend, Von Hassel.", schnitt La
Ban die Ausführungen des Majors ab. "Unsere Spezialisten in Tokio sind
bei Simulationen und Situationsanalysen auf ähnliche Ergebnisse wie
Major Willee gekommen. Ich dürfte sie also bitten..."
General Mulcanny hob mit beherrschtem Zorn die Hand. "Es reicht, La Ban.
Ich persönlich habe den Major gebeten, der Besprechung beizuwohnen, da
ich der Meinung bin, seine Ansichten und Einschätzung der Situation ist
in diesem Fall sehr wichtig. Außerdem kennt er noch nicht alle Fakten.
Und wenn sie nochmal versuchen sollten, einem meiner Offiziere das Wort
zu verbieten, werden sie von dieser Besprechung ausgeschlossen.
Verhalten sie sich bitte mit dem nötigen Respekt"
"Ich muß protestieren.", sagte La Ban ruhig. "Meine Anwesenheit bei
dieser Konferenz ist von dringender Wichtigkeit. Sie können mich nicht
ohne weiteres ausschließen."
Der General zeigte ein humorloses Lächeln. "Wir haben alle Daten von
ihnen vorliegen. Für weitere Ausführungen wäre ihre Anwesenheit also
nicht notwendig. Entweder halten sie sich an die Regeln, oder sie werden
von dieser Besprechung nur noch das Protokoll zu lesen bekommen."
La Ban schaute mühsam beherrscht auf sein Display und legte mit wütender
Geste seinen Lichtgriffel auf die Ablage. Normalerweise war er so kühl
wie ein Eisschrank und schien sich nur selten aus der Ruhe bringen zu
lassen. Aber der Angriff auf seine vom Vorstand gegebene Autorität war
ein Wunder Punkt bei ihm. "Das kann Konsequenzen für sie haben."
"Darüber reden wir nachher.", entgegnete Mulcanny nur. "Und ich hoffe
für sie, das war keine Drohung. Können wir jetzt fortfahren?"
Willee nickte. "Gut.", meinte der General und gab dem Chef des
Spionagestabs ein Zeichen. "Bitte klären sie Von Hassel auf."
"Gerne. Major, über die Berichte der Aufklärung sind sie informiert?"
"Soweit ja", antwortete Von Hassel. "Laut den Daten, die ich von ihnen
bekommen habe, verhalten sich die Azzies seit unserer Aufrüstung wie ein
Ameisenhaufen vor einem Monsun. Den Berichten zufolge scheint das eine
direkte Reaktion auf unsere Basisinternen Truppenbewegungen zu sein.
Seitdem verstärken die Azzies ihre Grenzposten und ihre Truppen an der
Fenceline."
Major Wille nickte. "Das ist der offizielle Bericht. Die Daten, die wir
ihnen jetzt geben, haben wir ihnen bisher vorenthalten, weil wir sie als
zu brisant eingestuft haben, als daß wir sie außerhalb dieses Raumes
besprechen wollten. Wir wollten sie weder übergehen, noch im unklaren
lassen."
Eisenfaust lehnte sich zurück und schaute den Elf erwartungsvoll an.
"Schießen sie los. Ich bin ganz Ohr."
Wille nickte und projizierte die Daten auf den großen Bildschirm. Eine
Liste diverser Namen, Ränge und Vehikel wurde gezeigt. "Unsere
Spionageabteilung hat uns Berichte geliefert, die besagen, daß die Basis
von Aztechnology mehrere Anträge auf weiteres Material und Truppen
gestellt hat. Diese Anträge entsprachen nicht dem normalen Standart. Es
wurde schweres Kriegsmaterial und Spezialtruppen angefordert, darunter
auch Magier. Den Berichten zufolge ein weiteres, komplettes Ritualteam
und Ki-Adepten aus der Jaguargarde, die schon früher in militärischen
Operationen gedient haben. Die Anträge wurden von dem Hauptsitz in
Atzlan ohne Verzögerung genehmigt und das Material sowie die Truppen
sind bereits unterwegs zu der Basis."
Von Hassel schaute nachdenklich auf sein Display. "Das klingt durchaus
bedenklich."
"Und das ist noch nicht alles.", fuhr der Elf fort. "Wie La Ban schon
anmerkte, haben die Auswertung der Taktischen Daten sowie die
Simulationen sowohl hier als auch in Tokio ergeben, daß Aztechnology
langsam nervös wird."
"Wie sie sicher aus erster Reihe wissen,", fuhr der Sonderbeauftragte
Fuchis, diesmal weitaus höflicher, fort, "haben die Truppen
Aztechnologies mit erstaunlicher Regelmäßigkeit Angriffe gegen unsere
Grenzposten und sogar die Basis geführt, manchmal als direkte Folge
unserer Aufrüstung, manchmal einfach nur so."
"Ja, aber bisher haben wir sie immer wieder zurückgeschlagen.",
erwiderte Von Hassel. "Bisher haben wir jeden Versuch, unsere Basis
einzunehmen und uns aus der Mongolei zu werfen, vereitelt. Langsam
sollten die Azzies das lernen."
"Das scheint tatsächlich der Fall zu sein.", stimmte Willee zu. "Und
zuerst vermuteten wir dies als Grund für die ungewöhnlichen Aufrüstungen
der Basis."
"Und dem ist nicht so?"
La Ban schüttelte den Kopf. "Höchstwahrscheinlich nicht. Als wir die
Marktberichte und Wirtschaftsdaten miteinbezogen, zeigten sich bei
Aztechnology deutliche Rückläufe in den Aktienkursen. Die Aktionäre
werden nervös und der Vorstand ist ungeduldig und ein wenig mißgestimmt
aufgrund der Mißglückten Versuche, unsere Verteidigung niederzuschlagen
und bemängelt mittlerweile offen den ausbleibenden Erfolg. Alles in
allem hat es den Anschein, als würde Aztechnology langsam die Gedult
verlieren."
Von Hassel winkte ab. "Damit erzählen sie mir nichts neues."
La Ban, der Sonderbeauftragte direkt aus dem Hauptsitz Fuchis schaute
den Major überrascht an. "Was meinen sie damit?"
"Verstehen sie mich nicht falsch.", erklärte Von Hassel. "Ich habe keine
Ahnung von Politik oder wie die Azzies das bei sich regeln, aber jedem
ist bekannt, daß sie, verglichen mit den meisten anderen Megakons
besonders paranoid sind. Ich kann die Azzies für ihre Ausdauer und
Gedult im militärsichen Bereich nur bewundern. Sie horten ihre Kräfte,
warten auf den richtigen Zeitpunkt und greifen dann an. Die
Regelmäßigkeit, mit der sie das tun, zeigt nur, wie gut ihre Logistig
und Strategische Organisation arbeitet. Aber gleich danach scheinen sie
alle Regeln der Kriegsführung zu vergessen. Sie greifen mit allem an,
was sie haben und geben ihre Disziplin zugunsten der überragenden
Truppen und Materialstärke auf. Wenn die Truppen ihre Marschroute und
den vorgegebenen Zeitplan nicht einhalten können, weil sie auf mehr
Widerstand treffen als erwartet, werden sie schnell ungeduldig und
machen Vorstöße und Manöver, die unsere Offiziere oftmals die Haare zu
Berge stehen lassen, weil kein Offizier, der sich sein Patent erarbeitet
hat, so etwas tun würde. Manchmal gibt es dann auch Probleme in den
Truppen selber. Man kann sie dann eher mit einer wütenden Horde als mit
einer disziplinierten Armee vergleichen. Das ist auch der Grund, warum
wir bisher so geringe Probleme hatten, jeden Angriff niederzuschlagen.
Kleinere Vorstöße gegen die vorrückende Armee und man bringt sie völlig
durcheinander. Danach kommt es auf die richtige Taktik an und man kann
die Schlacht beinahe schon als gewonnen betrachten, ganz gleich, wie
weit sie uns zahlenmäßig überlegen sind."
La Ban sah den Major mit neuem Respekt an. "Das sind interessante
Neuigkeiten, von denen ich bisher nicht gewußt habe."
General Mulcanny nickte und grinste. "Jetzt sehen sie, warum ich aus
jedem Stab im allgemeinen und Major von Hassel im Besonderen bei der
Besprechung haben wollte. Ich war mir sicher, daß seine Einschätzung der
Situation durchaus ein wertvoller Beitrag sein würde."
"Dem muß ich zustimmen."; sagte La Ban und es war eine Art
Entschuldigung für sein respektloses Verhalten zu Beginn der Konferenz.
"Leider habe ich auch für sie Neuigkeiten, die ihnen, so fürchte ich,
nicht sonderlich gefallen werden. Neben neuem Material und
Spezialtruppen wurden auch ranghohe Offiziere aus der Kommandoebene
ausgetauscht."
"Ehrlich gesagt, schreckt mich das nicht sonderlich, Mr. La Ban.",
erwiderte Von Hassel unbeeindruckt. "Egal, wen sie da oben hinsetzten,
an ihrer Vorgehensweise wird sich nicht viel ändern."
"Wie kommen sie zu diesem Schluß?", fragte Mulcanny, bevor es jemand
anderes tun konnte. Im Gegensatz zu allen anderen Anwesenden wußte er,
worauf der Major hinaus wollte. Er war selber oft genug an Schlachten
und Operationen gegen die Azteken beteiligt gewesen und kannte ihre
Vorgehensweise fast so gut wie Von Hassel. Er wollte seine eigenen
Gedanken nur bestätigt wissen.
"Es liegt nicht an den Führungskräften.", beantwortete der Major die
Frage. "Würde es daran liegen, so hätten sie den Komandostab und die
Offiziere schon vor langer Zeit ausgetauscht und ich verwette mein
Jahressold darauf, daß dies schon öfter vorgekommen ist." Er sah zu
Willee.
Der Elf nickte. "Das war tatsächlich der Fall."
"Sehen sie. Es liegt nicht an den Offizieren, es ist einfach die Art der
Azzies. Vielleicht bekommen wir jetzt den einen oder anderen Querdenker
als Gegner, zumindest das, was bei denen als Querdenker durchgeht. Sie
werden wohl ein wenig gerissener und unkonventioneller in ihrer
Vorgehensweise sein, aber wie sagt man so schön? Umso mehr sich
verändert, umso mehr bleibt beim alten."
"Dann sehen sie keinen Grund für besondere Maßnahmen in unserer
Verteidigung?", wollte der General wissen.
Von Hassel schüttelte den Kopf. "Das habe ich nicht gesagt. Wir haben
eine Menge neue Piloten und Truppen bekommen, die mit realistischen
Kampfeinsätzen noch nicht vertraut sind. Einige von ihnen kommen sogar
frisch von der Akademie. Wenn die Azzies beschließen, schwere Geschütze
gegen uns aufzufahren, so wird das für die Neuen eine harte Feuerprobe.
Wenn wir nicht genug Zeit für Gegenmaßnahmen und taktische Übungen
haben, könnte das in meinen Augen durchaus zu einem Problem werden. Wir
bräuchten mehr Zeit und Freiraum für Truppenübungen, damit das Junge
Gemüse in das bestehende Team eingespielt wird. Aber ich denke, daß ich
und meine Kollegen das schnell in den Griff kriegen. Die Neuen sind
erstaunlich gut ausgebildet und Anpassungsfähig."
Der General nickte und machte eine Notiz auf seinem Display. "Das wollte
ich nur wissen. Haben wir denn Zeit, Major Willee?"
Der Elf wiegte seinen Kopf und seufzte. "Das kann ich leider nicht genau
sagen. Wir erwarten die neuen Truppen und das Material in der Basis von
Aztechnologie frühestens in Drei Wochen. Wenn man noch mal zwei Monate
für die Organisation, Testreihen und Truppenübungen dazurechnet ergibt
sich ein eher ungenauer Zeitplan von Drei bis dreieinhalb Monaten."
Mulkanny nickte wieder nachdenklich und wandte sich an Von Hassel. "Wie
weit sind unsere Truppen?"
"Bis nächste Woche sind wir auf Sollstärke. Die neuen Gebäude stehen
auch schon. Wenn die Azzies soweit sind, dann sind wir es auch."
"Ich möchte, daß unsere Truppen in zwei Monaten Gefechtsbereit sind."
"Zwei Monate?", fuhr der Major hoch. "Warum so schnell? Ist das
notwendig?"
"Diesmal ja.", antwortete der General. "Weil wir diesmal den Angriff
führen werden. Wir beschränken uns nicht mehr nur auf Verteidigung."
Von Hassel knurrte. "Eine neue Taktik, was? Für derart massive
Veränderungen ist der Zeitrahmen aber recht knapp."
"Diese Art von Ausflüchte lasse ich nicht gelten, Major.", entgegnete
der General hart. "Nur weil es bisher die Regel war, können wir unsere
gesammte Taktik nicht auf das Schema der Verteidigung festfahren. Sie
sollten es besser wissen als jeder andere hier im Raum: Ein Soldat
sollte auf alles vorbereitet sein. Wir sind zu verwundbar, wenn wir uns
aus diesen Gründen in Sicherheit wiegen oder jede andere Maßnahme
vernachlässigen. In meinen Augen grenzt das schon an
Pflichtvernachlässigung. Wir haben neue Truppen und das könnte uns dabei
durchaus ein Vorteil sein. Schleifen sie sie, machen sie, wenn nötig,
Angriffe auf die Grenzposten der Azzies, dann bekommen sie ein wenig
echte Kampferfahrung."
"Ich bin froh, daß sie das sagen.", meinte Von Hassel mit einem
wölfischen Grinsen. "Für einen Moment hatte ich das Gefühl, der Grund
für die neue Taktik wäre Druck von ganz oben. In Zwei Monaten haben sie
ihre Angriffstruppe."
General Mulcanny ging auf die Mutmaßungen des Majors nicht ein.
Stattdessen entließ er ihn aus der Besprechung, damit er sofort mit
seiner Aufgabe beginnen konnte.
Als Von Hassel den Raum verlassen hatte, sah La Ban den General
verwundert an. "Wenn sie ihn bisher in alles eingeweiht haben, warum
verschweigen sie ihm dann den Rest? Es erschien mir beinahe noch
wichtiger."
"Der Major ist kein Mann der Politik. Auf dem Schlachtfeld fühlt er sich
wohler als hier am Tisch, und wenn er die wahren Gründe wüßte, würde
das seine Moral oder seinen Enthusiasmus vielleicht bremsen, womit ich
keineswegs unterstellen möchte, daß er nicht alles tun würde, um den
Sieg zu erringen."
"Und sie glauben, die Tatsche, daß sie tatsächlich Druck von oben
bekommen, würde ihn in irgendeiner Weise beeinflussen? Er schien doch
sowieso einen Verdacht zu haben."
"Major von Hassel gibt nicht viel auf unbestätigte Verdachte. Er
erledigt seine Aufgabe mit vollem Einsatz und hinterfragt nicht die
Politik dahinter."
"Das weiß ich bei einem guten Soldat zu schätzen.", sagte La Ban und
grinste wie ein öliger Konzernpinkel.
Der General bedachte den Sonderbeauftragten mit einem finsteren Blick,
der ihm jeden weiteren Kommentar im Halse steckenbleiben ließ. "Sie
haben doch keine Ahnung, was einen guten Soldaten wirklich ausmacht.",
sagte er mit kalter Stimme.
Die Arrogante und respektlose Art gegenüber seinen Offizieren und selten
auch gegen ihn, ging ihm auf die Nerven.
Er konnte La Ban nicht leiden, für ihn verkörperte dieser Mann viel zu
sehr den Konzern. Er war arrogant, hochnäsig, respektlos und allglatt,
und er reduzierte alles auf Profit und Wirtschaft. Er hatte weder
Ahnung, was es bedeutete, eine Basis zu führen, noch eine Operation zu
leiten. Es interessierte ihn einfach nicht. Er war einer von den
Menschen, denen es egal war, wie etwas erreicht wurde, Hauptsache es
geschah und die Berichte über den Erfolg lagen zeitig auf seinem
Schreibtisch, fein säuberlich in Zahlen und Diagrammen zusammengefasst.
Zorné-Stepaniak war ihm da schon viel lieber. Dieser Sonderbeauftragte
vom Konzerngerichtshof schien sich mit der Problematik eines
Wüstenkrieges sehr viel mehr auseinander zu setzten und er beleuchtete
die Dinge von mehr als nur einer Seite. Aber der war leider noch in
Tokio und traf erst nächste Woche ein, zusammen mit neuen Berichten und
der entgültigen Bestätigung zur Durchführung der Operation.
Von Hassel lag mit seinen Vermutungen völlig richtig und General
Mulcanny wußte, daß der Major sich nicht hatte täuschen lassen. Er
rechnete es ihm hoch an, daß er nicht weiter nachgefragt hatte und die
Sache auf sich hatte beruhen lassen. Der Major wollte es nicht wissen,
das hatte er dem General wortlos deutlich gemacht und für seine
taktvolle Art schätzte er diesen Mann als guten Offizier und als Freund.
Außerdem gab es nichts weiter zu sagen. Von Hassel hatte die Berichte
über die Azzies gehört und hatte seinen eigenen Schluß richtig gezogen.
Ebenso wie der Vorstand von Aztechnologie Druck ausübte, so wurden auch
die Aktionäre von Fuchi nervös. Die fortwährende Strategie der Defensive
schlug sich beinahe artgleich auf die Finanzwirtschaft des Megakonzerns
nieder und man war im Vorstand einstimmig mit dem Taktischen Rat zu der
Meinung gekommen, daß eine aggressivere Methode der Kriegsführung sich
positiv auf die Publicity und damit auf die Bilanz des Konzerns
auswirken würde.
Das alleine kratzte schon an der Soldatenseele des Generals. Seit jeher
war es für ihn ein Makel, daß Politik, sprich Wirtschaft, und Krieg so
untrennbar miteinander verbunden waren. Und das war auch ein Grund,
warum es ihm solche Magenschmerzen bereitete, wenn er daran dachte, daß
zusammen mit Stepaniak auch die Reporterteams eintreffen würden.
Liebste Suzi,
Wie geht es Dir? Ich hoffe Doch gut und daß Du mich vermißt. Ich
vermisse Dich auf jeden Fall sehr. Ach ja, ich freue mich für Dich, daß
Du wieder auf der Intensiven arbeitest und gratuliere Dir zu der
bestandenden Prüfung. Grüß mal den Professor von mir, er wird sich
sicher an mich erinnern ?.
Hier auf der Basis wird es langsam interessant. Vor zwei Wochen haben
wir damit begonnen, die Grenzposten der Azzies anzugreifen. Es klingt
gefährlicher als es wirklich ist und mir ist es eine willkommene
Abwechslung zu den langweiligen Patroullienflügen. Mehr darf ich Dir
leider nicht darüber sagen, weil wir, was die gesamte Operation
betrifft, zu einer gewissen Geheimhaltung gezwungen sind. Aber ich
denke, Du willst sowieso nichts genaues davon wissen.
Wirklich ärgerlich ist nur, daß alle Urlaubsanträge auf unbestimmte Zeit
gestrichen worden sind. Ich werde also im Herbst nicht zu Dir kommen
können.
Ich vermisse die wunderschönen Sonnentage mit Dir in Deinem Bauernhaus.
Hier scheint zwar im Sommer die Sonne furchtbar heiß, aber die Winter
sollen ziemlich kalt werden hat man mir erzählt. Außedem macht mir der
Sand zu schaffen. Es ist eigentlich verwunderlich, denn so viel Sand
gibt es hier nicht. Der größte Teil der Wüste, in der wir und die Azzies
stationiert sind, ist ein Plateau, flach wie ein Spiegel mit
vereinzelten Hügeln und vielen Steinen und ich wundere mich jedesmal,
woher der feine Sand kommt.
Die Leute von der Technik haben mir erklärt, daß es an den Turbinen und
den Rotoren meines Helikopters liegt, der den feinen Wüstensand ansaugt
und durch kleinste Ritzen im Cockpit bläst.
Ich muß jetzt leider auch wieder aufhören, wir haben gleich eine
Einsatzbesprechung und den Rest des Tages werde ich wohl in meinem Vogel
verbringen.
Ich habe noch nichts genaues gehört, aber vielleicht ist es anfang
nächsten Jahres möglich, daß Du mich hier besuchen kannst, wenn Du das
willst.
Ich freue mich auf die nächste eMail von Dir.
Ciao, mein Sonnenmädchen!
Dein Jann
Sie zog das Foto aus dem Drucker und nahm es mit zum Bett, wo sie es in
all seinen Einzelheiten studierte. Er sah so süß aus, wie er in dem
Kokon lag und zu schlafen schien. Es erinnerte Suzi an die Nächte, die
sie gemeinsam verbracht hatten, wo sie ihn betrachtet hatte, wenn er
schlief.
Trotz der vielen Kabel und dem Helm, den er trug, wirkte es auf sie so
friedlich. Beruhigend fand sie es allerdings nicht. Den ganzen Brief
nicht.
"Das ist doch Magie!", schimpfte Jann und fingerte ungeschickt mit den
Karten herum.
Trey grinste verschmitzt. "Das ist Magie, da hast Du völlig recht. Aber
es ist die Magie der Finger."
Jann schaute den Magier grummelig an und drückte ihm dann die Karten in
die Hand. "Zeig mir das nochmal."
"Wie sie wünschen, Sir Eisenflügel." Trey nahm den Stapel und mischte
ihn noch einmal durch. Die Karten flogen durch seine Finger, als seien
sie lebendig. Sie wirbelten herum, schwirrten um ihre eigene Aches und
schienen manchmal in der Luft zu tanzen, um dann in einer wohlgeordneten
Reihe zurück in Treys Handflächen zu fliegen.
"Es ist alles nur eine Frage von Geschwindigkeit. Und Übung. Du mußt
üben. Fang mit den kleinen Tricks an und wenn Du die im Schlaf
beherrschst, dann eigne Dir den nächsten an. Ich habe diese Kartentricks
gelernt, noch bevor ich meine ersten Zauberspruch beherrschte." Die
Karten öffneten sich in seiner Hand wie ein Fächer und zeigten Jann das
stilvolle Deckblatt. "Zieh eine Karte.", forderte Trey den Piloten auf.
Jann zog willkürlich ein Blatt aus der Hand. Es war die Karo Sieben.
"Zeig sie mir nicht!", mahnte der Magier, bevor Jann die Karte umdrehen
konnte. Er schob die Karten wieder zu einem Stapel zusammen und gab ihn
Jann. "Misch sie durch zusammen mit der Karte, die Du gezogen hast und
gib mir den Stapel dann wieder zurück."
Jann tat wie ihm geheißen und mischte sorgfältig den Stapel durch, bevor
er ihm den Magier zurück gab.
Trey fing wieder an mit den Karten zu spielen. Sie flogen, wirbelten,
schwirrten und flippten durch seine Finger. Erstaunt und voller
Bewunderung sah Jann zu, kaum in der Lage, den Fingern seines
geschickten Freundes zu folgen.
Völlig unvermittelt begann die Luft zu dröhnen. Ein donnerndes Röhren
erfüllte die Welt um Jann und Trey herum und die Karten wurden davon
gepustet. Trey presste sich die Hände an die Ohren und rief etwas.
Jann sah nur, wie sich der Mund seines Freundes hektisch öffnete.
"Was?!", rief er zurück, aber Trey erlebte den gleichen Effekt einer
stummen Kommunikation.
Beide drehten sich in den warmen Wind um die Quelle dieses Orkans zu
finden.
Das Bild, das sich ihnen zeigte, entbehrte nicht einer gewissen Komik.
Sahar saß auf einem Thunderbird, der vor dem Hangar stand und dessen
Panzerung und Verkleidung entfernt worden war.
Vor dem Verktorschubpanzer stand ein verzweifeltes Reporterteam, daß
erfolglos versuchte, ein exklusives Interview mit der Technikerin des
Fahrzeugparks zu bekommen. Der Kameramann hielt verbissen seine
Ausrüstung fest, der Techniker hielt sich einfach irgendwo fest, um
nicht von den Turbinen über den Platz geblasen zu werden und die
Sprecherin, ein typisches dummes Blondchen streckte nach wie vor ein
Mikrophon in die Höhe und schrie irgendwas zu der Technikerin, was
natürlich völlig im Gedröhne der laufenden Turbinen unterging. Sahar
selber stand oben auf der Waffenkuppel, die Steuertafel für die
Diagnoseeinheit in der Hand und ignorierte das Trio einfach.
Trey stand nach wie vor da und hielt sich die Ohren zu, grinste aber von
einem Ohr zum anderen. Jann konnte sich ein Lachen auch nicht
verkneifen.
Der Magier stieß den Piloten an und beide nickten sich im stummen
Einverständnis zu.
Sie gingen zu dem hilflosen Trio,stemmten sich gegen den warmen Wind,
der den Staub in kleinen Wirbeln über den Platz fegte.
Trey presste sich immer noch die Handflächen auf die Ohren, und nickte
Sahar zu, während Jann zu der Diagnoseeinheit ging und den Testlauf für
die Turbinen beendete.
Langsam liefen die Schaufeln aus und verklangen in einem Jaulen, daß die
Tonleiter herunterkletterte, bis sie schließlich vollständig
verstummten.
Die darauffolgende Stille schien fast noch lauter als das Dröhnen der
Turbinen zuvor.
Diesen Effekt erfuhren gerade die Reporter, die wie verstörte Tiere vor
dem Thunderbird standen.
Ein großer Verktorschubpanzer besaß normalerweise Sechs bis acht
Schubdüsen und zwei gigantische Turbinen, manchmal sogar vier. Sie
erzeugten genug Schubkraft, um den Panzer gut und gerne Mehrere Hundert
Meter in die Höhe zu hieven und ihn auf überschallgeschwindigkeit zu
katapultieren. Wenn man die Größe bedachte, die solch ein Panzer besaß,
war das eine beinahe unglaubliche Leistung. Selbst Techniker und
Konstrukteure, die sich mit der Konstruktion und der Avionik eines
T-Birds beschäftigten, verglichen solch ein Ungetüm oft mit einer
Hummel, von der man ebenfalls behauptete, daß sie aufgrund ihrer Masse
mit ihren im Verhältnis dazu viel zu kleinen Flügeln eigentlich gar
nicht fliegen dürfte.
Ein T-Bird mit voll aufgedrehten Turbinen und geöffneten Düsenklappen
konnte man in der Regel schon hören, noch bevor man ihn sah. In einigen
Gebieten, wie zum Beispiel einer Wüste konnte man ihn natürlich am
Horizont auch sehen, wenn er niedrig flog und dabei Sand aufwirbelte wie
ein kleiner Orkan. Der Start eines T-Birds führt bei unbedachten
Personen, die zu nahe beim Panzer standen, unweigerlich zum Verlust des
Gehörs und selbst in sicherer Entfernung vibierten einem die Zähne so
stark, daß man befürchten muß, sie würden zerspringen, sobald man sie
zusammenbiss.
Daher hatten die Vektorschubpanzer auch ihren gebräuchlichen Namen -
Thunderbirds.
Der Testlauf der Turbine eines solchen Ungetüms war, bei abmonierter
Verkleidung und bei nur 5 Prozent Leistung ein wahrlich
unvergleichliches Erlebnis, von dem das Reporterteam noch lange etwas
haben würde.
Der Kameraman betrachtete mit gebrochenem Herzen die vom Wüstenstaub
zerkratzte Linse seiner Kamera, der Techniker schnippte mit den Fingern
neben sein Ohr und sein Gesicht zeigte eine leichte Panik, weil er
anscheinend nichts hörte.
Die Elfe versuchte lediglich, ihre Frisur in Ordnung zu bringen und
starrte groß aus ihren Augen, als hätte sie ihren Namen vergessen.
Trey bog sich fast vor Lachen, Jann erging es kaum anders, aber beide
beherrschten sich meisterhaft, um ihre Belustigung nicht zu zeigen.
Jann tippte der blonden Elfe auf die Schulter. Erschrocken wirbelte sie
herum. "Können sie mich verstehen?", schrie Jann ihr ins Gesicht. Die
Elfe nickte stumm. "Dann können sie mir sicher erklären, was sie hier zu
suchen haben!"
"Wie Bitte?" rief die Sprecherin.
"Ich fragte, was sie hier machen!"
"Wir wollten ein Interview mit Sergeant Sirous machen. Sie ist eine der
wenigen Frauen in einer Führungsposition!"
Jann lächelte zynisch. "Hat ihnen denn niemand gesagt, daß um diese Zeit
die Vektorschubmaschinen gewartet werden?"
Die Elfe starrte ihn perplex an. "Darauf hat uns niemand hingewiesen!"
"Das liegt vielleicht daran, das es alle wissen. Sie hätten sich
vielleicht die aushängenden Arbeitszeiten ansehen sollen."
"Das war aber letztes Jahr nicht so!", rief die Reporterin.
"Tja, das ist eine sehr dynamische Basis. Sie sollten die Krankenstation
aufsuchen und ihr Gehör untersuchen lassen, damit es keine bleibenden
Schäden davonträgt."
"Ja,", sagte die desolate Frau. "Ja, das ist eine gute Idee." Sie
trottete davon, gefolgt von dem Techniker und dem Kameramann, die
sowieso nicht wußten, wohin sie sollten.
Als das Trio sich davon gemacht hatte, prusteten Jann und Trey lauthals
los und hielten sich die Bäuche. Selbst Sahar sah ein wenig fröhlicher
aus als vorher. Sie sicherte die Steuertafel und kletterte von der
Kuppel herunter.
"Diese Nervensägen!", fluchte sie und riss sich den Gehörschutz vom
Kopf. "Schlimmer als Teufelsratten oder Moskitos!"
"Die wollten doch nur ein Interview.", pfiff Jann und biss sich auf die
Lippen.
"Ja klar", donnerte die Technikerin. "Als hätte ich hier nicht genug zu
tun! Und was die fragen! "Fühlen sie sich hier ausreichend gefördert
oder werden sie in ihrer Rolle als Frau im Militär unterdrückt? Erleben
sie häufig Fälle von sexuellen Belästigungen? Wie steht es mit
Liebesbeziehungen zu den anderen? Macht es sie an, mit sochl mächtigen
Maschinen zu arbeiten?". Herrje, in welchem Jahrhundert ist die
steckengeblieben?"
"Gibs doch zu.", sagte Trey und wischte sich eine Träne aus dem Auge.
"Die Maschinen machen Dich ganz schön heiß."
"Du kriegst gleich was heißes.", drohte sie dem Magier und der wich mit
fröhlichem Gesicht einige Schritte zurück.
"Aber Liebling, wollen wir damit lieber nicht bis nach der Arbeit
warten?"
Sahar stand kurz davor, sich einen schweren Schraubenschlüssel zu packen
und Jann bemühte sich krampfhaft, nicht wieder laut loszulachen.
"Vergiss die Idioten, Sahar. Uns belagern sie auch ständig. Sie haben
einige von uns sogar versucht zu überreden, mit in den Helis zu fliegen.
Einem haben sie sogar weißmachen wollen, sie hätten die Erlaubnis vom
General persönlich."
"Die sind wirklich dreist.", kicherte Trey. "Mir stellen sie ebenso
haarsträubende Fragen. Ich hab sie mal eine halbe Stunde lang mit einer
Illusion abgespeist und sie haben es nicht einmal gemerkt. Aber ich muß
sagen, daß mit dem T-Bird war eine wunderbare Idee. Ich hab schon lange
nicht mehr so gelacht."
Sahar zuckte mit den Schultern. "Ich wollte sowieso noch einen
Leistungstest machen, um die Resonanzen auszuloten. Schien mir gerade
sehr gelegen." Sie wandte sich zu Jann. "Und was wollt ihr hier? Ich
hoffe, Dein Rostvogel hat nicht wieder irgendwelche Macken. Ich habe
wirklich viel zu tun und wenn Du..."
Jann stoppte ihren energischen Redefluß, indem er die Hand hob. "Nein
nein, wir waren nur zufällig in der Nähe. Eigentlich waren wir auf dem
Weg in den Saloon und wo wir schon mal hier sind, wollten wir Dich
fragen, ob Du mitkommen möchtest. Aber wenn Du keine Zeit hast...."
Sahar deutete mit dem Daumen hinter sich auf den Vektorpanzer. "Einer
meiner Techniker kann sich um das Ding kümmern. Ich spül mir den Staub
aus der Kehle. Jann ich hoffe, Du hast noch was von Deinem Whisky."
Der Pilot schüttelte den Kopf. "Der ist weg. Den hast Du mir doch
größtenteils abgeluchst. Und die Nächste Lieferung kommt erst in einigen
Wochen. Aber O'Hara und seine Truppen haben mir eine Flasche geschenkt.
Nicht so gut wie meiner, aber immer noch klasse."
"Gut, trinken wir den.", meinte sie nur.
"Was für eine Ausbeuterin Du bist.", murmelte Jann übertrieben traurig.
Trey ging neben den beiden wortlos her und schnippte mit den Fingern.
"Mist, ich höre immer noch diese Pfeifen. Wann geht das denn weg?"
"In den nächsten Zehn minuten.", meinte Jann. "Du hast Dir ja die Ohren
zugehalten."
"Ein Glück auch. Wie kommt es eigentlich, daß Du noch nicht taub bist?
Du hast Dir die ganze Zeit nicht die Ohren zugehalten. Ist das bei euch
Piloten irgendwie anders?"
"Wie? Oh Nein. Aber ich habe immer Ohrstöpsel bei mir." Er griff zu
seinem Ohr und holte die kleinen flexiblen Stopfen raus. "Wenn Du viel
mit solchen Maschinen zu tun hast, dann gewöhnst Du Dir an, immer einige
dabei zu haben. Man vergisst sie sonst so oft, wenn man plötzlich zu
einem Einsatz gerufen wird."
"Sollte mir auch welche holen.", überlegte Trey und klopfte sich an das
rechte Ohr.
"Ich geb Dir nachher welche. Dann kannst Du mir auch nochmal das mit den
Karten zeigen. Unsere Turbinenlady hat uns ja alles kaputtgemacht."
"Was für Karten?", wollte Sahar wissen.
Jann zeigte auf den Magier. "Ach, Trey wollte mir einige Kartentrick
beibringen. Aber als es soweit war, ging die Turbine an und die Karten
wurden in die Wüste geblasen. Tja jetzt werde ich niemals erfahren, ob
er wirklich die richtige gefunden hätte."
"Vielleicht schon,", erwiderte der Magier geheimnisvoll. "Aber Du wirst
wohl nie in Erfahrung bringen, wie ich das gemacht habe."
Jann schaute irritiert zu Trey. "Wie meinst Du das?"
Der Magier zuckte mit den Schultern und deutete auf Janns Fliegermontur.
"Schau in Deine Brusttasche."
Jann griff zu der Tasche und zog den Reißverschluß auf. Als er
hineingriff, fühlte er eine Karte und zog sie heraus.
Mit absoluter Verwunderung hielt er die Karo Sieben in der Hand. "Wie
hast Du..."
Trey lächelte, verriet jedoch nichts.
Jann warf den Helm auf den Beifahrersitz und fuhr sich mit der Hand
durch seine zersausten Haare. Er lehnte sich gegen den Jeep und rieb
sich über sein Gesicht. Die Kopfschmerzen waren noch immer nicht
abgeklungen.
Sahar trat auf ihn zu und hielt ihn eine kleine Plastikdose hin.
"Nadon.", sagte sie knapp. "Danach lächelst Du wieder. Selbst, wenn Dir
gerade ein Troll die Schädeldecke aufhämmert."
Jann nahm die Dose und schüttete sich der Tabletten auf die Handfläche
und warf sie sich in den Rachen.
"Danke.", murmelte er und schluckte. "Ich hab meine im Quartier
gelassen."
Er griff in den Jeep und fischte die Feldflasche aus seinem Rucksack,
nahm einen Schluck und seufzte.
"Dieser Biofeedbackdämpfer hat schon wieder nicht richtig funktioniert.
Du mußt Dir das Ding noch einmal anschauen. Heute hätte es mich beinahe
den Arsch gekostet. Außerdem habe ich noch eine Bitte."
"Was immer Du willst, Schätzchen.", antwortete die Technikerin müde.
Jann sah sie bemitleidend an. "Überstunden, was?", vermutete er. "Ich
bin sicher nicht der einzige, der her täglich angetanzt kommt."
"Beileibe nicht.", stöhnte sie. "Mein Stab wird nächste Woche
verdoppel."
"Dann sollte es ja ruhiger werden bei euch."
Die Sergeant schüttelte den Kopf. "Bis ich die alle eingearbeit und
eingewiesen habe, ist der Krieg doch schon vorbei." Sie nahm Jann die
Feldflasche ab und schüttete sich das Wasser direkt in das Gesicht.
Das Wasser floß über ihre schwarzen Haare und rann ihr in in den Nacken,
ebenso wie in ihr T-Shirt unter der Jacke und zwischen ihre Brüste.
Durch die Nässe traten ihre Busen deutlicher unter dem T-Shirt hervor
und unter jedem anderen Umstand hätte Jann diesen Einblick als sehr
erotisch empfunden. Aber er war einfach zu müde als an irgendwas anderes
zu denken als an sein Bett.
"Was war Dein Anliegen?", fragte die Technikerin nach.
Jann zeigte auf seinen Helikopter, der hinter der Werkstatt auf dem
Landefeld stand. Ein kleiner Trupp Techniker machte sich schon an ihm zu
schaffen und tauschte beschädigte Panzerplatten aus, sowie den defekten
Heckrotor. "Ich will eine manuelle Kontrolle für das AMS. Außerdem will
ich die Erfassungsysteme mit einem Laser ausstatten und mit den
Radarsensoren für die Lufterfassung gekoppelt haben."
Die Chefingenieurin schaute ihn aus unterlaufenen Augen an.
"Ungewöhnliche Konfiguration.", bemerkte sie.
"Eine Sinnvolle, denke ich.", entgegnete Jann. "Die Zielsysteme arbeiten
alle automatisch, fast ohne mein Zutun. Der Computer kann an die
Dreißig Ziele auf einmal erfassen und dazu noch unzählig verschiedene
Konfigurationen und Abschuß- oder Feuermodi. Wenn ich erstmal ein Ziel
erfasst habe, brauche ich nur noch den Befehl zu geben und alle Panzer
im Zielraster lösen sich in Wohlgefallen auf."
"Wo ist das Problem?"
"Die Zielerfassung des AMS arbeitet bei weitem nicht so effektiv. Die
feindlichen Abwehrstellungen kennen das AMS und nehmen mich mit
Mehrfachsalven unter Beschuß, sobald sie mich erfasst haben. Das AMS
kann nicht alle Raketen abwehren und zwei haben mich heute erwischt. Zum
Glück nicht direkt, sonst stünde ich nicht hier. Ich brauche ein
effektiveres Zielsystem für das AMS und außerdem die Möglichkeit, es
manuell zu bedienen. Wenn ich eingestöpselt bin, ist es mit den
entsrpechenden Sensoren durchaus möglich, Raketen zu erfassen und sie
abzuschießen."
Sahar überlegte. "Wie wäre es mit einem Zwillings-AMS?", schlug sie vor.
"Ich könnte ein zweites Schnellfeuer-MG installieren und beide mit
autonomen Zielerfassungsmodulen ausstatten."
Jann schüttelte den Kopf. "Zuviel Gewicht und Zusatzladung. Das zweite
MG braucht ja noch extra Munition und das wird schon Platz brauchen. Das
zweite Sensorenpaket ist dann sicher nicht mehr unterzubringen."
Sahar zuckte mit dem Schultern. "Ich brauche nur die Lasersensoren
anzusetzen, wie Du es in Deiner Konfiguration vorgesehen hast. Die
Autonome Zielerfassung kann über den Feuerleitcomputer laufen. Du
wolltest das AMS doch mit dem Luftradar koppeln. Dann häte ich sowieso
eine Schnittstelle zum Computer einrichten müssen. Das erspart das volle
Sensorenpaket und zusätzlichen Platz. Und ich hätte noch eine Idee."
Sahar stieß sich vom Jeep ab und gestikulierte mit den Händen. Sie war
wieder in ihrem Element und ihre Müdigkeit war vergessen. Jann war
erfreut, jedoch im Moment unfähig, ihren Enthusiasmus entsprechend zu
teilen. "Ich kann eine freischwebende Magnetfeldlagerung für die
Drhegelenke der MGs installieren. Das spart zusätzlich Platz und macht
das AMS deutlich schneller."
"Und wo ist der Haken?"
"Es ist schwerer.", antwortete Sahar. "Und es benötigt eine Menge
Energie. Wenn Du Probleme mit der Versorgung haben solltest, dann kann
es sein, daß Dein AMS als erstes ausfällt. Wenn Dich der Drek also
trifft, dann fliegt er gleich in den Ventilator. Dann hast Du gleich den
richtigen Ärger."
"Und das neue AMS-System?"
Die Technikerin lächelte. "Das läßt nichts mehr durch. Leider können wir
es vorher nicht testen."
"Ich vertraue Deinen Fähigkeiten.", sagte Jann und lächelte charmant.
"Und was Drek betrifft: Wenn an einen Helikopter fliegt, fällt der Drek
immer in den Ventilator. Wortwörtlich."
Sahar lachte und boxte Jann gegen die Schulter. Jann grinste und
fummelte unsicher an seinen Fingern.
"Ich bräuchte die Modifikationen sofort.", sagte er schnell.
"Was..ähm..willst Du dafür? Die ganze Ksite?"
Sahar hielt ihm am Arm fest und sah mit grimmigen Blick an ihm vorbei.
"Darüber reden wir später. Sieh mal da rüber."
Jann folgte ihrem Blick und entdeckte eine Gruppe von Männern und Frauen
in ziviler Kleidung. Sie luden gerade aus drei Helikopter diverse
Koffer und Geräte aus.
"Zivilisten?", wunderte er sich. "Was machen die hier? Sehen aus wie
Reporter"
"Sind es auch.", brummte die Technikerin finster. "Sie sind wie Geier.
Kaum steht die nächste Operation an, kommen die angeflogen und tummeln
sich überall rum. An ihnen kann man fast den Verlauf der Schlacht
absehen."
Jann versteifte sich. "Reporter? Woher wissen die denn jetzt schon
davon?"
"Von dem Kommandostab, denke ich.", vermutete Sahar. "Das gehört mit
dazu."
"Die werden doch nicht überall mit dabei sein, oder?"
Sahar lächelte finster. "Wenn Du das nächste mal einen Panzer abschießt,
sitzen die auf der Rakete und filmen alles mit."
Jann wirbelte herum. "Das meinst Du doch nicht ernst!"
"Ich ganz bestimmt nicht." Die Technikerin zeigte wieder zu dem
Reporterteam. "Aber die ganz bestimmt."
Jann schaute wieder zu den Zivilisten. Eine Elfe hatte sich von der
Gruppe gelöst und trabte zu Sahar und dem Piloten.
Sie sah aus, als käme sie direkt von einer Beauty Farm. Ihre Haut war
leicht gebräunt, die Haare perfekt gestylt und hochgesteckt, ihr
Wüstensafari-Outfit umschmiegte ihren Körper wie ein Abendkleid und ließ
eine atemberaubende Figur erahnen.
Sie hatte unglaublich sinnlichen Lippen und trug ein Lächeln, welches
Leonardo Da Vinci wohl um den Verstand gebracht hätte. Ihre
smaragdgrünen Augen leuchteten in der grellen Wüstensonne und Jann konne
an nichts anderes denken als an seine ebenso grünen Kontrollleuchten im
Helikopter.
Junge, Du weißt, das Du am Ende bist, wenn Dich so eien Frau nicht aus
den Stiefeln haut.
"Hallo,", hauchte sie zu Jann und hielt ihre Hand zur Begrüßung hin. Die
Technikerin registrierte sie lediglich mit einem Nicken. "Mein Name ist
Jill Lebowsky. Aber sie können mich einfach Jill nennen. Ich bin
Reporterin beim Sender KKRU und werde hier die nächste Zeit das
Kriegsgeschehen dokumentiern."
Sie schlug ihre Augen nieder und lächelte Jann einladend an. "Ich wollte
mich ihnen schon mal vorstellen.
Sie sind doch Lieutenant Jann Reuter, nicht? Wissen sie, wir werden bei
dem einen oder anderen Piloten während einiger Einsätze mitfliegen und
ich habe mir gedacht, daß wir beide ein wunderbares Team abgeben würden.
Was halten sie davon?"
Jann glaubte, daß er schon längst eingeschlafen sei und mittlerweile in
einem schlechten Traum gefangen war. Die Elfe lächelte ihr aufforderndes
Lächeln und lies seine Hand nicht los. Und jetzt fragte sie ihn, ob sie
neben ihm im Helikopter sitzten und bei Einsätzen mitfliegen dürfte.
Jann zog seine Hand weg. "Kommt gar nicht in Frage."
Die Elfe lächelte fast schüchtern und probte ihren verführerischen
Augenaufschlag an den übermüdeten Piloten. "Ach kommen sie. Sie werden
uns kaum bemerken. Außerdem sollen sie der beste sein."
Jann lächelte grimmig. "Lady, mit Schmeicheleien kommen sie bei mir
nicht weiter. Besonders im Moment nicht. Ich habe gerade einen Einsatz
hinter mir und wurde den ganzen Morgen von Raketen und 30 Milimeter
Geschossen gejagt. Wenn sie einen Helikopter brauchen, der ihnen die
gleiche aufregende Erfahrung übermittelt...", er zeigte auf den
Helikopter des Trideosenders, "...dann nehmen sie doch ihren eigenen.
Und gegen zwei oder drei Kisten echten schottischen Whiskys baut ihnen
Sergeant Sirous bestimmt ein Maschinengewehr und ein Paar Düppel an."
Der Blick der Reporterin verengte sich, aber ansonsten hielt sie ihre
professionelle Verführerpose aufrecht.
"Herr Reuter..."
"Lieutenant!", unterbrach Jann die Elfe.
Das Lächeln der Reporterin gefror ein wenig. "Lieutenant Reuter. Nach
dem Vertrag mit der Obersten Leitung haben wir das Recht auf
Berichterstattung für die Öffentlichkeit und das Personal der Basis ist
zur Mitarbeit verpflichtet Man muß uns also mitnehmen, wenn wir das so
möchten."
Jann hob die Schultern und schaute sich nüchtern auf dem Platz um. "Ich
bin nicht der einzige Pilot hier.", sagte er zu der Reporterin. "Suchen
sie sich doch jemand anderen."
"Das werde ich wohl auch.", lächelte die Elfe wie eine Schlange und ging
wider zurück zu ihrem Team, das mittlerweile die Helikopter ausgeladen
hatte.
"Schlampe!", knurrte Sahar. "Glaubt, wenn sie mit ihren Titten wackelt,
laden die Piloten sie zu einer Extratour ein!"
"Wenn ich nicht so fertig wäre, hätte das auch unter Umständen klappen
können.", murmelte Jann.
Die Technikerin schaute ihn mit großen Augen an. "Im Ernst?"
"Quatsch.", Jann schüttelte den Kopf. "Die ganze Masche von ihr; die
Schminke, das Outfit, sie Schönheitsoperationen und Implantate, das
zieht bei mir einfach nicht. Vielleicht klappt das bei irgendwelchen
Männern in der Stadt für eine schnelle Reportage..."
"...aber nicht bei Soldaten mitten in der Wüste, die monatelang unter
sich sind.", stichelte die Technikerin
Jann hielt seinen Arm hoch. "Wir kriegen ebenso wie ihr Frauen hier die
Sterimplate. Das unterdrückt den Sexualtrieb."
"Es dämpft ihn ein wenig, aber unterdrückt ihn bestimmt nicht völlig.",
klärte ihn Sahar auf. "Es dient hauptsächlich der Verhütung."
Der Pilot zuckte mit den Schultern. "Und wenn schon. Trotzdem lass ich
mich nicht von so einer Tussi einwickeln, mit solch billigen Tricks. Ich
kann so ein falsches Weibsbild in meinem Cockpit nicht gebrauchen, wenn
mir das Blei um die Ohren fliegt. Abgesehen davon glaube ich nicht, daß
wir verpflichtet sind, die Reporter auf den Händen über das
Schlachtfeld und durch die Basis zu tragen. Vielleicht müssen wir sie
unterstützen, Ok, kann ich noch akzeptieren. Aber ich glaube nicht, daß
unsere Arbeit hier darunter leiden soll.
Und was einsame Männer in der Wüste angeht....", Jann warf Sahar einen
mehrdeutigen Blick zu und grinste sie frech an, "...Schöne Frauen gibt
es auch hier."
Er sprang in den Jeep und fuhr zu seinem Quartier, lies die sprachlose
Technikerin hinter sich zurück.
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