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Iron Spirit (Reuter Part II) |
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Von Hassel schritt vor seiner Truppe ab und sah über die kleine Menge. "Noch Fragen?"
Janns Hand schnellte in die Höhe, ehe er begriff, was er da tat. Chuck und Abor sahen ihn erschrocken an.
Eisenfaust blieb stehen und schaute ein wenig finster auf den Piloten herab.
Jann fing augenblicklich an zu schwitzen. Warum macht er das immer wieder?
Wenn Eisenfaust die Mission erklärte, dann blieben selten irgendwelche Fragen offen. Seine Frage am Ende jeder Besprechung war meist rethorischer Natur.
"Reuter mal wieder.", knurrte er. "Was gibt es, Lieutenant?"
Jann schluckte seinen Unmut herunter und verkniff sich auch das "Äh", das ihm sonst immer rausrutschte."
"Sir. Nach der Mission die sie gerade beschrieben haben, verschieben wir unsere außenposten um gute 1,5 Kilometer über die jetztige Verteidigungslinie hinaus und unser Aktionsgebiet wird weiter nach Nordwesten verschoben. Das geht nah an die Basis der Azzies."
Der Major drehte sich zum Bildschirm um. "Ich kann die Karte selber lesen, Lieutenant. Ich weiß, wo die Basis der Azzies liegt."
"Das hätte ich nie in Frage gestellt, Sir. Aber warum nennen sie die Mission "Aufklärung und Verteidigung"? Für mich sieht das sehr offensiv aus, und ich verwette meinen Monatssold darauf, daß sich die Azzies von unserer Truppenbewegung nicht nur bedroht, sondern auch provoziert fühlen werden. Eine Gegenaktion dieser Seite wird wohl kaum ausbleiben."
Der Major blieb vor Jann stehen, stemmte die Fäuste in seine breiten Hüften und schaute auf ihn hinunter.
Chuck und Abor, die neben ihm saßen, rückten auf ihren Stühlen ein wenig weiter von ihm weg.
"Lieutenant Reuter,", begann von Hassel tadelnd, "Haben sie denn in der Ausbildung gar nichts gelernt?"
"Wie...", fiepte Jann unsicher
"Ja wer hat ihnen denn befohlen zu denken, Lieutenant! Und ich kann mich auch nicht erinnern, wer sie zum Strategen berufen hat! Sie sind nicht hier, um die Missionsparameter zu hinterfragen, sondern um sie auszuführen!
Habe ich mich vorhin nicht deutlich ausgedrückt, Lieutenant?"
"Doch schon, Sir.", begann Reuter. Chuck schlug sich gegen die Stirn und versteckte sein Gesicht hinter seiner Hand. "Aber unser Auftrag heißt, "Beobachten und Melden". Sie haben nicht gesagt, daß wir eingreifen sollen, wenn etwas passiert. Aber die Azzies werden bestimmt irgendwas machen. Was sollen wir tun, wenn sie angreifen?"
"Dem Hauptquartier melden. Anscheinend nuschele ich, Reuter."
"Ich höre nur schlecht, Sir. Wir sollen uns nicht verteidigen? Nur melden, falls ein Vorposten angegriffen wird?"
"So lautete der Auftrag. War das alles?"
"Nein, Sir." Jann biss sich fast auf die Zunge, Chuck neben ihm verschluckte sich fast und hinter ihm keuchte jemand. "Was, wenn wir auf den Patroullienflügen angegriffen werden? Sollen wir zum HQ zurück fliegen oder die Drohne dann aufgeben?"
"Lieutenant Reuter!", donnerte der Major. "Sie haben soeben die gesamten Befehle wiederholt, die ich ihnen vorhin gegeben habe! Entweder spreche ich so undeutlich oder sie sollten sich neue Ohren holen. Aber ich habe weder die Zeit noch die Lust, mit ihnen über unsere Mission zu philosophieren! Wenn es heißt "Beobachten und Melden" dann tun sie genau das! Und wenn sie angegriffen werden, heißt das, das sie sich zurück ziehen! Das sind einfache Regeln! Wo liegt ihr Problem?!"
"Ich verstehe das nicht, Sir. Ich dachte..."
"Sie Denken nicht!", brüllte von Hassel und Jann stellte zum zweiten mal fest, daß Vorgesetzte im allgemeinen eine feuchte Aussprache haben, insbesondere diese, die mit Vorliebe brüllen. "Sie haben nicht zu denken! Sie führen ihre Befehle aus, bis man ihnen was anderes sagt! Haben sie das verstanden?!"
Jann unterdrückte den Impuls, sich das Gesicht abzuwischen und richtete sich in seinem Stuhl ein wenig auf.
"Ja, Sir.", antwortete er.
"Gut.", bellte von Hassel. Ohne den Blick von Jann zu nehmen fragte er in den Raum "Hat sonst noch jemand Fragen?!"
Der Raum war so still, daß man das die Uhr draußen im Flur ticken hören.
"Dann an die Arbeit!"
Die Truppe erhob sich und verließ den Raum.
"Lieutenant Reuter, sie bleiben noch.", sagte der Major, als Jann aufstand und zur Tür ging. Sein Herz sank ihm in die Hose.
Als der Raum leer war, griff von Hassel nach der Fernbedienung und schaltete den Bildschirm ab.
Er trat zu Jann. "Warum haben sie diese Fragen gestellt?", wollte er von dem Piloten wissen.
"Sir, Ich und meine Kameraden, ebenso wie andere Einheiten und Material sind vor nur wenigen Monaten eingetroffen. Und heute wird unserer Verteidigungslinie verschoben, in Richtung des HQ der Azzies.
Ich habe die Berichte gelesen und mir die Feldprojektionen angesehen, einfach um zu wissen, was auf mich zu kommen wird. Von den Azzies hört man ja so einiges. Und anscheinend finden die es schon alarmierend, wenn sich hier jemand eine neue Uzi liefern lässt. Für mich erscheint diese Mission wie eine Art Provokationskampagne, um entweder die Leute zu einer Reakion zu zwingen, um uns den Vorwand für weitere Kriegsaktionen zu geben, oder um deren Ambitionen auszuloten.
Anscheinend rechnet man damit, das auf das Verschieben unserer Grenzen eine Reaktion erfolgt und ist bereit, dies in Kauf zu nehmen. Das würde auch erklären, warum O'Haras Truppen nicht zu den Vorposten geschickt werden, sondern die Grenze an den Randgebieten und an den Basisnahen Punkten verstärken."
Major sah den Piloten eingehend an. Seine Miene bewegte sich ebenso sehr wie ein Stein auf dem Mond.
"Erstaunliche Analyse, Lieutenant. Respekt."
Jann winkte ab. "Als Pilot wird man darauf trainiert, sich ein Bild von der Gesamtlage zu machen, besonders von oben. Den anderen ist es auch aufgefallen. Sie haben nur nichts gesagt."
Von Hassel seufzte. Jann glaubte zuerst, die Klimaanlage wäre kaputt. "Reuter.", begann dieser. "Ich habe ähnliche Fragen an den Obersten Stab gerichtet, als sie mir die Befehle schickten. Man hat mir in etwa das gleiche gesagt, wie ich vorhin ihnen. Mehr oder weniger ebenso freundlich.
Ganz gleich, was wir uns dazu denken, es spielt keine Rolle. Wir tun, was uns gesagt wird und bekommen die Antworten später. So war das immer im Militär, wird nie anders sein.
Ich kann also ihre Verwirrung verstehen. Wenn sie aber noch einmal meine Befehle so offenkundig anzweifeln, wenn ich eine Besprechung halte, dann fahren sie ab morgen nur noch die Wartungsdrohnen.
Ich hoffe, sie haben das verstanden."
"Nur allzu gut Sir.", sagte Jann. Er wollte noch hinzufügen, daß der Major wohl unter Druck gesetzt wird und sichr fragt, warum er so widersinnige Befehle weitergeben muß und diesmal keine Antworten von oben bekommt. Aber Jann war nicht so dumm, sowas laut auszusprechen.
Er salutierte und verließ den Raum.
"Lieutenant Reuter meldet sich zum Einsatz.", schnarrte die Drohne. Cullen stand neben dem kleinen Vehikel und bückte sich amüsiert zu den Sensoren.
"Wie geht es Dir da drinnen?", fragte er und klopfte gegen die gepanzerte Hülle.
"Sehr lustig." knackte es aus den Lautsprechern. "Mach das nochmal.", bat Jann nach einer kurzen Pause.
Der Magier stand verwirrt vor dem Aparat. "Was?"
"Klopf nochmal gegen die Drohne."
Cullen zuckte mit den Schultern. "Wenn Du darauf stehst...". Er klopfte nochmal gegen die Außenhülle.
"Die Sensoren wackeln.", stellte Jann fest. "Wenn Du dagegen klopfst, verschwimmt das Bild und das Radar wird gestört"
"Hm, ein Wackelkontakt?" vermutete Trey.
Die Drohne schnarrte. "Glaube ich nicht. Wenn, dann ist es ein sehr schlimmer. Hilf mir, das Ding auf den Jeep zu laden. Ich bring sie zum Techniker."
Trey drehte sich zu dem Fahrzeug um. Jann stöpselte sich gerade aus der Fenrsteuerkonsole aus und stieg vom Sitz.
Der Magier packte eine der Trageschienen und hob die Drohne mit Jann zusammen auf die Ladefläche.
"Das Ding ist ziemlich schwer.", keuchte Cullen. "Wie hält sie sich nur in der Luft?"
Jann klopfte sich die Hände an der Hose ab und betrachtete das kleine Fluggerät auf dem Jeep.
"Vektorschub, Trey. Das Ding hat Düsen. Außerdem ist es bewaffnet und mit dem vollen Sensorenpaket ausgestattet, den Treibstoff nicht zu vergessen. Das macht noch einmal 40 Kilogramm mehr."
"Meine Güte. Was für eine Reichweite hat die Drohne denn? Die frisst doch sicher Kerosin wie eine Flamme Sauerstoff!"
"Tut sie auch", antwortete Jann und stieg wieder auf den Fahrersitz. Er zog an der Klappe und fummelte das Glasfaserkabel raus. "aber die Reichweite ist enorm. Gute 1250 Kilometer schafft sie, bei einer Geschwindigkeit von 350 Km/h."
Trey schwang sich auf den Beifahrersitz. "Sie bleibt also etwa 4 Stunden in der Luft. Kaum zu glauben, wenn man sie mal gehoben hat."
"Tja, das Wunder der modernen Technik. Die Turbinen bringen eine ziemliche Leistung bei geringem Verbrauch.", erklärte Jann, als der Wagen losfuhr. "Aber frag nicht, wieviel so ein Gerät kostet.
Sag mal, warum fährst Du mit? Mußt Du nicht in den Einsatz?"
Cullen lächelte. "Wir fahren erst in zwei Stunden an die Grenze. Kodolewskij hat sich mal wieder mit O'Hara in die Wolle bekommen und jetzt muß der erstmal einen weiteren Stapel Formulare ausfüllen. Außerdem kennst Du Sergeant Sirous noch nicht."
"Den Leiter des Technischen Stabs? Ich hab gehört, das die Leute von der Technik immer ein wenig eigen sind."
Der Magier grinste in sich hinein. "Lass Dich überraschen."
Jann fuhr zu den Hangars der Werkstatthallen und parkte den Jeep nahe der Laderampe für die Drohnen.
Eine Frau stritt gerade mit einem Piloten über die richtige Behandlung von Triebwerken beim Überschallflug.
Der Pilot meinte, Triebwerke seien lediglich dazu da, ein Flugzeug oder einen Panzer auf die entsprechende Geschwindigkeit zu bringen und hätten sonst keinen Zweck. Die Frau in der Technikeruniform widersprach ihm energisch. Sie war der festen Überzeugung, daß ein Triebwerk mehr war als nur ein Antrieb, nämlich ein hochempfindliches Stück Technik, daß ein wenig mehr Respekt verdiente und der Pilot sollte es sich bei seinem nächstem Manöver genauer überlegen, was ihn in der Luft hält, bevor er wieder zur Werkstatt latscht und seine Maschine gewartet haben will.
Der Pilot warf ihr das Formular in die Hände und stapfte entnervt davon.
Jann trat mit dem immer noch grinsenden Cullen zu der Frau. Mit einer energischen bewegung wirbelte sie herum. Sie war größer als Jann, auch größer als Cullen Trey und hatte langes, schwarzes Haar, das in einem Zopf hinter dem Cappie, das sie trug, heraus hing. Ihre Haut war olivbraun und sie hatte eine Nase, die einen Adler vor Scham hätte erblassen lassen. Ihre dunkelbraunen Augen blitzen fast zornig aus ihrem ölverschmierten Gesicht und ihr Mund schmollte vor Ärger. Sie blaffte: "Und was für ein Problem hast Du?"
"Ich hab hier eine Drohne mit fehlerhaft arbeitenden Sensoren. Der Chef soll sie sich mal ansehen, am besten noch diese Stunde, weil sie um 1500 für den Einsatz benötigt wird."
"Was hast Du denn mit ihr angestellt!?"
Jann sah fast überrascht auf. "Gar nichts habe ich mit ihr angestellt! Ich habe sie eben erst zugewiesen bekommen und war gerade beim Check."
"Das sagen sie alle.", schimpfte die Technikerin. "Und damit wollen sie nur ihre eigenen Fehler vertuschen. Hier halten mich wohl alle für Blöd!"
"Das habe ich doch gar nicht gesagt", beschwor Jann. "Ich habe die Drohne lediglich in Betrieb genommen und..."
"Spar Dir das Geschwätz!", unterbrach die Technikerin ihn und drückte ihm ein Touchpad mit Formularen in die Hand. "Füll das aus und komm in ein, zwei Tagen wieder. Ich will sehen, was ich machen kann."
"Was?!", platzte es aus Jann heraus. "Das soll wohl ein Witz sein! Ich brauche die Drohne in zwei Stunden! Und ich habe nicht vor, wegen einem dämlichen Wackelkontakt zwei Tage zu warten!" Das Temperament der Technikerin war ansteckend. Jann merkte, wie in ihm der Zorn hochstieg. Lediglich Cullen schien sich köstlich zu amüsieren und hielt sich die Hand vor dem Mund, um sein Grinsen zu verbergen.
"Wenn Du so genau weißt, was an dem Ding kaputt ist, dann reparier es doch selber, Ich habe hier genug zu tun." Sie verschränkte die Arme vor der Brust und zeigte mit dem Daumen hinter sich auf eine Werkbank. "Da hinten liegen die Werkzeuge. Bedien Dich."
Jann blieben seine Worte im Halse stecken. Die Frechheit der Technikerin war einfach unglaublich.
Er hatte weder die Zeit noch die Lust, sich mit ihr auseinander zu setzten. Er starrte sie zornig und kampfeslustig an, aber die Technikerin verzog keine Miene und gab sich unbeeindruckt. Ihre Augen jedoch verengten sich um eine Spur, gerade genug, um die Wüstenluft um Jann und den Magier einige Grad abkühlen zu lassen. Jann zeigte sich jetzt ebenso gelassen. "Nebenbei bemerkt, der ölige Teint ist seit dem letzten Kalender out, hat Dir das niemand gesagt?" Hinter sich hörte Jann ein Klatschen, als sich Trey stöhnend gegen die Stirn schlug. Die Technikerin öffnete den Mund zu einem empörten Ruf, schluckte ihn aber herunter. Jann verschränkte triumphierend die Arme und wartete auf ihren Vorgesetzten.
"Freundchen.", knurrte die Frau und tippte mit dem Finger auf Janns Brust. "Du kannst hier warten, bis Du Dich in eine Düne verwandelst. Deine Drohne werde ich nicht reparieren. Mir ist egal, was daran nicht stimmt und wie schnell Du ihn brauchst. Hier kommen täglich Piloten mit Sonderwünschen an und halten mich von wirklich wichtiger Arbeit ab. Wenn Du glaubst, Du kannst hier eine Show abziehen, nur weil Du ranghöher bist und Deine Arbeit ach so wichtig erscheint, dann kannst Du ja mal einen Tag lang einen Schraubenschlüssel in die Hand nehmen und die Maschinen selber warten, während jede Minute irgend ein anderer ankommt und Dich mit seinen Problemen vollsülzt. Mach was Du willst, aber Dein Rostkübel muß warten!"
Zum zweiten Mal fehlten Jann die Worte. Als er sie wiederfand, platzen sie ihm wütend heraus. "Was soll der ganze Mist! Wenn sie es noch nicht kapiert haben: Hier startet gleich ein Einsatz! Und wenn sich nicht bald jemand diese Drohne hier ansieht, wird das dem einen oder anderen mächtige Probleme bereiten, und mir ist völlig gleich, wer das sein wird! Denn wenn es soweit kommt, dann habe ich das nicht mehr zu entscheiden!" Jann sah an der Frau herunter. Sie trug nicht die Wüstenfarben sondern eine Hose und eine Jacke im typischen grünbraun-Tarnmuster. Abzeichen oder Name war an der Uniform nicht zu sehen.
"Sie tragen ja nicht einmal die vorgeschriebene Uniform!", donnerte er weiter. "Für mich sieht das nach einer ganzen Menge Ärger aus für Sie. Abgesehen davon lasse ich mir von einer einfachen Aushilfe doch nicht sagen, was ich mit der Drohne zu tun habe! Entweder sie holen mir jetzt endlich jemanden, der mir das Ding repariert, oder ich Ja was IST DENN!?!"
Cullen Trey zupfte an Janns Uniform und versuchte schon die ganze Zeit, ihn auf sich aufmerksam zu machen.
Jetzt, wo er endlich seine Aufmerksamkeit hatte, hielt er ihn am Arm fest und winkte mit dem Kopf zum Jeep. "Komm mal kurz mit. Da gibt es etwas, das Du wissen solltest..."
Jann warf der Technikerin noch einen fiesen Blick zu, den sie mit einem spöttischen Grinsen beantwortete, und ließ sich dann von Cullen außer Hörweite schleppen. Als er vor ihm stand mit verschränkten Armen und ungeduldigem Ausdruck im Gesicht, fragte ihn der Magier"Was Du wissen solltest, bevor Du hier auf der Basis gezwungen sein wirst, Deine Einsätze in einem Pappkarton mit Gummizugpropeller zu fliegen...wenn die Frau da sagt, Du kannst lange darauf warten, daß ihr Vorgesetzter kommt...damit hat sie irgendwo recht."
"Ach ja?", brummte Jann. "Und woher willst Du das wissen?"
Ebenso um heraus zu finden, daß in einigen Bereichen die Dinge etwas anders laufen.
Die Frau, die Du gerade so enthusiastisch herunter geputzt hast, sie ist der ranghöchste Offizier im Technischen Stab..."
Janns Augen bekamen jenen glasigen Blick, der bei Menschen zu sehen ist, die verzweifelt versuchen, die aufgenommenen Daten ihres Gehirns in sinnvolle Informationen zu verwandeln. Als er begriff, weitete sich sein Blick schlagartig und sein Kiefer klappte nach unten.
Seine Gedanken überschlugen sich, als er begriff. "Er..Sie ist Sergeant Sirous?!"
"Technical Sergeant.", antwortete Cullen fröhlich. "Chefingenieur und ranghöchster Offizier im technischen Stab. Yup, das ist sie. Hast Du einen Zwerg erwartet oder sowas?"
"Frag lieber nicht...", seufzte Jann. "Aber warum reagiert sie so? Was hab ich ihr getan? Ich woltle doch nur, daß sie sich meine Drohne ansieht, und sie springt mir gleich ins Gesicht! Warum tut sie das?"
"Ihre Art.", erklärte der Magier. "Die Art aller Techniker. Sie fühlen sich immer benachteiligt und mißverstanden und glauben an die Seele der Maschinen."
"Maschinen haben keine Seele.", warf Jann dazwischen.
Trey sah ihn erstaunt an. "Und das von einem Piloten. Jann, Du verwunderst mich. Du fliegst mit Helikoptern und Schwebepanzern, jeder hat so seine Macken und Du bist mit ihnen mental verbunden. Und dann ein solcher Spruch. Sag das niemals zu ihr", er deutete auf die Technikerin, die die beiden immer noch unbewegt mit ihren Blicken taxierte.
"Wie auch immer. Techniker haben es satt, daß jeder zu ihnen kommt, ihnen ein kaputtes Maschinenteil oder ein ganzes Flugzeug hinstellt und meint, es wäre das vorrangigste Projekt. Sie sind immer überarbeitet und niemals richtig gelobt.Du kannst Dir sicher vorstellen, daß sie eine Menge zu tun hat, gerade jetzt und es ist schon eine Glückssache, sie an einem ihrer guten Tage anzutreffen. Für Sonderwünsche, ganz gleich welcher Art, hat sie selten ein offenes Ohr. Und was auch immer die da ganz oben sagen, die Dringlichkeit der Sache legt sie selber fest. Wer soll ihr schon vorwerfen oder nachweisen, wie lange die Reperatur einer Maschine dauert oder ob die Modifikationen machbar sind oder nicht. Keiner der Piloten, die hier schon etwas länger sind, belästigen damit ihren Kommandanten oder machen sich die Mühe, den Katalog der erforderlichen Formulare auszufüllen. Entweder einigt man sich mit ihr und steht auf gutem Fuße mit der Frau, oder Du fängst im nächsten Einsatz an, nervös auf jedes ungewöhnliche Geräusch zu hören, daß die Turbine Deines Helikopters von sich gibt."
"Aber sie trägt ihre Rangabzeichen nicht....", klagte Jann hilflos.
Trey breitete die Arme aus. "Wozu auch? Die werden bei der Arbeit nur dreckig und jeder weiß, wer sie ist. Sie mag im Rang weit unter uns stehen, aber hier auf ihrem Platz und spätestens, wenn Du etwas dringendes von ihr brauchst, ist sie der General."
Der Magier klopfte Jann auf die Schulter. "Letztendlich ist das mehr eine Masche. Das brauchen die.Und sie zieht das bei jedem ab, erst recht mit den Neuen, damit der gleich weiß, was Sache ist. Sie hat es längst nicht so ernst gemeint, wie es rüberkam. Aber ein Tip: Wenn Du etwas dringendes hast, dann bleiben Dir zwei Möglichkeiten, das schnell erledigt zu bekommen. Entweder Du füllst die entsprechenden Formulare aus. Aber der Ironie der Bürokratie entsprechend dauert das ausfüllen der Formulare für Dringlichkeit meist etwas über eine Stunde.
Oder aber Du bietest ihr was."
"Ihr was bieten? Was denn? Ich bin doch hier nicht auf einem Bazar!"
"Naja, Du hast Dir Doch eine Kiste von diesem Whisky aus Seattle mitgebracht. Das wäre eine Möglichkeit."
"Meinen Whisky?!", jaulte Jann. "Das kann doch nicht Dein Ernst sein! Weißt Du eigentlich, wieviel der gekostet hat? Abgesehen davon, wenn das jemand mitbekommt, und das dann dem....woher weißt Du davon?"
Culen winkte ab. "Ich bin schon länger hier, das reicht als Erklärung. Wie gesagt, das wäre eine Möglichkeit."
"Aber wieso soll ich ihr irgendwas für eine Arbeit geben, zu der sie verpflichtet ist, sie für mich auszuführen?"
Trey klatschte in die Hände und zeigte dann auf Janns Gesicht. "Das ist der Punkt! Techniker werden immer unterschätzt. Sie leisten meist wahre Wunder und sind mit ihrer Arbeit der Magie meist näher als so mancher Zauberer. Im Einsatz kommen am Tag zwanzig Piloten zu ihr und wollen ihr Flugzeug gecheckt haben. Das Ding ist völlig hinüber und bräuchte Tage, damit es wieder einsatzfähig ist. Der Pilot braucht seine Maschine aber schnell wieder. Und dann zaubern sie. Der Pilot kommt zurück, betrachtet mit kritischem Blick seine Maschine und fliegt, ohne irgend einem Dank, wieder in den Himmel um sich die Maschine wieder zerschießen zu lassen. Wer den Technikern ab und an zeigt, daß sie eigentlich wunderbare und ebenso wertvolle Arbeit leisten, kann sich sicher sein, daß er auch das bekommt, was er braucht. Denn schließlich mußt Du zugeben, daß Du ohne sie wirklich aufgeschmissen wärest."
"Das weiß ich doch. Warum erzählst Du mir das alles?"
Cullen deutete mit einem Nicken auf die Technikerin. "Weil ich Dir damit dieselbe Rede von ihr erspare. Und meine klingt auch viel netter als ihre. Also sei nett zu ihr und lobe ihre Arbeit, wenn Du nicht die nächste Stunde irgendwelche Dringlichkeitsformulare ausfüllen willst."
"Oh klasse.", stöhnte Jann. "Aber nicht meinen Whisky!"
Der Magier zuckte mit den Schultern. "Deine Wahl."
Jann ging zurück zu der Technikerin und räusperte. "Also, Sergeant Sirous..."
"Lass das Sergeant weg.", warf die Frau dazwischen. "Und auch die Förmlichkeiten. Das zieht bei mir sowieso nicht."
"Na gut.", hustete Jann. "Also, Sirous."
"Sahar."
"...Sahar. Ich brauche die Drohne in spätesten Zwei Stunden. Ich weiß nicht, was daran kaputt ist, aber ich glaube nicht, daß es was schlimmes ist. Nein, bitte unterbrich mich nicht!", mahnte er, als er merkte, wie die Technikerin wieder zu einer Antwort Luft holte. "Du weißt sicher besser, was es ein könnte und ich habe längst nicht soviel Ahnung von Technik wie Du. Nur habe ich auch keine Zeit, irgendwelche Formulare auszufüllen, das kann ich auch später noch machen. Schau Dir bitte die Drohne an, es ist wirklich dringend."
Sahar zeigte auf den Hangar hinter sich. "Da liegen tausend dringende Fälle. Warum sollte ich Deinen zuerst ansehen?"
Jann seufzte und lies die Schultern hängen. "Weil...Das habe ich doch schon erklärt! Ich brauche..."
Ach, was solls, dachte er. So komme ich nicht weiter.
"Hör mal, Sahar. Vielleicht kann ich mich anders revanchieren. Ich weiß, daß ihr hier alle viel zu tun habt und ich bin noch nicht so lange hier, aber ich brauche Deine Hilfe. Vielleicht kann ich mich mit einem Essen revanchieren oder so."
Sahar lachte kurz auf. "Die nächste große Stadt ist 500 Kilometer weit weg.Und ich sehe Grund, warum ich mit Dir ausgehen sollte."
"Nein", winkte Jann schnell ab, so war das nicht gemeint! Es geht doch nur um....", er seufzte. "Magst Du Whisky?"
"Schottischer Single Malt?"
"Aus einer Brauerei im Hochland.", bestätigte Jann müde und mit blutendem Herzen. "Ich hab ihn aus Seattle mitgebracht. Ein Laden dort importiert ihn und verkauft ihn zu annehmbaren Preisen. Ich hab mir eine Ki...einen kleinen Vorrat besorgt, bevor ich wieder hierher flog."
Die Techninkerin überlegte kurz und schmunzelte. "Zwei Flaschen und ich hole gleich mein Werkzeug."
"Zwei?! Die sind..." Cullen hinter ihm räusperte sich und Sahars Blick bekam wieder so etwas frostiges.
"Ok, zwei Flaschen.", murmelte Jann resigniert.
Die Technikerin grinste bis zu den Ohrläppchen und griff nach ihrem Multiwerkzeug am Gürtel.
Sie ging zu der Drohne und öffnete die Verschalung. "Diese Vektorschubdrohnen haben noch einige Kinderkrankheiten. Der Modulaufsatz für die Sensoren lockert sich oft, wenn die Drohne nach längerer Zeit wieder in Betrieb genommen wird. Die Vibrationen sind zu stark."
Sie nahm ihren Lappen aus der hinteren Hosentasche und riss ein wenig von ihm ab. "Wenn man die Aufsatzschienen auspolstert und die Sonsoren in ihren Halterungen mit etwas weichen einklemmt, dann fangen sie die Vibrationen ab und rütteln sich auch nicht mehr so leicht aus."
Sie brachte die Außenhaut wieder an und schraubte sie wieder zu. "Das hier wird mit Sicherheit halten. Ich habe noch ein paar Verschlußschrauben angebracht. Wenn der Einsatz nachher vorbei ist, dann bring sie wieder bei mir vorbei. Bei den meisten Drohnen habe ich neue Halterungssschienen angebracht. Das werde ich bei der auch machen, dann wirst Du nie mehr Probleme mit wackelnden Sensoren haben."
Jann stand völlig verblüfft vor dem Jeep. "Das war alles?!" fragte er. "Du stopfst einfach einen öligen Lappen in das Ding und ziehst einige Schrauben an?"
Sahar verstaute ihr Werkzeug und schaute unschuldig auf den Piloten. "Ja, das war alles."
"Du hast das gewußt!", rief Jann aufgebracht. "Die Drohne war nicht mal richitg kaputt und Du machst hier so einen Aufstand wegen einer Kleinigkeit!"
Die Technikerin schaute nachdenklich auf die Drohne. "Wenn es Dir zuwenig war, kann ich gerne noch etwas daran kaputt machen."
"Nein Nein!", rief Jann erschrocken. "Bloß nicht! Darum geht es doch nicht! Es ist nur..." er winkte ab. "Vergiss es. Danke für die Mühe."
Die Technikerin setzte ein erstaunlich liebevolles Lächeln auf und schlug ihre Augen nieder. "Gern geschehen.", säuselte sie.
Jann grunzte nur und setzte sich auf den Jeep. Cullen neben ihm kämpfte mühsam mit seinen Tränen. Es war deutlich zu sehen, daß er sich auf die Zunge biss, um nicht laut loszulachen.
"Du hast das alles gewußt.", knurrte Jann, als sie in Richtung Tor fuhren. "Das ganze Spiel war doch von euch eingefädelt. Wahrscheinlich macht ihr das mit allen neuen hier."
"Nein!", grölte Trey schließlich. "Nur mit denen, die wir ganz besonders mögen."
"Du meinst, die Dummen." Folgerte Jann. Trey lachte nur lauthals. "Du schuldest mir zwei Flaschen Whisky."
"Ich doch nicht.", wieherte Trey. "Ist doch nicht meine Schuld, daß Du Deinen Stoff verschenkst. Das war nur eine Idee, die ich aufzählte, keine Regel."
"Danke.", Jann sah ihn finster an, aber das brachte Cullen nur einen weiteren Lachanfall.
"Warte erst ab.", gluckste er atemlos. "Was sie Dir für einen Panzer abknöpfen wird!"
einer Meinung nach ist ein Angriff nur noch eine Frage der Zeit.", meinte Major Willee. "Die Berichte sind eindeutig und mein Stab sowie die Taktik stimmen mir dabei zu."
"Was ist so neu daran?", fragte Von Hassel in die Runde. "Die Azzies greifen mit einer Regelmäßigkeit an, nach der man eine Atomuhr stellen könnte. Der Nächste Versuch eines Übergriffs ist eh schon überfällig. Aber ich glaube weder, daß die Besetzung in Sollstärke noch die Truppenbewegungen unserer Basis der Anlass dafür sind. Ebenso wenig sehe ich einen Grund, besondere Härte oder massivere Maßnahmen zu erwarten. Es müßte..."
"Ihre Meinung ist hier nicht ausschlaggebend, Von Hassel.", schnitt La Ban die Ausführungen des Majors ab. "Unsere Spezialisten in Tokio sind bei Simulationen und Situationsanalysen auf ähnliche Ergebnisse wie Major Willee gekommen. Ich dürfte sie also bitten..."
General Mulcanny hob mit beherrschtem Zorn die Hand. "Es reicht, La Ban. Ich persönlich habe den Major gebeten, der Besprechung beizuwohnen, da ich der Meinung bin, seine Ansichten und Einschätzung der Situation ist in diesem Fall sehr wichtig. Außerdem kennt er noch nicht alle Fakten. Und wenn sie nochmal versuchen sollten, einem meiner Offiziere das Wort zu verbieten, werden sie von dieser Besprechung ausgeschlossen. Verhalten sie sich bitte mit dem nötigen Respekt"
"Ich muß protestieren.", sagte La Ban ruhig. "Meine Anwesenheit bei dieser Konferenz ist von dringender Wichtigkeit. Sie können mich nicht ohne weiteres ausschließen."
Der General zeigte ein humorloses Lächeln. "Wir haben alle Daten von ihnen vorliegen. Für weitere Ausführungen wäre ihre Anwesenheit also nicht notwendig. Entweder halten sie sich an die Regeln, oder sie werden von dieser Besprechung nur noch das Protokoll zu lesen bekommen."
La Ban schaute mühsam beherrscht auf sein Display und legte mit wütender Geste seinen Lichtgriffel auf die Ablage. Normalerweise war er so kühl wie ein Eisschrank und schien sich nur selten aus der Ruhe bringen zu lassen. Aber der Angriff auf seine vom Vorstand gegebene Autorität war ein Wunder Punkt bei ihm. "Das kann Konsequenzen für sie haben."
"Darüber reden wir nachher.", entgegnete Mulcanny nur. "Und ich hoffe für sie, das war keine Drohung. Können wir jetzt fortfahren?"
Willee nickte. "Gut.", meinte der General und gab dem Chef des Spionagestabs ein Zeichen. "Bitte klären sie Von Hassel auf."
"Gerne. Major, über die Berichte der Aufklärung sind sie informiert?"
"Soweit ja", antwortete Von Hassel. "Laut den Daten, die ich von ihnen bekommen habe, verhalten sich die Azzies seit unserer Aufrüstung wie ein Ameisenhaufen vor einem Monsun. Den Berichten zufolge scheint das eine direkte Reaktion auf unsere Basisinternen Truppenbewegungen zu sein. Seitdem verstärken die Azzies ihre Grenzposten und ihre Truppen an der Fenceline."
Major Wille nickte. "Das ist der offizielle Bericht. Die Daten, die wir ihnen jetzt geben, haben wir ihnen bisher vorenthalten, weil wir sie als zu brisant eingestuft haben, als daß wir sie außerhalb dieses Raumes besprechen wollten. Wir wollten sie weder übergehen, noch im unklaren lassen."
Eisenfaust lehnte sich zurück und schaute den Elf erwartungsvoll an. "Schießen sie los. Ich bin ganz Ohr."
Wille nickte und projizierte die Daten auf den großen Bildschirm. Eine Liste diverser Namen, Ränge und Vehikel wurde gezeigt. "Unsere Spionageabteilung hat uns Berichte geliefert, die besagen, daß die Basis von Aztechnology mehrere Anträge auf weiteres Material und Truppen gestellt hat. Diese Anträge entsprachen nicht dem normalen Standart. Es wurde schweres Kriegsmaterial und Spezialtruppen angefordert, darunter auch Magier. Den Berichten zufolge ein weiteres, komplettes Ritualteam und Ki-Adepten aus der Jaguargarde, die schon früher in militärischen Operationen gedient haben. Die Anträge wurden von dem Hauptsitz in Atzlan ohne Verzögerung genehmigt und das Material sowie die Truppen sind bereits unterwegs zu der Basis."
Von Hassel schaute nachdenklich auf sein Display. "Das klingt durchaus bedenklich."
"Und das ist noch nicht alles.", fuhr der Elf fort. "Wie La Ban schon anmerkte, haben die Auswertung der Taktischen Daten sowie die Simulationen sowohl hier als auch in Tokio ergeben, daß Aztechnology langsam nervös wird."
"Wie sie sicher aus erster Reihe wissen,", fuhr der Sonderbeauftragte Fuchis, diesmal weitaus höflicher, fort, "haben die Truppen Aztechnologies mit erstaunlicher Regelmäßigkeit Angriffe gegen unsere Grenzposten und sogar die Basis geführt, manchmal als direkte Folge unserer Aufrüstung, manchmal einfach nur so."
"Ja, aber bisher haben wir sie immer wieder zurückgeschlagen.", erwiderte Von Hassel. "Bisher haben wir jeden Versuch, unsere Basis einzunehmen und uns aus der Mongolei zu werfen, vereitelt. Langsam sollten die Azzies das lernen."
"Das scheint tatsächlich der Fall zu sein.", stimmte Willee zu. "Und zuerst vermuteten wir dies als Grund für die ungewöhnlichen Aufrüstungen der Basis."
"Und dem ist nicht so?"
La Ban schüttelte den Kopf. "Höchstwahrscheinlich nicht. Als wir die Marktberichte und Wirtschaftsdaten miteinbezogen, zeigten sich bei Aztechnology deutliche Rückläufe in den Aktienkursen. Die Aktionäre werden nervös und der Vorstand ist ungeduldig und ein wenig mißgestimmt aufgrund der Mißglückten Versuche, unsere Verteidigung niederzuschlagen und bemängelt mittlerweile offen den ausbleibenden Erfolg. Alles in allem hat es den Anschein, als würde Aztechnology langsam die Gedult verlieren."
Von Hassel winkte ab. "Damit erzählen sie mir nichts neues."
La Ban, der Sonderbeauftragte direkt aus dem Hauptsitz Fuchis schaute den Major überrascht an. "Was meinen sie damit?"
"Verstehen sie mich nicht falsch.", erklärte Von Hassel. "Ich habe keine Ahnung von Politik oder wie die Azzies das bei sich regeln, aber jedem ist bekannt, daß sie, verglichen mit den meisten anderen Megakons besonders paranoid sind. Ich kann die Azzies für ihre Ausdauer und Gedult im militärsichen Bereich nur bewundern. Sie horten ihre Kräfte, warten auf den richtigen Zeitpunkt und greifen dann an. Die Regelmäßigkeit, mit der sie das tun, zeigt nur, wie gut ihre Logistig und Strategische Organisation arbeitet. Aber gleich danach scheinen sie alle Regeln der Kriegsführung zu vergessen. Sie greifen mit allem an, was sie haben und geben ihre Disziplin zugunsten der überragenden Truppen und Materialstärke auf. Wenn die Truppen ihre Marschroute und den vorgegebenen Zeitplan nicht einhalten können, weil sie auf mehr Widerstand treffen als erwartet, werden sie schnell ungeduldig und machen Vorstöße und Manöver, die unsere Offiziere oftmals die Haare zu Berge stehen lassen, weil kein Offizier, der sich sein Patent erarbeitet hat, so etwas tun würde. Manchmal gibt es dann auch Probleme in den Truppen selber. Man kann sie dann eher mit einer wütenden Horde als mit einer disziplinierten Armee vergleichen. Das ist auch der Grund, warum wir bisher so geringe Probleme hatten, jeden Angriff niederzuschlagen. Kleinere Vorstöße gegen die vorrückende Armee und man bringt sie völlig durcheinander. Danach kommt es auf die richtige Taktik an und man kann die Schlacht beinahe schon als gewonnen betrachten, ganz gleich, wie weit sie uns zahlenmäßig überlegen sind."
La Ban sah den Major mit neuem Respekt an. "Das sind interessante Neuigkeiten, von denen ich bisher nicht gewußt habe."
General Mulcanny nickte und grinste. "Jetzt sehen sie, warum ich aus jedem Stab im allgemeinen und Major von Hassel im Besonderen bei der Besprechung haben wollte. Ich war mir sicher, daß seine Einschätzung der Situation durchaus ein wertvoller Beitrag sein würde."
"Dem muß ich zustimmen."; sagte La Ban und es war eine Art Entschuldigung für sein respektloses Verhalten zu Beginn der Konferenz. "Leider habe ich auch für sie Neuigkeiten, die ihnen, so fürchte ich, nicht sonderlich gefallen werden. Neben neuem Material und Spezialtruppen wurden auch ranghohe Offiziere aus der Kommandoebene ausgetauscht."
"Ehrlich gesagt, schreckt mich das nicht sonderlich, Mr. La Ban.", erwiderte Von Hassel unbeeindruckt. "Egal, wen sie da oben hinsetzten, an ihrer Vorgehensweise wird sich nicht viel ändern."
"Wie kommen sie zu diesem Schluß?", fragte Mulcanny, bevor es jemand anderes tun konnte. Im Gegensatz zu allen anderen Anwesenden wußte er, worauf der Major hinaus wollte. Er war selber oft genug an Schlachten und Operationen gegen die Azteken beteiligt gewesen und kannte ihre Vorgehensweise fast so gut wie Von Hassel. Er wollte seine eigenen Gedanken nur bestätigt wissen.
"Es liegt nicht an den Führungskräften.", beantwortete der Major die Frage. "Würde es daran liegen, so hätten sie den Komandostab und die Offiziere schon vor langer Zeit ausgetauscht und ich verwette mein Jahressold darauf, daß dies schon öfter vorgekommen ist." Er sah zu Willee.
Der Elf nickte. "Das war tatsächlich der Fall."
"Sehen sie. Es liegt nicht an den Offizieren, es ist einfach die Art der Azzies. Vielleicht bekommen wir jetzt den einen oder anderen Querdenker als Gegner, zumindest das, was bei denen als Querdenker durchgeht. Sie werden wohl ein wenig gerissener und unkonventioneller in ihrer Vorgehensweise sein, aber wie sagt man so schön? Umso mehr sich verändert, umso mehr bleibt beim alten."
"Dann sehen sie keinen Grund für besondere Maßnahmen in unserer Verteidigung?", wollte der General wissen.
Von Hassel schüttelte den Kopf. "Das habe ich nicht gesagt. Wir haben eine Menge neue Piloten und Truppen bekommen, die mit realistischen Kampfeinsätzen noch nicht vertraut sind. Einige von ihnen kommen sogar frisch von der Akademie. Wenn die Azzies beschließen, schwere Geschütze gegen uns aufzufahren, so wird das für die Neuen eine harte Feuerprobe. Wenn wir nicht genug Zeit für Gegenmaßnahmen und taktische Übungen haben, könnte das in meinen Augen durchaus zu einem Problem werden. Wir bräuchten mehr Zeit und Freiraum für Truppenübungen, damit das Junge Gemüse in das bestehende Team eingespielt wird. Aber ich denke, daß ich und meine Kollegen das schnell in den Griff kriegen. Die Neuen sind erstaunlich gut ausgebildet und Anpassungsfähig."
Der General nickte und machte eine Notiz auf seinem Display. "Das wollte ich nur wissen. Haben wir denn Zeit, Major Willee?"
Der Elf wiegte seinen Kopf und seufzte. "Das kann ich leider nicht genau sagen. Wir erwarten die neuen Truppen und das Material in der Basis von Aztechnologie frühestens in Drei Wochen. Wenn man noch mal zwei Monate für die Organisation, Testreihen und Truppenübungen dazurechnet ergibt sich ein eher ungenauer Zeitplan von Drei bis dreieinhalb Monaten."
Mulkanny nickte wieder nachdenklich und wandte sich an Von Hassel. "Wie weit sind unsere Truppen?"
"Bis nächste Woche sind wir auf Sollstärke. Die neuen Gebäude stehen auch schon. Wenn die Azzies soweit sind, dann sind wir es auch."
"Ich möchte, daß unsere Truppen in zwei Monaten Gefechtsbereit sind."
"Zwei Monate?", fuhr der Major hoch. "Warum so schnell? Ist das notwendig?"
"Diesmal ja.", antwortete der General. "Weil wir diesmal den Angriff führen werden. Wir beschränken uns nicht mehr nur auf Verteidigung."
Von Hassel knurrte. "Eine neue Taktik, was? Für derart massive Veränderungen ist der Zeitrahmen aber recht knapp."
"Diese Art von Ausflüchte lasse ich nicht gelten, Major.", entgegnete der General hart. "Nur weil es bisher die Regel war, können wir unsere gesammte Taktik nicht auf das Schema der Verteidigung festfahren. Sie sollten es besser wissen als jeder andere hier im Raum: Ein Soldat sollte auf alles vorbereitet sein. Wir sind zu verwundbar, wenn wir uns aus diesen Gründen in Sicherheit wiegen oder jede andere Maßnahme vernachlässigen. In meinen Augen grenzt das schon an Pflichtvernachlässigung. Wir haben neue Truppen und das könnte uns dabei durchaus ein Vorteil sein. Schleifen sie sie, machen sie, wenn nötig, Angriffe auf die Grenzposten der Azzies, dann bekommen sie ein wenig echte Kampferfahrung."
"Ich bin froh, daß sie das sagen.", meinte Von Hassel mit einem wölfischen Grinsen. "Für einen Moment hatte ich das Gefühl, der Grund für die neue Taktik wäre Druck von ganz oben. In Zwei Monaten haben sie ihre Angriffstruppe."
General Mulcanny ging auf die Mutmaßungen des Majors nicht ein. Stattdessen entließ er ihn aus der Besprechung, damit er sofort mit seiner Aufgabe beginnen konnte.
Als Von Hassel den Raum verlassen hatte, sah La Ban den General verwundert an. "Wenn sie ihn bisher in alles eingeweiht haben, warum verschweigen sie ihm dann den Rest? Es erschien mir beinahe noch wichtiger."
"Der Major ist kein Mann der Politik. Auf dem Schlachtfeld fühlt er sich wohler als hier am Tisch, und wenn er die wahren Gründe wüßte, würde das seine Moral oder seinen Enthusiasmus vielleicht bremsen, womit ich keineswegs unterstellen möchte, daß er nicht alles tun würde, um den Sieg zu erringen."
"Und sie glauben, die Tatsche, daß sie tatsächlich Druck von oben bekommen, würde ihn in irgendeiner Weise beeinflussen? Er schien doch sowieso einen Verdacht zu haben."
"Major von Hassel gibt nicht viel auf unbestätigte Verdachte. Er erledigt seine Aufgabe mit vollem Einsatz und hinterfragt nicht die Politik dahinter."
"Das weiß ich bei einem guten Soldat zu schätzen.", sagte La Ban und grinste wie ein öliger Konzernpinkel.
Der General bedachte den Sonderbeauftragten mit einem finsteren Blick, der ihm jeden weiteren Kommentar im Halse steckenbleiben ließ. "Sie haben doch keine Ahnung, was einen guten Soldaten wirklich ausmacht.", sagte er mit kalter Stimme.
Die Arrogante und respektlose Art gegenüber seinen Offizieren und selten auch gegen ihn, ging ihm auf die Nerven.
Er konnte La Ban nicht leiden, für ihn verkörperte dieser Mann viel zu sehr den Konzern. Er war arrogant, hochnäsig, respektlos und allglatt, und er reduzierte alles auf Profit und Wirtschaft. Er hatte weder Ahnung, was es bedeutete, eine Basis zu führen, noch eine Operation zu leiten. Es interessierte ihn einfach nicht. Er war einer von den Menschen, denen es egal war, wie etwas erreicht wurde, Hauptsache es geschah und die Berichte über den Erfolg lagen zeitig auf seinem Schreibtisch, fein säuberlich in Zahlen und Diagrammen zusammengefasst.
Zorné-Stepaniak war ihm da schon viel lieber. Dieser Sonderbeauftragte vom Konzerngerichtshof schien sich mit der Problematik eines Wüstenkrieges sehr viel mehr auseinander zu setzten und er beleuchtete die Dinge von mehr als nur einer Seite. Aber der war leider noch in Tokio und traf erst nächste Woche ein, zusammen mit neuen Berichten und der entgültigen Bestätigung zur Durchführung der Operation.
Von Hassel lag mit seinen Vermutungen völlig richtig und General Mulcanny wußte, daß der Major sich nicht hatte täuschen lassen. Er rechnete es ihm hoch an, daß er nicht weiter nachgefragt hatte und die Sache auf sich hatte beruhen lassen. Der Major wollte es nicht wissen, das hatte er dem General wortlos deutlich gemacht und für seine taktvolle Art schätzte er diesen Mann als guten Offizier und als Freund.
Außerdem gab es nichts weiter zu sagen. Von Hassel hatte die Berichte über die Azzies gehört und hatte seinen eigenen Schluß richtig gezogen. Ebenso wie der Vorstand von Aztechnologie Druck ausübte, so wurden auch die Aktionäre von Fuchi nervös. Die fortwährende Strategie der Defensive schlug sich beinahe artgleich auf die Finanzwirtschaft des Megakonzerns nieder und man war im Vorstand einstimmig mit dem Taktischen Rat zu der Meinung gekommen, daß eine aggressivere Methode der Kriegsführung sich positiv auf die Publicity und damit auf die Bilanz des Konzerns auswirken würde.
Das alleine kratzte schon an der Soldatenseele des Generals. Seit jeher war es für ihn ein Makel, daß Politik, sprich Wirtschaft, und Krieg so untrennbar miteinander verbunden waren. Und das war auch ein Grund, warum es ihm solche Magenschmerzen bereitete, wenn er daran dachte, daß zusammen mit Stepaniak auch die Reporterteams eintreffen würden.
Liebste Suzi,
Wie geht es Dir? Ich hoffe Doch gut und daß Du mich vermißt. Ich vermisse Dich auf jeden Fall sehr. Ach ja, ich freue mich für Dich, daß Du wieder auf der Intensiven arbeitest und gratuliere Dir zu der bestandenden Prüfung. Grüß mal den Professor von mir, er wird sich sicher an mich erinnern ?.
Hier auf der Basis wird es langsam interessant. Vor zwei Wochen haben wir damit begonnen, die Grenzposten der Azzies anzugreifen. Es klingt gefährlicher als es wirklich ist und mir ist es eine willkommene Abwechslung zu den langweiligen Patroullienflügen. Mehr darf ich Dir leider nicht darüber sagen, weil wir, was die gesamte Operation betrifft, zu einer gewissen Geheimhaltung gezwungen sind. Aber ich denke, Du willst sowieso nichts genaues davon wissen.
Wirklich ärgerlich ist nur, daß alle Urlaubsanträge auf unbestimmte Zeit gestrichen worden sind. Ich werde also im Herbst nicht zu Dir kommen können.
Ich vermisse die wunderschönen Sonnentage mit Dir in Deinem Bauernhaus. Hier scheint zwar im Sommer die Sonne furchtbar heiß, aber die Winter sollen ziemlich kalt werden hat man mir erzählt. Außedem macht mir der Sand zu schaffen. Es ist eigentlich verwunderlich, denn so viel Sand gibt es hier nicht. Der größte Teil der Wüste, in der wir und die Azzies stationiert sind, ist ein Plateau, flach wie ein Spiegel mit vereinzelten Hügeln und vielen Steinen und ich wundere mich jedesmal, woher der feine Sand kommt.
Die Leute von der Technik haben mir erklärt, daß es an den Turbinen und den Rotoren meines Helikopters liegt, der den feinen Wüstensand ansaugt und durch kleinste Ritzen im Cockpit bläst.
Ich muß jetzt leider auch wieder aufhören, wir haben gleich eine Einsatzbesprechung und den Rest des Tages werde ich wohl in meinem Vogel verbringen.
Ich habe noch nichts genaues gehört, aber vielleicht ist es anfang nächsten Jahres möglich, daß Du mich hier besuchen kannst, wenn Du das willst.
Ich freue mich auf die nächste eMail von Dir.
Ciao, mein Sonnenmädchen!
Dein Jann
Sie zog das Foto aus dem Drucker und nahm es mit zum Bett, wo sie es in all seinen Einzelheiten studierte. Er sah so süß aus, wie er in dem Kokon lag und zu schlafen schien. Es erinnerte Suzi an die Nächte, die sie gemeinsam verbracht hatten, wo sie ihn betrachtet hatte, wenn er schlief.
Trotz der vielen Kabel und dem Helm, den er trug, wirkte es auf sie so friedlich. Beruhigend fand sie es allerdings nicht. Den ganzen Brief nicht.
"Das ist doch Magie!", schimpfte Jann und fingerte ungeschickt mit den Karten herum.
Trey grinste verschmitzt. "Das ist Magie, da hast Du völlig recht. Aber es ist die Magie der Finger."
Jann schaute den Magier grummelig an und drückte ihm dann die Karten in die Hand. "Zeig mir das nochmal."
"Wie sie wünschen, Sir Eisenflügel." Trey nahm den Stapel und mischte ihn noch einmal durch. Die Karten flogen durch seine Finger, als seien sie lebendig. Sie wirbelten herum, schwirrten um ihre eigene Aches und schienen manchmal in der Luft zu tanzen, um dann in einer wohlgeordneten Reihe zurück in Treys Handflächen zu fliegen.
"Es ist alles nur eine Frage von Geschwindigkeit. Und Übung. Du mußt üben. Fang mit den kleinen Tricks an und wenn Du die im Schlaf beherrschst, dann eigne Dir den nächsten an. Ich habe diese Kartentricks gelernt, noch bevor ich meine ersten Zauberspruch beherrschte." Die Karten öffneten sich in seiner Hand wie ein Fächer und zeigten Jann das stilvolle Deckblatt. "Zieh eine Karte.", forderte Trey den Piloten auf.
Jann zog willkürlich ein Blatt aus der Hand. Es war die Karo Sieben.
"Zeig sie mir nicht!", mahnte der Magier, bevor Jann die Karte umdrehen konnte. Er schob die Karten wieder zu einem Stapel zusammen und gab ihn Jann. "Misch sie durch zusammen mit der Karte, die Du gezogen hast und gib mir den Stapel dann wieder zurück."
Jann tat wie ihm geheißen und mischte sorgfältig den Stapel durch, bevor er ihm den Magier zurück gab.
Trey fing wieder an mit den Karten zu spielen. Sie flogen, wirbelten, schwirrten und flippten durch seine Finger. Erstaunt und voller Bewunderung sah Jann zu, kaum in der Lage, den Fingern seines geschickten Freundes zu folgen.
Völlig unvermittelt begann die Luft zu dröhnen. Ein donnerndes Röhren erfüllte die Welt um Jann und Trey herum und die Karten wurden davon gepustet. Trey presste sich die Hände an die Ohren und rief etwas.
Jann sah nur, wie sich der Mund seines Freundes hektisch öffnete.
"Was?!", rief er zurück, aber Trey erlebte den gleichen Effekt einer stummen Kommunikation.
Beide drehten sich in den warmen Wind um die Quelle dieses Orkans zu finden.
Das Bild, das sich ihnen zeigte, entbehrte nicht einer gewissen Komik.
Sahar saß auf einem Thunderbird, der vor dem Hangar stand und dessen Panzerung und Verkleidung entfernt worden war.
Vor dem Verktorschubpanzer stand ein verzweifeltes Reporterteam, daß erfolglos versuchte, ein exklusives Interview mit der Technikerin des Fahrzeugparks zu bekommen. Der Kameramann hielt verbissen seine Ausrüstung fest, der Techniker hielt sich einfach irgendwo fest, um nicht von den Turbinen über den Platz geblasen zu werden und die Sprecherin, ein typisches dummes Blondchen streckte nach wie vor ein Mikrophon in die Höhe und schrie irgendwas zu der Technikerin, was natürlich völlig im Gedröhne der laufenden Turbinen unterging. Sahar selber stand oben auf der Waffenkuppel, die Steuertafel für die Diagnoseeinheit in der Hand und ignorierte das Trio einfach.
Trey stand nach wie vor da und hielt sich die Ohren zu, grinste aber von einem Ohr zum anderen. Jann konnte sich ein Lachen auch nicht verkneifen.
Der Magier stieß den Piloten an und beide nickten sich im stummen Einverständnis zu.
Sie gingen zu dem hilflosen Trio,stemmten sich gegen den warmen Wind, der den Staub in kleinen Wirbeln über den Platz fegte.
Trey presste sich immer noch die Handflächen auf die Ohren, und nickte Sahar zu, während Jann zu der Diagnoseeinheit ging und den Testlauf für die Turbinen beendete.
Langsam liefen die Schaufeln aus und verklangen in einem Jaulen, daß die Tonleiter herunterkletterte, bis sie schließlich vollständig verstummten.
Die darauffolgende Stille schien fast noch lauter als das Dröhnen der Turbinen zuvor.
Diesen Effekt erfuhren gerade die Reporter, die wie verstörte Tiere vor dem Thunderbird standen.
Ein großer Verktorschubpanzer besaß normalerweise Sechs bis acht Schubdüsen und zwei gigantische Turbinen, manchmal sogar vier. Sie erzeugten genug Schubkraft, um den Panzer gut und gerne Mehrere Hundert Meter in die Höhe zu hieven und ihn auf überschallgeschwindigkeit zu katapultieren. Wenn man die Größe bedachte, die solch ein Panzer besaß, war das eine beinahe unglaubliche Leistung. Selbst Techniker und Konstrukteure, die sich mit der Konstruktion und der Avionik eines T-Birds beschäftigten, verglichen solch ein Ungetüm oft mit einer Hummel, von der man ebenfalls behauptete, daß sie aufgrund ihrer Masse mit ihren im Verhältnis dazu viel zu kleinen Flügeln eigentlich gar nicht fliegen dürfte.
Ein T-Bird mit voll aufgedrehten Turbinen und geöffneten Düsenklappen konnte man in der Regel schon hören, noch bevor man ihn sah. In einigen Gebieten, wie zum Beispiel einer Wüste konnte man ihn natürlich am Horizont auch sehen, wenn er niedrig flog und dabei Sand aufwirbelte wie ein kleiner Orkan. Der Start eines T-Birds führt bei unbedachten Personen, die zu nahe beim Panzer standen, unweigerlich zum Verlust des Gehörs und selbst in sicherer Entfernung vibierten einem die Zähne so stark, daß man befürchten muß, sie würden zerspringen, sobald man sie zusammenbiss.
Daher hatten die Vektorschubpanzer auch ihren gebräuchlichen Namen - Thunderbirds.
Der Testlauf der Turbine eines solchen Ungetüms war, bei abmonierter Verkleidung und bei nur 5 Prozent Leistung ein wahrlich unvergleichliches Erlebnis, von dem das Reporterteam noch lange etwas haben würde.
Der Kameraman betrachtete mit gebrochenem Herzen die vom Wüstenstaub zerkratzte Linse seiner Kamera, der Techniker schnippte mit den Fingern neben sein Ohr und sein Gesicht zeigte eine leichte Panik, weil er anscheinend nichts hörte.
Die Elfe versuchte lediglich, ihre Frisur in Ordnung zu bringen und starrte groß aus ihren Augen, als hätte sie ihren Namen vergessen.
Trey bog sich fast vor Lachen, Jann erging es kaum anders, aber beide beherrschten sich meisterhaft, um ihre Belustigung nicht zu zeigen.
Jann tippte der blonden Elfe auf die Schulter. Erschrocken wirbelte sie herum. "Können sie mich verstehen?", schrie Jann ihr ins Gesicht. Die Elfe nickte stumm. "Dann können sie mir sicher erklären, was sie hier zu suchen haben!"
"Wie Bitte?" rief die Sprecherin.
"Ich fragte, was sie hier machen!"
"Wir wollten ein Interview mit Sergeant Sirous machen. Sie ist eine der wenigen Frauen in einer Führungsposition!"
Jann lächelte zynisch. "Hat ihnen denn niemand gesagt, daß um diese Zeit die Vektorschubmaschinen gewartet werden?"
Die Elfe starrte ihn perplex an. "Darauf hat uns niemand hingewiesen!"
"Das liegt vielleicht daran, das es alle wissen. Sie hätten sich vielleicht die aushängenden Arbeitszeiten ansehen sollen."
"Das war aber letztes Jahr nicht so!", rief die Reporterin.
"Tja, das ist eine sehr dynamische Basis. Sie sollten die Krankenstation aufsuchen und ihr Gehör untersuchen lassen, damit es keine bleibenden Schäden davonträgt."
"Ja,", sagte die desolate Frau. "Ja, das ist eine gute Idee." Sie trottete davon, gefolgt von dem Techniker und dem Kameramann, die sowieso nicht wußten, wohin sie sollten.
Als das Trio sich davon gemacht hatte, prusteten Jann und Trey lauthals los und hielten sich die Bäuche. Selbst Sahar sah ein wenig fröhlicher aus als vorher. Sie sicherte die Steuertafel und kletterte von der Kuppel herunter.
"Diese Nervensägen!", fluchte sie und riss sich den Gehörschutz vom Kopf. "Schlimmer als Teufelsratten oder Moskitos!"
"Die wollten doch nur ein Interview.", pfiff Jann und biss sich auf die Lippen.
"Ja klar", donnerte die Technikerin. "Als hätte ich hier nicht genug zu tun! Und was die fragen! "Fühlen sie sich hier ausreichend gefördert oder werden sie in ihrer Rolle als Frau im Militär unterdrückt? Erleben sie häufig Fälle von sexuellen Belästigungen? Wie steht es mit Liebesbeziehungen zu den anderen? Macht es sie an, mit sochl mächtigen Maschinen zu arbeiten?". Herrje, in welchem Jahrhundert ist die steckengeblieben?"
"Gibs doch zu.", sagte Trey und wischte sich eine Träne aus dem Auge. "Die Maschinen machen Dich ganz schön heiß."
"Du kriegst gleich was heißes.", drohte sie dem Magier und der wich mit fröhlichem Gesicht einige Schritte zurück.
"Aber Liebling, wollen wir damit lieber nicht bis nach der Arbeit warten?"
Sahar stand kurz davor, sich einen schweren Schraubenschlüssel zu packen und Jann bemühte sich krampfhaft, nicht wieder laut loszulachen. "Vergiss die Idioten, Sahar. Uns belagern sie auch ständig. Sie haben einige von uns sogar versucht zu überreden, mit in den Helis zu fliegen. Einem haben sie sogar weißmachen wollen, sie hätten die Erlaubnis vom General persönlich."
"Die sind wirklich dreist.", kicherte Trey. "Mir stellen sie ebenso haarsträubende Fragen. Ich hab sie mal eine halbe Stunde lang mit einer Illusion abgespeist und sie haben es nicht einmal gemerkt. Aber ich muß sagen, daß mit dem T-Bird war eine wunderbare Idee. Ich hab schon lange nicht mehr so gelacht."
Sahar zuckte mit den Schultern. "Ich wollte sowieso noch einen Leistungstest machen, um die Resonanzen auszuloten. Schien mir gerade sehr gelegen." Sie wandte sich zu Jann. "Und was wollt ihr hier? Ich hoffe, Dein Rostvogel hat nicht wieder irgendwelche Macken. Ich habe wirklich viel zu tun und wenn Du..."
Jann stoppte ihren energischen Redefluß, indem er die Hand hob. "Nein nein, wir waren nur zufällig in der Nähe. Eigentlich waren wir auf dem Weg in den Saloon und wo wir schon mal hier sind, wollten wir Dich fragen, ob Du mitkommen möchtest. Aber wenn Du keine Zeit hast...."
Sahar deutete mit dem Daumen hinter sich auf den Vektorpanzer. "Einer meiner Techniker kann sich um das Ding kümmern. Ich spül mir den Staub aus der Kehle. Jann ich hoffe, Du hast noch was von Deinem Whisky."
Der Pilot schüttelte den Kopf. "Der ist weg. Den hast Du mir doch größtenteils abgeluchst. Und die Nächste Lieferung kommt erst in einigen Wochen. Aber O'Hara und seine Truppen haben mir eine Flasche geschenkt. Nicht so gut wie meiner, aber immer noch klasse."
"Gut, trinken wir den.", meinte sie nur.
"Was für eine Ausbeuterin Du bist.", murmelte Jann übertrieben traurig.
Trey ging neben den beiden wortlos her und schnippte mit den Fingern. "Mist, ich höre immer noch diese Pfeifen. Wann geht das denn weg?"
"In den nächsten Zehn minuten.", meinte Jann. "Du hast Dir ja die Ohren zugehalten."
"Ein Glück auch. Wie kommt es eigentlich, daß Du noch nicht taub bist? Du hast Dir die ganze Zeit nicht die Ohren zugehalten. Ist das bei euch Piloten irgendwie anders?"
"Wie? Oh Nein. Aber ich habe immer Ohrstöpsel bei mir." Er griff zu seinem Ohr und holte die kleinen flexiblen Stopfen raus. "Wenn Du viel mit solchen Maschinen zu tun hast, dann gewöhnst Du Dir an, immer einige dabei zu haben. Man vergisst sie sonst so oft, wenn man plötzlich zu einem Einsatz gerufen wird."
"Sollte mir auch welche holen.", überlegte Trey und klopfte sich an das rechte Ohr.
"Ich geb Dir nachher welche. Dann kannst Du mir auch nochmal das mit den Karten zeigen. Unsere Turbinenlady hat uns ja alles kaputtgemacht."
"Was für Karten?", wollte Sahar wissen.
Jann zeigte auf den Magier. "Ach, Trey wollte mir einige Kartentrick beibringen. Aber als es soweit war, ging die Turbine an und die Karten wurden in die Wüste geblasen. Tja jetzt werde ich niemals erfahren, ob er wirklich die richtige gefunden hätte."
"Vielleicht schon,", erwiderte der Magier geheimnisvoll. "Aber Du wirst wohl nie in Erfahrung bringen, wie ich das gemacht habe."
Jann schaute irritiert zu Trey. "Wie meinst Du das?"
Der Magier zuckte mit den Schultern und deutete auf Janns Fliegermontur. "Schau in Deine Brusttasche."
Jann griff zu der Tasche und zog den Reißverschluß auf. Als er hineingriff, fühlte er eine Karte und zog sie heraus.
Mit absoluter Verwunderung hielt er die Karo Sieben in der Hand. "Wie hast Du..."
Trey lächelte, verriet jedoch nichts.
Jann warf den Helm auf den Beifahrersitz und fuhr sich mit der Hand durch seine zersausten Haare. Er lehnte sich gegen den Jeep und rieb sich über sein Gesicht. Die Kopfschmerzen waren noch immer nicht abgeklungen.
Sahar trat auf ihn zu und hielt ihn eine kleine Plastikdose hin. "Nadon.", sagte sie knapp. "Danach lächelst Du wieder. Selbst, wenn Dir gerade ein Troll die Schädeldecke aufhämmert."
Jann nahm die Dose und schüttete sich der Tabletten auf die Handfläche und warf sie sich in den Rachen.
"Danke.", murmelte er und schluckte. "Ich hab meine im Quartier gelassen."
Er griff in den Jeep und fischte die Feldflasche aus seinem Rucksack, nahm einen Schluck und seufzte.
"Dieser Biofeedbackdämpfer hat schon wieder nicht richtig funktioniert. Du mußt Dir das Ding noch einmal anschauen. Heute hätte es mich beinahe den Arsch gekostet. Außerdem habe ich noch eine Bitte."
"Was immer Du willst, Schätzchen.", antwortete die Technikerin müde.
Jann sah sie bemitleidend an. "Überstunden, was?", vermutete er. "Ich bin sicher nicht der einzige, der her täglich angetanzt kommt."
"Beileibe nicht.", stöhnte sie. "Mein Stab wird nächste Woche verdoppel."
"Dann sollte es ja ruhiger werden bei euch."
Die Sergeant schüttelte den Kopf. "Bis ich die alle eingearbeit und eingewiesen habe, ist der Krieg doch schon vorbei." Sie nahm Jann die Feldflasche ab und schüttete sich das Wasser direkt in das Gesicht.
Das Wasser floß über ihre schwarzen Haare und rann ihr in in den Nacken, ebenso wie in ihr T-Shirt unter der Jacke und zwischen ihre Brüste.
Durch die Nässe traten ihre Busen deutlicher unter dem T-Shirt hervor und unter jedem anderen Umstand hätte Jann diesen Einblick als sehr erotisch empfunden. Aber er war einfach zu müde als an irgendwas anderes zu denken als an sein Bett.
"Was war Dein Anliegen?", fragte die Technikerin nach.
Jann zeigte auf seinen Helikopter, der hinter der Werkstatt auf dem Landefeld stand. Ein kleiner Trupp Techniker machte sich schon an ihm zu schaffen und tauschte beschädigte Panzerplatten aus, sowie den defekten Heckrotor. "Ich will eine manuelle Kontrolle für das AMS. Außerdem will ich die Erfassungsysteme mit einem Laser ausstatten und mit den Radarsensoren für die Lufterfassung gekoppelt haben."
Die Chefingenieurin schaute ihn aus unterlaufenen Augen an. "Ungewöhnliche Konfiguration.", bemerkte sie.
"Eine Sinnvolle, denke ich.", entgegnete Jann. "Die Zielsysteme arbeiten alle automatisch, fast ohne mein Zutun. Der Computer kann an die Dreißig Ziele auf einmal erfassen und dazu noch unzählig verschiedene Konfigurationen und Abschuß- oder Feuermodi. Wenn ich erstmal ein Ziel erfasst habe, brauche ich nur noch den Befehl zu geben und alle Panzer im Zielraster lösen sich in Wohlgefallen auf."
"Wo ist das Problem?"
"Die Zielerfassung des AMS arbeitet bei weitem nicht so effektiv. Die feindlichen Abwehrstellungen kennen das AMS und nehmen mich mit Mehrfachsalven unter Beschuß, sobald sie mich erfasst haben. Das AMS kann nicht alle Raketen abwehren und zwei haben mich heute erwischt. Zum Glück nicht direkt, sonst stünde ich nicht hier. Ich brauche ein effektiveres Zielsystem für das AMS und außerdem die Möglichkeit, es manuell zu bedienen. Wenn ich eingestöpselt bin, ist es mit den entsrpechenden Sensoren durchaus möglich, Raketen zu erfassen und sie abzuschießen."
Sahar überlegte. "Wie wäre es mit einem Zwillings-AMS?", schlug sie vor. "Ich könnte ein zweites Schnellfeuer-MG installieren und beide mit autonomen Zielerfassungsmodulen ausstatten."
Jann schüttelte den Kopf. "Zuviel Gewicht und Zusatzladung. Das zweite MG braucht ja noch extra Munition und das wird schon Platz brauchen. Das zweite Sensorenpaket ist dann sicher nicht mehr unterzubringen."
Sahar zuckte mit dem Schultern. "Ich brauche nur die Lasersensoren anzusetzen, wie Du es in Deiner Konfiguration vorgesehen hast. Die Autonome Zielerfassung kann über den Feuerleitcomputer laufen. Du wolltest das AMS doch mit dem Luftradar koppeln. Dann häte ich sowieso eine Schnittstelle zum Computer einrichten müssen. Das erspart das volle Sensorenpaket und zusätzlichen Platz. Und ich hätte noch eine Idee." Sahar stieß sich vom Jeep ab und gestikulierte mit den Händen. Sie war wieder in ihrem Element und ihre Müdigkeit war vergessen. Jann war erfreut, jedoch im Moment unfähig, ihren Enthusiasmus entsprechend zu teilen. "Ich kann eine freischwebende Magnetfeldlagerung für die Drhegelenke der MGs installieren. Das spart zusätzlich Platz und macht das AMS deutlich schneller."
"Und wo ist der Haken?"
"Es ist schwerer.", antwortete Sahar. "Und es benötigt eine Menge Energie. Wenn Du Probleme mit der Versorgung haben solltest, dann kann es sein, daß Dein AMS als erstes ausfällt. Wenn Dich der Drek also trifft, dann fliegt er gleich in den Ventilator. Dann hast Du gleich den richtigen Ärger."
"Und das neue AMS-System?"
Die Technikerin lächelte. "Das läßt nichts mehr durch. Leider können wir es vorher nicht testen."
"Ich vertraue Deinen Fähigkeiten.", sagte Jann und lächelte charmant. "Und was Drek betrifft: Wenn an einen Helikopter fliegt, fällt der Drek immer in den Ventilator. Wortwörtlich."
Sahar lachte und boxte Jann gegen die Schulter. Jann grinste und fummelte unsicher an seinen Fingern.
"Ich bräuchte die Modifikationen sofort.", sagte er schnell. "Was..ähm..willst Du dafür? Die ganze Ksite?"
Sahar hielt ihm am Arm fest und sah mit grimmigen Blick an ihm vorbei. "Darüber reden wir später. Sieh mal da rüber."
Jann folgte ihrem Blick und entdeckte eine Gruppe von Männern und Frauen in ziviler Kleidung. Sie luden gerade aus drei Helikopter diverse Koffer und Geräte aus.
"Zivilisten?", wunderte er sich. "Was machen die hier? Sehen aus wie Reporter"
"Sind es auch.", brummte die Technikerin finster. "Sie sind wie Geier. Kaum steht die nächste Operation an, kommen die angeflogen und tummeln sich überall rum. An ihnen kann man fast den Verlauf der Schlacht absehen."
Jann versteifte sich. "Reporter? Woher wissen die denn jetzt schon davon?"
"Von dem Kommandostab, denke ich.", vermutete Sahar. "Das gehört mit dazu."
"Die werden doch nicht überall mit dabei sein, oder?"
Sahar lächelte finster. "Wenn Du das nächste mal einen Panzer abschießt, sitzen die auf der Rakete und filmen alles mit."
Jann wirbelte herum. "Das meinst Du doch nicht ernst!"
"Ich ganz bestimmt nicht." Die Technikerin zeigte wieder zu dem Reporterteam. "Aber die ganz bestimmt."
Jann schaute wieder zu den Zivilisten. Eine Elfe hatte sich von der Gruppe gelöst und trabte zu Sahar und dem Piloten.
Sie sah aus, als käme sie direkt von einer Beauty Farm. Ihre Haut war leicht gebräunt, die Haare perfekt gestylt und hochgesteckt, ihr Wüstensafari-Outfit umschmiegte ihren Körper wie ein Abendkleid und ließ eine atemberaubende Figur erahnen.
Sie hatte unglaublich sinnlichen Lippen und trug ein Lächeln, welches Leonardo Da Vinci wohl um den Verstand gebracht hätte. Ihre smaragdgrünen Augen leuchteten in der grellen Wüstensonne und Jann konne an nichts anderes denken als an seine ebenso grünen Kontrollleuchten im Helikopter.
Junge, Du weißt, das Du am Ende bist, wenn Dich so eien Frau nicht aus den Stiefeln haut.
"Hallo,", hauchte sie zu Jann und hielt ihre Hand zur Begrüßung hin. Die Technikerin registrierte sie lediglich mit einem Nicken. "Mein Name ist Jill Lebowsky. Aber sie können mich einfach Jill nennen. Ich bin Reporterin beim Sender KKRU und werde hier die nächste Zeit das Kriegsgeschehen dokumentiern."
Sie schlug ihre Augen nieder und lächelte Jann einladend an. "Ich wollte mich ihnen schon mal vorstellen.
Sie sind doch Lieutenant Jann Reuter, nicht? Wissen sie, wir werden bei dem einen oder anderen Piloten während einiger Einsätze mitfliegen und ich habe mir gedacht, daß wir beide ein wunderbares Team abgeben würden. Was halten sie davon?"
Jann glaubte, daß er schon längst eingeschlafen sei und mittlerweile in einem schlechten Traum gefangen war. Die Elfe lächelte ihr aufforderndes Lächeln und lies seine Hand nicht los. Und jetzt fragte sie ihn, ob sie neben ihm im Helikopter sitzten und bei Einsätzen mitfliegen dürfte.
Jann zog seine Hand weg. "Kommt gar nicht in Frage."
Die Elfe lächelte fast schüchtern und probte ihren verführerischen Augenaufschlag an den übermüdeten Piloten. "Ach kommen sie. Sie werden uns kaum bemerken. Außerdem sollen sie der beste sein."
Jann lächelte grimmig. "Lady, mit Schmeicheleien kommen sie bei mir nicht weiter. Besonders im Moment nicht. Ich habe gerade einen Einsatz hinter mir und wurde den ganzen Morgen von Raketen und 30 Milimeter Geschossen gejagt. Wenn sie einen Helikopter brauchen, der ihnen die gleiche aufregende Erfahrung übermittelt...", er zeigte auf den Helikopter des Trideosenders, "...dann nehmen sie doch ihren eigenen. Und gegen zwei oder drei Kisten echten schottischen Whiskys baut ihnen Sergeant Sirous bestimmt ein Maschinengewehr und ein Paar Düppel an."
Der Blick der Reporterin verengte sich, aber ansonsten hielt sie ihre professionelle Verführerpose aufrecht.
"Herr Reuter..."
"Lieutenant!", unterbrach Jann die Elfe.
Das Lächeln der Reporterin gefror ein wenig. "Lieutenant Reuter. Nach dem Vertrag mit der Obersten Leitung haben wir das Recht auf Berichterstattung für die Öffentlichkeit und das Personal der Basis ist zur Mitarbeit verpflichtet Man muß uns also mitnehmen, wenn wir das so möchten."
Jann hob die Schultern und schaute sich nüchtern auf dem Platz um. "Ich bin nicht der einzige Pilot hier.", sagte er zu der Reporterin. "Suchen sie sich doch jemand anderen."
"Das werde ich wohl auch.", lächelte die Elfe wie eine Schlange und ging wider zurück zu ihrem Team, das mittlerweile die Helikopter ausgeladen hatte.
"Schlampe!", knurrte Sahar. "Glaubt, wenn sie mit ihren Titten wackelt, laden die Piloten sie zu einer Extratour ein!"
"Wenn ich nicht so fertig wäre, hätte das auch unter Umständen klappen können.", murmelte Jann.
Die Technikerin schaute ihn mit großen Augen an. "Im Ernst?"
"Quatsch.", Jann schüttelte den Kopf. "Die ganze Masche von ihr; die Schminke, das Outfit, sie Schönheitsoperationen und Implantate, das zieht bei mir einfach nicht. Vielleicht klappt das bei irgendwelchen Männern in der Stadt für eine schnelle Reportage..."
"...aber nicht bei Soldaten mitten in der Wüste, die monatelang unter sich sind.", stichelte die Technikerin
Jann hielt seinen Arm hoch. "Wir kriegen ebenso wie ihr Frauen hier die Sterimplate. Das unterdrückt den Sexualtrieb."
"Es dämpft ihn ein wenig, aber unterdrückt ihn bestimmt nicht völlig.", klärte ihn Sahar auf. "Es dient hauptsächlich der Verhütung."
Der Pilot zuckte mit den Schultern. "Und wenn schon. Trotzdem lass ich mich nicht von so einer Tussi einwickeln, mit solch billigen Tricks. Ich kann so ein falsches Weibsbild in meinem Cockpit nicht gebrauchen, wenn mir das Blei um die Ohren fliegt. Abgesehen davon glaube ich nicht, daß wir verpflichtet sind, die Reporter auf den Händen über das Schlachtfeld und durch die Basis zu tragen. Vielleicht müssen wir sie unterstützen, Ok, kann ich noch akzeptieren. Aber ich glaube nicht, daß unsere Arbeit hier darunter leiden soll.
Und was einsame Männer in der Wüste angeht....", Jann warf Sahar einen mehrdeutigen Blick zu und grinste sie frech an, "...Schöne Frauen gibt es auch hier."
Er sprang in den Jeep und fuhr zu seinem Quartier, lies die sprachlose Technikerin hinter sich zurück.
Jann erwachte schlagartig, als jemand mit voller Wucht die Zimmertür zu knallte.
Verschlafen richtete er sich auf und rief sein Chronometer auf. Die Anzeige in seinem Blickfeld verriet ihm, daß er gerade mal vier Stunden geschlafen hatte. Trey, der Magier saß am Tisch und spielte mit O'Hara und Jaque Karten.
Eric stürmte in den Raum und murmelte wütend vor sich her. Die Kartenspieler hatten ihr Spiel unterbrochen und starrten verwundert auf den zornigen Piloten während Jann noch immer dabei war, das Geschehen geistig zu ordnen.
"Diese Schlampe!", schnaubte Eric. "Diese verdammten Schnüffler!"
"Wasnlos?", murmelte Jann und richtete sich langsam auf. Eric blieb im Raum stehen und schaute immer noch aufgebracht auf jann hinunter. "Was?"
"Ünser Langschläfer wollte Disch damit fragen, welsches Problem Disch so belastet, daß Dü schreiend wie ein Schreck´ü´n dürsch die Schlafräume läufst."
O'Hara horchte verwirrt auf. "Schrekün?"
"Er meinte ein Schreckhuhn.", übersetzte der Magier und ordnete die Karten neu. "Er wird die Sprache wohl nie richtig beherrschen. Eric, setzt Dich erstmal. Wo liegt Dein Problem?"
"Ach, diese Reporter! Die gehen mir auf den Geist! Zuerst kam diese Ireen Bower und dann noch diese Elfenschlampe Jill Lebowsky zu mir und beide meinten, ich wäre dazu verpflichtet sie im Helikopter oder Panzer mitzunehmen, damit sie ihre Berichte live filmen können!"
"Das haben sie bei mir auch versucht.", meinte Jann und setzte sich mit an den Tisch. "Kann man noch mitspielen?"
Trey nickte und teilte Jann Karten aus. "Willst Du auch mitspielen, Eric? Das lenkt ab."
"Vielen Dank.", schüttelte Eric den Kopf. "Im moment hab ich nicht den Nerv dazu."
"Junge, Du hast den Quatsch doch nicht geglaubt.", fragte der Captain.
Eric zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht, die haben ja gesagt, daß wir dazu verpflichtet sind, die Leute zu unterstützen, das weiß ich ja auch. Aber ich wußte ja nicht, wie weit das geht."
O'Hara winkte ab. "Das ist Quatsch. Du darfst Interviews geben und einsätze kommentieren und den Reportern wird Filmamterial von den Kampfeinsätzen weitergegeben. Du mußt ab heute also imemr Deine Kamera angeschaltet haben. Aber das mit dem mitfliegen ist ein blöder Trick. Das versuchen sie immer wieder."
Eric schaute wieder ein wenig hoffnungsvoller. "Im Ernst?"
Trey nickte. "sie kommen zu den Piloten, die sie noch nicht kennen und erzählen ihnen irgendwas von Bestimmungen und Verträgen und so weiter. Und wenn Du sie dann mit nimmst und es fliegt auf, bekommst Du den Ärger, und natürlich auch die Reporter. Aber weder Du wirst dafür bestraft, noch werden die Reporter rausgeschmissen. Dafür sorgt Fuchi schon."
"Na Klasse. Und was ist, wenn einer der Reporter bei einem Einsatz drauf geht."
O'Hara wiegte seinen breiten Kopf. "Gute Publicity für die mutigen Reporter, schlechter Ruf für die Piloten und die Armee. Wenn Du wissen willst, was sie dürfen und was nicht, dann geh zu Eisenfaust und lass Dir die Bestimmungen aushändigen. Die kannst Du den Schmeißfliegen dann das nächste mal um die Ohren schlagen. Tatsächlich ist es so, daß ein Kameraman nur mit einer Sondergenehmigung mitfliegen darf. Und die bekommt er nur von General Mulcanny. Sie dürfen nicht einmal bei jedem Einsatz ihr Team einfach so mit an den Schauplatz schicken, und wenn sie zu Fuß gehen würden. Und alles Filmmaterial, das sie hier machen, muß vorher vom Kommunikationstab durchgesichtet werden, bevor es die Basis verlassen darf."
"Aber kommt es nicht oft vor, daß die Reporter das eine oder andere mit rausschmuggeln?", fragte Jann
"Das ist nicht so einfach auf einer Militärischen Basis.", meinte Trey. "Major Willee und seine Truppe haben ein extrem wachsames Auge auf die beiden Sender. Und Funkübertragungen kannst Du vergessen. Dafür sind wir hier zu gut abgeschirmt."
Eric schien weitgehend beruhigt. "Ich glaube, ich spiele doch ein oder zwei Runden mit."
O'Hara schüttelte den Kopf. "Ganz oder gar nicht, Junge. Das wäre ja noch schöner, wenn hier jemand das ganze Geld einsackt und dann einfach wieder abhaut."
Der Pilot zuckte die Schultern. "Auch gut. Dann gewinne ich wenigstens alles."
"Glaubst auch nur Du.", grinste Cullen.
Jann betrachtete betrübt seine Karten. "Gib mir Drei.", sagte er zu dem Magier.
Trey nickte und griff nach dem Stapel, als die Tür aufging und ein und eine Elfe den Raum betraten. Der Mensch trug eine Kamera und began, die Piloten und Soldaten zu filmen, wie sie Poker spielten. Die Elfe, Jann erkannte sie, ebenso wie Eric. Setzte sich zu den beiden Piloten und lächelte.
"Macht einfach so weiter wie bisher.", sagte sie. "Wir möchten berichten, wie die Soldaten zwischen den Einsätzen leben."
Jann seufzte und Erics Augen bekamen einen mühsam beherrschten Ausdruck.
"Spielt ihr jeden Abend Poker?", fragte Jill. Jann stöhnte.
"Wir tun nichts anderes, Lady.", sagte der Captain trocken. "Manchmal spielen wir auch während den Einsätzen weiter. Die Grundausrüstung beinhaltet immer einen Satz Karten. Manchmal schlafen wir Nächtelang nicht, um ein Spiel zuende zu bringen."
"Im Ernst?", fragte der Kameramann erstaunt und O'Hara schlug sich gegen die Stirn.
Jill warf dem Kameramann einen verachtenden Blick zu, setzte aber augenblicke später wieder ihre Maske der verführerischen Diva auf und hackte sich bei Jann und Eric ein. "Na, wie wäre es? Nehmt ihr zwei Hübschen mich nachher mit zur Bar? Dort treffe ich sicher auch die anderen."
"Liebste,", säuselte Jann mit allem Charme, den er noch aufbringen konnte. "Warum gehen sie denn nicht alleine? Ich glaube, wenn sie dort imt mir auftauchen, dann verbaue ich ihnen die Chance, ein paar wirklich nette Männer kennenzulernen."
Jill schlug die Augen nieder. "Ach, nun seien sie doch nicht so.", hauchte sie. "Sie könnten ruhig ein bisschen freundlicher zu mir sein. Vielleicht revanchiere ich mich dann auf meine ganz spezielle Weise", sie strich mit ihren Fingerspitzen über seinen Arm. Jann wollte am liebsten weglaufen. Das Reporter bis zum äußersten gehen, wußte er ja, aber plumpe Anmachen, damit hatte er nicht gerechnet.
"Sie hatten noch nie einen Militärpiloten, oder?", fragte er unverblümt.
Jill hielt ihre Maske unverändert. "Mann muß alles mal probieren."
"Meinen sie damit die Männer und ihre Berufe?", wollte er wissen. "Oder all ihre Tricks?"
"Sie mögen mich wohl nicht, oder?"
Jann neigte seinen Kopf. "Im moment kann ich ungeniert gestehen, daß sie mir ziemlich penetrant auf die Nerven gehen. Abgesehen davon zieht ihre Masche bei mir nicht. Das hat sie schon heute vormittag nicht."
"Es gibt hier noch mehr Männer.", sagte sie nur und lächelte weiterhin enervierend.
O'Hara seufzte. "Lady, daß sie über unser Leben berichten wollen, mag ja ganz schmeichelhaft sein, aber muß das unbedingt heite sein? Wir haben alle Kampfeinsätze hinter uns und wollen uns nur in Ruhe ein wenig entspannen. Morgen früh müssen wir wieder raus.
Sie sind gerade mal einen Tag da und beschatten jetzt schon unser Leben mit ihren Linsen als gäbe es keinen Morgen."
"Im Krieg kann das durchaus der Fall sein.", bemerkte sie fröhlich. Über den Witz lachte niemand. "Was mich noch interessiert: Gibt es hier viele Metamenschen? Fuchi hält sich in dieser Sache nicht immer an die Bestimmungen und stellt nicht so viele Metamenschen ein, wie der konzern es eigentlich behauptet. Das ist ja bekannt. Werden die meisten hierher geschickt, an die Front? Wie ist es mit Magiern? Sind die hier in größerer oder geringerer Zahl als in den zivilen Sicherheitstruppen stationiert? Wird in den Kriegen viel Magie eingesetzt?"
"Wann immer es notwendig erscheint.", antwortete Cullen Trey und winkte mit seiner Hand. Der Kameramann und die Elfe sanken zu Boden und schliefen ein.
"Captain, würden sie sie auf die Betten legen?", fragte der Magier höflich, ohne von seinem Blatt aufzuschauen. "Ich muß die Karten verteilen, und wir können unsere Gäste ja nicht einfach so rumliegen lassen."
Der Ork grinste und reckte den Daumen nach oben, schnappte sich dann die beiden Reporter und warf sie auf zwei freie Feldbetten.
Jann sah dem Ork zu. "Gibt das keinen Ärger?", fragte er den Magier.
Cullen zuckte mit den Schultern. "Weil sich zwei Reporter von ihrem anstrengendem Flug ausruhen? Wohl kaum."
"Die Kamera hat Deine Gestik aufgenommen. Wenn die damit zum Oberkommando gehen, reicht das als Beweis."
"Die Kamera?", fragte der Ork mit gespielter Betroffenheit. "Dieses Ding, was der Mann da in der Hand hält? Herrje, ich fürchte, ich habe auf den einen oder anderen Knopf gedrückt, als ich ihn auf das Bett legte."
Jann sah den Ork und den Magier an. "Ihr habt wohl schon Erfahrung mit Reportern und wie man sie loswird, oder?"
O'Hara zuckte mit den Schultern. "Wir wurden bisher nicht erwischt."
"Drei Gelbjacken auf Null-Zwei, haben uns im Ziel!", rief Eric über Funk.
Jann richtete seine optischen Sensoren nach rechts aus. Sein Radar hatte die Gelbjacken zur gleichen Zeit geortet wie Eric, sehen konnte er sie aber noch nicht.
"Bestätigt.", sagte Chuck. "Ich hab sie auch auf dem Schirm. Reuter, Du kümmerst Dich um die Bodenstellungen, das schaffst Du auch alleine. Treverton und ich kümmern uns um die Helikopter."
Jann schaltete das Bodenradar hinzu. "Geht klar."
Neben ihm drehten Chuck und Eric ab und gingen auf Abfangkurs.
Jann behielt seinen Kurs weiter und verringerte seine Höhe auf NOE-Flug. In acht Kilometer Entfernung blinkten die ersten feindlichen Ziele auf seinem Bodenradar, mobile FLARAK-Einheiten, Schützenpanzer und sogar zwei kleinere Thunderbirds.
Das schaffst Du auch alleine, sagte Chuck. So ein Witzbold! Seit Jann sein AMS modifiziert hatte, vertrauen die anderen noch mehr als sonst in seiner Fähigkeit, feindlichem Feuer aus dem Weg zu gehen.
"Reuter an Bailey. Ich habe Feindkontakt. Wie weit seid ihr?"
Eine Stimme meldete sich rauschend in seinem Kopf. "Hier Captain Bailey. Wir sind bei Neun-Drei in Zehn Kilometer Entfernung. In Deinem Rücken, Junge. GAZ in etwa Acht Minuten. Erbitte Status."
"Lasst euch ruhig ein wenig Zeit."; antwortete Jann. "Ich hab hier Bodenziele, etwa fünfzehn Stück.
McBride und Treverton prügeln sich gerade mit einigen Gelbjacken. Ich bin hier alleine."
"Brauchst Du Unterstützung, Junge?", fragte der Ork.
Jann lachte. "Dafür bin ich doch eigentlich da. Ich ruf euch, wenn es eng wird." Er unterbrach die Verbindung und flog näher an den feindlichen Posten heran.
Zwei T-Birds, Fünf FLARAK-Hovers, Sechs Schützenpanzer und Drei Transporter. Die Fußtruppen nicht mitgezählt, aber die darf man nicht außer acht lassen. Einige Soldaten haben immer Raketenwerfer dabei. Das kann ebenso gefährlich werfen.
Befestigte Abwehreinrichtungen konnte Jann nicht orten, aber der Posten wurde erst vor Drei Tagen aufgebaut. Eine Gegenreaktion auf das Errichten neuer Vorposten der eigenen Basis in dieser Gegend.
Jann überlegte kurz. Zuerst die T-Birds und die Schützenpanzer. Wenn es dann noch reicht, konnte er sich um die FLARAKs kümmern. Notfalls überließ er sie O'Haras Truppen, die sind die für die Soldaten keine Gefahr.
Der Computer gab ein Signal; Alle Ziele gespeichert.
Jann konfigurierte die Zielgruppen und teilte ihnen Prioritäten und Waffengruppen zu.
Er stieg wieder ein wenig in die Höhe, um den Radarkontakt herzustellen und feuerte kurz hintereinander Acht Raketen ab. Dann sank er wieder auf Zehn Meter Bodenhöhe und wechselte seine Position.
Noch bevor die Raketen ihr Ziel trafen, kam Bewegung in die Truppe. Die Einheiten veränderten ebenfalls ihre Stellung, einige der FLARAKs fuhren näher an Janns Position heran und in Janns Gehirn schrillte der Alarm von heranfliegenden Raketen.
Verdammt! Wie haben die mich geortet?
Er machte eine Vollwende und beschleunigte, während er an Höhe gewann. Er flog über Sanddünen und in winzige Täler, während die Raketen schnell aufschlossen. Nur am Rande registrierte er die Einschläge seiner Raketen und er Computer vermeldete acht zerstörte Ziele.
Keine Zeit für Freude.
Hinter der nächsten größeren Düne sank er so schnell es die Turbinen zuließen auf fünf Meter Höhe und warf Leuchtkugeln und Staniolstreifen ab. In gleicher Höhe flog er wilde Kurven, während hinter ihm einige Raketen in der Luft explodierten oder den Sand pflügten.
Vier Raketen ließen sich nicht täuschen und verfolgten ihn weiterhin. Jann überließ sie dem AMS.
Keine kam durch, sie wurden alle in der Luft zerschossen, als auf seinem Radar ein neues Problem auftauchte. Drei Gelbjacken.
Jann fluchte wieder. Wieso hatte er die jetzt nicht geortet?! Das ganze hier wurde langsam ernst.
Er überlegte. Gelbjacken waren ein Fabrikat aus dem Hause Ares, zudem sehr beliebt. Die kleinen, einsitzigen Helikopter waren ursprünglich für den Einsatz in der Stadt gedacht, weil sie sehr klein und wendig sind und dennoch eine große Menge an Waffen mitführen konnten. Ihre Rolle im Krieg verdankten sie ihre Wartungsfreundlichkeit und der Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit Betriebs- und Startbereit zu sein. Sie mußten unter Tarnnetzen oder in Hangaren gewartet haben. Dumme Sache.
Jann öffnete einen Kanal zu Chuck und Eric. "Hier ist Reuter! McBride, wie sieht es bei euch aus?"
"Zwei sind unten.", meldete Chuck. "Aber dafür sind zwei neue aufgetaucht. Es ist wieder wie vorher. Läuft bei Dir alles klar?"
"Negativ. Hier geht es drunter und drüber. Sie haben mich auf ihren Schirmen und Drei Gelbjacken machen gerade Jagd auf mich. Die hatten sie dort irgendwie versteckt. Ich hatte auf Unterstützung von euch gehofft."
Chuck fluchte. "Wir hätten uns nicht trennen sollen. Das war ein großer Fehler. Meine Schuld, Jann."
"Ist OK, konnte keiner Wissen.", Jann umflog eine weitere große Düne und warf zwei Störsonden aus.
"Mit sowas muß man immer rechnen.", verneinte Chuck. "Das wird Ärger geben."
Die Sonden wurden zerstört. Die Piloten der Gelbjacken waren beängstigend gut. "Chuck, darüber reden wir später. Wie steht es nun mit Hilfe?"
"Tut mir leid. Im moment haben wir hier selber alle Hände voll zu tun. Wir machen, so schnell wir können. Ruf die Basis an."
Jann stöhnte. "Bis die mir Hilfe schicken, bin ich ein Haufen Schrapnell über dem Wüstenboden. Beeilt euch lieber."
"Viel Glück.", sagte Chuck und unterbrach die Verbindung.
Jann schaltete weiter O'Haras Truppen. "Captain Bailey, hier Reuter. Habt ihr Jungs einige Raketenwerfer bei euch?"
"Hier Baileys. Ross hat einen mit. Und Kursow trägt den Laser." Eine kurze Pause. "Hast Du Probleme?"
"Drei Schmeißfliegen hängen an meinem Arsch. Wenn ich sie nicht bald loswerde, hab ich ernsthafte Probleme." Das AMS fegte zwei SAMs aus der Luft, die einer der feindlichen Helikopter abgefeuert hatte.
Ein anderer schloß auf und versuchte, eine gute Schußposition für seine Bordkanone zu bekommen.
"Das mit dem Laser klingt gut. Haltet euch bereit, Jungs ich komme gleich über auch."
"Wir machen für Deine Freunde die Überraschungsparty." Der Ork brach die Verbindung und Jann mußte verzweifelt fluchend einen halben Looping drehen, um der Viligant zu entgehen, die der Helikopter hinter ihm abfeuerte. Die Leuchtspurgeschosse rasten viel zu knapp an ihm vorbei.
Das Manöver brachte ihn wieder auf Kurs zurück zu der feindlichen Basis. Er wollte wieder abdrehen, aber eine der Gelbjacken schnitt ihm von rechts die Flugbahn und feuerte eine SAM ab. Sie flog vorbei und wurde kurz danach vom AMS zerstört, aber Jann kam nicht auf Kurs.
So eine scheiße, fluchte er. Sie versuchen, mich in ihre FLARAK-Stellungen zu treiben!
Jann zog nach oben ab. Die Turbinen heulten gequält auf und die feindlichen Helikopter sanken unter ihm weg. Wie erwartet versuchten sie, sein Manöver zu kopieren. Aber sie waren zu schnell.
Als sie auf gleicher Höhe mit ihm waren, drehte Jann seinen Hughes Stallion um Hundertachzig Grad bei einer Geschwindigkeit von 280 Stundenkilometern. Für einen kurzen Moment flog er rückwärts.
Der Luftsog unter seinem Rotor verwirbelte sich und seine Maschine schlingerte gefährlich und verlor an Höhe. Aber es reichte allemal für eine Zielerfassung, und er hatte zwei der Gelbjacken vor sich, direkt mit dem Bug. Wie die allermeisten Kampfhubschrauber waren die Gelbjacken am Bug stärker gepanzert als woanders, aber selbst das schützte sie nicht vor der 30 Milimeterkanone unter dem Rumpf von Janns Stallion.
Mit einem mentalen Befehl richtete er die Kanone aus und schoß.
Die Kanzel des Helikopters rechts von ihm zerplatzte unter tausenden von Splittern aus Makroplast, Metall und Fetzen menschlichen Gewebes. In einer öligen Rauchwolke und dunkelroten Flammen stürzten die Überreste des Hubschraubers in die Dünen. Jann richtete die Kanone neu aus und schoß wieder.
Die zweite Gelbjacke drehte ab und Leuchtspurgeschosse verfolgten ihre Flugbahn.
Himmel, ist der schnell, dachte Jann erstaunt. Die Azzies haben gute Piloten. Er wünschte, er hätte AAMs mitgenommen, aber dafür war kein Platz mehr gewesen. Er brauchte alle Kapazitäten des Stallions für die Panzerabwehrraketen.
Wieder erfassten ihr Raketen und er mußte zusehen, daß er an Geschwindigkeit gewann. Der Rückwärstdrift hatte längst aufgehört und Jann nahm Geschwindigkeit auf, indem er den Kopter mit der Schnauze nach vorne fallen lies um ihn dann knapp über dem Boden abzufangen und weiter zu beschleunigen. Zwei Leuchtkugeln schafften ihm die Raketen vom Hals und er konnte sich voll darauf konzentrieren, die beiden Gelbjacken loszuwerden. Sie hatten all ihre Raketen verschossen und hatten nur noch ihre Bordkanonen. Nicht nur, daß diese frei beweglich montiert waren, diese Aztech-Piloten verstanden sich gut darauf, seinen Manövern zu folgen und ließen sich einfach nicht abschütteln.
Dann eben nicht, dachte er, selbst schuld.
Die Leitung knackte. "McBride hier. Jann, wie sieht es bei Dir aus? Wir sind unterwegs zu Dir."
"Spart euch das.", antwortete Jann. "Ihr würdet es nicht rechzeitig schaffen. O'Hara und seine Jungs helfen mir. Wenn ihr könnt, macht euch lieber an den Posten ran. Fünf FLARAK-Hovers müßten da noch sein, aber achtet auf Überraschungen."
"Wir werden sehen.", sagte Chuck und schloß den Kanal.
Jann ging jetzt in die letzte Synchronstufe, sank tiefer in die Maschine.
Alle seine äußeren Sinneseindrücke wurden jetzt vollständig unterdrückt. Sein Neuer Körper war der Hughes Stallion. Die Sensoren der Steuereinrichtung übertrugen die Vibrationen der Turbinen, das Schwingen der Außenhaut, das Wummern der Rotoren, jedes kleinste Detail. Auf einmal hatte er mehr Sinne und Blickwinkel als vorher. Kameras waren seine Augen am Kopf, am Bauch und an den Füßen. Er nahm die Topographie unter sich war und den warmen Wüstensand, den Wind und die Geschwindigkeit. Er konnte die Gelbjacken hinter sich spüren, als blinkende Punkte in dem sich ständig drehendem Radar in seinem Kopf, und als Quelle der Wärme an seinen Thermosensoren, die unter seiner Nase saßen.
Es war ganz genau so, wie man es immer erzählte, wie er selbst es schon oft erlebt hatte, wenn auch viel intensiver. Diese Militärmaschine war so verchippt, daß es eigentlich erstaunlich war, daß sie kein eigenes Bewußtsein hatten.
Das Gefühl war unbeschreiblich, atemberaubend, ein echter Kick. Jann besaß jetzt ein zweites Gehirn. Der Bordcomputer berechnete in Bruchteilen von Sekunden die Bodenbeschaffenheit, Windgeschwindigkeit, Höhe und die Position seiner Verfolger, sowie deren Geschwindigkeit in Relation zu seiner eigenen. Er wertete die Daten aus und vermengte sie mit Janns mentalen Prozessen.
Die Geschwindigkeit des Hughes Stallion kletterte auf 360 Stundenkilometer bei einer Flughöhe von nur Sechs Metern. Schneller als die Gelbjacken, aber nicht zu schnell.
Jann hatte nur Milisekunden, sich auf das Terrain unter ihm einzustellen und den Sanddünen, die immer wieder urplötzlich vor ihm auftauchten, auszuweichen. Immer wieder flog er wilde Kurven und Manöver und immer wieder wirbelten die Geschosse einer Viligant den Sand hinter ihm auf. Der Stallion machte alles mit, war schnell und wendig genug. Aber Jann merkte, wie der Helikopter langsam an die Grenzen seiner Fähigkeiten stieg. Die Gelbjacken hinter ihm waren noch lange nicht dort angelangt, sie waren langsamer, aber um vieles wendiger.
"Bailey hier.", summte es in seinem Kopf. "Junge, wir sehen Dich!"
"Haltet euch bereit. Ich bringe Gäste mit.". Janns Stimme klang noch tiefer und verzerrter, wenn er sich so tief mit dem Helikopter verband. Ein unheimlicher Effekt, aber im Moment hatte er andere Sorgen.
Ohne Vorwarnung tauchten unter ihm Fahrzeuge und Menschen auf. Er raste über sie hinweg, hüllte sie eine Wolke aus Sand.
Jann zog die Nase hoch und drehte sich um Hundertachzig Grad, bremste seinen Helikopter in der Luft innerhalb von Sekunden fast zum Stillstand und stand praktisch in der Luft.
Ein gefährliches Manöver, weil es den feindlichen Helikoptern genug Zeit gab, ihn ins Ziel zu bringen und zu schießen. Aber es zwang sie auch, ihre Geschwindigkeit ebenso drastisch zu senken. Und das gab O'Hara und seinen Jungs alle Zeit der Welt.
Noch bevor Jann seine Drehung beendet hatte, sah er, wie sich einer der Gelbjacken in einem Feuerball auflöste und vom Himmel regnete.
Der zweite sah sich mit der neuen Situation konfrontiert und war nicht schlau genug, zu beschleunigen und zurück zu fliegen. Stattdessen wurde er langsamer und nahm die Fußtruppen aufs Korn.
Seine linke Turbine begann dunkelrot zu glühen, dann explodierte sie und der Helikopter kippte seitlich weg, dem Wüstensand entgegen.
Jann sah an der Art und Weise, wie der Helikopter abstürzte, daß der Pilot schon tot sein mußte. Kein Versuch, die Maschine unter Kontrolle zu bringen. Als der Laser die Turbine zur Explosion brachte, sind die Splitter durch das Cockpit geschossen und haben den Piloten zersiebt.
Einer der Nachteile bei kleineren Maschinen.
Mit einem Knacken brummte O'Haras Stimme in Janns Kopf. "Das war alles? Wegen diesen zwei Mücken scheuchst Du uns auf?"
"Hey!", protestierte Jann. "Setzt Du Dich mal in einen Helikopter und lass Dich jagen. Besonders ohne Luftabwehrwaffen."
Der Ork lachte. "Die hätte ich mit der bloßen Hand aus der Luft gewischt!"
"Glaub ich ungesehen.", murmelte Jann.
Ein weiterer Kanal öffnete sich, "Jann! Hier ist Chuck! Wir haben ernsthafte Probleme hier. Noch mehr Gelbjacken sind aufgetaucht und die FLARAKs rücken uns langsam auf den Pelz. Außerdem scheint hier ein Sandsturm aufzukommen!"
Jann stutzte. "Ein Sandsturm?" Er rief den Wetterbericht auf. "Keine Stürme oder Wetterveränderungen gemeldet."
"Das weiß ich auch!", rief Chuck. "Ich habe Treffer eingesteckt. Für jede Hilfe wäre ich dankbar!"
"Bin schon unterwegs!", meldete Jann und unterbrach die Verbindung.
Auf dem anderen Kanal war noch Captain Baileys. "O'Hara, wie schnell könnt ihr beim Vorposten sein?"
"Würde keine Drei Minuten dauern, wenn wir einen Zahn zulegen."
"Dann macht euch auf den Weg. Dort geht der Drek ab."
O'Hara knurrte. "Sind schon unerwegs!"
Jann öffnete einen Kanal zur Basis. "Hier ist Bravo-Drei, Lieutenant Reuter. Ich brauche Luftunterstützung für die Koordinaten am N-Punkt F4, und zwar schnell!"
"Hier HQ. Anfrage auf Luftunterstützung bestätigt. Wir schicken zwei Jets vorbei. GAZ in 4 Minuten."
Jann seufzte. "Geht es nicht schneller?"
Die Leitung knackte. "Die Jets stehen abflugbereit auf dem Rollfeld. Schneller geht es einfach nicht! Wir können auch nicht zaubern."
"Danke.", sagte Jann. Ihm fiel etwas ein. "Ich brauche außerdem einen Magier an den eben genannten Koordinaten. Eine magische Gegenmaßnahme wird vermutet."
"Bestätigt. HQ ende."
Jann sah Rauchwolken vor sich aufsteigen. "Jann!", rief Chuck durch das Kommlink. "Ich gehe runter! Eric ist mit den Gelbjacken alleine! Und der Sandsturm, irgendwas stimmt mit ihm nicht! Hilf Treverton!" Die Verbindung knackte und rauschte dann. Jann hielt Ausschau nach einer neuen Explosion oder Rauchwolke, konnte aber keine entdecken. Das beruhigte ihn ein wenig.
"Eric?"
"Bin noch in der Luft.", rief er, "Sieht aber nicht so aus, als würde das noch lange so bleiben."
"Hast Du Treffer eingesteckt?"
"Bis jetzt noch nicht. Aber ich habe keine Luftwaffen mehr. Und der Sturm wird stärker. Er scheint mir irgendwie zu folgen."
Jann rief in seinem Kopf die Sensordaten auf. "Ok, ich kann Dich sehen. Bin auf zwei-drei-fünf, etwa 1800 Meter. Am besten haust Du dort ab, zu meiner Position. Kümmern wir uns zuerst um die Gelbjacken."
"Ok. Ich komme zu Dir."
Jann hatte wieder die FLARAK-Hover auf dem Schirm. Sie waren von ihrer vorherigen Position weiter nach Osten gerückt. Vermutlich versuchten sie mit Chuck und eric den gleichen Trick wie vorhin mit Jann. Sie wollten sie mit hilfe der Gelbjacken zu den FLARAKs treiben. Für die sind die Helikopter kein großes Problem. Es waren immer noch fünf Hovers. Während er Eric auf dem Schirm hielt und seine Bugkanone auf die Verfolger ausgerichtet hielt, rief er die gespeicherten Zieldaten aus dem Computer auf und aktualisierte die Daten. Nur Millisekunden später bestätigte der Ziecomputer de Angleichung und Jann schoß Fünf Raketen ab.
Auf eine Entfernung von nur Drei Kilometern trafen die Raketen schnell ihr Ziel. Ärgerlicherweise nur Drei.
Dann verschwammen die Ziele auf seinem Radar. Sein Kopf füllte sich mit rauschem. ECM.
Spielt keine Rolle, dachte er sich. Das erstaunliche an der modernen Kriegsfürhung ist, daß es für alle Maßnahmen immer schon eine Gegenmaßnahme gibt und er schalltete sein ECCM auf. Das machte die Ziele seltsamerweise nicht klarer und er bekam immer noch keine gültige Zielerfassung, aber das rauschen in seinem Kopf hörte auf. Eric schoß an ihm vorbei und flog eine enge Kurve um Jann herum. Dummerweise folgte die Gelbjacke hinter ihm dem Manöver und Jann hatte für eine kurze Sekunde eine perfekte Schußposition. Der Hughes vibrierter, als die 30 Millimeterkanone unter dem Rumpf fünfzig Projektile ausspuckte und den feindlichen Hubschrauber praktisch in der mitte zersägte. Noch in der Luft fing der Helikopter Feuer und explodierter. In einem seltsam kreisenden Tanz trudelten die schwelenden Überresten nach unten.
Die anderen beiden erschienen in Reichweite seiner Kanone, doch bevor er schießen, blitzen überall Farben und Lichter auf. Noch bevor Jann sich Gedanken über eine Fehlfunktion der Sensoren machen konnte, wurde ihm schwindelig und er verlor das Gefühl für die Himmelsrichtungen.
"Verdammt!", schrie er. "Magie! Ich habs doch gewußt! Eric?"
"Ich bin hinter Dir. Mich hat es nicht erwischt."
"Dann mach, daß Du wegkommst!"
"Jann, Du kannst nichts sehen!", widersprach Eric. "Wenn ich Dich zurücklasse, ist das sicherer Abschuß für die Gelbjacken!"
"Die sind doch auch betroffen. Sie sind zu nah an mir dran gewesen!"
"Negativ." Bestätigte Eric. "Die scheinen nchts mitbekommen zu haben. Ich bleibe."
Jann wollte etwas sagen, war aber dazu auf einmal nicht mehr in der Lage. Das Schwindelgefühl wurde schlimmer und der Sensoreninput fing an, in seinem Kopf zu schmerzen. Der Zauber enfaltete nun seine volle Wirkung.
Am Rande seiner Wahrnehmung spürte er Einschläge in seinem Helikopter und diverse Warnsysteme fingen an zu heulen.
Jann versuchte, sich darauf vorzubereiten, daß er jede Sekunde abstürzen würde oder in einer Explosion in Stücke gerissen zu werden.
Sein Helikopter schwebte auf der Stelle, glaubte er. Der Bordcomputer hatte den Autopiloten aktiviert als er keine eindeutigen Steuerimpulse mehr von Janns Gehirn bekam. Aber er saß auf dem Präsentierteller für jeden Feind. Blind und geistig verwirrt, sein Hubschrauber in der Schwebe war er praktisch schon tot.
Seltsam, dachte er, im Moment ging ihm durch den Kopf, wie so ein Zauber funktionierte und auf welche Weise er durch die Sensoren wirkte. Man hatte alles Personal in diversen Kampfzaubern unterrichtet und auch über die Tatsache aufgeklärt, daß es durchaus Zauber gab, die auch technische Systeme täuschen oder überwinden konnten.
Jann stöpselte sich aus dem Helikopter aus, in der Hoffnung, so die Wirkung zu schwächen. Das machte es aber kaum besser. Er sah noch immer wirbelnde Farben in seinem Blickfeld und alles drehte sich.
Er sah eine durchscheinende Gestalt in seinem Cockpit und ihm war es im Moment egal, ob es ein Effekt des Zaubers war oder ob ihm jemand einen Geist ins Cockpit geschickt hatte.
Janns Blick klärte sich mit einem Male.
Das Schwindelgefühl hörte so plötzlich auf, daß er das Gefühl hatte, jemand hätte den Helikopter angehalten. Die Farben verschwanden und Jann konnte die Gestalt im Cockpit deutlich erkennen.
"Branco!"
Sergeant Farelli, einer der Magier aus der Einheit.
"Wie geht es Dir?", fragte Branco.
"Bis eben konnte ich nichts sehen. Jetzt ist alles wieder besser. Du hast den Zauber gebrochen, oder?"
Die astrale Gestalt schüttelte den Kopf. "Ich hab die Wirkung beseitigt.". Er sah sich um. "Dein Hubschrauber ist beschädigt. Bist Du noch Einsatzbereit?"
Jann schüttelte den Kopf. "Das weiß ich nicht."
"Dann prüf es besser.", erwiderte Branco. "Ich muß Trey unterstützen. Hier ist jede Menge los." Der Magier verschwand.
Jann stöpselte sich wieder ein und rief blitzschnell den Systemstatus auf. Der Tank war getroffen worden, aber die automatische Versiegelung hat das Leck gestopft. Eine der Turbinen war ausgefallen. Das schränkte seine Bewegung ein. Und die rechte Waffenpylonen fehlten. Aber die Maschine flog noch und er hatte sogar noch einige Waffen.
Das Schlachtfeld hatte sich verändert. Eric schwebte vor ihm und schoß gerade mit seiner Bordkanone auf herannahende Bodentruppen. Die Gelbjacken, die vorhin noch auf ihn zuflogen, lagen als rauchende Wracks auf dem Wüstenboden. Einer von ihnen zeigte rußgeschwärzte, geschmolzene Linien von Lasereinschüssen.
O'Haras Truppen hatten keine Dreihundert Meter hinter ihm stellung bezogen und hielten alles auf, was auf sie zustürmte. Sie waren alle über und über mit Sand bedeckt, aber Jann konnte nicht erkennen, ob jemand verletzt war.
Der Sandsturm war verschwunden.
"Jann!.", krachte es aus seinem Kommlink. "Hier Treverton! Jann, melde Dich endlich!"
"Hier Reuter.", antwortete er. "Ist gut, Eric. Ich bin Ok."
"Verdammt, wurde auch Zeit! Hier gibt es immer noch genug Ärger. Ich habe gesehen, wie Dein Helikopter getroffen wurde. Wie ist Dein Status?"
"Ich bin bedingt Einsatzbereit. Ich habe noch Zwei Bodenraketen. Vierhundertdreißig Schuß in der Bordkanone." Jann überprüfte das Radar. "Wo kommen die T-Bird her?"
"Keine Ahnung. Die müssen die irgendwo versteckt haben. Vielleicht sind die Hangars abgeschirmt. Ich habe noch eine Rakete. Hundertsiebzig Schuß in der Bordkanone."
Die FLARAK Hovers waren zerstört. Jann wußte nicht, ob das Erics Werk war oder das der angeforderten Jets.
"Eric. Waren die Jets schon da?"
"Eben gerade.", meldete sein Flügelmann. "Sie sind nicht vorbeigelfogen, haben aber bestätigte Abschüsse und sind zurück zur Basis. Das war, bevor die beiden T-Birds auftauchten."
Jann fragte, sich, was an diesem verdammten Vorposten so wichtig war, daß er so intensiv verteidig wurde.
Sie hatten den Befehl, wenn möglich Gebäude zu verschonen. Aber bisher sind Acht weiter Einheiten aufgetaucht, die sie vorehr nicht entdeckt hatten. Es muß einen Grund geben, warum dieser Posten so viele Einheiten besaß und sich die Mühe machte, sie so gut zu tarnen.
Jann speicherte die Ziele auf seinem Computer ein, der meldete ihm aber, daß er keine gültige Zielerfassung bekäme.
Janns ECCM war immer noch aktiv und mittlerweile, so bemerkte Jann, war es ein reines Wunder, daß er überhaupt noch lebte. Eric oder die Jets mußtem ihm die Gelbjacken vom Hals gehalten haben, als Jann unter dem Einfluß des Zaubers stand und seinem modifiziertem AMS hat er es wohl auch zu verdanken, immer noch im Himmel zu sein. Das verriet ihm die Munitionsanzeige. Eines der MGs des AMS war leergeschossen, das andere hatte gerade noch Fünfundsechzig Schuß.
Jann sank tiefer und startete eine Drohne.
"Eric. Schalte Deine Rakete auf Laserguide um. Ich werde die Panzer markieren."
"Bestätigt. Die Rakete ist modifiziert. Ich warte auf Dein Leitsignal."
Die Drohne flog knapp über den Wüstensand, weit um die feindlichen Soldaten herum.
Die T-Birds kamen in Sicht. Jann fluchte. Zwei Lobos! Schwerer gings wohl nicht.
Aber sie reagierten nicht auf seine Drohne. Das war die einzige gute Nachricht am heutigen Tag.
Die Drohne ging in den Schwebemodus und schoß einen Laserstrahl auf den nächsten Panzer ab.
"Ziel erfasst.", meldete Eric. "Feuere Rakete."
Noch bevor die Rakete einschlug, kam Bewegung in den anvisierten T-Bird. Ein MG auf dem Turm des Lobos drehte sich in Richtung der Drohne und fing an zu feuern.
In Janns Gehirn blitzte es auf und dann wurde es für Millisekunden schwarz, bis sich plötzlich die Kontrollen des Hughes Stallion wieder in seine mentalen Prozesse schob.
Das Schwindelgefühl war nur kurz, der Auswurfschock zu verkraften. Jann dankte allen Göttern und auch Sahar, daß der Biofeedbackfilter seine Arbeit tat.
Er hatte befürchtet, daß die Lobos Antilasersysteme besaßen, hatte nur nicht damit gerechnet, daß sie Gegenmaßnahmen besaßen und die Drohne auf diese Weise orten konnten. Jetzt mußte er mit allem rechnen.
"Treffer!", meldete Eric plötzlich. "Die Rakete hat getroffen..." Eine kurze Pause. "Shit. Ich kann keine Beschädigung feststellen. Der Lobo bewegt sich immer noch!"
Jann öffnete einen weiteren Kanal. "Bailey. Wie siehts bei euch da unten aus?"
"Wir halten tapfer die Stellung. Der Erdgeist hätte uns beinahe erwischt. Aber Trey und Farelli kamen gerade noch rechtzeitig. Gut zu hören, daß Du noch da bist, Junge, sah für einen Moment übel aus."
"Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Ihr wißt, daß zwei Lobos aufgetaucht sind?"
"Eric hat uns das vor einer Minute gemeldet. Gegen den können wir nichts ausrichten. Die Fußtruppen sind kaum ein Problem und um die Magier kümmern sich Trey und Farelli. Aber wenn die T-Birds in Reichweite kommen, machen wir besser die Fliege."
"Habt ihr ein Lasermarker bei euch?"
O'Hara hustete. "Mein Laser hat noch genug Saft. Ich kann dieses Ding mit dem Battletac-System koppeln und als Marker benutzen. Junge, wir sollen doch nicht die Lobos anleuchten!?"
Jann nickte. "Das war eigentlich meine Idee. Die stören die Zielerfassung, und die Jets haben auch keine Laserbomben mehr. Und wir können nicht nahe genug ran für die Bordkanonen. Die haben eh kaum noch Muni. Aber die Bodenraketen von Eric und mir lassen sich auf Laserguide umschalten."
"Hör mal, das ist ein Himmelfahrtskommando! Ich schicke keinen meiner Männer da hin!"
"Trey oder Farelli können doch einen von euch tarnen oder unsichtbar machen."
"Negativ, Junge.", grunzte der Ork. "Das können die nicht."
Jann stutzte. "Wieso das nicht? Farelli konnte mir im Kopter helfen."
"Das ist was anderes.", knurrte O'Hara. "Das erkläre ich Dir später, Junge. Warte kurz..."
Jann stöhnte. Zeit war genau das, was sie im Moment überhaupt nicht hatten. Die Truppen der Azzies hatten Stellung bezogen und ihr Feuer eingestellt. Sie warteten auf die T-Birds, die beunruhigend schnell näher kamen.
"Reuter!", meldete sich O'Hara. "Ich hab hier einen Freiwilligen, der die Lobos markieren will Lindsay wird es machen. Er gräbt sich hier ein und wartet auf die T-Birds. Wir werden uns zurückziehen und die Sandfresser in Schacht halten. Ich wollte es ihm ausreden, aber er will es so."
"Sag ihm, daß ich persönlich dafür sorgen werde, daß er eine Medaillie bekommt.", antwortete Jann scherzhaft. Der Ork ging darauf nicht ein. "Sorg lieber dafür, daß er überlebt. Wenn er draufgeht, werden wir beide uns sprechen."
"Schon kapiert. Ich tue mein bestes." Die Verbindung unterbrach.
Jann war sich überhaupt nicht sicher, ob das eine so gute Idee war. Er hatte nur noch zwei Raketen, und zwei Lobos mi Kurs auf ihn und O'Haras Männer. Erics Rakete hatte den einen nicht angekratzt. Verdammt, wie sollte er die beiden Panzer aufhalten?
Jann öffnete einen Kanal zu den Jets. "Leute, ich brauche eure Unterstützung."
Überraschender Weise meldete sich Abor. "Hier Omaboe. Negativ. Wir haben keine korrekte Zielerfassung."
"Habt ihr noch Raketen und eure Vulcans?", rief Jann hektisch. "Wenn ja, dann macht euch auf den Weg, oder hier gibt es bald ein Unglück! Wir haben kaum noch Bewaffung und mein Helikopter ist beschädigt.
Ihr seid schnell genug, um gegen die Lobos was auszurichten!"
"Ok, wir kommen.", meldete Abor nach einer kurzen Pause. "Ich hoffe, Du weißt, was Du da tust."
"Ich wünschte, ich könnte das bestätigen.", sagte Jann und unterbrach die Verbindung.
Er rief die Codeliste von O'Haras Leuten auf und gab Lindsays Code in den Richtfunk ein, öffnete den Kanal. "Lindsay, hier ist Lieutenant Reuter."
"Lindsay hier. Ich bin bereit, Sir."
"Ok. Hör zu, das hier wird gleich sehr hart. Ich werde versuchen, das Feuer der Lobos auf mich und Eric zu lenken, das sollte Dir die nötige Zeit verschaffen. Es ist wichtig, daß Du auf den Punkt zwischen Turm und Rumpf zielst. Wir haben nur einen Versuch."
"Habs vernommen, Sir.", bestätigte Lindsay. "Wir sehen uns in der Bar."
Jann schaltete zu Eric. "Alles mitbekommen?"
"Ja, ich bin soweit."
"Dann Los. Viel Glück."
Jann und Eric schwärmten aus. Während Jann eine Position nahe bei dem eingegrabenen Soldaten einnahm, flog Erich rechts von ihm, knapp über dem Boden und startete zwei Drohnen. Diese beiden Drohnen hatten nur eine Funktion: sie sendeten ECM-Impulse aus und sollten feindliche Sensoren verwirren. Eric hätte nicht gedacht, daß er sie bei dieser Mission brauchen würde, sie gehörten zur Standartausrüstung. Jann hatte eine Spiondrohne und eine Markierungsdrohne an Bord, Chuck eine Jägerdrohne und eine ECM und Eric zwei dieser Art. Er war dankbar für den Zufall dieser Verteilung.
Die beiden Drohnen schwärmten aus und nahmen Kurs auf die Lobos.
Als die Panzer in Sichtweite kamen, schalteten die beiden Helikopter ihr ECM auf und warfen Düppel und Staniolstreifen ab, um gleich danach die Position zu wechseln.
Janns Zielcomputer meldete Kontakt. Er gab inbrünstig den mentalen Befehl, beide Raketen abzufeuern.
Der Flug der Raketen wurde von einem kurzen und heftigen donnern begleitet. Bevor Jann sich wundern konnte, woher das Geräusch kam oder ob es vielleicht eine Fehlfunktion in der Abschußvorrichtung war, pfiff irgendwas an seinem Helikopter vorbei, so schnell und so nah, daß er es förmlich über den Rumpf spüren konnte. Hinter ihm, viel zu nahe bei Lindsay, schlug irgendwas mit solch einer Wucht ein, daß der Sand Meterhoch in die Luft geschleudert wurde, begleitet von dem dumpfen dröhnen einer Explosion.
Dann trafen die Raketen.
Der Lobo wurde in eine feuerrote Wolke eingehüllt, stieß durch sie hindurch und schwebte einige hundert Meter weiter, bevor er zu Boden sank und seinen Bug in den Sand grub. Als der T-Bird auf den Boden traf, schob sein Turm sich mit bizarrer Langsamkeit von seiner Befestigung und rutsche von dem Panzer. Dicker, öliger Rauch quoll aus dem dunklen Loch, daß sich darunter zeigte.
Ein T-Bird weg!
Jann blieb keine Zeit zum jubeln.
"Lindsay!", rief er "Sind sie noch da?"
"Ein wenig benommen, Sir,", kam es rauschend aus dem Kommlink. Funk klappte wegen des ECM nur noch über Laser, aber der ganze aufgewirbelte Staub behinderte die Übertragung. "Aber am Leben. Was zur Hölle war das?"
"Die haben Gausskanonen. Machen sie, daß sie wegkommen! Melden sie sich, wenn sie bei Captain Baileys sind!"
"Bin schon weg.", keuchte Lindsay und unterbrach die Verbindung.
Der andere Panzer verlor sein Interesse an eric als Ziel und konzentrierte sich auf Jann, in dem glauben, er hätte noch Raketen. Als er sah, wie der Turm sich zu ihm drehte, rechnete Jann mit einem weitern Schuß aus einer Gauss. Doch der kam nicht. Erics Rakete vorhin hatte vielleicht seine entsprechende Wirkung verfehlt, aber einen Teil des Turmes zerstört und dabei auch die empfindliche Gausskanone.
Das spielte aber keine Rolle, denn die 20-Millimeter Rotationskanone war noch intakt.
Mit einer Schußrate von mehr als 6000 Schuß pro Minute sah der Strom todbringender Projektile aus wie ein Strahl orangefarberner Energie.
Die Zielsensoren des Lobos waren durch die vielen ECM-Signale gestört, aber da jedes sechste Geschoss Leuchtspurmunition war, konnte der Schütze manuell zielen. Und das tat er gut.
Jann flog voller Panik wie ein Känguruh, änderte Höhe und Geschwindigkeit völlig willkürlich, versteckte sich hinter Dünen und nutze jede noch so kleine Bodengegebenheit.
In einem Augenblick voller Angst und Entsetzen spürte er die Einschläge auf der Außenhaut. Seine Panzerung hatte den Projektilen nichts entgegen zu setzten. Seine Bordkanone und die linke Tür wurden vom Rumpf gerissen. Der Computer warnte ihn mit drängelnden Signalen direkt ins gehirn von einem Abfall des Öldrucks, dem verlust der Waffen und der Tür sowie der Zerstörung des Fahrwerks.
Eric flog wilde Kurven um den Lobo, schoß aus seiner Bordkanone wild auf den Turm, doch er richtete nicht viel Schaden an. Einzig die Tatsache, daß den beiden keine Raketen um die Ohren flogen, war ein Beweis dafür, daß er irgend einen Schaden angerichtet haben mußte.
Die Fußsoldaten der Azzies in Reichweite versuchten immer, wieder, Erics Hughes unter Beschuß zu nehmen, doch sobald sie das taten, schoß einer von O'Haras Männern und er mußte sich wieder in Deckung begeben.
Janns Zustand wurde kritisch. Seine Helikopter bockte wild in der Luft und er verlor zusehends an Geschwindigkeit und Wendigkeit.
"Eric. Ich verschwinde!"
Bevor sein Flügelmann darauf antworten konnte, regnete es Raketen aus dem Himmel.
Die Jets waren da.
Der Kampf mit den beiden Helikoptern und der Verlust seiner Luftabwehrwaffen gab ihnen Zeit und Gelegenheit genug, all ihre Restbewaffung auf den einen letzten Panzer zu konzentrieren.
Sechzehn Raketen schossen auf den Lobo, drei von ihnen trafen ihn voll. Der Kampf war vorbei. Zumindest für den T-Bird.
Jann flog stotternd über die Wüste, versuchte an Höhe zu gewinnen. Der Öldruck sank immer schneller und immer mehr Systeme fielen aus. Jann weigerte sich, sich auszustöpseln und den Helikopter manuell zu fliegen. Er hatte bessere Chancen auf eine Notlandung mit seinen geriggten Reflexen, wenn aber der Computer auch ausfiel, würde der Auswurfschock ihn viel zu lange flachlegen, als daß er irgendeine Chance hätte, den Sturz zu überleben.
Mit einem schrillen Geräusch, fast wie ein Schmerz in Janns Körper aus Stahl und Plastik, warnte der Computer, daß einzelne Systeme der Energieversorgung versagten.
Er fluchte und stöpselte sich aus. Anders hatte es keinen Sinn mehr.
Die Höhe war zu gering aber er mußte es versuchen. Er schaltete alle Systeme ab, die nicht mehr benötigt wurden und koppelte die Rotorachse vom Antrieb.
Der Hughes Stallion fiel.
Jann hatte furchtbare Angst. Der Boden kam viel zu schnell näher, die Geschwindigkeit war zu hoch und seine Panik aus der Zeit der Ausbildung holte ihn wieder ein. Das manuelle Steuern eines Helikopters war immer schon nicht einfach für ihn gewesen und er hatte nur im Simulator die Gelegenheit gehabt, Notlandungen zu üben.
Er schob den Steuerknüppel nach vorne und die Nase des Helikopters neigte sich dem Boden entgegen. Als er meinte, es wäre fast zu spät und sein Herz fast platzen wollte, zog er den Steuerknüppel wieder an und brachte die Maschine in die horizontale. Durch den Aufwind wurde die Drehzahl des Rotors noch einmal erhöht und bremste den Sturz der Maschine.
Jann hatte unglaubliches Glück. Er segelte über die nächste Düne, so tief, daß er das Gefühl hatte, spüren zu können, wie der Sand über den Rumpf scheuerte. Dahinter war es tiefer, und flacher. Er hatte gut und gerne Zehn Meter freien Fall und das gab ihm die Chance, den Hubschrauber weiter abzubremsen.
Der Aufschlag war erstaunlich weich. Die Maschine rutschte über den Wüstenboden, lange genug, um es Jann zu erlauben, den Rigger-Kokon zu schließen. Das Ding war fast ein autonomes Lebenserhaltungsystem, gedacht dafür, den Piloten vor allen äußerlichen Einflüssen zu schützen und es ihm zu ermöglichen, sich vollständig mit seiner Maschine zu verbinden.
Der Hubschrauber raste in eine Düne und kam endlich zum stehen. Jann nahm keinen Schaden, die Riggerkapsel schütze ihn.
Er öffnete den Kokon, schnappte sich seine Notausrüstung und verließ so schnell er konnte den Helikopter.
Der Hubschrauber fing kein Feuer, explodierte auch nicht. Nach einigen Minuten ging Jann zurück und stöpselte sich wieder ein. Die Batterie war noch intakt und ließ sich aktivieren, das Kommunikationssystem war auch ohne Schaden.
Jann aktivierte den Peilsender und gab der Basis seinen Status und seine Position durch. Dann rief er Eric.
"Hier ist alles klar." Meldete der Pilot. "Die Azzies haben aufgegeben. Einige konnten wir gefangen nehmen, viele anderen sind tot. Sie hatten versucht, den Vorposten zu sprengen. Das war ein harter Kampf."
"O'Hara?"
"Hat acht Verluste, drei davon tot, die restlichen mehr oder weniger schwer verletzt. Zum Glück hatten sie keinerlei Kontakte mit weiteren Panzern oder Helikoptern."
"Dann waren die Gelbjacken und die beiden Lobos die letzten."
"Genau.", bestätigte Eric. "Ein weiterer war noch in dem Hangar, aber der war schwer beschädigt und in Reparatur. Glück für uns. Ich bin auf dem Weg zurück zur Basis. Ich hoffe, wir treffen uns bald."
"Sie haben ein Rettungsteam schon losgeschickt. Kann sich nur noch um Minuten handeln."
"Na dann bis später." Eric lachte und unterbrach die Verbindung.
Jann stöpselte sich aus, entnahm den Flugschreiber und verließ den Helikopter. Er hängte sich seine Ingram um und setzte sich in den Sand, um zu warten.
Der Rettungshubschrauber kam nach etwa zwanzig Minuten.
"Kommen sie.", rief der Sanitäter an der Tür. "Man erwartet sie schon auf der Basis."
"Ich hoffe doch in der Bar." Jann stieg in den Hubschrauber. Der Sanitäter öffnete sofort seinen Medikit und griff nach einem Sensormodul.
"Mir fehlt nichts.", sagte Jann schnell. "Nur mein Helikopter hat was abbekommen."
"Den wird das Bergungsteam nachher holen, wenn die Gegend vollständig gesichtert ist."
Jann nickte und setzte sich auf die Bank. Ihm gegenüber saß Chuck, ebenso unverletzt.
"Hi Quax.", grinste Jann. "Hab mir schon gedacht, daß sie Dich zuerst holen."
Chuck sah ihn überrascht an. "Tatsächlich?", wunderte der sich. "Du scheinst weder überrascht zu sein, daß ich hier bin noch Dir sorgen gemacht zu haben, daß mir etwas passiert sein könnte."
Jann schüttelte den Kopf. "Nicht einen Moment. Warum auch? Du klangst nicht so, als wärest Du ernsthaft in Gefahr. Als Du sagtest, daß Du runter gehst, klang das wie Urlaub. Und Eric schien auch ziemlich entspannt, und der war dabei. Ich vertraute einfach darauf, daß Du in Ordnung warst. Wahrscheinlich mußtest Du nur länger warten."
"Und ob." Seufzte Chuck. "Ich konnte von meiner Position aus die Explosionen hören und die Rauchwolken sehen. In Erster Reihe sozusagen."
Jann schüttelte den Kopf. "In Erster Reihe waren O'Haras Männer. Die haben sich alle eine Medaille verdient."
"Nach allem, was ich gehört habe, Du ja auch.", meinte Chuck, doch Jann schüttelte den Kopf. "Weil ich gegen eine Übermacht bestanden habe und die Schlacht zu unseren Gunsten entschieden habe? Ganz bestimmt nicht. Wir hätten den Rückzug antreten sollen und neue Kräfte formieren. Meine Aktionen waren eher leichtsinnig als heldenhaft. Und für eine abgeschossene Maschine gab es noch nie Belobigungen.", Jann lachte. "Wäre ich verletzt worden, dann vielleicht. Aber so..."
Chuck zuckte mit den Achseln. "Lass das den Stab entscheiden. Mich interessiert im Moment eh nur noch ein kühles Bier."
"Frag mich mal. Ich dachte, ich hätte meine gesammte Körperflüssigkeit schon mit dem Angstschweiß verloren, aber diese verdammte Wüstenhitze hat mir die letzten Säfte ausgekocht."
"Warum gerade ich?", fragte Jann verzweifelt.
Jill lächelte ihn lasziv an, mit der richtigen Art von Augenaufschlag. "Über sie sagt man, daß sie einer der besten Piloten hier sind."
Jann errötete. "Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Ich bin gerade ein halbes Jahr hier und hatte seit Kriegsbeginn schon einen Abschuß."
"Davon habe ich gehört.", antwortete die Reporterin. "Sie haben damit die Einheit von dem Ork gerettet."
"Captain O'Hara.", berichtigte Jann und funkelte die Elfe finster an. "Ja, O'Hara. Entschuldigen sie, mir fiel nur sein Name nicht ein. Ich wollte nicht unhöflich sein."
"Will ich schwer hoffen.", meinte Jann und nippte an seinem Bier. "Also, warum ich? Reden sie doch mit O'Hara, der saß in der ersten Reihe und seine Berichte sind sicher viel interessanter. Oder mit McBride. Er fliegt derzeit den Thunderbird. Die Aufgabe ist viel aufreibender als die Recon- und Unterstützungsflüge mit einem Helikopter."
"Wo wir schon dabei sind, glauben sie, ich könnte..."
Jann stellte sein Bier ab und schüttelte energisch den Kopf. "Auf keinen Fall! Denken sie nicht einmal daran. Ich werde keinen von ihnen bei einem Kampfeinsatz mitnehmen. Das ist sogar verboten. Wir könnten dabei draufgehen und das letzte, was ich brauche, ist ein sensationsgeiler Kameraman, der mir ständig über die Schulter schaut."
"Sie werden ihn kaum bemerken!", versicherte die Elfe ihm. "Er wird nur aus dem Cockpit filmen. Außerdem sind sie doch eingeloggt. Da bekommen sie eh nicht viel mit."
"Trotzdem,", meinte Jann. "Es ist zu gefährlich. Selbst wenn sie das OK von ganz oben bekommen sollten, was ich allerdings nicht glaube, müßten sie jemand anderen fragen. Ich kann gerne Aufnahmen für sie machen, das ist aber schon alles."
"Und ein Interview? Wenigstens das könnten sie mir geben.
Jann seufzte. Eigentlich hasste er das. Allerdins, berühmt zu sein und sein Interview auf KKRU ausgestrahlt zu wissen, hatte schon seinen Reiz. Was würden seine Eltern sagen, oder Suzi!
"Ich werde es mir überlegen, Ok? Vielleicht können wir morgen..."
Die Alarmsirenen schrillten auf einmal und die Reporterin erschrack so sehr, daß sie beinahe ihr Glas umstieß. Jann erging es kaum anders. Das war der erste Alarm, den er hier mitbekam. Der nervtötente Laut verstummte endlich und eine sonore Stimme sprach durch die Lautsprecher. "Achtung. Alle Piloten sofort zu ihren Posten. Dies ist keine Übung! Ich wiederhole: Alle Piloten sofort..."
Jill sah sich wie ein aufgescheuchtes Reh um und wollte Jann fragen, was los sei, aber der war schon unterwegs zum Hangar.
Sein Hubschrauber stand Startbereit vor den Hangartoren. Jann hatte seine Pilotenkluft bei einem Zwischenstop in seinem Quartier in windeseile angelegt und ein Techniker stand neben der Maschine und reichte ihm den Helm.
"Der Major persönlich ist in der Leitung und wird ihnen die Befehle übermitteln.", sagter er zu dem Piloten. "Beeilen sie sich besser." Jann nickte dankbar und hechtete in das Cockpit. Die Systeme des Hubschraubers liefen schon alle auf Standby und fuhren nun automatisch hoch, als Jann den Helm aufsetzte. Er spürte ein warmes Kribbeln im Kopf, als der Helm sich in seine Datenbuchse stöpselte und den Kontakt zu der Maschine herstellte. Ihm wurde ein wenig schwindelig, weil die Verbindung so rapide hergestellt wurde, aber das Gefühl verflog schnell.
"Hier Leutenant Reuter.", meldete sich Jann, während er die Turbinen hochfuhr. Am rande nahm er wahr, wie der Techniker irgendjemanden seinen in den Himmel gestreckten Daumen zeigte und geduckt von der Maschine fortlief.
"Erwarte Befehle."
"Wurde auch Zeit.", knurrte Eisenfaust. "Die gesicherten Stellungen an der neuen Fenceline werden angegriffen und stehen unter schwerem Beschuß. Sie fliegen mit den anderen Einheiten zu den Planquadraten J-14 und geben Luftunterstützung. Primäres Ziel ist es, die Grenzposten und Bodentruppen zu schützen und die feindlichen Einheiten zurückzuschlagen. Wenn sie gültige Ziele haben, und ich bin mir sicher, sie werden eine menge davon haben, dann warten sie vor Ort auf weitere Befehle, ansonsten feuern sie nach Belieben."
"Alles klar.", bestätigte Jann. "Ich werden den Azzies richtig einheizen."
"Zeigen sie denen, wo der Hammer hängt.", grollte Von Hassel. "Seien sie aber vorsichtig. Die Azzies sollen ein Ritualteam zu der Fenceline unterwegs haben."
Jann schauderte. Seine letzte Begegnung mit Magie steckte ihm immer noch in den Knochen. "Bekommen wir ebenfalls magische Unterstützung?"
"Positiv.", antwortete der Major. "Unsere Magier und ihre Geister sind schon auf dem Weg. Wird ein richtiges Feuerwerk. Machen sie jetzt, daß sie loskommen."
Jann schloß den Kanal und fuhr die Rotoren auf volle stärke hoch. Der Helikopter wurde in den Himmel katapultiert und nahm Kurs auf die eingespeicherten Koordinaten
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