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Von leisem Donner begleitet zogen die Gewitterwolken vor den Vollmond, und schnitten die Nacht über Seattle vom Seinem milchig weißen Licht ab und verdeckten so die schwarz gekleidete Gestalt die in Ihrem Schutz über das Dach huschte. An der Südecke des Daches angekommen kniete sich Kyle hinter die Brüstung und öffnete den Reißverschluß der schwarzen Sporttasche und begann seine Walther MA 2100 Schußbereit zu machen. Mit geübten Handgriffen setzte er die Waffe zusammen. Er mußte sich beeilen, bald würde das Gewitter hier sein, und der Schutz, den sie spendeten würde unnütz werden, wenn erst der Regen einsetzte, dann könnte er den Auftrag abschreiben. Mr. Johnson hatte ihm vier Tage Zeit gegeben das Ziel zu finden und es zu eliminieren, vier Tage für einen Top-Exec von Fuchi, waren verdammt kurz, aber Kyle war auch verdammt gut. Es hatte länger gedauert und mehr gekostet als geplant, um an die benötigten Informationen zu gelangen. Aber die 150.000 würden diesen Verlust mehr als abdecken. In diesem Moment hielt sein Ziel im Fuji-Tower gegenüber einen Vortrag und war somit die perfekte Zielscheibe, wenn die teflonbeschichteten Hohlmantelgeschosse es schafften das Panzerglas der Panoramafenster zu durchschlagen und das würden sie, wenn Fuji in den letzten 12 Stunden nicht die Scheiben ausgetauscht hatte. Er beendete den letzten Handgriff und das Zielfernrohr rastete mit leisem klicken in seine Arretierung. Jetzt mußte er den Ziellaser und das Zielfernrohr kalibrieren. Er legte das Gewehr in die Tasche und nahm das Obtec CT 500X Fernglas mit eingebautem Entfernungsmesser vor die Augen und las die Entfernung ab 787 Fuß. Fuß! Verärgert nahm er das Fernglas von den Augen Raymond, der Schieber, hatte ein englisches Fabrikat verkauft. Es funktionierte bestimmt perfekt, aber zur Hölle, Kyle war Metermaße gewöhnt. Mit gerunzelter Stirn kramte er die Umrechnung von Fuß in Meter aus seinem Gedächtnis. Etwa 240 Meter. Sorgfältig justierten seine behandschuhten Hände die Zieloptik auf die gemessene Distanz. Als letztes schraubte er das Ausgleichsprisma vor die Linse des Zielfernrohrs, welches den Brechungswinkel der Tranplast-Abweichungscheiben ausgleichen sollte. Es hatte allein zwei Tage und ein paar tausend Nuyen gekostet an den Brechungswinkel zu kommen. Mr Johnson würde sich auf die Spesenrechnung freuen, aber dafür bekam er erstklassige Arbeit - einen toten Konkurrenten.
Vorsichtig hob er die Walther an, preßte das Schockpolster der Waffe an die recht Schulter, stützte das Gewicht der Waffe auf das Zweibein und nahm sein Auge ans Okular des Zielfernrohr. Langsam brachte er den Zielpunkt des Fernrohrs auf den Hinterkopf des Ziels und legte seinen Zeigefinger an den Abzug. Sofort flammte der UV-Laser auf und zeichnete einen unsichtbaren Lichtpunkt auf die kleine Stelle, wo das Kleinhirn des Ziels bald nicht mehr sein würde. Nur er konnte den Punkte durch die Spezialoptik seines Zielfernrohrs sehen. In Zeitlupentempo krümmte Kyle den Finger um den Abzug, bis er den Druckpunkt der Waffe gefunden hatte. Bei 2,57 Gramm konnte man ihn nur erahnen und er hatte sich die Zeigefingerspitze seines Handschuhs abschneiden und seine Fingerspitze mit einem Sensibilisierungsgel einreiben müssen um ihn ertasten zu können. Wie zu einem Schatten erstarrt machte er alle Bewegungen des Ziel mit. Jetzt! Das Ziel blieb kurz stehen - sein Tot.
Kyles Finger überwand mit einem leichten zucken des Fingers den Druckpunkt, die Waffe erzitterte kurz und spie leise fauchend den Tot. Etwa 0,24 Sekunden später durchschlug die Kugel das Panzerglas und nach weiteren 0,01 Sekunden den Kopf des Ziels - er würde nie erfahren was ihn getötet hatte.
In diesem Moment fiepte der Miniempfänger in der Spitzen Ohrmuschel Kyles. Reflexartig ruckte Kyles Kopf herum, in Richtung des kleinen Monitors, der mit der Minikamera verbunden war, die er im Treppenhaus angebracht hatte. Das grobkörnige Bild des Monitors zeigte fünf Gestalten in grauen Vollrüstungen, bewaffnet mit Maschinenpistolen kamen sie aufs Dach. Fuji-Einsatzteam der Barvo-Klasse, Shit, wie kommen die so schnell hier her, woher wissen die, daß ich hier bin!
Mit der Schnelligkeit seine verbesserten Muskeln stopfte er die Walther in die Tasche, schloß sie und machte den kleinen Funkzünder an der Vorderseite der Tasche scharf. Jetzt zog er schnell sein Twin-Blade Kampfmesser und schlüpfte in die Deckung eines Schornsteines. Dort schaute er sich vorsichtig in alle Richtungen um, plötzlich ein Blitz mit gleißender Helligkeit, begleitet von grollendem Donner vom Himmel zuckte. Gleichzeitig setzte ein Wolkenbruch ein und Kyle wurde mit diesem chemischen Cocktail übergossen, den optimistische Pinkel als Regenwasser bezeichneten. Im stillen dankte er dem Mann für die Erfindung von Blitzkompensator, Dämpfer und Säurefestem Textoplast, aus dem sein schwarzer Schleichanzug bestand. Er schaute sich nochmals um, als er niemanden bemerkte Schlich er sich langsam nach links um die westliche pyramidenförmige Erhebung in Richtung des Schuppens des Fensterputzeraufzuges. Etwa vier Meter vor dem Ende der Erhebung sah er einen Schatten aus dem Korridor kommen, den Erhebung und Schuppen bildeten. Blitzschnell kniete er sich in den Schatten. Kyle fühlte sich von dem plötzlichen Adrelaninausstoß berauscht und nahm seine Umgebung mit unglaublicher Klarheit war. Das Donnern, das Blitzen, sein Pulsschlag der hämmerte als schieße jemand mit einer Vindicator aus sein Ohr, und jede seiner Bewegungen, präzise, wie eine Maschine. Die Aufregung hatte seine Andrenalinpumpe aktiviert, das war besser als jeder Kick, den er auf der Straße kaufen könnte.
Da kam er um die Ecke in grauer Sicherheitspanzerung und Stahlhelm. Er schaute zuerst nach links, ein Fehler, Flink wie ein Mungo schoß er, angetrieben durch seine verbesserten Reflexe, nach vorn. Der Kerl war allerdings auch nicht langsam, aber nicht schnell genug. Kyles linker Arm umklammerte den Kopf seines Gegners, riß ihn zurück, so daß der Hals zusehen war, und stieß die rostfreie AluTitanium Klinge hinein. Tot, aber kein Grund zur Freude, der Söldner konnte noch den Panikbutton an seinem Handgelenk drücken. Jetzt hieß nur noch weg, gegen vier Bravo-Sams gleichzeitig hatte er kaum eine Chance. In einer fließenden Bewegung steckte er das Messer weg und zu seine H&K MP5tx vom Rücken und betätigte den kleinen Sender, der den Zünder an der Sporttasche aktivieren würde. Zwei Chemikalien würden sich vermischen und ein thermisches Plasma bilden, welches die Sporttasche samt Inhalt und Teil des Daches in Schlacke verwandeln würde. Kyle hörte einen Schrei aus den Kopfhörern des toten Soldaten. Gutes Karma, einer weniger. Er rannte los. Direkt zum Treppenhaus als er an dem Windschutz der Hausmeisterbude vorbei rannte, schlugen hinter ihm Kugeln in den Plastikverschlag ein. Schnell riß er die Waffe herum und feuerte zwei Salven auf einen weiteren Soldaten, die aber einfach von seiner Panzerung geschluckt wurden. Schnell lief er um die Ecke in vermeintliche Deckung, denn dort Stand ein weiterer der Typen und feuerte zwei Halbautomatische Schüsse auf ihn ab. Gutes Karma. Seine Panzerung hielt und so trug er nur zwei Prellungen davon, als er das Feuer erwiderte. Er schoß wieder zwei Salven. Die Erste traf und schickte das Ziel zu Boden es bewegt sich noch. Die Zweite verfehlte ihr Ziel. Mit einigen langen Sätzen war er bei dem gefällten Soldaten und erledigte ihn mit einem gezielten Kopfschuß, bevor er ins Treppenhaus Sprang, um den weiteren Salven zu entgehen, die auf ihn abgefeuert wurden.
Hastig rannte er die Treppe herunter und wäre fast gestürzt, nachdem ihn eine Kugel am der rechten Schulter erwischt hatte, die seine Panzerung nicht durchschlagen hatte. Gutes Karma. Hier im vorletzten Stock wartete sein Fluchtweg. Er öffnete die Fahrstuhltüren und sprang an das Seil, daß er im Schacht befestigt hatte und wäre fast von dem Laufgriff gerutscht als eine Schmerzwelle durch seine Schulter zuckte. Er legte die 112 Meter bis zu Kellerniveau in 1,2 Sekunden zurück sprang dort aus dem Schacht und entging so dem Kugelhagel, der jetzt in den Schacht regnete. Er wurde hart zur Seite geschleudert, als ein Querschläger ihn im Rücken traf, doch auch dieser durchschlug das Kevlar der Kampfweste nicht, gutes Karma. Fast geschafft! Schnell lief er in der Tiefgarage zu einem Gullideckel öffnete ihn, sprang in die Öffnung und schloß ihn wieder. Kyle rannte die Meile, die er bis zu seinem Ausgang brachte, wo er seine Maschine in einer Seitengasse geparkt hatte. So schnell es ging zu er Motorradklamotten über seinen total versifften Schleichanzug, bestieg seine Yamaha Rapier XS und fuhr in die Redmonds, in ein Versteck. Dort verarztete er notdürftig seine Prellungen, Kratzer und Schürfwunden. Kaum war er fertig, fiel er auch schon wie ein Stein auf sein Bett und in Morpheus Arme.
Als Kyle am nächsten Tag erwachte, zeigte der kleine Radiowecker neben seinem Bett 16.13 Uhr. Ein schmerzhaftes Stöhnen unterdrückend schälte er sich aus dem Bett und machte sich humpelt und die Schulter haltend auf den Weg ins Badezimmer. Als er an dem großen Schrankspiegel vorbei kam machte er kurz halt und betrachtete sich in selbigem. Er sah schlecht aus Schulter und Wade waren ein einziger blaulila Bluterguß, sein Gesicht war durch den Adrelanin Kater eingefallen und seine Augen lagen tief in den Höhlen-er sah so aus wie er sich fühlte. Mit einem Seuftzer nahm er den Weg ins Badezimmer wieder auf. Dort angekommen wusch er sich und nahm eine ausgedehnte heiße Dusche, die er mit einem Schwall kaltem Wasser beendete. Am dem Weg in die Kochecke kam er wieder am großem Spiegel vorbei. Er sah schon um einiges besser aus und fühlte sich auch besser. In der Küche nahm er eine Tiefkühlpizza aus dem Gefrierschrank und warf sie kurz in die Mikrowelle, machte sich noch einen Tee und fühlte sich nach dem Essen noch ein Stück besser. Als er sich mit einer Salbe eingerieben, frische Verbände angelegt uns sich ausgezogen hatte, packte er die wenigen Dinge ein die er Mitnehmen würde und machte die Brandbombe scharf, die er aus einem Wandschrank geholt hatte. Sie würde die das Apartment von allen Spuren seiner Anwesenheit säubern. Er verließ die Wohnung und bestieg den silbergrauen Chrysler-Nissan Jackrabbit und fuhr in Richtung Innenstadt davon. Es war Zeit die Bezahlung abzuholen und sein Spesenkonto auszugleichen.
Als er einen Block gefahren war löste sich seine Existenz in einem Blitz auf, als eine C-12 Ladung an seinem Auto hochging. Jemand anderes hatte gerade Geld verdient.
Schlechtes Karma.

Von M. Möhle, aka wie hat's euch gefallen? Mailt mir ich kann's vertragen !!!



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