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Decker's Dream

Geschichte und Titelbild © 1997 Michael Brandt

Anmerkung des Autors: Ich bitte eventuelle Fehldarstellungen in der Welt von Shadowrun zu entschuldigen, da ich noch relativ neu bin, und noch keine Erfahrung gesammelt, sondern mir alles ausgedacht, bzw. aus einem einzigen Quellbuch "Deutschland in den Schatten" bezogen habe. Auch Schreibfehler aller Art erbitte ich zu verzeihen, da dieser Text hauptsächlich zu nachtschlafender Zeit und unter intensivem Nahrungs und Flüssigkeitsentzug geschrieben wurde. Für Kritik oder Anregungen aller Art, stehe ich jeder Zeit unter der E-Mail Adresse " " zur Verfügung.

Look out for "Carpe Noctus" © 1998 Michael Brandt




Shadowrun PART I : Deckers Dream
Version 3.2

Kapitel 1

Cragg öffnete seine Augen. Dunkelheit umgab ihn. Er blickte sich schläfrig um, und versuchte die Müdigkeit aus seinen Gliedern zu vertreiben. Als sein Blick auf die Uhrzeit fiel, fuhr er schlagartig hoch. "Verdammt, " schoß es ihm durch den Kopf, "eine ganze Stunde über dem Zeitplan." Er ärgerte sich kurz über sich selbst, dann brachte er die Autositzlehne in eine Aufrechte Position, und startete seinen umgerüsteten VW Impuls. Langsam rollte er von dem dreckigen Rastplatz auf die Autobahn zu. Sie lag wie ausgestorben da. Cragg sah sich kurz um, schwenkte ein und fuhr in die stockschwarze Nacht. Er linkte sich nicht ins ALI ein da, er selber fahren wollte. So war er schneller, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Außerdem war es um diese Uhrzeit sowieso sicherer, selbst alles im Auge zu haben. Sicherlich würde er ein paar verrückten Autobahnduellisten begegnen.
In diesem Moment verriet ihm ein blinkendes Kontrollämpchen, daß sein Turmgeschütz wieder mal einen Aussetzer hatte. "So ein Mist, heute geht mal wieder alles schief, " dachte er. Es war keine Zeit anzuhalten, und das in Ordnung zu bringen. Für die paar Stunden mußte er sich auf seine Geschwindigkeit verlassen. Cragg war nicht geriggt. Normalerweise erledigte er keine Kurieraufträge, schon gar nicht über solche Entfernungen. Aber er tat es diesmal für einen persönlichen Freund. Nick hatte Cragg einen Aktenkoffer anvertraut, und ihn gebeten diesen nach Hannover zu bringen. "Du mußt verstehen " , hatte Nick erklärt, " ich kann kein Risiko eingehen. In diesem Aktenkoffer sind verdammt heiße Namen und Listen. Es gibt viele Dreckheads die das Ding ohne Skrupel an den meistbietenden Verkaufen würden. Nachdem wir leider bei einem ähnlichen Transport die bittere Erfahrung machten, daß auch gewisse Runner dem Profit erliegen sind, kann ich diese letzte Lieferung nur noch jemanden geben, dem ich 100% vertrauen kann."
Und nun befand sich Cragg nur noch ungefähr 3 Stunden vor Hannover, mit einem Aktenkoffer, der seinen Lebensabend sichern würde. Trotzdem dachte er keine Sekunde daran, den Koffer zu verkaufen. Zur Tarnung hatte man eine zweite Person mit der Bahn und einigen unwichtigen Papierchen losgeschickt. Von Cragg ahnte niemand etwas. So rechnete er nicht damit Überfällen zu begegnen, die dem Koffer golten.
So verging dann auch ungefähr eine unwichtige Stunde, als das Funkgerät knackte :
"Banzai, The Autobahn, verpiss dich von meiner Strasse oder ich mach dich platt ! "
Cragg reagierte sofort, er fuhr weiter rechts und versuchte den anderen ausfindig zu machen.
Dieser kam von hinten, und jagte ihm erst einmal eine Salve aus seiner Gauskanone ins Heck. Ohne zu zögern bremste Cragg ab, und ließ den anderen vorbeirauschen. Bis ihm einfiel, daß sein Turmgeschütz funktionsunfähig war, und er ohne jede andere Waffe war. Dann nahm er das Funkgerät, bemühte sich um eine bedrohliche Stimme und meinte : "Mann Chummer, ich könnte dich jetzt wegblasen. Hab aber heute meinen guten Tag. Also mach das du wegkommst."
"Wir sehn uns" , war die knappe Antwort, dann gab der andere Gas und fuhr Cragg vorneweg.
Er atmete auf. Offensichtlich hatte der andere noch nicht viel Erfahrung. Dieser Moment dauerte aber auch etwa nur 30 Sekunden an, denn plötzlich sah Cragg zwei Scheinwerfer mit einem Auto daran auf sich zukommen. Der andere war vorgefahren, hatte gewendet und kam nun in bedrohlichem Tempo auf ihn zu.
"Tsukkome, ´ere we go" , rauschte es, dann ein Funkengewitter. Blitzschnell griff, Cragg nach seiner Altmayr SP, fuhr das Fenster hinunter, feuerte wahllos einige Schüsse in Richtung Gegner ab, um danach sofort den VW Impuls nach links zu lenken. Diese Aktion hatte etwa 5 Sek. gedauert, verwirrte sein Gegner aber genug, so daß dieser zu viele Fehler machte. Denn selbst wenn Cragg mit der Waffe getroffen hätte, so wären doch nur unbedeutende Schäden entstanden, da er nur einfache 30 mm Massiv geladen hatte.
Da sein Gegenüber aber wohl nicht mit Gegenwehr gerechnet hatte, erschreckten ihn die Schüsse um so mehr. Zuerst wollte er den Wagen nach rechts weglenken, als er aber auch Cragg ihn diese Richtung fahren sah, riß er das Steuer panisch nach links. Der Rest verlief geschichtlich. Der Wagen von Cragg´s Gegner, der auf der zweispurigen Autobahn sowieso schon links fuhr, schrammte halb durch die Leitplanke, donnerte an einer Autobahnbrücke den Schräghang hoch, und dreht sich mit einer Rolle um die eigene Achse auf das Dach, und landete im Straßengraben.
Cragg beobachtete dieses Schauspiel im Rückspiegel, wobei ihm viele Dinge durch den Kopf gingen. Er zögerte und rang mit sich selbst. War es sinnvoll, nachzusehen ob der Andere noch lebte? Hatte er es nicht verdient? Schließlich hat ER doch Cragg, ganz ohne Grund angegriffen. Er kam ihm vor, als würde er in einer Sekunde alle Gründe für und gegen seine Hilfe abwägen, wahrscheinlich dauerte es sogar wirklich nur eine Sekunde. Seine Augen zuckten als er schließlich, obwohl er wußte das es möglicherweise falsch und sinnlos war, abbremste, anhielt und ausstieg. Er war etwa 100 m vom Unfallort entfernt. Cragg lief im Dauerlauf zurück, die Altmayr SP im Gürtel. Der Wagen seines Gegenübers würde nur noch einen guten Alteisenpreis erzielen. Blitzschnell untersuchten seine Zeiss System 3 Cyberaugen das Gefährt. Er erkannte, daß der Fahrer noch immer in den Gurten hing, und zwischen Lenkrad und Sitz eingeklemmt war. Mit seinen Kunstmuskelpaketen und mit Hilfe eines Stück Metalls, hebelte Cragg nach etwa 3 Minuten die wenig verbogene Beifahrertür aus. Cragg öffnete die Gurte und zog den schlaffen Körper aus dem Wrack. Da der Fahrer noch am Leben war, lief Cragg zu seinem Wagen und alarmierte von dort aus den allgemeinen Notruf. Danach nahm er aus der Innentür des VW´s einen Erste Hilfe Kasten, und begab sich damit zurück zum Wrack. Der Verletzte stöhnte, und sah ihn mit wirren Blicken an. Cragg´s Gedanken kreisten. Einerseits hatte er Glück gehabt, der Typ war wirklich noch jung und unerfahren. Wäre er schon erfahrener, so hätte jetzt wohl Cragg an seiner Stelle gelegen. Andererseits tat er ihm leid, wiederum andererseits war er es ja selber schuld. Nach einer provisorischen Verartztung, sagte Cragg : "Das war's Junge, ich verschwinde. Wenn du das hier überlebst, überdenk vielleicht noch einmal deine Karriere als König der Autobahn."
Cragg nahm sein Zeug und machte sich auf den Weg. Er konnte nichts mehr machen. Außerdem würde Hilfe bald kommen. 3 Minuten später war Cragg wieder auf der Strecke und sah einen Unfallwagen an ihm vorbeifahren. "Das war's ", dachte er.

Kapitel 2
Um 7 : 30 kam Cragg in Hannover an. Es dauerte eine Weile bis er sich orientiert hatte, er war das erste Mal hier. Schließlich steuerte er den Wagen in eine Tiefgarage in der Nähe seines Treffpunkts. Beim Austeigen bemerkte Cragg nur einen Squatter, der besoffen in einer Ecke lag. Cragg steckte die Altmyr SP in seinen Gürtel, und zog sich seinen Trenchcoat über. Der Aktenkoffer war an seinem linken Handgelenk angekettet. Mit Sonnenbrille und einem absolut nichtssagendem Gesichtsausdruck verließ er die Garage und begab sich zu dem vereinbarten Treffpunkt, dem Café mit Namen "Strokonows ´ Kleine Welt" Dort nahm er einen Tisch und sah sich sorgfältig, aber unauffällig um. Der Name "Kleine Welt" paßte wie die Faust aufs Auge. Hier trafen sich Menschen und Metamenschen aller Klassen und Schichten. An einem Tisch saß ein offensichtlich sehr reicher Ork mit seinen 2 Leibwächtern und diskutierte heftig mit einem menschlichem Geschäftsmann. Woanders versuchten 2 Elfen abwechselnd einen Zwerg im Armdrücken zu besiegen. An dem Nachbartisch hatte ein Menschen Paar Platz genommen, und ganz in der Ecke schlürften ein Troll und ein Ork an ihren synthetischen Capuccinos.
Cragg konnte seinen Kontaktmann noch nicht ausmachen, also wartete er ab. Er hoffte nur das er noch nicht zu spät war. Doch seine Befürchtungen bewiesen sich als unwichtig, als ein mittel gut gekleideter Herr auf ihn zutrat und ihn in besten Hochdeutsch fragte : "Haben sie vielleicht Interesse an einer kooperativen Zusammenarbeit in der Papierbranche ?" Das war der vereinbarte Fragesatz gewesen. Cragg antwortete : "Sicherlich, aber nur wenn Nikolas mein Partner wird." Damit war alles geklärt. Cragg übergab den Koffer und der Herr raunte ihm zu: "Ihr Ebbie wird ihnen bestätigen, daß sie diesen Auftrag erfolgreich durchgeführt haben. Übrigens sollen sie sich noch mal mit Herrn Rotfels in Verbindung setzten. Auf Wiedersehen." Damit verschwand er so schnell wieder, wie er gekommen war. Cragg wartete noch einen Moment, dann bestellte er sich ein Wasser. Nach einer ganzen Weile Pause suchte er sich ein Hotel in der Stadt. Er fand einen Mittelklasse Schuppen, buchte ein Zimmer und legte sich hin. Die lange Autofahrt hatte ihn müde gemacht.
Am nächsten Morgen rief er seinen Freund Nick an. Es meldete sich eine Sekretärin und säuselte ihm zu : "Natürlich, einen kleinen Moment, ich werde sie mit Herrn Rotfels verbinden."
"Hallo alter Nachtschwärmer, " klang es freundlich von der anderen Seite der Leitung.
"Hi Nick, alles glatt verlaufen, aber das weißt du ja."
"Natürlich. Die Papiere sind bei meinen Kollegen eingetroffen. Unsern Tarnkurier hätte es allerdings beinahe erwischt. Er kam so etwa eine Stunde vor dir an. Eine Strassengang hat ihn Überfallen und gezielt den Koffer gestohlen. Er kam mit ein paar blauen Flecken davon, sie haben uns jetzt 2 Kilo Müllentsorgung erspart." Cragg lächelte, er wußte das der Plan gut war. Wenn Nick die Organisation übernahm, konnte man meistens mit Erfolg rechnen. Das war auch der Grund für den Aufstieg seiner Anfangs eher kleinen Firma, die jetzt schon locker mit den Großen mithalten konnte. Früher sind sie noch zusammen in die Schatten getaucht, bis Nick nicht mehr wollte. Obwohl er Cragg einen sehr guten Posten in seiner Firma angeboten hatte, lehnte dieser dankbar ab. Cragg wollte nicht mehr unter Leute. Sein Leben waren die Schatten, und hier würde es auch voraussichtlich enden.
"Naja jedenfalls wollt ich dich nur noch mal sehen. Die kurze Missionsbesprechung war ja kein Wiedersehen. Komm doch mal wieder für ein paar Tage bei mir vorbei."
Cragg war einverstanden. Nick war eine Ausnahme. Zu ihm konnte er immer gehen.
"Natürlich komm ich, dann kannste mal beweisen, ob du noch Reaktionen zum Auffangen von Fliegen hast, oder ob du bei einem fallenden Luftballon schon daneben greifst."
Cragg hörte Nick lachen.
"Klar komm nur, du denkst, nur weil ich jetzt ein Manager bin würde ich dich nicht packen ?
Ich stelle einen Trainingsraum oder so bereit, wirst schon sehen."
"Ok, ich bin so etwa in 2 Tagen bei dir. Alles klar ?"
"Jepp, bis dann."
"Ciao"
Nach diesem Anruf packte Cragg seine wenigen Sachen, und ging zu seinem Auto zurück.. Als er es erst jetzt einmal richtig betrachtete, fielen ihm wieder die Kugeleinschläge im Heck und in der Motorhaube ein. Tatsächlich floß ein wunderbarer Ölbach von seinem Auto auf den Boden. Außerdem brachte der Wagen nur noch 70% Leistung, und das Turmgeschütz funktionierte immer noch nicht. Als auch ein paar Schläge dagegen nichts ausrichten konnten, beschloß Cragg einen Mechaniker aufzusuchen.

Kapitel 3

Die erste Adresse bekam er von einem Zwerg, der ihn anwies zu Blosta´s Autowerkstatt zu fahren. Der würde auch Runner bedienen, fair und günstig sein. Für Cragg hörte sich das wie eine Werbevorstellung an, aber letztendlich machte es keinen Unterschied, über welchen Mechaniker er sich in dieser fremden Stadt ärgern würde. Also fuhr er zu der genannten Adresse und traf Blosta den Mechaniker, ein Zwerg, der gewisse Familienähnlichkeiten mit dem Informanten der Adresse hatte.
"Na, wo brennst denn ?" Blosta machte ein zufriedenes Gesicht. Das würde einen guten Preis geben.
"Noch nicht, " antwortete Cragg, "aber du siehst ja selbst. Den Motor hat's erwischt, außerdem funktioniert das Geschütz nicht."
Blosta wischte sich seine knolligen, schmutzigen Hände an einem Tuch ab, sah sich den Wagen an, und sagte : "2500 DM. Bar auf die Hand. Für 3000 hol ich dir auch noch die Kugeln raus und spachtel die Löcher zu, für 3500 wirst du nicht mehr einmal wissen, daß dein Baby beschädigt war."
Cragg wollte nur einen einsatzbereiten Wagen, die Schöhnheitskorrekturen würde er daheim in Brandenburg vornehmen lassen.
"Mach das Ding nur startklar, dann bekommst du 2000 DM von mir."
"2000 DM ? Willst du mich ins Armenhaus bringen ? Ich habe eine Familie zu versorgen!" war die verzweifelte Antwort des Zwerges.
"Ja, deine Familie kenne ich, die läuft hier überall herum und macht Werbung für dich. 2300 oder vergiß es," entgegnete Cragg mit seinem typischen nichtssagenden Gesicht, das schon bei so manchen Bluffs oder Verhandlungen geholfen hatte.
"Na gut, " zähneknirschend willigte der Zwerg ein und machte sich an die Arbeit. "Ich bin in so etwa 2 Stunden fertig, du kannst entweder so lange hier warten, oder du kommst später wieder."
Cragg zog es vor, die Zeit in der Stadt zu verbringen. Sonst mußte er sich vielleicht noch die Lebensgeschichte von Blostas Autowerkstatt oder sonst was ähnliches anhören.
"Ich bin in 2 Stunden wieder da," bemerkte er und verschwand. Ziellos streifte er durch Hannover, daß morgens wohl nicht viel Aktion bot. Er trollte durch einige Geschäfte, betrachtet die ersten Prostituierten des Tages, und entging nur knapp einer Schlägerei, die losbrach, weil irgendwer behauptete, die Getränke einer Bar in der Nähe wären mies, und woanders viel besser. Das eine solche Behauptung zur Schlägerei führte, zeigte Cragg,, daß er sich nicht gerade in der besten Gegend von Hannover befand, hier nahm man wohl jede Aussage, sei sie noch so unbedeutend, als Grund für eine Keilerei auf. Plötzlich bemerkte er in auf der anderen Straßenseite einen kleinen Menschen mit blitzenden Augen und vorgeschobenen Kinn, der sich dadurch hervorhob, daß er ihn sekundenlang anstarrte.
Dann hielt der Mann kurz inne, schwang sich dann aber an ein paar Gestalten vorbei, und verschwand in der nächsten Querstraße. Cragg warf noch kurz ein paar ausgepowerte Gestalten wieder zurück ins Schlachtgetümmel und verließ dann die Straßenecke, in der es zunehmend ungemütlicher wurde. Er wollte sich zurück in die Werkstatt begeben, als auf halben Weg jemand an seinem Trenchcoat zupfte. Blitzschnell drehte sich Cragg um und hob den verdutzten Mann am Kragen hoch. Es war die Ratte von vorhin. Ja, Ratte war der richtige Ausdruck für ihn. Er war klein, hatte eine lange Nase, ein vorgeschobenes Kinn und schiefe Zähne. Sein kleiner Oberkörper paßte nicht zu seinen übermäßig langen Armen. Die winzigen Punktaugen fixierten Cragg sekundenlang, als er schließlich sagte : "Habe ich die Ehre mit Cragg, dem Straßensamurai aus Brandenburg, vor kurzem tätig bei Intachat Klon Industries.?"
Cragg ließ den Mann fallen. Tatsächlich hatte er vor etwa einem Monat bei dieser Firma einen Run erledigt. Sofort stieg sein Adrynalinspiegel, uns ein Körper machte sich auf alles gefaßt.
"Könnte sein, Chummer," entgegnete er äußerlich kühl, "gibt es irgendwelche Probleme?"
"Nein, ganz und gar nicht." Die Ratte hatte sich wider aufgerichtet und klopfte sich die Kleidung sauber. "Im Gegenteil. Die Firma war so sehr mit ihrem Run zufrieden, daß sie sie weiterempfohlen hat. Wenn sie möchten besorge ich ihnen einen Job, für den sie gut bezahlt werden." Cragg zögerte. Es war ungewöhnlich das Herr Schmidt auf jemanden zukam. Normalerweise verlief es umgekehrt. Sollte er so gut sein ?
"Um was geht es ?" fragte er.
"Oh, ich habe nichts mehr damit zu tun. Ich sah sie nur und dachte, das ist ein Typ, wie wir ihn am Suchen sind, ehrlich gesagt, sind in diesem Moment einige Leute auf der Suche nach ihnen. Also informierte ich meine Vorgesetzen. Sie werden ihren Kontaktman an dieser Adresse erreichen. Mit diesen Worten überreichte er Cragg einen kleine schmutzigen Zettel, auf dem eine Adresse gekritzelt war.
"Wenn, sie Interesse haben, dann begeben sie sich bitte heute noch dorthin. Ansonsten haben wir sie nie getroffen." Mit diesen Worten drehte er sich um, und rannte in eine Seitengasse davon. Cragg betrachtete den Zettel. Es war die Adresse eines Cyberladens im Hauptbahnhof, mit dem Vermerk, an der Theke nach Dietmar zu verlangen.

Kapitel 4

Cragg dachte nach. 2 Runs in einem Monat waren für ihn die Ausnahme. Es reizte ihn jedoch, herauszufinden, was es mit der Empfehlung auf sich hatte. Gleichzeitig bedachte er das dies auch eine Falle sein konnte. Aber warum ? Den Aktenkoffer war er schon los, das mußte auch die Konkurrenz schon mitbekommen haben. Und sonst kannte er niemanden in Hannover. Also beschloß er der Adresse nach zu gehen, vorher wollte er jedoch noch seinen Wagen abholen. Als er in der Werkstatt des Mechanikers ankam, wurde er angenehm überrascht, der Zwerg hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Gerade schloß er die Motorhaube und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
"Das war wirklich ein Stück Arbeit. Die Ölpumpe war hin, ich hab sie ausgetauscht. Mit dem Ding wärst du höchstens noch 2 Stunden gefahren, dann wäre Sense gewesen. Und das Geschütz ! Wie hast du es geschafft diese Metallsplitter in die Drehscheibe zu bekommen. Außerdem waren welchen in der Automatischen Schussvorrichtung. Hab aber soweit alles wieder hingebogen. Macht übrigens 300 DM extra für die Ersatzteile."
Mit diesen Worten warf er eine stark beschädigte Ölpumpe und eine Hand voll nagelgroßer Metallsplitter in eine alte Tonne.
Cragg setzte sich in den Wagen und startete ihn. Der VW Impuls schnurrte sanft wie eine Katze, und auch das Geschütz erwies sich wieder als voll funktionsfähig.
"Na gut. Nimm 2500 Mark und laß uns als Freunde scheiden."
"Aber was... , " der Zwerg blickte zuerst verärgert, dann aber entspannten sich seine Gesichtszüge. Er konnte ein Grinsen nicht verbergen, und sagte : "Mann Chummer, du bist eine Feilscher! Aber was soll's, Blosta Autoservice ist seinen Kunden verpflichtet. Also in Ordnung."
Cragg nahm aus einem Geheimfach im Auto eine dicke Mappe. Er öffnete sie, nahm 2 Scheine und 5 Plastikmünzen herraus. Es war sein Notvorrat, mit dem er auf der Straße zu zahlen pflegte.
Er reichte die 2500 DM Blosta, und packte den Rest, etwa noch 500 Mark wieder zurück. Dieser pfiff durch die Zähne.
"Junge, laß bloß keinen Wissen, daß du soviel Geld bei dir hast. Du könntest sonst deine Überreste in einer Mülltonne wiederfinden, während eine Gang einen auf deine Kosten draufmacht."
Cragg antwortete nicht, er war nicht so blöd, irgendwem sein Geld vor die Nase zu halten. So nahm er dann in seinem Wagen Platz, verabschiedete sich kurz und fuhr rückwärts aus der Werkstatt. Unterwegs ärgerte er sich kurz über ein paar durchgedrehte Cyberpunks, die ihm beinahe in´s Auto gelaufen werden. Nach einer knappen halben Stunde, erreichte er den Hauptbahnhof. Cragg parkte das Auto und stieg aus. Der Bahnhof war belebt von vielen Menschen die vom Transrapid oder der Bahn kamen, oder sie benutzen wollten. Nachdem er sich kurz umgesehen hatte, schritt er in die Bahnhofsvorhalle, und fand auch sofort "Tocnotronic Cyberimplantate", den Laden in dem er seinen Kontaktman treffen sollte. Er betrat ihn. Der Laden war gut ausgerüstet. Hier bekam man keinen Schund, aber auch keine Extraklasse. Es war gute Ware, für vernünftige Preise. Gerade verkaufte der Besitzer, ein kleiner schmaler Mann, einem reisenden Geschäftsmann eine Feedbacksicherung. Als Cragg an die Ladentheke trat, sah der Mann ihn mit glasigen Augen an.
"Ich möchte bitte Dietmar sprechen, " sagte Cragg. Der Mann hob die Augenbrauen, drehte sich um, und zog einen Vorhang beiseite, der einen Durchgang verdeckte.
"Bitte treten sie ein. Dietmar erwartet sie bereits."
Cragg trat hindurch, die Altmayr SP schußbereit und locker im Gürtel. Hinter ihm viel der Vorhang wieder vor, und der Gang war nur spärlich beleuchtet. Wiederum machte er sich auf alles gefaßt, und ging noch einmal die letzten Möglichkeiten durch, was dieses Treffen für einen tieferen Hintergrund haben könnte. Er war im Moment wirklich nicht auf Ärger aus. Etwa 3 m am Ende befand sich eine Stahltür, an die Cragg anklopfte. Ein Sichtschlitz öffnete sich, und zwei äußerst häßliche Trollaugen sahen ihn an. Kurz darauf öffnete sich die Tür, und machte die Sicht auf eine verqualmtes Büro frei. Es gab keine Fenster, und auf Sauberkeit wurde auch nicht allzu viel geachtet, sehr wahrscheinlich war es nur ein Übergangsbüro. Hinter einem Schreibtisch saß ein Mann mit dem Rücken zu ihm. Der Troll hielt die Tür auf. Cragg trat ein. Der Schreibtischstuhl quietschte, als sich der Mann langsam damit drehte. Man sah ihm den Kontaktmann zu Herrn Schmidt an. Das war nicht unbedingt immer von Vorteil, und Cragg fragte sich langsam, ob sich dieser Auftrag wirklich so profiehaft wie seine beiden letzten Gestalten könnte.
Dietmar grinste Cragg an, und der Troll nahm in einer Ecke Platz, um sich etwas aus seinen Zähnen zu puhlen. Wahrscheinlich ein halbes Schwein.
Dietmar begann langsam und betont zu sprechen.
"Nun, sie fragen sich sicher was dies alles bedeutet, woher wie sie kennen und warum wir SIE geholt haben." Cragg blieb stumm.
"Ich werde es ihnen erklären." Dietmar drückte eine dicke Zigarre in einem Aschenbecher aus.
"Vor etwa einem Monat entwickelten die Ingenieure der Firma, die ich vertrete, ein Gerät, das zwischen Datenbuchse und dem Deck angeschlossen wird. Um es kurz zu sagen, dieses Ding sollte einem jeden Decker ermöglichen, sich VÖLLIG gefahrenfrei in der Matrix zu bewegen. Alle tödlichen Überlastungen für das Gehirn, und sonstige Todesmöglichkeiten aus der Matrix würden herausgefilter und neutralisiert. Jegliche Nebenwirkungen würden wegfallen. Sie können sich vorstellen, was eine solche Entwicklung für unsere Welt bedeuten würde. Leider verliefen die weiteren Forschungen im Sand. Letztendlich war es nicht möglich dieses Gerät, das wir mit dem Projektnamen "DECKERS DREAM" bedacht hatten, funktionsfähig zu machen. Dann trat plötzlich der Megakon Intachat Klon Industries an uns heran. Trotz strengster Geheimhaltungen, hatten sie von unserem Projekt Wind bekommen, und boten uns ihre Mithilfe an. Sie wollten das Gerät direkt ins Gehirn implantieren und hatten weiteres Wissen und gute Ideen, die uns sehr Geholfen hätten. Ihre Fähigkeiten im Bionik - Bereich und unser technisches Können, hätten zu einem Ergebnis führen können. Kurz vor Vollendung des Geräts, brach jedoch jemand in unseren Hochsicherheitstrakt ein und stahl den Prototyp und die wichtigsten Pläne."
Cragg schluckte. Auf einmal wurde ihm vieles klar. Niemand anders als er war es nämlich, der das Zeug gestohlen hatte. Intachat Klon Industrie bot ihm damals 15 000 Y und den VW Impuls für seine Mühen. Cragg machte sich bereit, die Altmayr SP zu ziehen, und von hier schnellsten zu verdampfen. Aber es kam anders.
"Wir wissen sehr wohl, " fuhr Dietmar fort, "daß SIE damals bei uns eingebrochen sind, und unser Projekt für Intachat Klon Industries gestohlen haben. Wir wollen ihnen das im Moment nicht einmal übelnehmen. Für sie war das sicherlich nur ein Auftrag unter vielen. Unsere Firma plante eigentlich genau das gleiche mit Intachat Klon Industries, nur wollten wir warten bis das Projekt komplett fertiggestellt war. Sie waren einfach schneller. Sei's drum, Intachat Klon Industries hatte nicht lange Freude daran. Ein Wissenschaftler, genau genommen einer der beiden Projektleiter, entschied sich, mmh, nennen wir es zu kündigen. Er schnappte sich das Gerät, vernichtete alle Pläne, legte ein paar Kollegen um, und machte sich aus dem Staub. Danach bot er "DECKERS DREAM" einer Firma an, von der wer nicht Wissen wer sie ist. Nun haben wir folgende Situation : Von dem Gerät wissen 3 Firmen, Intachat Klon Industries, die Unbekannte und wir. Natürlich hat der Wissenschaftler schon einen Vorschuß von der Firma X. Davon mietete er sich ein Dutzend Leibwächter und, zog sich in ein Landhaus von unbekannter Lage zurück. Ihr Auftrag, sollten sie ihn annehmen, lautet : Finden sie den Prototypen unseres Datenfilters, bringen sie ihn und eventuelle Pläne zu uns, zerstören sie alle Kopien und das Labor, bringen sie Steven Baekland zu uns, wenn es Probleme gibt, eliminieren sie ihn. Sie müssen damit rechnen, daß die beiden Konkurrenten ebenfalls Agenten auf Stevens angesetzt haben. Nicht zu vergessen, die Leibwächter, und ungeschützt wird er auch nicht wohnen. Also, da der Auftrag etwas umfangreicher und komplizierter ist, zahlen wir ihnen die Summe von 50 000 Y. Außerdem erhalten sie von uns einen der ersten Datenfilter, wenn wir ihn haben. Sollten sie einen Teil des Auftrages nicht erfüllen können, ziehen wir ihnen jeweils 10 000 Y ab. Stirbt Baekland, ziehen wir ihnen nur 5000 Y ab."
Lange dauerte die Stille. Dann atmete Cragg tief durch. Es war jetzt für ihn wichtig, seine Position und seine Forderungen, zusammen mit einem möglichst großem Vorteil für ihn klarzulegen.
"Warum ich ? Haben sie keine eigenen Agenten die das erledigen könnten ?"
"Sicher, " war die Antwort " wir könnten natürlich unsere eigenen Agenten nehmen. Aber sie sind eine Überraschung für unsere Gegner, und wir kennen Sie schon. Allein daß Sie bei uns Eindringen konnten, zeugt von ihren Fähigkeiten. Daß sie dann noch lebend mit dem Gerät und den Daten herauskamen, bewies daß sie gut sind. Außerdem wissen wir, daß sie 100% loyal sind, und den Auftrag NUR für den Auftraggeber erledigen. Als weiteres kennen sie das Gerät etwas, und sind Baekland sicherlich schon begegnet, als er noch bei Intachat Klon Industries gearbeitet hat. Nun, nehmen sie an oder nicht ?"
Wirklich war es Baekland, der Cragg damals auf sein Ziel eingewiesen hat. Er erklärte damals Cragg was er zu stehlen hätte, wie es aussah und wie er es zu behandeln hatte.
"Ok, ich bin dabei. Aber ich habe eine Bedingung. Ich will mir einen Partner wählen, der den gleichen Anteil bekommt."
Dietmar glitt in den Bürosessel zurück.
"Hmm... Ich werde kurz Herrn Schmidt anrufen, daß übersteigt meine Befugnisse."
Cragg wartete, bis Dietmar über Vidphone alles geklärt hatte. Dabei konnte er Herrn Schmidt nur hören. Es war eine der Stimmen, bei der es keinen Widerspruch gab. Da steckte eine eiskalte Persönlichkeit, mit sicherlich nicht guten Motiven dahinter. Zwar nahm Cragg lieber Aufträge an, die er moralisch vertreten konnte, aber in Notzeiten oder für hohe Summen war er durchaus bereit, auch etwas skrupelloses anzunehmen.
"Sie sollen ihren Partner bekommen, " berichtete Dietmar "ab sofort läuft ihr Auftrag. Sollten sie versagen, so werden sie unseren Lohn dafür bekommen Am besten fangen sie bei Stevens ehemaliger Freundin an. Sie arbeitet bei uns. Victoria Klahr ist eine unserer Forscherinnen und arbeitete viel mit Baekland zusammen. Wir konnten noch nichts aus ihr herausbekommen. Sie sollten sie aufsuchen, hier ist die Adresse." Mit diesen Worten reichte Dietmar Cragg ein Chip. Drauf sind auch noch andere Informationen, die sie eventuell brauchen werden.
Nun, schön daß wir uns einig sind. Sollten sie erfolgreich sein, melden sie sich bei uns. Auf Wiedersehen."
Dietmar stand auf und reichte Cragg die Hand. Er schüttelte sie kurz und wandte sich dann dem Ausgang zu. Der Troll grunzte, als Cragg an ihm vorbeiging. Schnell begab er sich zu seinem Auto. Er hatte keine Zeit zu verlieren, denn er hatte nur einen kleinen Vorsprung. Vorher mußte er sich jedoch noch seinen Partner organisieren. Nick würde Augen machen.

Kapitel 5
Schnell würgte Cragg sein Essen hinunter. Nach der kurzen Pause an der Imbißbude wollte er sofort weiterfahren. Zeit war im Moment zu knapp, um verschwendet zu werden. So hielt er sich dann auch nicht ganz genau an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nach einer langweiligen Autofahrt erreichte er in den Morgenstunden des nächsten Tages Brandenburg. Cragg steuerte sofort Nicks Haus an. Es lag in einem Vorort, der gehobener Klasse entsprach. Die Begrüßung fiel recht herzlich aus.
"Nick hör mir zu, " Cragg setzte sich und Nick lehnte sich an die Wand, "ich brauch dich. Gestern habe ich einen Auftrag angenommen, der mir einiges einbringen wird. Für dich könnte das gleiche herausspringen, obwohl du es eigentlich nicht nötig hast. Aber ich kenne dich. Das hier ist kein Leben für dich. Siehst du, wie versnobst ? Ein erfolgreicher Run würde dir guttun."
Nick runzelte die Stirn, und nippte an einem Glas echten Kognaks, eine Rarität.
"Wir waren früher mal ein gutes Team, stimmt's?" fragte Nick, während er sich einem künstlichen Fenster zuwandte, das gerade Motive aus einem japanischen Garten illusionierte.
"Das ist wahr." lautete Craggs Antwort, "und wir könnten es wieder sein." In diesem Moment fielen seine Erinnerungen um Jahre zurück, an all die Male, wo sie sich aufeinander verlassen, und auch mal das Leben gerettet haben. Nick war ein guter Decker gewesen, nicht der Beste, aber für ihre Bedürfnisse hatte es immer ausgereicht. Bis sie schließlich soviel Geld zusammengetragen hatten, daß Nick sich seinen Traum wahr machen konnte, und seinen eigene Firma gründete, mit der er so erfolgreich wurde. Er fand engagierte Leute, alles Ex-Runner, die es von nun an vorzogen, eine ruhige Kugel zu schieben, und nach Aufträgen Matrixprogramme zu entwickeln.
"Ja, du hast ja Recht Ich hab ja auch gar nicht widersprochen. Manchmal frage ich mich, was ich überhaupt noch tue, ich würde wirklich gern mit dir kommen."
"Gut dann sollten wir keine Zeit verlieren. Ich hab hier einen Chip, auf dem sind noch Daten gespeichert, wir sollten ihn uns ansehen. Außerdem erkläre ich dir jetzt erst mal, worum es geht." Mit diesen Worten zog Nick den Chip aus der Innentasche und legte ihn in den Datenleser ein.
Nach Begutachtung der Chips und einer ausgiebigen Besprechung, planten sie ihr weiteres Vorgehen.
"Also, Baeklands Freundin wohnt in Hannover. Wir sollten unsere Ausrüstung zusammenpacken und sofort losfahren. Bist du immer noch verdrahtet ?"
Nick lächelte hämisch.
"Logo, habe mich irgendwie niemals vom dem Zeug trennen können." Mit diesen Worten fuhr er seine Nagelmesser aus und zerschnitt einen Briefumschlag.
"OK, dann laß uns anfangen." Nick ging zusammen mit Cragg in den Keller. Hier öffnete er einen alten Metallspind und nahm ein H&K G9A4z Sturmgewehr, 5,56mm Munition, eine H&K Cavekeat etwas Munition dafür, und eine verschlossene Box heraus. Außerdem packte er noch ein 2 Schocker zur Betäubung, ein Medipack, ein CCD - Glas und ein Allzweck - Zählrohr sowie Einsatzkleidung und ein Deck ein. Cragg legte sein Überlebensmesser und seine Altmayr SP dabei und nahm ein Allzweckwerkzeug sowie eine Brechstange und eine Drahtzange aus der Ecke.
"Dazu kommt noch das Zeug, das ich von Dietmar erhalten habe."
"Meinst du, wir werden das alles brauchen? " fragte Nick.
"Vielleicht, vielleicht nicht. Wär aber besser wenn wir das Zeug da ist. Notfalls können wir ja was im Wagen lassen. Was ist eigentlich in der Box?"
Nicks Augen leuchteten.
"Das, " damit öffnete er die Kiste "ist die ultimative Waffe für Heimlichkeit."
Cragg staunte.
"Eine H&K MP7z "Urban Combat". So ka, wo hast du die her? "
"Tja, hat eben auch seine Vorteile, wenn man einflußreich ist. Ich hab sie schon am Schießstand getestet. Extraklasse, und wirklich unaufspürbar für jeden Waffendetektor. Leider hab ich nur eine."
"Macht nichts. Geht auch so. Laß uns fahren."
Sie packten die Ausrüstung in 2 Taschen und gingen zum Wagen.
"Fahr du, " bittete Cragg, "ich möchte noch ein wenig schlafen.
"In Ordnung" meinte Nick als er Einstieg.
Kurze Zeit später waren sie wieder unterwegs, und Cragg schlief im Beifahrersitz. Auf einmal merkte Nick es wieder. Das abgefahrene Gefühl in seinem ganzen Körper kurz vor einem Run.

Kapitel 6

Schnell fanden die beiden Freunde die Wohnung von Victoria Klahr. Da niemand zu Hause war warteten sie vor dem Haus etwa eine halbe Stunde lang. Dann kam eine Frau die Straße entlang, vollbeladen mit zwei Einkaufstüten. Kurz vor dem Haus jedoch sprangen aus einer Ecke 3 Gangmitglieder und hielten die Frau an.
"Na Lady, wo soll´sn hingehen? Haben sie auch Passiergebühren bezahlt?"
Die Frau blickte hilfesuchend um, und atmete froh auf, als sie Cragg und Nick auf sie zukommen sah.
"Gibt es irgendein Problem meine Dame?" fragte Nick höflich.
"Hau ab Alter, das hier geht dich nix an." Die beiden anderen Jugendlichen zogen Messer und begannen damit rumzufuchteln.
Ohne zu zögern rammte Nick dem Nebenstehenden den Ellenbogen in den Bauch, und zog die Faust mit dem Handrücken ins Gesicht. Cragg packte von dem anderen das Handgelenk mit dem Messer, drehte es um und schleuderte es mit dem Jugendlichen in ein paar alte Kisten und Kartons. Der Anführer wollte auf Cragg losgehen, wurde aber von Nick daran gehindert, indem er ihm die Beine wegtrat. Dann packte er den am Boden liegenden am Kragen, zog ihn hoch und sagte mit einem Bedrohlichen Blick : "Warum lernt ihr es nie?." Dann beförderte er ihn mit einem Tritt in einige Mülleimer. Die drei zogen es vor, sich zurückzuziehen, und die Frau bedankte sich.Sie war etwa mitte dreißig und gut Gekleidet. Irgendwie paßte ihr ganzes Auftreten nicht in diese Gegend.
"Nun meine Herren, ich danke ihnen. Diese Jugendlichen haben einfach keine Perspektiven mehr."
"Vielleicht können sie uns helfen. Sind sie Frau Klahr ?"
Der Blick der Frau verfinsterte sich, sie trat einen Schritt zurück und sagte : "Ja, aber ich kann ihnen nichts sagen, egal von wem sie kommen. Ich weiß nicht wo Steve sich aufhält. Gehen sie jetzt bitte."
Cragg trat vor die Frau und sah sie eindringlich an.
"Hören sie zu, ihr Freund braucht unsere Hilfe. Und sie auch. Es sind Agenten auf ihn angesetzt worden, und wenn die haben was sie brauchen, wird Steve sterben. Wir werden ihn nur zurückbringen. Hören sie, er hat Menschen umgebracht, selbst wenn er entkommt, wird er wegen Mordes gesucht werden."
Victoria schluckte mehrmals und sagte dann : "Er hat mich ein paar mal angerufen. Er sagte er wollte das große Geld machen und dann mit mir ein neues Leben anfangen. Ich weiß nicht was mit ihm geschehen ist. Er war doch nie zu Gewalt fähig. Bitten, sie müssen ihm helfen. Versprechen sie es, dann sage ich ihnen wo er sich aufhält."
"Wir werden ihn lebend abliefern, ohne daß ihm von unserer Seite etwas geschieht," bestätigte Nick " Sie können sich auf uns verlassen. Wo ist er ?"
"Er hat ein Landhaus, bei ... . Warten sie, ich schreib ihnen die genaue Adresse auf."
"Gut, danke. Sie sollten sich bei ihrer Firma melden und um Schutz bitten. Sicherlich werden andere Agenten auch nach Steven fragen. Es war doch noch niemand vor uns da, oder?"
"Nein, aber einige Zeit hatte ich das Gefühl, daß ich beobachtet werde, vielleicht war das jemand."
"Auf jedenfall sollten sie schnell ihren Wohnsitz wechseln," warf Cragg ein "sagen sie Dietmar Bescheid. Er wird ihnen helfen."
"Ja, das werde ich tun. Danke."
"Auf Wiedersehen Frau Klahr," meinte Nick und ging mit Cragg zum VW Impuls.
"So, das hätten wir. Hat sich angehört als ob sie es ehrlich meint." Nick öffnete die Tür und stieg ein.
"Ja, denke ich auch." sagte Cragg. "Schätze das wir in etwa 2 Stunden da sind. Gehen wir lieber los, bevor die Jungs eben Verstärkung ."
Gegen Abend trafen sie in ... ein. Auf den fauligen Überresten einer Wiese, etwa 100 m vor dem Haus hielten die beiden an, und stiegen aus.
"Sieht ruhig aus." meinte Nick.
"Naja, wir werden sehen."
Cragg stieg aus, und ging an den Kofferraum. Er packte die Ausrüstung aus und begann sie sich anzulegen. Nick folgte stumm. Obwohl er es sich hätte leisten können, besaß Nick die schlechtere Cyberware Ausrüstung. Das lag vor allem daran, daß Nick nach dem kometenhaften Aufstieg seiner Firma meinte, niemals mehr einen Auftrag anzunehmen. Lediglich seine Datenbuchse war auf dem neuesten Stand der Technologie, was ihn als aktiven Konzerninhaber kennzeichnete, der sich nicht dafür zu fein war, ab und an sich selber noch mal einzustöpseln.
Nachdem sie beide ihre schwarze Einsatzkleidung mit dem Gürtel, Rucksack und festen Stiefeln angelegt hatten, bewaffneten sie sich. Cragg steckte seine altbewährte Altmyr SP in die rechte Halterung des Gürtels und band sich sein Überlebensmesser ans Bein. Die Waffe war jetzt mit einem Munimix aus 30mm Schrot und 30mm Explosiv geladen. Seinen Schocker trug er links, das Allzweckzählrohr in der Mitte des Gürtels. Nick hatte sich das CCD - Fernglas umgehängt, aber so, daß es nicht rumbaumelte und störte, seine H&K "Urban Combat" hielt er in der Hand, das Deck war über seinem Rücken in einem kugelsicheren Mantel eingehüllt. Die H&K Caveat trug er im Gürtel, jedoch hinten am Rücken. Der Schocker befand sich wie bei Cragg Griffbereit links im Gürtel. Wenn es funktionierte, wollten beide ohne Aufsehen rein und wieder raus. Die H&K G9A4z blieb schußbereit im Auto, man würde sie eventuell für den Rückzug brauchen. Auch das Medipack mußte zurückbleiben.
Sie legten die Arme nebeneinander, und verglichen die Uhren.
"Check in 4, 3, 2, 1, jetzt. Gute Jagd!"
"Gute Jagd!"




Kapitel 7

Das einzige, was sie über das Landhaus wußten, waren die Informationen die Victoria ihnen gegeben hatte. So sehr die beiden auch geforscht hatten, es waren einfach keine Baupläne, Wachverträge oder sonstiges für das Haus zu finden. Es scheinte öffentlich gar nicht zu existieren. Das beunruhigte sie ein wenig, denn es war immer gefährlich in ein unbekanntes Haus einzusteigen. Sie wußten lediglich, daß sich im Keller ein Labor befand, in dem Baekland wahrscheinlich alles aufbewahrte. Sie wußten auch von etwa 5 Wachleuten und 2 persönlichen Leibwächtern. Außerdem hatten sie von Victoria erfahren , daß das Haus mit Kameras, Stacheldraht und Patrouillen gesichert war. Nur im Haus selber sollten sich seltsamerweise keine Alarmvorrichtungen befinden. Also mußten sie nur erst mal reinkommen.
Cragg schlich sich auf etwa 50 m rann, und suchte das Gelände ab.
Danach kehrte er zu Nick zurück.
"Hör zu, auf der linken Seite des Hauses, fällt ein Hang etwa 100 Meter ab. Ein Abflußrohr kommt von dort aus dem Berg. Es ist allerdings mit einem schweren Gitter gesichert, da müssen wir uns was überlegen."
"Nun gut, sehen wir uns das mal näher an, "antwortete Nick.
"Klarer Fall - Chemiedreck, wahrscheinlich aus Baeklands Labor," meinte er als sie beide auf die allerdings recht wenig Dreckbrühe starrten, die aus dem mit etwa 1m Durchmesser viel zu großem Rohr kam." Da stimmt was nicht, nur ein so kleiner Rinnsal und ein so großes Rohr ?" Und woher kommt dieser Dreck, wenn er doch nur dieses mechanische Gerät baut?
"Weis auch nicht, wahrscheinlich wird irgendwo da drinn das Zeug angesammelt, und dann auf einmal entleert, im Moment sind die Schleusen bestimmt geschlossen."
"Hmm, dann muß nur noch das Gitter weg."
Zwar war das Gitter an einigen Stellen stark eingerostet, doch es war immer noch gut befestigt.
"Es muß eine Speziallegierung sein, um dem Chemiedreck standzuhalten, dem es ständig ausgesetzt ist." meinte Nick. "da hilft nichts, du mußt den Schneidbrenner holen. Ich warte hier so lange."
"Uns fehlt definitiv ein Magier im Team. Dann könnten wir solche Probleme schneller und einfacher lösen." Mit diesen Worten machte sich Cragg auf den Weg ans Auto, und kam nach 10 Min. wieder.
"Los, mach schon, wir sind 5 Minuten hinter dem Zeitplan."
"Immer mit der Ruhe, es ist erst 00:47 Uhr. Wir kommen noch zum Frühstück heim." beruhigte Cragg. Er setzte den Schneidbrenner an und sie starrten beide wortlos auf die hellblau leuchtende Flamme, die sich zischend Millimeter für Millimeter in den Stahl brannte.
Nach etwa 6 Minuten war der letzte Stab durchgetrennt und der Weg frei. Sie entfernten das Gitter, wobei sie immer darauf bedacht waren, möglichst wenig Lärm zu veranstalten.
Mit einem mulmigen Gefühl starrte Cragg in das Dunkel des Tunnels. Die Wände und die Decke waren verdreckt, was darauf schließen ließ, das bei Flutung der ganze Tunnel komplett unter Wasser stand. Cragg zog seinen Kopf zurück und sah Nick an.
"Ladies first."
"Sehr witzig, aber Alter vor Schönheit."
Schnell glichen Craggs Cyberaugen die fehlende Lichtintensität aus, und sie krochen schweigend durch den Tunnel. Er war alt, aus Ziegelsteinen gemauert. Es fiel ihm auf, das es keinerlei Moose oder Algen oder etwas dergleichen gab. Was hier durchfloß mußte scharfes Zeug sein. Plötzlich fiel Cragg ein, daß es eventuell ganz enorme Probleme geben würde, Baekland hier heraus zu bringen, denn in dem engen Tunnel hatte man keine Kontrolle über einen Gefangenen. Wenn er sich weigerte mußten sie ihn liquidieren.
Dieser Gedanke stieß Cragg übel auf, er war nicht der Typ der auf einen Wehrlosen schießen konnte, ohne daß dieser ihm etwas angetan hatte. Nick schien weniger Probleme zu haben. Außer seinem leisen Fluchen über seine saubere Villa in der er jetzt sein könnte, und dem dreckigen Abflußrohr indem er sich befand, war nichts von ihm zu hören. So krochen sie weiter und erreichten das Ende. Ein dickes Schleusentor verhinderte das Weiterkommen, aber eine Service Leiter führte an der linken Wand in die Höhe. Oben konnte man an der Luke den schwachen Schein einer Lampe sehen. Cragg stieg zuerst hinauf, Nick folgte. Als sie die Luke erreichten, sah Cragg das sich ein Eisenschloß zur Sicherung daran befand. Cragg zog sein Überlebensmesser und versuchte das Schloß aus dem morschen Holz zu hebeln. Nach einer Minute war dies geschafft, jedoch nicht ohne einigen Lärm. Sie blieben noch einige Zeit in der Röhre, um sicherzugehen, daß sie niemand bemerkte. Danach kletterten sie heraus. Sie befanden sich in einem geschlossenn Raum ohne Licht. In einer Tür die herausführte, war ein Sichtfenster eingelassen, durch das ein dünner Lichtstrahl auf den Boden fiel. An den Wänden und in der Mitte des Raumes standen Regale mit Elektronischen und Cybernetischen Teilen. Wahrscheinlich war dies Baeklands Ersatzteilekammer. Nick huschte geduckt ans Fenster und späte Vorsichtig auf den Flur.
"Sieht ruhig aus ,"meinte er.
Cragg folgte und sah ebenfalls hinaus.
"Ich links, du rechts?" fragte er.
"So ka, los gehts".
Nick öffnete die Tür und betrat den Flur, den Blick nach rechts gerichtet mit gehobener Waffe.
Cragg tat das gleiche, nur er schaute nach links.
"Ok, sicher." meinte Nick
"Ja." antworte Cragg.
Der Flur war von hellem künstlichem Neonlicht erleuchtet. Der Boden war wie in dem anderen Raum gekachelt und in weiß gehalten. An den Wänden befanden sich keine Fenster, woraus man schließen konnte, daß sie sich immer noch unter der Erde befanden. An der rechten Seite befand sich eine Sicherheitstür, die zu einem Fahrstuhl führte. Am linken Ende befand sich eine Schwingtür, in der ebenfalls Fenster eingelassen waren.
Cragg sah Nick wieder an.
"Ich glaube, wir sind im Laborkomplex, las uns in Labor gehen."
"Sicher, ich geb nach hinten Deckung."
Sie setzten sich in Bewegung, auf Richtung Schwingtür zu. Als sie durchsahen, erkannten sie Baeklands Labor. Ein Vorraum bildete die Desinfektionskammer, dahinter lag der staubfreie Forschungsraum. Alle Lichter brannten, und man konnte technische und biologische Apparaturen erkennen, jedoch keine Personen.
"Gehn wir rein." meinte Nick.
Sie betraten den Vorraum und ließen die automatische Prozedur des Desinfizierens über sich ergehen. Dann kamen sie in den Hauptraum.
Nick sah sich kurz um und sagte dann : "Cragg, am besten suchst du nach dem Datenfilter oder eventuellen Kopien. Ich stöpsel mich ein, und versuche herauszufinden, ob es Pläne in davon in der Matrix gibt. Achte auf die Türe."
In Nicks Kopf gab es einen Sog, als er sich über sein Fuchi Cyber-4 einlinkte, und sich sein Persona Icon als konturloses Abbild eines spanischen Edelmanns manifestierte. Er befand sich in dem geschlossenen System, direkt neben seinem I/O Port. Der Knoten enthielt 4 Ausgänge, die alle beschildert, und durch eine verchromte, massive Stahltür mit Kontrollpanell versperrt waren. Weißes IC. Der Knoten war ein einfacher 4 eckiger Raum, dessen Wände mit einem lilanen Gitter überzogen waren, alles sehr funktionell gehalten. Nick registrierte beiläufig, das es sich um die 3 aktuellen Projekte Baeklands handeln musste. Der 4 Ausgang führte wohl zur CPU. "Hellsblood", "Externer Datenbeschleuniger" und "Deckers Dream" bildeten die 3 Eingänge. Nick lud sein Schleicher Programm, und machte sich auf die Barriere von "Deckers Dream" zu. Als er sanft hindurchglitt, lobte er im stillen seine Systemelektroniker, die wieder einmal gezeigt hatten, warum seine Firma einfach erste Klasse im Programmieren von Matrixprogrammen war. Das System war wirklich aufs einfachste Aufgebaut, ohne große Sicherheitsmaßnahmen, wahrscheinlich weil es geschlossen war, und niemand mit einem internen Eindringen gerechnet hatte. Nicks Analyseprogramm bestätigte ihm die Funktion des Knotens. Einige Slave Nodes, die wie Kontrollpulte aussahen steuerten die verschiedenen Laboreinrichtungen und ein paar I/O Ports gaben die externen Ausgabegeräte wieder. Eine weitere Barriere lag vor der Verbindung, die von hier aus zum nächsten Konten führte. Sie überwand er ebenso mühelos wie der erste. Wirklich schlecht gesichert, dachte er sich, als sein Persona Icon sein virtuelles Gesicht andeutungsweise runzelte. Der Knoten in dem er sich jetzt befand, bildete den Datenspeicher. Er war einfach gigantisch. Nick konnte sein Staunen nicht unterdrücken, selbst in der doch so weiten Welt des Netzes war ein solcher Knoten ein beeindruckender Anblick. Er war, etwa 10000 mal so groß wie Nicks Persona Icon, beherbergten Tausende von Dateien, die auf metallenen schimmernden Regalen abgelegt worden waren. Es mußte sich um ein Sicherheitssystem handeln. So viele Daten konnte man gar nicht zu einem einzigen Projekt sammeln. Die wichtigen Daten, die auf die es ankam, waren sicherlich in einer Unmenge überflüssigen Mülls versteckt und vergraben. Es würde ewig dauern, sie alle durchzusehen, und selbst dann, wie konnte er sagen, daß es sich nicht um eine einfache Verschlüsselung oder nur Systemmüll handelte? Die einzelnen Dateien mit den Informationen, Konstruktionsplänen und Forschungsberichten bildeten eine ungeheure Datenflut, und Nick mußte eine Entscheidung treffen. Als er die Dateien, die in metallenen Regalen betrachtete, bemerkte er plötzlich in der Mitte des Raumes eine kleine Anhäufung frei liegender mathematischer Rechnungen, Buchstaben und Codezeichen. Sie sahen fast wie ein Häufchen Asche aus, schienen aber keine Aufgabe zu erfüllen. Nicks Persona schritt einige der Regale ab und er startete ein erweitertes Analyseutiliti. Es war neu und befand sich noch in der Entwicklung. Die Konturen der Konstrukte verschwammen für eine Sekunde, bis sie sich in Falschfarben wieder verschärften. Nick sah nun, die Abnutzung und den Gebrauch der von Iconen ausging, die sich in der Matrix bewegten. Es war so etwas wie ein Fährtenleser, der ca. die letzte Stunde wiedergab. Nick hoffte, daß irgendwer in dieser Zeitspanne an den Daten gearbeitet hatte. Tatsächlich erkannte er die verwirrenden pulsierenden Linien die sich dreidimensional und wie in der Form einer DNA durch den Raum bewegten. An einigen Stellen weniger intensiv, an anderen mehr. Kurz darauf brach das Programm zusammen und stürzte ab, Nicks Gedanken verkrampften sich, und er hielt für eine Sekunde inne, um abzuwarten ob irgendein Alarm ausgelöst wurde. Alles blieb jedoch still. Der Runner versuchte sich darauf zu besinnen, welche Stellen noch mal am meisten begangen wurden. Er endete jedesmal in einer Reihe, in der zwar Regale standen, diese aber keine Dateien enthielten. Er tastete sie vorsichtig ab, und spürte eine pulsierende Aktivität von ihnen. Er trat zurück und bemerkte, daß von allen ungenutzten Regalen, etwa 10 an der Zahl, 4 Stück die meiste Bewegungsaktivität aufwiesen. Das mußte es sein. Diese 4 Regale waren keine leeren Regale, in Mitten der Daten, sie WAREN die Daten. Eine geschickte Tarnung, vielleicht doch nicht so schlecht, wie er zuerst dachte. Er nahm von seiner Persona einen Wasserschlauch aus dem fiktiven Gürtel, und führte diesen in das Konstrukt des scheinbar leeren Regales ein. "Saug dich voll, und zwar schnell, mach Dampf" Er wartet ab, bis die Übertragung abgeschlossen war, und machte sich zu dem nächsten Regal auf. Auch hier erledigte er die Arbeit, immer noch unentdeckt. Als er zum dritten kam, stockte er zuerst, da das relativ Abseits stand. Dadurch maß ihm Nick aber jedoch eine höhere Bedeutung zu, wobei er recht behalten sollte. Als er davor trat, bemerkte er, daß hier etwas nicht stimmte. Dann fiel ihm auf, daß an dieser Stelle, das Gitter aus lilanen Linien für eine kurze Fläche aufhörte. Nick mutmaßte es als Teergrube ab. In diesem Moment tippte etwas an seinen Rücken, und Nick fuhr herum. Dann starrte er in die virtuelle Gestallt einer weißen Gans, die in der nächsten Sekunde mit ohrenbetäubenden Lärm laut zu schnattern anfing. "Mist, ich werd unvorsichtig, jetzt hat mich billiges weißes IC erwischt." Mit einem Streich aus seinem Degen, den er gezückt hatte und der sein Angriffsprogramm simulierte, erwirkte er Ruhe, aber es war schon zu spät. Durch den aktiven Alarm, steigerte sich der Lichteinfall in der Mitte des Raumes. In den ungeordneten Datenhaufen in der Mitte kam Bewegung, als sich die Zahlen, Buchstaben und Binärcodes zu einem Phönix addierten. Er wirkte prächtig, obwohl ihm die typische Färbung seiner weltlichen Vetter gänzlich fehlte, und durch tristes Grau ersetzt wurde. Lediglich seine Augen bildeten ein wirres Durcheinander verschiedenster Farben. "Vielleicht sogar Killer, auf jeden Fall aber mindestens Blaster." dachte er, als sich der Phönix ohne Zögern in den Raum erhob und eine grelles Gekrächze austieß. Sein flammender Atem ging nur knapp neben Nick wieder, und verursachte eine kleine Störung auf dem Boden. Nick hechtete zur Seite und ließ sich hinter ein Regal fallen. Den Phönix schien es nicht zu interessieren, ob er wichtige Daten vernichtet oder nicht, denn er machte kehrt und setzte zu einem neuen Anflug wobei er auf den Edelmann loslegte und dabei einige Regale mit Daten löschte, zerstörte oder zum Abstürzen brachte. Nicks Persona Icon verzog eine Miene, als es sich auf die Schulter faste, aus der ein Stück gerissen wurde und sich im Raum verteilte wobei es in immer kleinere Bruchstücke zerfiel. Der Phönix zog seine Krallen wieder ein und zog hoch zur Decke. Nick nutzte diese freie Sekunde um einen Schild zu ziehen, und sich in eine günstigere Position zu bringen. Mit einem Satz war er vor der Teergrube als er erneut von dem Phönix gestellt wurde. Dieser kam von vorne und schickte eine Reihe Angriffscodes in Form seines Feueatems auf Nick los. Er duckte sich unter seinem Schild und wartete den Fernangriff ab. Dann sprang er hoch, und zögerte seinen Sprung um eine Sekunde mit einem Ausweichprogramm hinaus, um in der geeigneten Position zu sein. Das war er auch, denn eine Streich mit seinem Degen pumpte den Phönix so mit Angriffscodes und Widersprüchlichem Datenmist voll, daß sein linker Flügel abgetrennt wurde, und als Binärcodes auf den Boden regnete. Das hätte das IC noch lange nicht erledigt, jedoch verlor es kurzzeitig die Orientierung und donnerte gegen die Knotenwand. Von dort fiel es wie ein nasser Sack zu Boden, donnerte auf das Datenregal und rollte in die Teergrube. Diese schloß sich langsam und zäh um den Phönix, der verzweifelnd krächzend gefangen war. Nick trat näher und sah zu, wie sich die Teergrube und der Phönix langsam selber subtrahierten. Schließlich stürtzen sie beide ab. Nick bekreuzigte die Stelle kurz, und lud dann die beiden anderen Dateien ab. Danach verlor er keine Sekunde mehr uns stöpselte sich aus.
Während Nick die Daten begutachtete überflog Cragg den Raum. Es war ein ungeheures durcheinander an Computern sowie technisch biologischen Anlagen. Überall standen Gläser mit allen Arten von Lösungen herum, und die Rechner liefen auf Hochtouren. Es sah alles so aus, als wäre es gerade verlassen worden. Ohne große Probleme machte er den Tresor aus, der sich in einer Ecke befand. Er trat darauf zu und sah ihn genau an. Es war ein Modell "Bionic Steel" der Firma Multitech, Baeklands eigener Ex-Firma. Es handelte sich hierbei um eine komplizierte Konstruktion eines Stahlgehäuses, in der künstliche Nervenbahnen verarbeitet waren. Beim gewaltsamen Öffnen werden diese so stark stimuliert, daß sie einen Alarm auslösten. Das hochmoderne Sicherheitsschloß stellte eine zusätzliche Barriere dar. Doch zum Glück waren sie über diese Sicherheitsvorkehrungen ausführlich durch den Chip informiert worden. Es war Dietmar bekannt, das Baekland einen Tresor von der eigenen Firma besaß, und hatte ihnen für diesen Fall eine Checkkarte mit dem Deffechriercode für alle Modelle des Megakons gegeben. Dies war keineswegs leichtsinnig, da man die Karte nur einmal benutzen konnte, danach schmorte sie durch. So schaffte Cragg eine provisorische Überbrückung und lud die Karte ein. Das rote Anzeigenfenster der Karte gab nach etwa 15 Sek. den Öffnungscode wieder, und blieb dann so stehen, während die Leitungen verdampften. Cragg entfernte die Überbrückung, mit gezielten, schnellen aber keinesfalls hastigen Bewegungen. Er gab den Code ein, und der Tresor öffnete sich unter einem leisen Zischen. Das war schon beinahe zu einfach. Cragg ging alles schon zu leicht, das machte ihn nervöser wie eine extreme Belastung. Trotzdem öffnete er die schwere Tür und blickte hinein. Neben vielen Versorgungskabeln, die von einem halb mechanischen Tank mit einer grünen Nährflüssigkeit zu einer Halterung führten, in der eine Box eingelassen war, erblickte er auch eine Batterie, die alles mit Strom versorgte. In diesem Moment stöpselte sich Nick aus, und sah Cragg an. Leichte Schweißperlen hatten sich auf Nicks Stirn gebildet, und sein Atem war kurz.
"Ich habs geschafft. Die Pläne hab ich, den Rest werden wir wohl physikalisch vernichten müssen. War verdammt nicht leicht Chummer, kannste mir glauben." Sein Hirn schmerzte echt, und sein Geist brannte noch.
"Tu ich." entgegnete Cragg, "Sieh dir das mal an". Nick trat an den Tresor heran, kniete sich nieder und blickte hinein.
"Ja, das deckt sich mit den Informationen, die wir von Dietmars Chip haben. Wir sollten diese Box nicht länger wie 12 Stunden aus so einer Versorgungsstation herausnehmen. Sonst haben wir ein Problem."
"Funktioniert Deckers Dream eigentlich überhaupt? Hast du irgendwelche Ergebnisse gefunden?" fragte Cragg mit leuchteten Augen.
"Ich hatte keine Zeit, die Dateien anzusehen." Nicks Augen schlossen sich. Wenn Cragg wüßte, welche Probleme er hatte, da noch die Dateien durchzusehen, egal, er würde es ihm später erzählen. "Konkrete Angaben wurden nicht erwähnt. Ob das Ding eine Chance hat oder nicht, weis wohl nur Baekland selber."
Craggs Gedanken hämmerten. Eine Bionik - Cyber Teil mit dem man sich gefahrenfrei in der Matrix bewegen könnte. Dieser Gedanke war gigantisch.
Er nahm da die Box an sich und öffnete sie. Darin befand sich die eigentliche Platine, die nicht größer als 2 Finger nebeneinander war, und direkt in den Kopf eingebaut wurde. Der Chip schimmerte in hellem blau in seiner Silizium Hülle, die in eine organische Nährlösung getaucht war. Die Nervenbahnen auf dem Chip pulsierten leicht, zeigten aber keine Anzeichen von Verfall, durch die Erschütterungen. Cragg nahm den Behälter, und packte ihn in Nicks Decktasche.
"So, jetzt sollten wir noch dafür sorgen, daß von dem ganzen Zeugs hier nix mehr zu verwenden ist." Mit diesen Worten packte Cragg das R.D.X. mit dem Zeitzünder aus.
"Äh, mach du das lieber, damit hab ich nicht so viel am Hut." Nick drehte sich um und trottete zur Türe, die er im Auge behielt.
Ein ordentliches Päckchen, nicht so viel um damit das ganze Haus zu sprengen, aber genug um das Labor zu deformieren und den Lack im Flur abzukratzen. Cragg brachte das R.D.X., das die 150% Kraft von TNT hatte, unter einem Labortisch an.
"Meinst du, 20 Min. reichen um Baekland zu finden und extrahieren?" fragte er mit hochgezogenen Augenbraun.
"Sie reichen auf jedenfall, um ihn zu finden." Nicks Augen blickten kalt.
Dann stellte Cragg den Zeitzünder auf 20 Min. ein.

19:59

19:58

19:57

Die Zeit lief.
Cragg blickte zu Nick hinüber und nickte ihm zu. Dann machten sich daran, wieder zu verschwinden. Als sie sich der Tür zuwandten, fiel Nicks Blick auf das kleine Sichtfenster. Das Adrinalin schoß ihm ins Blut und seine Pupillen weiteten sich, als er die Sicherheitstür des Fahrstuhls mit einem kurzen zischen Aufgehen sah. Heraus trat ein Mann, etwa 40 Jahre alt, den Blick auf einen Schreibblock gerichtet, den er in den Händen trug. Ihm folgte ein weiterer Mensch, der defintiv ein Leibwächter war und heftig mit dem anderen diskutierte. Sie schienen keinen Verdacht zu schöpfen und gingen unbeirrt weiter auf das Labor zu. Perfekt, dachte Nick, wir brauchen Baekland nicht zu suchen, er kommt zu uns. Schnell machte er Cragg ein Zeichen und warf sich hinter die Türe. Cragg folgte seinem Beispiel, und rollte sich hinter einen Rechner, der sich auf einem Rolltisch befand. Beide zogen sie ihre Schocker.






Kapitel 8

Sie hörten den Säuberungsvorgang der Schleuse, und wie sich die Verbindungstür öffnete. Ein unangenehmes Gefühl ging in Cragg hoch. Es war wieder soweit. Vielleicht würde er jetzt wieder töten müssen. Obwohl er eigentlich abgehärtet genug war, strebte sich immer noch ein Teil in ihm gegen das Töten. So war er immer bemüht, einen Run ohne Opfer abzuschließen. Wenn er mußte, würde er sich aber 100% Verteidigen, das war klar. Einige Wortfetzen wie "Ganz sicher, Alarm im Computersystem" und "Wahrscheinlich wieder so ein bescheuerter Programmfehler" ließen sich vernehmen als die beiden Männer eintraten. Sie waren noch keinen Meter im Raum, als Cragg und Nick gleichzeitig loslegten. Nick sprang mit einem Satz hinter den Leibwächter und jagte ihm satte 300 000 Volt ins Genick. Er brach zusammen wie ein nasser Sack. Cragg packte Baekland am Kragen, riß ihn herum und schlug dem entsetzten Mann seine Faust ins Gesicht, so daß dieser zu Boden stürzte. Dann stellte er sich vor ihn und sprach mit kalter Stimme auf ihn ein. Währenddessen sicherte Nick zur Fahrstuhltür ab.
"Baekland, hören sie gut zu, daß sage ich nur einmal : Entweder Sie kommen jetzt ohne jeglichen Widerstand zu leisten mit uns mit, oder sie sind für uns unnütz und wir exekutieren Sie hier auf der Stelle." Es war kein Bluff, der Auftragt besagte klar, wenn sie Baekland nicht mitbringen konnten, mußten sie ihn neutralisieren. Baekland hielt sich die blutende Nase und sah ihn an.
"Sie elendes Dreckschwein, ich kenne Sie. Sie arbeiten wohl für jeden, der ihnen Geld bietet?
Aber hören sie, egal was sie erhalten, von mir bekommen sie das Doppelte..."
"Keine Chance, ich bin nicht gierig, und wie sie wissen, hab ich einen Ruf zu erhalten, also, wollen sie leben oder sterben?"
"Sie Mistkerl, ich werde Sie dafür töten."
"Also los gehts, wir wollen keine Zeit verlieren."
In diesem Moment gingen an der Fahrstuhlkonsole einige Lichter an, und die Tür öffnete sich abermals.
Baekland stieß einen Schreis aus, und Cragg schlug ihm mit dem Kopf gegen die Wand, und riß ihn danach auf den Boden. Nick eröffnete sofort das Feuer. Ein verdutzter, aber keinesfalls reaktionsträger Leibwächter drückte sich sofort zurück in den Fahrstuhl und zog seine Waffe. Eine Sekunde später brach ein Alarm los, und die Kugeln schossen durch die Labortüre.
"Unser Plan muß sich kurzzeitig ändern, schrie Nick, während er abwechselnd durch die Sichtfenster feuerte und in Deckung ging. Es war ihm unmöglich den Leibwächter zu erwischen, da er sich zu gut an der Fahrstuhlseitenwand in Deckung der nicht komplett geöffneten Türe verschanzen konnte. Cragg zog Baekland an sich rann, und blickte sich hastig um. Er entdeckte einen Rollwagen auf dem sich einige Reagenzgläser mit Chemikalien und ähnlichem Zeugs befanden.
"Was ist das für Zeug, auf dem Wagen?" brüllte er Baekland an. "Reden Sie!"
"Das?" sprach Baekland mit boshaftem Grinsen. "Abfallprodukte und Säuren unser agressionssteigendern Droge "Hellsblood". Was glauben sie denn, das ich NUR an einem Projekt arbeite? Oder was denken sie, wie ich sonst den Datenfilter aus dem Labor bekommen habe, gegen einen Sicherheitsdienst? Mit dieser Droge wird man zum Monster, haha!"
Cragg schrie Nick zu ."Öffne einen Türflügel." Beide waren gewohnt, den anderen nicht groß nach seinem Vorhaben in einer Krisensituation unter Druck zu fragen, so folgte Nick Craggs Anweisungen, und stieß mit dem Fuß einen Flügel auf. Das Glas des Desfinfektionsraumes war mittlerweile komplett zerbrochen, so das eine frei Bahn zu dem Fahrstuhl herrschte. Cragg rollte sich auf die andere Seite, packte den Rollwagen, und stieß ihn mit aller Kraft in Richtung Fahrstuhl. Der Wage rollte etwa 2 Meter vor dem Fahrstuhl aus, und blieb an der rechten Flurwand stehen.
"Feuer auf den Wagen!" schrie Cragg zu Nick.
Nick tat wie ihm geheißen, und eine Salve aus seiner H&K traf den Wagen mit voller Breitseite. Die Reagenzgläser zerbarsten und zersprangen worauf die Chemikalien sich in der kompletten Umgebung verspritzten, einschließlich der des Fahrstuhls. Ein lautes Schreien, das durch Mark und Bein ging, zeugte von Erfolg. Der Leibwächter stürzte die Arme wild um sich schlagend, und mit geschlossenen Augen in den Flur, wo er sich schreiend drehte. Ein Schuß aus Craggs Altmayr SP, der sich inzwischen in Schußposition begeben hatte, traf den Leibwächter mit voller Wucht in den Rücken und besiegelte sein Ende. Er flog durch den Druck noch etwa 2 Meter nach vorn, und blieb reglos auf dem Boden liegen.
Noch während sich der matte Rauch der Schießerei langsam auflöste, machten sich Cragg und Nick daran, endgültig abzuhauen. Cragg packte Baekland und zog ihn hoch.
"Und Sie werden jetzt mitkommen, ohne Probleme zu machen."
Baekland hielt sich die Nase, aus der er blutete. Aber er folgte ohne Widerworte. Als sie den Flur betraten, rochen sie noch den beißenden Geruch der Chemikalien und sahen den Leibwächter in einer Blutlache liegen. An der Tür zum Versorgungsraum angekommen, wollten sie gerade eintreten, als Baekland protestierte:
"Sie wollen doch nicht etwa durch das Abflußsystem verschwinden?"
"Warum sollten wir das nicht? Wir sind schließlich so reingekommen." antwortete ihm Nick, während er eintrat.
"Aber, hören Sie," Baekland ging Nick nach. "Es ist so, unter dem Landhaus ist ein Sammelbecken, daß die Abwässer der naheliegenden Fabrik, einiger privat Häuser aus der Gegend und unsere Eigenen sammelt, und nun, ungeklärt und somit illegal entleert. Das ist halt ein bißchen billiger, aber was wichtiger ist, es müßte jede Minute geflutet werden."
Nick öffnete die Luke, und sah bereits, daß ein Metallschieber am unteren Ende der Serviceröhre den Zugang zum Abflußrohr versperrte. Er zog eine Grimasse und wandte sich Cragg zu.
"Verflucht, was machen wir nun?"
Cragg hatte im Moment auch keine Idee. Der einzig bleibende Ausweg schien durch den Fahrstuhl und das Haus zu gehen, das müßte aber auf Grund der läuteten Alarmsirenen und den dadurch alarmierten Wachleuten fast unmöglich werden. Nick ging in den Fahrstuhl und sah sich um.
"Ich glaube ich habe eine Idee. Baekland, hat dieses Haus eine 2. Etage, die ebenfalls durch diesen Fahrstuhl erreicht werden kann?"
Baekland schaute verdutzt. "Ja, aber Sie müßten doch Wissen, daß sie nicht in die 2. Etage durchfahren können, wenn das jemand verhindern will."
"Macht nichts."




Kapitel 9

In der ersten Etage betrat in diesem Augenblick der Gruppenleiter der Wachmannschaft "General Shield" mit schnellen Schritten den Flur, wo sich die Fahrstuhltür befand. 2 Wachleute in Rot - Schwarzen Uniformen hatten sich schon in Schussposition vor dem Fahrstuhl plaziert.
"Steiner, Bericht!"
"Ein Leibwächter hat von seinem Com Alarm gegeben. Er befand sich zu dieser Zeit im Laborkomplex. Eine schnelle Durchsuchung des Geländes ergab keine Eindringlinge. Da wir auch keine weitere Nachricht von dem Leibwächter erhielten, gehen wir davon aus, daß sie sich im Laborkomplex befanden, bzw. immer noch befinden."
Der Gruppenleiter trat an die Fahrstuhltür heran.
"Und es hat noch niemand die untere Etage verlassen? Der Fahrstuhl ist jedenfalls unten."
"Nein, das hätten wir bemerkt. Breist und Denstet sichern die 2. Etage ab." war die Antwort des Wachmanns. Man sah ihm deutlich die Spannung und die Freude daran an, das endlich einmal etwas geschah. Er hatte wohl noch nicht viele aktionsgeladene Einsätze gehabt.
"Gut, sie sollen runterkommen und unsere Positionen übernehmen, wir rufen den Fahrstuhl und gehen runter."
Sie warteten mit schußbereiten Waffen, dem Model Ares Predator II, auf die Ankunft der Kabine. Mit einem Klingelschlag und einem leichten Zischen glitt die Fahrstuhltür sanft zur Seite. Die Kabine war leer.
"OK, auf gehts, los, los jetzt!"
Die 3 Männer stürmten in den Fahrstuhl begaben sich in den Laborkomplex. Wiederum öffnete sich die Tür und sie waren mit gezogener Waffe bereit.
"In Ordnung, der Flur ist sauber, vorwärts!" dröhnten die Anweisungen des Gruppenleiters.
"Achtet auf die linke Tür!"
Während einer weiter nach der Labortür absicherte, öffneten die beiden anderen die Tür zum Versorgungsraum und untersuchten ihn.
"Er ist ebenfalls sauber, sie müssen noch im Labor sein, stürmen!"
Die 3 wendeten sich vom Fahrstuhl ab und liefen auf das Labor zu, öffneten die Tür und sprangen hinein. In diesem Moment fiel mit einem scheppern aus der Decke der Fahrstuhlkabine ein Gitter, und Nick sprang heraus, betätigte den Schalter und sprang wieder zurück, nicht ohne das Gitter wieder provisorisch zu befestigen. Auf der Fahrstuhlkabine, zwischen den dicken Metallseilen und Zahnrädern, kauerten Cragg und Baekland.
"Das ist verrückt. Jetzt sind wir schon einmal hochgefahren, wenn die das Ding in die 2. Etage schicken, sind wir alle geliefert. Wir werden plattgemacht." Baekland fühlte sich sichtbar unwohl, doch Nick warnte ihn gleich vor.
"Eine falsche Bewegung, einen Laut oder sonst etwas, und sorge dafür, daß ihr Körper auf alle Etagen verteilt wird, klaro?"
Baekland schwieg uns senkte den Kopf in seine hochgestellten Knie. Mit langsamen, knirschenden Geräuschen setzte sich der Aufzug in Bewegung.
"Paßt auf, daß ihr an keine Seile, oder sonst wo dran kommt", meinte Nick während er nach oben sah. Der Aufzug näherte sich der 2. Etage, sowie er programmiert wurde. Dann hielt er.
Cragg dachte nach, ob wohl jemand den Aufzug erwartet hatte. Es müßte Verdacht erwecken, wenn ein Aufzug leer in die Etage gefahren kommt, ohne daß er gerufen wurde. Nick schien sich weniger Gedanken zu mache. Er richtete sich auf, legte sein UZI Urban Combat eng an seinen Körper, und sprang durch das Gitter. Dieses krachte mit einem lauten Scheppern auf den Boden, dann hörte man nur noch eine Feuersavle und 2 einzelne Schüsse. Wenige Sekunden vergingen, dann rief Nick : "OK,.... kommt,.. jetzt." Cragg machte Baekland ein Zeichen, dann glitt dieser durch das Gitter. Cragg folgte.
Nick war schon einige Schritte vorgegangen, und beugte sich über den Oberkörper des einen Wachmanns, der auf dem Boden lag. Etwa 1 Meter dahinter lag der andere reglos. Sie befanden sich jetzt in einem Flur, dessen Seitenwände von einer Bücherwand gebildete wurden. Auch sonst war daß, was sie sehen konnten, ganz im Stil des 2. Jahrtausends eingerichtet. Es waren keine Monitore, Vid - Phones, oder sonstige technische Geräte zu sehen. Als Cragg an Nick vorbeiging, bemerkte er, daß sich dieser die Schulter hielt.
"Was ist los?" fragte er. Nick zog eine Grimasse.
"Nichts, man, nur ein glatter Durchschuss. Ich schaffs schon."
Cragg gestikulierte wild.
"Was soll das? Es geht schon? Man Chummer, wie lange kennen wir uns schon? Du, weißt, daß du auch mich in Gefahr bringst, wenn du mir eine Wunde verschweigst. Tu ich ja auch nicht."
Nick sackte auf den Boden.
"Dieser hier ist hinüber" meinte er beiläufig und deutet dabei auf den Körper am Boden.
"Ja, verdammt noch mal, ich hätt's dir ja gesagt, ich brauchte nur ne Sekunde." Nick stand langsam wieder auf und humpelte zu dem nächsten hin. Cragg packte Baekland am Kragen und schob ihn vor sich her. In diesem Moment schloß sich die Fahrstuhltür hinter ihnen, und die Kabine setzte sich in Bewegung, nach unten.
"Bullshit, sie habens gemerkt" Cragg zog Baekland am Kragen hoch.
"Du wirst uns jetzt hier rausbringen, oder wir lassen dich hier, für immer."
Baeklands Augen weiteten sich, er schien kurz davor zu sein, zusammenzubrechen.
"Jaja, schon gut" stammelte er, "Immer den Hauptflur entlang." Sie liefen durch das menschenleere Haus. Am Ende standen sie vor einer Tür, die nach Baeklands Aussage direkt in führt. Sie mit einem Magschloss war verschlossen. Baekland fing an in seiner Tasche nach einer Keycard zu suchen, Cragg schob ihn zur Seite und erledigte die Tür mit seiner Altmyr SP. Lärm, oder nicht, es machte jetzt keinen Unterschied mehr, sie waren eh entdeckt. Das Schloss war zersplittert, und die Tür ließ sich leicht öffnen. Sie kamen in die Vorhalle, die, wie das ganze Haus eher edel eingerichtet war. Ohne Zeit zu verlieren stießen sie zum Ausgang vor. Die Nachtluft wehte ihnen kalt ins Gesicht, als sie die Tür öffneten und in die Dunkelheit rausliefen. Eine Sekunde später lagen sie in den Büschen, während wieder einmal ein Kugelhagel über ihren Köpfen hinwegfegte. Cragg sah sich um. Der Garten war von der hohen Mauer umgeben, und doch relativ dicht mit verkrüppelten Bäumen, und vertrockneten Büschen bewachsen. Wäre da nicht Nicks Verletzung, und Baekland als Hindernis, wären sie einfach über die Mauer verschwunden, aber so blieb nur das massive Eingangstor als Fluchtmöglichkeit. Kurz hinter dem Tor stand ein kleines Wachhäuschen, von dem aus wahrscheinlich das Tor geöffnet werden konnte. Cragg sah Nick an, und schrie ihm zu :
"Gib mir Deckung!" Nick folgte sofort, und ließ einige Salven in die grobe Richtung der Gegner ab, die sich noch im Haus befanden.
Cragg sprang auf und rollte sich über die Einfahrt auf die andere Seite. Kugeln schlugen kurz neben ihm ein, und verfehlten ihn nur millimeterweise. Cragg sprintete hoch, und rannte auf das Wachhäuschen zu. Er hob den Arm, und feuerte mehrmals während dem Laufen auf die Scheiben des Häuschen, die dabei zersplitterten. Als er kurz davor war, machte er eine Hechtsprung durch die zerschmetterte Scheibe, und landete unsanft in der einen Ecke. Er zog sich hoch und betrachtet das Kontrollpult, über das er gerade hinweggeflogen war. Er fand den Knopf, der für das Öffnen des Tores bestimmt war. Als er ihn drückte, fiel sein Blick auf einige Monitore, die unter anderem auch die Umgebung zeigten. Draußen war es ruhig, ganz im Gegensatz zu der jetzigen Situation. Das Tor öffnete sich langsam, mit einem metallischen Knirschen. Als Cragg für eine Sekunde den Kopf über das Pult hob, um die Situation zu erfassen, merkte er auf einmal, etwas Warmes seine linke Seite hinunterlaufen. Als er nachsah, bemerkte er, daß er einen direkten Einschuß in die linke Seite hatte, und stark blutete. Mit der Erkenntnis kamen auch die Schmerzen. Cragg verzog das Gesicht, als er mit raschen Handgriffen seine Altmyr SP nachlud. Auf einmal kam ihm alles unwirklich und falsch vor, er war nicht mehr ganz mit den Gedanken anwesend, als er sich selber riefen hörte : "Nick, komm jetzt, ich geb Deckung." Nick preschte mit Baekland am Kragen hoch, so schnell er konnte. Cragg zog hoch, und begann die Hausfront zielos unter Beschuß zu nehmen, obwohl er wußte, daß in dieser Situation ihnen das Glück mehr half, als alle Taten. Nick hatte das Gelände schon verlassen, als er sich umdrehte und Baekland zu Boden warf. Dann feuerte er weiter. Während Cragg aus dem Wachhäuschen fiel, und zu ihnen taumelte. Da Cragg eine Sekunde vorher, wieder den Knopf für das Tor gedrückt, und dann zerschossen hatte, schloss es sich jetzt wieder langsam. Als sie Baekland hochrissen und gemeinsam zum Wagen liefen, so gut sie konnten, war es ihnen schon fast, als hätten sie es wieder einmal geschafft. Das Auto stand frontal zu ihnen. Doch etwa 3 Meter vor dem VW Impuls, blieb Baekland auf einmal stehen, und rammte Nick den Ellenbogen in die Seite. Dieser brach zusammen, und Cragg bückte sich schnell zu ihm hin. In diesem Moment schoß eine wahre Kugelfront zu ihnen herüber, die Baekland, der als einzigster noch aufrecht stand, regelrecht zerfetzte. Er brach zusammen, gespickt mit Kuglen, Cragg robbte zu dem VW und öffnete die Fahrertür. Da er dazu auf die andere Seite mußte, hatte Nick schon die Beifahrertür geöffnet, und von dem Rücksitz die H&K G9A4z geholt, mit der er jetzt Saures gab. Craggs Blick fiel noch einmal auf Baekland, der ziemlich tot ins einem eigenen Blut lag, dann schloss er die Tür und schrie :
"Los jetzt, weg hier!". Nick zog sich in das Auto zurück und schloss ebenfalls die Tür. Dann legte Cragg den Gang ein, und sie machten, daß sie von hier wegkamen. 2 Minuten später verriet ihnen der Kontrollzünder, daß das Päckchen detonierte."

Cragg stöhnte, und auch Nick ging es nicht viel besser. Cragg hatte vom Hintersitz den Medikit hervorgekramt, und ließ eine erste Diagnose durchlaufen. Noch während der Fahrt bereitete er alles vor, um sich wieder zusammenzuflicken. Craggs Gedanken fielen weit zurück, in seine Kindheit. Damals war seine Mutter Ärztin im städtischen Krankenhaus gewesen. Sie hatte ihm viel beigebracht, weil sie immer meinte, es wäre besser sich selbst helfen zu können, als stets von irgendwem abhängig zu sein. Heute hätte er ihr dafür schon dutzendmal danken können. Nachdem, alles fertig war, begann er sich seine Seite zu binden, und sie mit den nötigen Blut - und Schmerzstillenden Medikamenten zu versorgen. Es war nicht mehr als eine erste Hilfe, und er würde so oder so noch einen Doc aufsuchen müssen. Plötzlich fiel ihm Nick ein. In letzter Zeit hatte sich Cragg stark daran gewöhnt, nur noch für sich selber zu sorgen, da er ja in letzter Zeit eh immer allein war. Jetzt jedoch schämte er sich ein wenig, überhaupt nicht an seinen Freund gedacht zu haben, der ja schließlich auch eine Wunde hatte, und nur unter Schmerzen fahren konnte.
"Klink dich aus Alter, und fahr rechts rann, jetzt kümmere ich mich erst mal um deinen Arm."
Nicks Augen waren schwammig und Cragg bekam Angst, Nick könnte das Fahrzeug nicht mehr kontrollieren. Doch in diesem Moment schwenkte er rechts auf den Parkplatz einer großen Fernfahrerraststätte an. Die billigen Leuchtreklamen boten nur ein schlechtes Licht, und gaben dem ganzen Komplex einen Eindruck von einem Freudenhaus. Wahrscheinlich war ein Teil des Gebäudes dies auch. Ansonsten herrschte hier das schmutzige Bildnis, das man so oft, an so vielen Orten sah, vor. Es gab ein "Restaurant", wo man zwischendurch was essen konnte, Cragg wollte noch nicht mal daran denken, was das sein könnte. Die Bar sollte wohl jeder Mensch ohne Kunstmuskelpakete vermeiden, und die Übernachtungsmöglichkeiten waren sicherlich auch unterste Klasse. Egal, im Moment war dies nicht so wichtig. Sie suchten sich auf dem verdreckten Parkplatz eine Stelle, die ausreichend beleuchtet war, und stellten den VW ab. Nick blickte zu Cragg hinüber, und seine Stimme zitterte.
"Ich glaub, ich werd alt." Mit diesen Worten klappte er zusammen und sackte in sich. Rasch prüfte Cragg Puls und Atmung. Nick war ohnmächtig, aber nicht in Lebensgefahr. Cragg stellte die Lehnen zurück, und machte sich daran, seinen Chummer zu versorgen.
Als dies getan war, war Nick immer noch weggetreten. Cragg stieg aus und nahm die Decktasche vom Rücksitz. Er öffnete sie und kontrollierte die Box. Sie war scheinbar unbeschädigt. Cragg tat sie wieder zurück, und sah sich um. Neben dem Eingang zur Bar lag jemand auf dem Boden in seinem Erbrochenen, aus der Tür drang der Lärm lauter Musik. Cragg setzt sich in diese Richtung in Bewegung. Er wollte Verbindung zu Dietmar aufnehmen, um neue Anweisungen zu erhalten. Als er die Bar betrat, schlug ihm die Musik wie eine Welle ins Gesicht. Den Mittelpunkt, der doch recht großen Bar bildete ein Laufsteg, auf dem äußerst spärlich bis unbekleidete Damen ihr bestes gaben. Umrundet war die Tanzfläche von einigen Tischen mit den Gästen, und weit hinten links in der Ecke befand sich die Bar, an der ein dicklicher Barkeeper ziemlich teilnahmslos einige Gläser säuberte. Die Gäste bestanden zum großen Teil aus Menschen, Cragg konnte jedoch auch einige Zwerge und zwei Trolle ausmachen. Die Stimmung war geheizt, aber gut, da hier beinahe jeder besoffen war. Einige Chipheads lagen in einer Sitzecke und gönnten sich ihren jüngsten Tripp. Niemand beachtet Cragg, und dies war ihm recht. Die beiden Trolle standen als einzige Abseits in einem Ecken und verhielten sich ruhig, wahrscheinlich fanden sie an den Menschenfrauen und den zwei Zwergenfrauen nicht allzuviel ansehnliches. Cragg mochte solche Plätze nicht, die Menge war ihm zu über. Die mittelmäßige Lichter/Laser Show, die das Geschehen optisch untermalte, glich er einfach mit seinen Blitzkompensatoren aus, er wollte nicht allzuviel abgelenkt werden. Nachdem er einen Telekom Raum gefunden hatte, begab er sich dort hin und schloss die Tür hinter sich. Der Raum war erstaunlich gut erhalten, klein aber fein, ganz im Gegensatz zu der Bar. Das Vidphone funktionierte einwandfrei, nachdem Cragg seinen Credstab einführte. Er kontaktierte Dietmar, und nahm sich die neuesten Anweisungen. Nachdem er sich versichert hatte, daß sie am Treffpunkt medizinische Hilfe erwartete, machte er sich daran, wieder zu verschwinden. Als er die Kabine verließ, fiel ihm an einem Tisch, ein junger Mann in einem Rollstuhl auf. Er saß teilnahmslos über seinem Bier gebeugt und starrte auf die verkratzte und verschmutzte Holzplatte seines Tisches. Sein linker Arm war durch eine billige Protese ersetzt, die sofort auffiel. Im Vorbeigehen sah er zu Cragg hoch, und ihre Blicke trafen sich für Sekunden. Cragg spürte, wie er regelrecht an die Wand genagelt wurde. Dann verloren sie sich aus den Augen. Mit dem Gefühl, das Gesicht irgendwo her gekannt zu haben, verließ er die Bar, und machte sich zum Auto auf. Als er die Wagentür öffnete, fiel es ihm wieder ein. Es war das Gesicht des Autobahnkönigs, den er vor 2 Tagen getroffen hatte und der so kläglich gescheitert war. Sollte froh sein, daß er überlebt hat. Wahrscheinlich hat er sich keine bessere Behandlung leisten können, jedenfalls war er schnell wieder auf der Straße, was Cragg annehmen ließ, daß seine Verletzungen nicht allzu schlimm gewesen sein konnten. Bei dem Gedanken an Verletzungen meldete sich seine Seite noch einmal, und erinnerte ihn daran, daß er noch was zu erledigen hatte.
Die Ärzte die Dietmar mitgebracht hatte, verstanden ihr Handwerk, es waren keine billigen Straßenquacksalber. Die Zweigstelle in der sie sich befanden war auch nicht gerade die größte der Firma, aber sie war geeignet, da sie sich in der Nähe befand, und nicht zu auffällig war. Nachdem Cragg und Nick versorgt waren, kam Dietmar zurück und begrüßte sie herzlich. Cragg überlegte sich, ob die Begrüßung genau so freundlich wäre, wenn sie mit leeren Händen erschienen wären. Da sie aber jedoch alles bis auf Baeklands Leben herbringen konnten, war er sichtlich gut gelaunt.
"So, 45 000 Y für jeden von ihnen, der Betrag wurde auf ihr Ebbie überwiesen. Kommen sie wegen des Datenfilters doch nächste Woche einfach mal in unserem Hauptsitz in Magdeburg vorbei. Ich werde sie erwarten."
"Wie geht es Frau Klahr?" fragte Cragg beiläufig.
"Den Umständen entsprechend." war Dietmars ebenso beiläufige Antwort.
Nachdem Cragg eine Woche bei Nick verbracht hatte, und sich noch einmal im Luxus suhlte und seine Wunden pflegte, erfuhr er von Nick, wie es um den Datenfilter stand. Er kam gerade aus Magdeburg, wo er das letzte Treffen mit Dietmar hatte. Es war schon dunkel, und Cragg hatte es sich auf einer Garnitur gemütlich gemacht.
"No chance Chummer. Das Ding ist ein Reinfall. Ohne Baekland kriegen sie es noch nichtmal dazu <beep> zu machen. Was nützen ihnen alle Pläne, wenn sie nur Baekland versteht. Er hatte das Wichtigste in seinem Kopf, HATTE. Wahrscheinlich werdens sie jetzt der anderen Firma, von der Dietmar erzählte, andrehen. Die werdens aber auch nicht zum Laufen bringen."
Cragg blickte zur Decke, und sein Blick durchbohrte die Stockwerke und stieg in die glasklare Sternenacht auf.
"Es wäre ja auch ein zu schöner Traum gewesen."

ENDE




Total scheiße? Lauter Fehler? So kann das gar nicht sein?
Ganz gut? Könnte man veröffentlichen? Fürs erste mal nicht schlecht?
Da dies meine absolut erste Kurzgeschichte für Shadowrun war, erbitte ich jedmögliche Kritik an " "
Genau so gern nehme ich aber auch Lob, Anerkennung, Geldspenden, Mädchenopfer, schnelle Autos, Ferienwohnungen oder totale Unterwerfung entgegen ;-)
>>>>>Was soll man dazu sagen?<<<<<
-- Papillon

Desweiteren habe ich vor, diese Personen in anderen Geschichten weiterzuführen, werde aber noch mehr "Leben" einbringen. D.h. bei meinen nächsten Geschichten werde ich versuchen, ausgefüllter und belebter zu schreiben, mehr Gedanken, mehr Personen und vielleicht gleichzeitige Handlung einzubringen.

In diesem Sinne Chummers,
Bleibt am Leben

Michael Brandt


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