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(von
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1. Versteckspiel
Der Regen durchnäßte schon Dirks Panzerjacke und der junge
Rigger fror. Verdammt, warum fuhr er noch diese verfluchten Rennen? Unruhig
las er die Displayuhr seiner Cyberaugen ab: 21.30. Wo bleiben die Drekheads
nur? Er würde sich auf den Mist auch gar nicht mehr einlassen, aber
die Dreißigtausend pro Rennen machen sich nun mal gut auf dem Ebbi!
Na ja, wenigstens um die Bullen muß er sich keine Sorgen machen.
Die Organisatoren der Rennen hatten, mit soliden Bestechungen, dafür
gesorgt, daß der Straßenabschnitt Polentefrei war. Nachdem
er noch fünf Minuten gewartet hatte kamen ein Nightsky und ein Mercedes
E160, der eindeutig stark modifiziert war, auf den Parkplatz gefahren.
Ein Mann mit einem dunklen Anzug stieg langsam aus dem Nightsky. Dirk aktivierte
seine Lichtverstärkung und öffnete ein Zoomfenster im linken
Auge. Darin konnte er eindeutig Hiro Jakaschima, den Organisator der Rennen
erkennen. Er fluchte innerlich und rannte zu dem Mann. Der Mann schaute
ihn mit einem kalten Geschäftslächeln an und sagte freundlich:
"Guten Abend, Streetraider san! Ich habe mir erlaubt für sie
einen neuen Gegner auszusuchen, darf ich ihnen Dimon vorstellen?"
Der Fahrer des Mercedes war mittlerweile ebenfalls ausgestiegen und schaute
den neunzehnjährigen Dirk argwöhnisch an. Dirk nickte ihm ernst
zu, doch Dimon spuckte aus: "Drek! Das iss ja noch'n Baby! Den puste
ich nach'n ersten fünf Metern schon weg!" Dirk lächelte:
"Das werden wir ja noch sehen Chummer!" Er war es mittlerweile
gewöhnt, von seinen Gegnern beleidigt zu werden. Fakt war, daß
er für einen Autoduellist in seiner Liga, noch ziemlich jung war.
Die meisten anderen Fahrer waren bereits Mitte zwanzig. Fakt war jedoch
auch, daß er verdammt gut und mit seinem Honda bis jetzt noch ungeschlagen
war. Die beiden Fahrer wandten sich wieder dem Japaner zu. Der schaute
sie, immer noch kühl, lächelnd an: "Sie kennen die Regeln!
Das Rennen beginnt, wenn ich diese Pistole abfeuere! Wer zuerst das fünf
Kilometer entfernte Ziel erreicht, ist der Sieger und erhält die üblichen
Dreißigtausend. Alles ist erlaubt, außer das Feuern auf die
Übertragungsdronen! Begeben sie sich nun bitte in ihre Fahrzeuge!"
Dirk lief zu seinem Honda. Er hatte keine Angst, warum auch, daß
war bereits sein neunzehntes Rennen und nie hat er einen nennenswerten
Schaden davongetragen. Er öffnete die Tür und machte es sich
auf dem ledernen Fahrersitz bequem. Nachdem er einige Sekunden untätig
dagesessen war, zog er das dünne Glasfaserkabel aus der Halterung
und stöpselte es in seine Stirnbuchse. Schon begann die Litanei
der Bootroutine des Fahrzeugadapters. Eine sanfte weibliche Stimme irgendwo
in seinem Schädel begann ihm die verschiedenen Systemstati seines
Fahrzeugs zu erzählen:
-System online
-Elektronik IO
-Motor IO
-Getriebe IO
-Treibstoff 12 Liter
-Muniton 1000 Schuß
-Granaten 25 Schuß
-Alle Systeme bereit
In seinem Sichtfeld erschienen zahlreiche Displays, die ihn über
Infos wie Drehzahl, Geschwindigkeit und Munition auf dem laufenden hielten
und in seinem linken Auge erschien ein schwarzes Feld. Hier würde
nachher das Zielsystem seines Mikroturms erscheinen. Sein Smartlink II
und die Fahrzeugsteuereinrichtung arbeiteten hervorragend zusammen. Er
startete den Motor. Die Stimme klärte ihn sofort auf, daß alles
perfekt funktionierte. Verdammt, daß will ich aber auch hoffen, dachte
Dirk leicht verärgert. Manchmal gingen im die Statusmeldungen echt
auf den Wecker. Plötzlich ertönte ein lauer Knall und der Parkplatz
wurde von einer Leuchtkugel mit grellem Licht überflutet. Endlich!
Das war das Startsignal. Dirk gab Gas und der Honda raste mit quietschenden
Reifen vom Parkplatz herunter. Mit einem beiläufigen Gedanken ließ
er seinen kleinen Turm ausfahren und wurde dafür von seinem Wagen
mit einem fast zärtlichen: "Waffensysteme bereit! MG geladen
und entsichert, Granatwerfer entladen und entsichert!", belohnt. Außerdem
erschien, in dem schwarzem Feld in seinem Auge, der Zielmonitor der Smartlinkkamera.
Gelobt sei die Technik. Sei Konkurrent war knapp hinter ihm und er sah
im Rückspiegel, wie sich dessen MGs auf ihn ausrichteten. Fluchend
riß er seinen Wagen nach links und die MG-Salve ging ins Lehre. Nun
stieg er voll in die Eisen! Und der Mercedes schoß an ihm vorbei.
Kurz darauf hatte er den Drekhead in seinem Zielsucher. -Ziel erfaßt,
Trefferwahrscheinlichkeit 96 %!- Das ist doch schon mal was, dachte er
und ließ seine SF-20 bellen. Der Treffer zertrümmerte die Heckscheibe
des Mercedes. Doch dieser ließ seinen Wagen nun eine 180° Wende
vollführen! Verdammt will dieser Narr uns beide umbringen? Dirk konnte
gerade noch ausweichen und schoß mit hundertdreißig an dem
Kerl vorbei! Da traf auch schon die erste MG-Salve seinen Wagen.
-Warnung, Turmhydraulik beschädigt. - Dirk fluchte leise in sich hinein
und drehte seinen Turm. Das Zielbild flackerte leicht und die Erfassung
fiel ihm schwer. Doch schließlich gelang es ihm:- Ziel erfaßt,
Trefferwahrscheinlichkeit 74%!-. Verdammt wenig, doch besser als nichts.
Er feuerte! Ein Schuß durchschlug die Windschutzscheibe des Gegners.
Die anderen prallten wirkungslos ab. Der Mercedes überholte wieder
und feuerte aus nächster Nähe eine Granate. Die Seitenscheiben
des Hondas zerbarsten in tausend Scherben. Ein Splitter durchschlug Dirks
Panzerjacke und drang in seine Schulter ein. Er stöhnte unter dem
brennenden Schmerz. Verdammter Bastard! Er mußte sich zusammenreißen!
Der Mercedes war nun etwa zwanzig Meter vor ihm. Er konzentrierte sich
wieder auf die Steuerung des Turms. Dieser war durch den Schaden verdammt
träge geworden, doch er bekam erneut eine Zielerfassung: - Ziel erfaßt,
Trefferwahrscheinlichkeit 70%- er feuerte. Die Kugeln schlugen in das Heck
des Mercedes ein. Kurze Zeit später schlugen Flammen daraus hervor
und der Wagen kam zum stehen. Tanktreffer! Dirk sah wie sich sein Gegner
aus dem brennenden Wrack befreite und davon rannte. Es wäre ein leichtes
gewesen ihn zu erfassen und ihm ein paar Kugeln hinterher zu schicken,
aber das war nicht Dirks Art. Im Gegenteil, er war jedesmal froh, wenn
sein Gegner überlebte. Er hatte etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt.
Der Rest sollte nun keine Schwierigkeiten mehr bereiten. Er ließ
den Autopilot übernehmen und öffnete seine Jacke um die Wunde
zu begutachten. Als er den verletzten Arm bewegte durchzuckte ihn ein mörderischer
Schmerz. Verdammter Sauhund, in der Hölle soll er schmoren! Er betrachtete
die Wunde. Noch mal Glück gehabt, der Splitter saß nicht sonderlich
tief! Er biß die Zähne zusammen und zog ihn aus der Wunde. Der
Schmerz trieb ihm Tränen in die Augen. Er griff unter den Beifahrersitz
um den Verbandskasten hervorzuholen. Als er gerade dabei war seine Wunde
zu verbinden, machte ihn der Autopilot darauf aufmerksam, daß er
das Ziel erreicht hatte. Ein kurzer Neuralimpuls und das Fahrzeug stand.
Er befestigte notdürftig den Verband und schloß sein Panzerjacke.
Dann öffnete er befriedigt die Tür und stieg selbstsicher aus.
Ein weiterer Sieg für den Streetraider! Er lächelte und schüttelte
den Kopf. Alter Narr, was soll der Mist. Irgendwann gehst du bei den verdammten
Rennen noch drauf. Er lehnte sich mit dem Rücken an sein Auto und
erwartete den Japsen, welcher einige Minuten später auch eintraf.
Die Limousine hielt knapp neben Dirk, so daß er noch einen leichten
Luftzug spürte. Die hintere Tür öffnete sich und der Japaner
ging auf den Rigger zu und schüttelte ihm die Hand: "Herzlichen
Glückwunsch, sie haben sich ihr Geld redlich verdient!" Dirk
nickte nur und nahm den Ebbi entgegen. Als der Japaner wieder mit seinem
Nightsky im Regen verschwunden war, setzte sich Dirk wieder fluchend in
seinen Wagen und verließ ebenfalls den Parkplatz.
Am nächsten Morgen wachte er mit mörderischen Schmerzen in
der linken Schulter auf. Verdammter Mist, die Wunde hatte sich entzündet.
Er richtete sich stöhnend auf und lief in Richtung Bad. Sein Schädel
brummte, als ob er die letzten drei Tage durchzecht hätte. Er ließ
sich erst mal kaltes Wasser über den Kopf laufen, um einigermaßen
klar zu werden. Er rieb sich die Augen und stöhnte leise. Den scheiß
Japsen soll doch der Geier holen! Langsam tastete er über ein Regal,
bis seine Hand eine Schachtel Aspirin zu fassen bekam. Nachdem er sich
drei Tabletten eingeworfen hatte, ging es ihm etwas besser und er wankte
unsicher in die Küche. Dort braute er sich einen wirklich mörderischen
Kaffee, mit dessen Hilfe er unwillig zwei Toasts herunter spülte.
So gestärkt begann er sich anzuziehen. Als er sich das T-Shirt überstreifen
wollte, erinnerte ihn seine Schulter an die Wunde. Er stöhnte vor
Schmerz und beschloß sich ihre Bitte nach sanfterer Behandlung zu
Herzen zu nehmen. Jetzt mußte er erst einmal mit seiner Kiste bei
seinem Mech Tim vorbeischauen. Die Karre hatte gestern doch einiges abbekommen.
Irgendwie schaffte er es bis zu dem Honda und ließ sich erleichtert
auf den Fahrersitz sinken. Er stöpselte sich ein und ließ sie
Bootroutinen über sich ergehen. Dann startete er den Motor. Der Erfinder
der Riggeradaption sollte heilig gesprochen werden; um nichts auf der Welt
wollte er sich jetzt unnötig bewegen. Zwanzig Minuten später
traf er bei Tim ein. Dieser lag gerade unter einem Westwind und pfuschte
an dessen Motor herum. Dirk stieg langsam aus, wobei er seine Schulter
übertrieben schonte und rief: "Hallo Tim, altes Haus. Was macht
der Job?" Tim zog sich unter dem Westwind vor und antwortete fröhlich,
während er sich an seiner Hose die öligen Hände abwischte:
"Hey Dirk, sieht man dich auch mal wieder? Wie geht's denn so?"
Dirk ging auf ihn zu und antwortete leidend: "Frag nicht Chummer!
Meine Kiste hat gestern einiges abbekommen, könntest du sie dir mal
ansehen." Tim lachte: "Schaffst´s du's auch mal ein Rennen
zu fahren, ohne das du das Ding halb zerlegst?" Dirk kicherte: "Hatte
ich eigentlich vorgehabt, aber der Bastard gegen den ich gefahren bin war
da anscheinend anderer Meinung!" Sie gingen zum Wagen rüber und
Tim sah sich den Schaden an und fluchte: "Was ist der Typ den gefahren,
n' Behemoth?" Dirk lächelte: "So was ähnliches, ein
E-160." Tim fuhr sich durch die Haare und sagte seufzend: "Na
ja, daß kriegen wir schon wieder hin. Übrigens Sheila war gestern
hier, sie hat nach dir gefragt." Dirk runzelte die Stirn. Sheila war
seine Schieberin. Wenn sie nach ihm fragte bedeutete das Arbeit, Nachfüllung
fürs Ebbi und meist eine Menge Schmerzen. Er schaute seinen Freund
mißtrauisch an und fragte: "Weißt du um was es geht?"
Tim hatte sich umständlich über den Honda gebeugt und schaute
sich den Schaden an der Turmhydraulik an: "Keine Ahnung. Sollst sie
mal anrufen!" Dirk seufzte: "Darf ich mal dein Teflon benutzen?"
Tim ließ nur ein leises 'hm' vernehmen. Dies als Zustimmung deutend,
machte sich Dirk zum Büro auf. Dort angekommen schob er auf dem Schreibtisch
einigen Papiergram zu Seite , nahm das Telephon ab und wählte die
ihm all zu gut bekannte Nummer. Sheila ließ sich Zeit, doch irgendwann
nahm sie dann doch ab. Dirk begrüßte sie: "Hey Sheila.
Hab gehört, daß ich dich anrufen soll." Sheila antwortete
mürrisch: "Wird auch Zeit, daß du dich meldest! Hätte
da einen kleinen Job für dich!" Dirk seufzte: "Darf man
erfahren um was es geht?" "Ich soll ein Team für einen kleinen
Datenklau zusammenstellen und mir fehlt da noch ein Rigger. Wärst
du interessiert?" "Kommt drauf an", antwortete er vielsagend.
Sheila seufzte: "Die Sache bringt dir fuchzigtausend und du mußt
nicht mal deine Karre riskieren. Wenn du interessiert bist, komm morgen
um 20 Uhr ins Stealhous in Virnheim!" Nachdem sie das gesagt hatte
brach sie die Verbindung ab. Dirk legte auf und dachte nach. Fünfzigtausend
waren schon eine schöne Summe und er konnte mal wieder etwas Abwechslung
gebrauchen. Er beschloß sich die Sache morgen mal anzuhören,
ablehnen konnte er dann immer noch! Er verabschiedete sich von Tim und
nahm sich ein Taxi nach Hause. Wo er es sich mit einem Tee vor dem Trideo
gemütlich machte. Er ließ den restlichen Tag langsam angehen
und ging früh in Bett, konnte jedoch lange nicht einschlafen. Er grübelte
noch lange über Sheilas Auftrag nach. Ein Datenklau! Bis jetzt hatte
sie ihm nur Kurierjobs gegeben. Glaubte sie nun endlich an seine Fähigkeiten?
Als er am nächsten Morgen erwachte, hatte er immer noch leichte
Kopfschmerzen. Langsam richtete er sich auf und streckte sich. Nach ein
paar Minuten raffte er sich auf und setzte sich in Richtung Bad in Bewegung.
Sein Kreislauf wehrte sich kräftig und er mußte sich einmal
an einem Türrahmen festhalten, um nicht zu stürzen. Im Bad angekommen
stützte er sich auf das Waschbecken und schüttelte den Kopf,
als ob er so die Schwäche abschütteln könnte. Nachdem er
sich ausgiebig gewaschen hatte, begab er sich in die Küche und verspeiste
ein mehr als üppiges Frühstück.
Er beschloß sich bis zum Abend zu schonen und verbrachte fast
den ganzen Tag vorm Trideo. Um 18.45 Uhr nahm er sich seine Panzerjacke
von der Garderobe und ging mit neugieriger Vorfreude aus seiner Wohnung.
Was würde diese Sache wohl bringen? Er schlenderte gemütlich
den Gang entlang, bis er den etwas verwahrlosten Aufzug erreichte. Er fuhr
die drei Stockwerke, bis in den Keller hinunter, wo er seine Rapier XS
wie erwartet vorfand. Zufrieden setzte er seinen Helm auf und machte es
sich auf dem Sattel des Motorrads bequem. Er fischte den Codeschlüssel
aus seiner Tasche und steckte ihn ins Schloß. Mit leisem Zischen
öffnete sich eine Blende und das Riggerkabel kam zum Vorschein. Er
stöpselte sich ein und startete die Maschine. Er genoß das Gefühl,
wie das Motorrad auf seine Gedanken reagierte und steuerte die Maschine
aus der Garage. Der Verkehr war eigentlich ganz erträglich und er
verließ Schwetzingen in Richtung Kirchheim, um dort auf die Autobahn
zu fahren. Auf der Autobahn war für diese Uhrzeit ziemlich wenig Verkehr.
Dirk murrte; zum Teufel mit den verfluchten Hundert. Er drehte seine Maschine
auf und beschleunigte auf 180. So machte das Fahren doch erst richtig Spaß.
Nach wenigen Minuten erreichte er das Kreuz Viernheim und wechselte die
Autobahn. Bald darauf stand er vorm Stealhouse und stellte seine Maschine
ab. Das Stimmengewirr der Jugendlichen vor der Disco mischte sich mit der
lauten Musik von drinnen. Dirk grinste. Das war sein Leben. Es war erst
halb acht und so hatte er noch etwas Zeit sich zu vergnügen. Er aktivierte
die Alarmanlage des Motorrads und machte sich fröhlich, in Richtung
des Eingangs, auf den Weg. Er stellte sich belustigt vor, was passieren
würde, wenn einer die Maschine klauen wollte. Tja 2000 Volt tun Wunder!
Plötzlich stellten sich ihm zwei Gangmitglieder in den Weg. Beide
waren ziemlich heruntergekommen und es gelang ihm nur mit Mühe ihr
Alter auf etwa 14 zu schätzen. Der eine fuchtelte ihm mit einem Messer
vor der Nase herum und sagte möglichst cool: "Hey Alter. Ja ich
mein dich Pisser! Has bestimmt ´n paar Almosen für zwei arme
Jugendliche!" Er unterbrach sich kurz und kicherte, dann sprach er
weiter, während er sich unruhig im Takt der Musik bewegte: "Wenn
nicht isses auch nich schlimm! Dann verschönern wir dir halt deine
häßliche Fratze!" Dabei machte er eine unmißverständliche
Geste mit seinem Messer. Dirk war wütend, diese Kerle konnten einem
den ganzen Abend verderben. Er griff sich langsam in die Jacke, als wollte
er seinen Ebbie herausholen. Dann zog er blitzschnell seine Combat und
hielt sie dem Drekhead unters Kinn. Dieser wurde kreidebleich und wich
einen Schritt zurück: "Hey Chummer, keine Panik Mann!" Dirk
winkte mit der MP und antwortete grimmig: "Erstens, ich bin nicht
dein Chummer! Zweitens gibt es heute keine Almosen. Und letztens, wenn
ihr euch nicht turbomäßig vom Acker macht, werde ich euch zusätzliche
Nasenlöcher verschaffen, komprende?" Die Typen drehten sich um
und rannten mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit davon. Dirk sah ihnen
grinsend zu, die würden ihn nie wieder belästigen! Am Eingang
angekommen bezahlte er die acht EC Eintritt. Der Laden wurde auch nicht
billiger. Er ging lächelnd am Securityguard vorbei, der ihn mit einem
Metalldetektor abtastete. Kein Alarm! Gelobt sei der Erfinder der Urban
Combat! Nun stürzte er sich ins Vergnügen. Er kämpfte sich
durch die undefinierbare Masse aus menschlichen Körpern hindurch,
bis er die Tanzfläche erreicht hatte. Dort gab er sich völlig
dem Rhythmus der Musik hin. Nachdem er zwanzig Minuten ausgiebig getanzt
hatte, begab er sich gut gelaunt zu einem Tisch der am Rande des infernalen
Getümmels stand. Dort wurde er schon von Ulbrich, dem Besitzer des
Stealhouse erwartet. Ulbrich war ein Zwerg mittleren Alters und stellte
Sheila oft ein Hinterzimmer für besondere Anlässe zur Verfügung.
Dirk begrüßte den Zwerg, wobei er verzweifelt versuchte die
Musik zu übertönen: "Hallo Ulbrich, wie geht's denn so?"
Ulbrich lachte lautstark und seine mächtige Stimme war trotz der Musik
gut zu hören: "Hoi, Streetraider! Kann mich nicht beschweren,
wieder ne heiße Sache am brodeln?" Dirk lächelte verschmitzt:
"Keine Ahnung, Chummer! Deswegen bin ich hier. Vielleicht will Sheila
auch nur eine Party mit uns feiern!" Ulbrich lachte abermals und bedeutete
dem Rigger mit einem Nicken, daß er ihm folgen solle und bahnte sich
seinen Weg durch die Menge. Dirk trottete ihm gehorsam hinterher. Nach
kurzer Zeit und zahlreichen Anremplern erreichten sie eine kleine unscheinbare
Tür. Ulbrich öffnete und machte mit dem Arm eine einladende Geste:
"Du kennst ja den Weg!" Dirk nickte und ging in den Gang. Als
sich die Tür hinter ihm schloß, blieb er stehen und genoß
die plötzliche Ruhe. Die Tür war schallisoliert, um im Hinterzimmer
vernünftige Besprechungen zu ermöglichen. Auf einmal wurde die
himmlische Ruhe wieder von der lärmenden Musik zerrissen. Dirk drehte
sich stöhnend um und erwartete ein weiteres Teammitglied zu sehen.
Statt dessen entdeckte er eine Jugendliche die vor ihm im Gang stand. Es
war ziemlich dunkel und er konnte sie nur schemenhaft sehen. Sie hatte
lange, anscheinend dunkelbraune, Haare, war etwa 1,6 Meter groß und
ziemlich schwächlich. Verdammt, was macht ein Kind hier hinten! Sie
muß ihm heimlich durch die Tür gefolgt sein. Verfluchte neugierige
Göre! Er stürmte entschlossen vor, ergriff sie an den Schultern
und schrie sie grimmig an: "Was machst du hier! Du hast hier nichts
zu suchen!" Einen Moment lang trafen sich ihre Blicke. Er sah nun
ihre feinen spitzen Ohren und ihr zartes Gesicht. Ihre Augen glühten
vor Wut. Er war einen Augenblick verunsichert und sein Griff ließ
nach. Die Kleine riß sich los und schlug ihm wütend schreiend
ins Gesicht: "Faß mich nie wieder an, verdammter Drekhead!"
Dirk stand einige Sekunden wie angewurzelt da. Er hatte sie mittlerweile
losgelassen und schaute sie fassungslos an. Die Kleine funkelte ihn von
unten an und atmete heftig. Ihm wurde der Scherz in seiner Wange bewußt.
Das Mädchen schlug eine gute Kelle! Verdammt war das ein Luder, aber
ihre Stimme und ihre Augen... Dirk blickte auf den Boden um ihrem Blick
auszuweichen und schüttelte wütend den Kopf! War er jetzt völlig
durchgeknallt! Die Kleine hatte ihn gerade geschlagen und er erfreute sich
an ihrem Gesicht. Plötzlich hörte er hinter sich eine wütende
Stimme: "Raider! Bist du jetzt völlig verrückt? Warum greifst
du Matschbirne einen Teamkollegen an?" Er drehte sich um und starrte
fassungslos in Sheilas Gesicht. Die Schieberin war von vier weiteren Runnern
umringt. Ein Elf stürmte an dem immer noch fassungslosen Rigger vorbei
und versetzte ihm dabei einen Schlag in den Magen. Dirk krümmte sich
stöhnend und sah ihm nach. Der Elf stand mittlerweile bei dem Mädchen
und redete beruhigend auf sie ein. Jetzt wurde ihm einiges klar und er
dachte wütend: "Ich Narr, die Datenbuchse! Sie ist eine Deckerin.
Zugegeben sie ist ziemlich jung, aber Sheila weiß was sie tut. Warum
mußt gerade mir das passieren?" Er ging auf die Kleine zu. Der
Elf funkelte ihn böse an, doch Dirk schaute das Mädchen an und
sagte schüchtern: "Sorry, ich konnte ja nicht wissen..."
Die Kleine riß den Kopf zu einer arroganten Geste nach oben und sagte
zu dem Elf: "Houl, schau wo du mich hingebracht hast. Mit solchen
Stümpern soll ich arbeiten?" Sie ging erhobenen Hauptes an Dirk
vorbei und alle umstehenden brachen in schallendes Gelächter aus.
Dirk wurde rot, verdammt peinliche Lage. Sheila bedeutete ihnen ihr zu
folgen und ging in den Besprechungsraum. Nachdem sie sich alle gesetzt
hatten begann sie zu sprechen: "`n Abend Chummers. Freut mich, daß
ihr alle erschienen seid. Bevor wir zum Geschäftlichen kommen werde
ich euch erstmal vorstellen. Meiner Meinung nach vereinfacht es die Besprechung
stark, wenn jeder weiß, welche Rolle sein gegenüber spielt und
was er von ihm erwarten kann! Fangen wir mit Claw an:" sie deutete
auf einen hageren Mann, welcher eindeutig stark modifiziert war; "Er
wird für physische Unterstützung sorgen. Seine Erfahrungen und
Fertigkeiten als Kämpfer sind mehr als zufriedenstellend! Das gleiche
gilt für Hänger und Fireball;" Sie deutete dabei auf zwei
ebenfalls bis an die Grenze des machbaren verchromte Runner, einen Zwerg
und einen Ork. Jetzt wandte sie sich an den Elfen: "Das ist Houl,
er folgt Wolfs Pfad und wird für magische Unterstützung sorgen.
Neben ihm sitzt Little Girl,", sie lächelte die junge Elfe an:
"Sie ist eure Deckerin und auf ihrem Gebiet ein absolutes As. Und
last not least, Streetraider," Sie deutete grimmig lächelnd auf
Dirk: "Er wird euer Rigger sein. Ein hervorragender Fahrer, der sich
auch durch gute Kampffertigkeiten und hochwertige Verdrahtung auszeichnet,
wenn er auch manchmal etwas impulsiv ist!" Dirk senkte verlegen den
Kopf und Sheila sprach weiter: "Jetzt zum geschäftlichen. Wie
ihr wisst, handelt es sich um einen simplen Datenraub. Das einzige
Problem besteht darin, daß der Zielhost nicht an das Gitter angeschlossen
ist und ihr somit Little zum Einstöpselpunkt bringen müßt,
den Rest erledigt sie!" Sie nickte der Kleinen zu und sprach weiter:
"Ziel der Aktion ist Intertech, ein Tochter der AG-C, bei den Daten
handelt es sich um Informationen über ein Projekt der AG-C. Ich erwarte
mittleren physischen und starken Matrixwiderstand. Ich bin bereit jedem
von euch die bereits genannte Summe für die Ausführung des Auftrags
zu zahlen. Seid ihr interessiert?" Dirk lächelte, das war eine
ziemlich geschickte Formulierung, jeder wurde also unterschiedlich bezahlt,
Sheila vermied aber Diskussionen, da keiner die Bezahlung des anderen kannte
und es gegen die Etikette verstoßen würde, danach zu fragen.
Alle waren einverstanden. Sheila kramte in ihrem Koffer und sagte zufrieden:
"Nun gut! Hier sind Pläne von Gebäuden und Gitter!"
Sie rollte einige Pläne aus und begann Einzelheiten zu erklären.
Danach besprachen die Runner ihre Vorgehensweise. Dirk mußte sich
immer wieder wundern, die kleine Elfe schien ziemlich erfahren zu sein.
Jedesmal wenn er sie ansah, mußte er lächeln. Er fand die Kleine
einfach süß und irgendwie sympathisch. Verflucht, sie war ein
Kollege! Keine Gefühle während eines Runs, oder du wirst nicht
sehr alt, ermahnte er sich immer wieder. Aber der Anblick des Mädchens
nahm ihn gefangen. Er biß sich auf die Lippen und dachte verzweifelt:
"Laß dir nur nichts anmerken!"
Nach einer Stunde war die Besprechung beendet und sie standen auf. Als
sie das Haus verlassen hatten streckte sich Dirk genüßlich.
Er wandte sich den anderen zu und sagte: "Wir sollten uns erst mal
die Hardware ansehen!" Claw, Hänger und Fireball nickten zustimmend,
während Little abweisend von ihm weg sah und Houl auf sie einredete.
Der Rigger zuckte mit den Schultern, allmählich konnte sie ihn mal,
was hatte er ihr denn getan? Er ging zu dem Inrido, den man ihnen zur Verfügung
gestellt hatte. Im Innern des Lieferwagens entdeckte er eine Ruhrmetall
Maus IV mit ZwillingsMG. Er sah sich die Drohne an und stellte zufrieden fest,
daß beide Fahrzeuge über einen Fahrzeugadapter verfügten. Dirk stieg
wieder aus und sah seine Kollegen an: "Alle Achtung. Sheila hat ganze
Arbeit geleistet, das Zeug ist absolute Spitze." Little Girl schaute
ihn hochnäsig an und sagte geringschätzig: "Dann können
wir ja anfangen! Wenn es dem Herr genehm wäre. Auf deutsch; warum
bist du noch nicht eingestöpselt?" Ein Schauder raste durch Dirks
Körper, aber er konnte der Kleinen einfach nicht böse sein. Wortlos
wandte er sich ab und begab auf den Fahrersitz. Houl setzte sich neben
ihn, während die anderen hinten einstiegen. Dirk war das sehr recht,
denn der Schamane schien die Deckerin zu kennen. Solche Fragen verstoßen
zwar gegen die Straßenetikette, aber... egal. So konnte er zumindest
etwas über die Kleine erfahren. Er stöpselte sich ein. Als die
Riggerbootroutine ihm den Typ des Autopiloten verriet nickte er hochachtungsvoll.
Ein Fuchi Ki-Operator IV, so ziemlich das beste auf dem zivilen Markt.
Er startete den Motor und fuhr in Richtung Worms, wo sich das Werk der
Intertech befand. Als sie die Autobahn erreicht hatten, aktivierte Dirk
den Autopiloten und unterbrach die Riggerverbindung. Er streckte sich genüßlich
und sagte zu Houl: "Sag mal Chummer, ist Little Girl immer so zickig?"
Houl lachte: "Meistens. Sie hat in ihrem Leben viel mitgemacht und
haßt es, wie ein kleines Mädchen behandelt zu werden. Nun ja
Kumpel, ich glaube, du bist bei ihr unten durch." Houl sah das traurige
Glänzen in Dirks Augen, als er das sagte, überging es aber. Nach
einer Stunde standen sie vor dem Werk in Worms. Dirk parkte abseits vom
Haupteingang zwischen dem Zaun und einem verfallenen Lagehaus. Houl schloß
seine Panzerjacke, die Feier konnte beginnen. Als er ausstieg rief ihm
Dirk noch nach: "Ladet noch die Maus IV aus! Und Houl... Viel Glück!"
Houl drehte sich nochmals um und lächelte: "Danke. Halt die Ohren
steif!" Dirkt nickte. Bald sah er den Trupp unter Houls Führung
zum Zaun laufen. Claw trug irgend etwas auf dem Rücken, aber Dirk
konnte nicht erkennen, was es war. Er stöpselte sich in die Fernsteuerung
ein und drehte mit der Maus einsam seine Runden.
Claw nahm die Spezialleiter vom Rücken und entfaltete sie. Mit
großer Geschicklichkeit stellte er sie so auf, daß eine Brücke
über den Zaun entstand. Sie kletterten schnell über die Leiter
um zu verhindern, daß sie von einer Streife entdeckt wurden. Dann
rannten sie zum Hauptgebäude. Das Magschloß bot dem Knacker keinen
Widerstand und so standen sie bald in einem dunklen Gang. Das Terminal
lag nur einige Türen weiter und sie erreichten es ohne besondere Schwierigkeiten.
Houl begann sich Sorgen zu machen, es lief einfach alles zu glatt. Die
Streetsams gingen in Stellung und Little Girl machte sich am Computer zu
schaffen. Houl kniete neben ihr. Als sie sich einstöpselte legte er
ihr die Hand auf die Schulter und sagte sanft: "Paß auf dich
auf kleine Schwester!" Die Kleine lächelte und nickte. Sie setzte
sich auf einen Stuhl und aktivierte die Verbindung. Von da an nahm sie
den Raum, in dem sie sich befanden, nicht mehr war. Die Zeit verging, obwohl
es nur Sekunden waren, kam es dem Team wie eine Ewigkeit vor. Es war immer
wieder zermürbend, untätig zu warten bis der Decker seinen Job
erledigt hatte. Sie hatten in dem Raum kein Licht eingeschaltet, doch dank
ihrer Sichtmodifikationen und den empfindlichen Augen des Elfs konnten
alle einigermaßen vernünftig sehen. Was sie jedoch nicht vor
den Geschehnissen der nächsten Minuten bewahren sollte. Plötzlich
ging das Licht an und ein Wachmann trat herein. Sie hatten sich von der
Ruhe einlullen lassen und waren jetzt völlig überrascht. Der
einzige der reagierte war Claw, doch der Wachmann war schneller. Ein Schuß
zerriß die Stille und Houl sah entsetzt, wie eine Blutfontäne
Claws Hinterkopf verließ. Der Kämpfer brach leise röchelnd
zusammen. Der Wachmann schaute sie grimmig an und sagte: "Waffen weg
und keine Tricks, sonst könnt ihr euch zu ihm in die Hölle gesellen!"
Houl ließ seine Waffe fallen und murmelte dabei unauffällig
eine Zauberformel. Der Wachmann wankte auf einmal, während Houls Züge
sich veränderten. Einen Moment lang schien es, als ob in seinem Gesicht
sich ein Fell ausbreiten wollte, dann verschwand dieser Effekt jedoch wieder
und der Wachmann brach lautlos zusammen. Houl fluchte leise vor sich hin
und hob seine Waffe wieder auf. Jetzt war´s aus mit der Heimlichkeit.
Er mußte ein Ablenkungsmanöver starten, sonst würde es
hier bald nur so von Wachen wimmeln. Er ging zu Hänger und sagte grimmig:
"Komm, wir werden den Pissern mal etwas Feuer unterm Arsch machen!
Fireball, wir treffen uns in zehn Minuten am Wagen!" Der Ork nickte
und Hänger verließ mit Houl den Raum.
Dirk wartete ungeduldig. Plötzlich hörte er einen Schuß.
Verdammt was sollte er tun, mit der Drone kam er nicht über den Zaun.
Hoffentlich passiert der Kleinen nichts. Verfluchtes warten. Zwei Minuten
später ertönten weiter Schüsse, die jedoch aus einer völlig
anderen Richtung kamen. Kurz darauf gab es auch noch eine Explosion. Was
zum Teufel ging da drinnen vor?
Little Girl spürte, wie die Welt um sie herum verschwamm. Sekundenbruchteile
später fand sie sich in einem riesigen Garten wieder. Sie war endlich
in der Matrix. Hier fühlte sie sich wohl. Sie schaute an sich herunter
und schüttelte lachend den Kopf. Was hatte ein so schmuddeliges Straßenkind
in einem so noblen Garten zu suchen? Sie nahm einige Modifikationen an
ihrem Icon vor Zum Glück war sie nicht wie ein normaler Decker an
ein Icon gebunden, sondern konnte als Otaku ihr Icon ziemlich frei modifizieren.
Bald war sie eine kleine Gärtnerin mit einer hübschen grünen
Schürze. Lächelnd sah sie sich um. Das paßte doch schon
viel besser ins Bild, war ja auch ihre Idee. Sie schlenderte durch den
Garten und beobachtete einige Gärtner bei der Arbeit. Wahrscheinlich
waren es Anwendungen, die ein Peripheriegerät bedienten. Sie entdeckte
auch ein paar Tiere, unter anderem einen Hund und ein paar Vögel.
Diese waren wahrscheinlich nicht ungefährlich, sie konnten von Sonden
bis Killerice alles sein, aber Little war sich ziemlich sicher, daß
es sich um ICE handelte. Na ja, wenn sie sich unauffällig verhielt
würden sie sie in Ruhe lassen und außerdem waren sie sehr schön
modelliert, es war eine Freude ihnen zuzusehen. Auf einmal haderte sie
mit sich selbst. Es passierte ihr immer wieder, daß sie beim Anblick
der Schönheit und Reinheit der Matrix ihre Arbeit vergaß. Sie
war schließlich nicht zum Vergnügen hier! Nach kurzer Überlegung
hatte sie ein Suchprofil der Daten zusammengestellt; Gemeinschaftsprojekt
mit AG-C, neue Bioware, streng geheim, Red Eagle. Sie ging zu einem der
Gärtner und fragte ihn höflich: "Guten Tag Kollege. Ich
habe da ein kleines Problem. Ich soll mich um eine besondere Pflanze kümmern.
Eine noch sehr geheime Rose namens Red Eagle, sie soll mit der AG-C zusammen
gezüchtet worden sein und genetisch verändert sein. Ich weiß
jedoch beim besten willen nicht, wo sie steht. Kannst du mir da helfen?"
So übersetzte sie ihre Frage in die Metaphorik dieses Systems. Der
Gärtner schaute sie mißtrauisch an, doch dann sagte er lächelnd:
"Tja der Boß ist auch nicht mehr das, was er mal war, die Pflanze
steht bestimmt irgendwo im verbotenen Garten." Er zeigte auf eine
große Dornenhecke. Die Elfe bedankte sich und ging darauf zu. Plötzlich
bemerkte sie, das einige Vögel über ihr kreisten. Verdammt Sonden-ICE
jetzt heißt es vorsichtig sein! Nachdem sie einmal um die Hecke herum
gelaufen war entdeckte sie einen Eingang, der jedoch von einem Greif bewacht
wurde. Sie ging auf das Fabelwesen zu und sprach es vorsichtig an: "Ich
müßte in den verbotenen Garten, um dort einige Arbeiten zu erledigen."
Der Greif schaute sie mißtrauisch an und antwortete mit tiefer Stimme:
"Zeig mir deinen Erlaubnisschein!" Little griff in die Tasche
ihrer Schürze und zog einen Zettel heraus, den sie dem Greif gab.
Der Greif schaute sie wütend an und grollte: "Das ist eine Fälschung!
Ich werde dich aus dem Garten fegen!" Das Mädchen schleuderte
blitzschnell einen Wurfstern gegen das ICE und es brach zusammen. Plötzlich
verdunkelte sich der Himmel und ein Gewitter zog auf. Little las
schnell den Systemstatus ab. Verdammt, passiver Alarm, das hatte ihr gerade
noch gefehlt. Sie ging in den verbotenen Garten hinein. Es begann zu regnen
und sie fror bitterlich. Verdammte Sysops! Das war doch wohl etwas zu realistisch.
Sie entdeckte ein Hinweisschild und las die Aufschrift. Nach jedem lesen
erschien eine neue Aufschrift. Ein Inhaltsverzeichnis, hervorragend. Bald
fand sie die Datei und ihr wurde klar warum man ihr mißtraut hatte.
Es war gar keine Pflanze, sondern ein Krug, auf dem Grund eines Brunnens.
Sie analysierte das Wasser und wurde in ihrer Vermutung bestätigt;
es handelte sich um Wirbel-ICE. Sie konzentrierte sich auf die Entschlüsselung
und bald lag der Krug vor ihr auf dem Boden. Sie steckte ihn ein und der
Kopiervorgang begann. Plötzlich verstärkte sich das Gewitter,
der Himmel wurde ununterbrochen von Blitzen durchzuckt und es begann zu
hageln. Little versuchte mit den Händen ihren Kopf zu schützen.
Aktiver Alarm, schlimmer konnte es nicht werden! In diesem Punkt irrte
sie sich jedoch! Wie aus dem nichts tauchte ein zähnebleckender Höllenhund
vor ihr auf. "Oh Gott, Schwarzes ICE, jetzt geht's mir an den Kragen!",
dachte sie verzweifelt. Doch sie blieb standhaft, sie mußte warten,
bis der Kopiervorgang beendet war, sonst war alles umsonst. Sie rief ihr
Sprite und neben ihr erschien ein kleiner Straßenköter. Der
Höllenhund sprang sie an und riß ihr ein Stück Fleisch
aus der Schulter. Ein furchtbarerer Schmerz durchzuckte sie, doch sie stellte
erleichtert fest, daß es sich nur um Non-Lethal-ICE handelte. Sie
schaute den Straßenköter an und schrie: "Struppi, faß!"
Der Hund griff unerschrocken den viel größeren Gegner an. Doch
nach kurzem Kampf wurde er von dem Höllenhund zerfetzt. Little sah
traurig zu und dachte: "Tut mir leid Kleiner, aber das mußte
sein! Bis zum nächsten mal." Ihre Gehirn signalisierte ihr, daß
der Ladevorgang abgeschlossen war und sie veranlaßte sofort, das
ihr Speicher von der Matrix getrennt wurde. Als sie sich gerade ausstöpsen
wollte, sprang der Höllenhund sie erneut an. Diesmal zerfetzte er
ihr jedoch die Kehle. Sie wurde ausgeworfen und war augenblicklich bewußtlos.
Als der Ork sah wie das Mädchen zuckend vom Stuhl fiel, geriet
er in Panik. Er stand auf und rannte aus dem Gebäude heraus, ohne
sich nochmals um das Mädchen zu kümmern. Anstatt über den
Zaun zu klettern sprengte er ihn einfach und lief zum Wagen wo ihn ein
völlig verwirrter Rigger erwartete und ihn anschrie: "Was zum
Teufel ist da drinnen passiert?" Der Ork stotterte vor sich hin: "Wir
wurden überrascht. Die Deckerin wurde gegrillt. Alle Tot! Wir müssen
weg!" Dirk packte ihn an den Schultern und schrie wütend: "Reiß
dich zusammen, die anderen müssen noch leben, es wird doch noch geschossen?
Was ist mit Little? Bist du sicher, daß sie tot ist?" Beim letzten
Satz stiegen ihm Tränen in die Augen. Fireball starrte ihn seltsam
an und sagte böse: "Nein bin ich nicht. Meinst du ich riskiere
für eine Fee meine Haut und bleibe wegen ihr nur eine Sekunde länger
in so einer Hexenküche?" Er drehte sich um und rannte davon.
Dirk konnte kaum noch klar denken, er wies die Maus IV an die Stellung
zu halten und rannte mit gezückter Urban Combat durch den zerstörten
Zaun. In seinem Auge erschienen Zielkreuz und Statusanzeigen der Waffe,
33 Schuß im Magazin, Waffe feuerbereit. Er kannte die Pläne
des Gebäudes ebensogut wie die anderen und so fand er schnell den
Raum, in dem sich Little eingestöpselt hatte. Als er sie regungslos
unter dem Tisch liegen sah blieb ihm fast das Herz stehen. Er ließ
sich vor ihr auf den Boden fallen und schrie verzweifelt: "Bitte,
Kleine, daß darfst du mir nicht antun!" Er legte seine Hand
auf ihren Brustkorb und stellte glücklich fest, daß sie noch
schwach atmete. Schnell riß er ihr das Kabel aus der Datenbuchse
und hob sie auf die linke Schulter. Ein Stechen trieb ihm Tränen in
die Augen und er schrie auf. Er hatte seine Verletzung ganz vergessen.
Langsam trug er das Mädchen stöhnend aus dem Raum. Als er die
Tür schon fast erreicht hatte fiel ein Schuß. Dirk wurde an
der rechte Schulter getroffen und stürzte hart. Little überschlug
sich einige male und blieb dann regungslos liegen. Dirk warf sich zur Seite
und eine weitere Kugel schlug genau an der Stelle ein, wo er gelegen hatte.
Er sah den Wachmann, der bereits wieder auf ihn zielte. Doch diesmal war
Dirk schneller, der Wachmann konnte mit den durch Bioware gepuschten Reflexen
des Riggers nicht mithalten. Die MP ließ ein leises Zischen vernehmen
und auf der Brust des Wachmannes wurden drei kleine Löcher sichtbar,
um die sich ein ständig wachsender dunkler Rand bildete. Der Mann
sah Dirk überrascht an und brach zusammen. "Sorry, Chummer.",
dachte Dirk und hob Little wieder auf. So schnell er konnte lief er weiter.
Er schien die Schußverletzung gar nicht zu spüren.
Houl rannte in Richtung Wagen. Es war ihnen gelungen die Sicherheitskräfte
abzulenken, aber sie hatten einen hohen Preis bezahlt. Hänger war
von einem Schreckhahn getötet worden. Houl hatte sich dann unsichtbar
gemacht und versuchte nun das Auto zu erreichen. Als er dort ankam stellte
er verwundert fest, daß keiner der anderen hier war. Zum Teufel,
was ist nun schon wieder passiert. Er wollte gerade wieder in das Gebäude
stürmen, als er Streetraider mit Little auf dem Rücken sah. Er
ließ den Zauber fallen, damit sie ihn sehen konnten. Plötzlich
kam ihm ein Gedanke, er ging auf astrale Wahrnehmung und schaute sich die
beiden an. Erleichtert stellte er fest, das Little, bis auf einige Schürfwunden,
unverletzt war. Bei dem Rigger sah das schon anders aus. Der Schamane sah
bei ihm große Wut, Sorge. Außerdem schien er einiges Blut verloren
zu haben. Houl eilte ihm entgegen um im zu Helfen. Der Rigger sah ihn verzweifelt
an: "Wir müssen sie schnell zu einem Arzt bringen!" Houl
nahm ihm das Mädchen ab und sagte: "Nicht nötig, sie ist
in Ordnung, aber du siehst schlecht aus!" Dirk schrie ihn an: "Mir
geht es blendend, aber die Kleine! Das Ice hat sie erwischt!" Houl
schrie jetzt seinerseits: "Verflucht, ich sagte sie ist in Ordnung.
Ich habe sie gescannt! Laß uns hier verschwinden." Sie liefen
zum Auto und legten Little hinten hinein. Dirk wies die Drohne an hier
zu bleiben und Verfolger aufzuhalten. Dann rasten sie davon. Nach einigen
Minuten brach der Kontakt zu der Drohne ab. Sie war wahrscheinlich zerstört
worden. Houl sah den Rigger besorgt an. Plötzlich hielt Dirk das Auto
an. Er begann zu wanken und hielt sich den Kopf, dann brach er zusammen.
Houl untersuchte ihn und stellte erschrocken fest, daß er beinahe
tot war. Der Zauberer legte ihm die Hand auf die Schulter, und versuchte
einen Heilzauber zu sprechen. Es fiel ihm ziemlich schwer, verfluchte Cyberware,
doch es gelang. Der Rigger blib zwar bewußtlos, aber würde es
überleben. Danach programmierte er den Autopiloten. Er würde
sie zu seiner Wohnung bringen.
Houls Wohnung lag am Rand von Heidelberg im Stadtteil Boxberg. Es handelte
sich um ein kleines Apartment in einem der dortigen Hochhäuser. Er
stellte den Inridio in der Tiefgarage ab und öffnete die Ladepritsche.
Dort sah er Little Girl, sie rieb sich den Kopf und ihre Stirn blutete.
Als sie ihn sah fragte sie mit schmerzverzerrtem Gesicht: "Was ist
geschehen Markus?" Er reichte ihr die erleichtert Hand, sie konnte
sich noch an seinen Namen erinnern, also konnte das ICE sie nicht allzu
hart erwischt haben. Er half ihr auf die Beine und antwortete: "Später
kleine Schwester. Du mußt mir erst helfen Raider in meine Wohnung
zu bringen. Die anderen hat es erwischt!" Little, oder Nathalie, wie
sie mit richtigem Namen hieß, atmete verächtlich aus: "Ausgerechnet
dieser Drekhead mußte durchkommen!" Das klang zwar sehr hart,
aber Markus kannte sie besser. Er hörte in ihrer Stimme die gut versteckte
Erleichterung und erwiderte mit gespieltem Ernst: "Du solltest nicht
so von ihm reden! Immerhin hat er dir das Leben gerettet!" Alle Härte
verschwand aus dem Gesicht der Elfe und machte Überraschung und ängstlicher
Sorge Platz. Sie wollte anfangen zu sprechen, aber der Schamane legte seinen
Finger auf die Lippen und sagte: "Ruhig, er lebt hilf mir ihn hoch
zu tragen. Sie trugen ihn zusammen in den Aufzug. Markus bewunderte das
Mädchen. Sie mußte am Ende sein, unterstützte ihn jedoch
mit aller Kraft. Sie schleppten den Rigger durch die geschmackvoll in indianischem
Stil eingerichtete Wohnung und legten ihn vorsichtig im Schlafzimmer aufs
Bett. Markus sah, daß Nathalie leicht wankte und sagte besorgt: "Du
solltest dich ein bißchen hinlegen!" Sie schüttelte jedoch
trotzig den Kopf: "Erst erzählst du mir, was da draußen
passiert ist!" Der Schamane seufzte: "Na gut. Du gibst ja doch
keine Ruhe! Setz dich ins Wohnzimmer, ich mache uns erst mal ne Ladung
Soykaff." Das Mädchen gehorchte und nach zehn Minuten saßen
sie mit einem wunderbaren Kaffee am Wohnzimmertisch. Markus begann zu erzählen
und Nathalie hörte zur Abwechslung mal aufmerksam zu: "Eigentlich
gibt es da gar nicht so viel zu erzählen. Während ich mit Hänger
das Ablenkungsmanöver aufzog, wurdest du ohnmächtig. Fireball
drehte durch und rannte davon, worauf Raider ins Gebäude stürmte
und dich raus holte. Dabei hat er sich eine Kugel eingefangen und ist gestürzt.
Hänger wurde auf der Flucht von einem Schreckhahn erwischt. Das war´s!
Run vergeigt, zwei Mann tot, einer verschollen einer schwer Verletzt. Scheiß
Bilanz, meinst du nicht auch?" Nathalie tastete nach der Schürfwunde
an ihrem Kopf. Jetzt war ihr klar, woher sie die hatte. Aber dafür
konnte sie dem Rigger wirklich nicht böse sein, im Gegenteil, sie
machte sich ziemliche Vorwürfe wegen seiner Verletzung. Sie schaute
Markus mit ihren großen, klugen Augen ernst an und sagte: "In
einem Punkt hast du nicht Recht! Der Run war ein Erfolg, ich habe die Datei!
Aber warum hat Raider sein Leben für mich riskiert? Er wäre beinahe
für mich gestorben. Ich war furchtbar ungerecht zu ihm!" Beim
letzten Satz schluchzte sie leise. Der Schamane legte ihr tröstend
die Hand auf die Schulter: "Er wird es schon überstehen. Ist
`n zäher Bursche. Ich weiß nicht, warum er dich da raus geholt
hat. Kann nämlich keine Gedanken lesen! Aber als ich ihn asscannte,
sah ich nur Sorge und Angst um dich! Er schien weder Schmerzen noch Todesangst
zu haben. Auch später sorgte er sich so sehr um dich, daß er
seine eigene Verletzung vernachlässigte und beinahe starb. Es klingt
verrückt, aber ich glaube er hat dich sehr gern. Verdammt ich versteh´s
auch nicht!" Plötzlich erinnerte er sich, was die Kleine geleistet
hatte, als sie Raider hierhoch gebracht hatten und er fragte vorsichtig:
"Magst du ihn auch?" Sie wich seinen Blicken aus und antwortete
schüchtern: "Ja. Es hat keinen Sinn dich zu beschwindeln , du
würdest doch die Wahrheit erkennen. Ich weiß nicht warum, aber
ich fühle mich zu ihm hingezogen. Ich werde mal nach ihm sehen!"
Sie wollte aufstehen, doch Markus sah sie streng an und sagte: "Einen
Teufel wirst du tun! Du ruhst dich jetzt erstmal aus und ich kümmere
mich um ihn! Ich kann keine zwei halbtoten in meiner Wohnung gebrauchen."
Das Mädchen schmollte gespielt und antwortete trotzig: "Ja, Papi.
Das Töchterchen legt sich ja schon hin. Darf ich noch das Sandmännchen
sehen?" Darauf begannen beide herzlich zu lachen. Markus besorgte
noch eine Decke für Nathalie und sah nach Dirk. Der Rigger würde
nicht vor morgen früh zu sich kommen. Jetzt legte auch er sich schlafen.
Er mußte sich heute mit dem Boden begnügen, aber er schlief
trotzdem zufrieden ein. Irgendwo heulte Wolf ihm anerkennend zu.
Houl wachte irgendwann gegen elf auf. Das Tageslicht blendete seine
müden Augen und er kniff sie gähnend zusammen. Warum lag er hier
auf dem Boden? Langsam fielen ihm die Geschehnisse des letzten Tages wieder
ein. Er streckte sich ausgiebig und stand auf. Was nun? Langsam lief er
zum Sofa und versuchte seine Müdigkeit abzuschütteln. Dort sah
er Nathalie ruhig schlafen. Er mußte lächeln. Nun mußte
er auch noch nach dem Rigger sehen. Er ging in´s Schlafzimmer. Raider
lag auf dem Bett und rieb sich stöhnend die Schläfen. Markus
ging auf ihn zu: "Moin Chummer, weilst ja wieder unter den Lebenden!"
Dirk schaute ihn verständnislos an und fragte: "Wo bin ich? Was
ist passiert?" Markus antwortete: "Keine Panik, du bist in Sicherheit.
Wir haben dich Gestern nach dem Run zu mir gebracht." Der Rigger sah
ihn fragend an: "Wer ist wir?" "Na..., äh Little und
ich." Houl hätte beinahe Littles richtigen Namen verraten. So
gut kannte er den Rigger jetzt auch wieder nicht. Plötzlich richtete
Dirk sich auf und sagte nervös: "Wie geht es ihr, ich muß
sie sehen, um zu wissen, daß es ihr gutgeht." Houl drückte
ihn sanft ins Bett zurück und erwiderte: "Verdammt, bleib liegen!
Bei deinem Blutverlust würdest du keine fünf Meter laufen ohne
zusammenzubrechen!" Dirk wollte sich wehren, aber sein Körper
teilte ihm schnell mit, daß er dem Schamanen recht gab. So antwortete
er nur schwach: "Versteh mich bitte nicht falsch! Ich weiß,
daß die Kleine deine Freundin ist und will sie dir bestimmt nicht
streitig machen. Sie kann mich eh nicht ausstehen!" Markus begann
schallend zu lachen und sagte: "Oh, ich glaube, da muß ich einiges
richtigstellen! Erstens, ich bin mit Little gut befreundet, aber wir sind
kein Paar. Ich kenne sie von der Straße und habe ihr manches Mal
geholfen. Sie ist eine Art kleine Schwester für mich. Zweitens, der
den sie mal als Freund bekommt, hat mein ehrliches Mittleid. Sie ist die
größte Nervensäge die ich je kennengelernt habe. Und drittens,
sie kann dich sehr wohl ausstehen, hättest mal sehen sollen, was sie
hier gestern veranstaltet hat. Ich hätte ihr beinahe einen Betäubunszauber
verpaßt, damit sie endlich schläft. Die Kleine mag dich, mein
Beileid!" Er konnte sich kaum noch halten vor lachen. Plötzlich
wurde er von einer hellen Stimme unterbrochen: "Das habe ich gerade
noch gehört, Hundebubie! Wie geht es dem Patient?" Er drehte
sich um und sah Nathalie im dem Türrahmen stehen. "Er kann
sich schon wieder Sorgen um dich machen, also geht es ihm wieder besser!",
sagte er lachend. Das Mädchen kam auf die beiden zu. "Würdest
du mich bitte einen Moment mit ihm allein lassen?", sagte sie spitzbübig.
Houl stand auf und ging zur Tür, wobei er immer noch lachend sagte:
"Kein Problem, aber übertreibt es nicht, er ist noch sehr schwach!"
Er konnte nur knapp einem Schuh ausweichen, den Nathalie ihm als Erwiderung
auf diesen Satz nachwarf. Nathalie setzte sich auf den Rand des Bettes.
Dirk sah sie an und fühlte sich irgendwie glücklich: "Little,
Mann bin ich froh, daß es dir gut geht!" "Nenn mich nicht
Little, für dich bin ich Nathalie!", sagte sie, wobei sie ihm
sanft die Hand auf die Schulter legte. Dirk griff vorsichtig nach ihrer
Hand und sagte glücklich: "Du bist mir also für die Sache
im Stealhous nicht mehr böse?" Sie lächelte: "Nein,
wie könnte ich, ich verdanke dir mein Leben! Verzeih mir, daß
ich dich so schlecht behandelt habe!" Dirk schloß die Augen
und sagte traurig: "Du hast mich so behandelt, wie ein Profi nun mal
einen Anfänger behandelt!" "Nein ich war ein Idiot, du bist
kein Anfänger. Wo sind den die ganzen Profis? Tod und geflohen! Du
warst sehr tapfer, Raider", sagte Nathalie leise. "Bitte nenn
mich nicht so! Ich heiße Dirk.", erwiderte er. Sie lächelte
ihn an und sagte langsam: "Dirk du wärst beinahe gestorben, warum
hast du dich so in Gefahr gebracht?" Dirk blieb beim Anblick ihres
Lächelns fast das Herz stehen und er antwortete verlegen: "Ich
konnte dich doch nicht da drinnen lassen!" Anstatt zu antworten küßte
sie ihn sanft auf die Wange. Dirk sah die Tränen in ihren Augen und
strich ihr zärtlich mit der Hand über den Hals. Plötzlich
stand Markus in der Tür. "Könnt ihr beiden das auf später
verschieben? Doc Flona wartete nämlich schon auf unseren Halbtoten!",
sagte er lachend und handelte sich damit einen unsagbar bösen Blick
von Nathalie ein. Gemeinsam verfrachteten sie Dirk in den Bus, wobei er
mehr als einmal beinahe das Bewußtsein verlor. Nathalie wich keinen
Meter mehr von Dirks Seite. Sie fühlte sich immer noch schuldig. Sie
hätte nie gedacht, daß sie sich nachdem, was damals passiert
ist, noch mal verlieben würde, aber es war geschehen. Der Doc war
entsetzt über Dirks Zustand, aber nach seinem halben Vorrat an Blutersatz,
fühlte Dirk sich wie neu geboren.
2. Verdiente Pause
Am nächsten Tag schaute Dirk bei Tim vorbei. Er fand den Mechaniker,
wie üblich, in seiner Werkstatt zwischen halb zerlegten Autos. "Hoi
Tim! Wie geht´s meiner Karre?", sagte Dirk, wobei er gut gelaunt
auf seinen Freund zulief. Tim schaute auf und antwortete: "Oh, hoi
Dirk! Deiner Karre geht's gut. Frisch gewaschen und gebügelt! Aber
ob das auch dein Ebbie freuen wird?" Dirk schaute ihn mißtrauisch
an: "Wieviel?" Tim lächelte hämisch: "Hm. Laß
mal rechnen. Lackieren, neue Scheiben, die Turmhydraulik... macht einundzwanzig
Kilo." "Na ja. Hab mir fast schon so etwas gedacht", seufzte
Dirk und zog seine Scheckkarte aus der Tasche. Tim nahm sie nickend entgegen
und buchte den Betrag ab. Dabei sagte er: "Hab gehört, du hast
da einen ziemlich harten Run durchgezogen. Wer war eigentlich die Kleine
mit der dich Speed beim Doc gesehen hat?" Dirk spielte geistesabwesend
mit seinem Schlüssel: "Das geht dich nichts an, Chummer!"
Tim gab ihm die Karte zurück und sah ihn fragend an: "Ey. Sei
doch nicht so. Sie soll verdammt hübsch gewesen sein. Aber, na ja
ein bißchen jung." Bei dem Gedanken an Nathalie schlug Dirks
Herz höher. Er schaute den Mechaniker verlegen an und sagte: "Sie
ist ein klasse Chummer, das kannst du mir glauben! Aber jetzt muß
ich wirklich gehen!" Er wandte sich ab und lief zu seinem Wagen. Tim
rief ihm noch lachend hinterher: "Dann hat also der schüchternste
Rennfahrer auch noch ein Mädchen gefunden. Wurde aber auch Zeit!"
Dirk reagierte gar nicht darauf, sonder betrachtete zufrieden sein Auto.
Tim hatte zwar eine große Klappe, war aber ein hervorragender Mechaniker.
Er schloß den Honda auf und setzte sich hinein. Dann stöpselte
er sich ein. Diesmal nervte ihn die Frauenstimme des Bordcomputers, er
mußte immer an Nathalie denken. Er startete den Motor und fuhr in
Richtung Boxberg. Dort warteten Markus und Nathalie, sie mußten ja
schließlich noch die Kohle für den letzten Run abholen. Er parkte
den Honda vor dem Wohnblock und lief guter Dinge zum Eingang. Wenige Minuten
später stand er vor Markus Wohnung und klingelte. Nathalie öffnete
und fiel ihm um den Hals. Dirk erwiderte glücklich die Umarmung. Dann
schaute er ihr tief in die Augen und lächelte: "Vorgestern hättest
du mich noch nicht umarmt, sondern eher gewürgt!" Sie legte ihm
scherzhaft die Hände um den Hals und sagte lachend: "Das kann
dir auch jetzt noch passieren!" Er legte ihr den Arm um die Schulter
und beide gingen in die Wohnung. Markus kochte wieder einen seiner berühmten
Kaffees und bald saßen alle am Tisch. Während sie den Kaffee
genossen, erzählte Nathalie, was sie in den Daten aus dem letzten
Run alles gefunden hatte. Dabei sah sie immer wieder Dirk in die Augen
und er konnte sich nur mit Mühe auf die Informationen konzentrieren.
Es handelte sich um Aufzeichnungen über ein Biowareprojekt, bei dem
der Konzern mit der AG-C zusammenarbeitete. Es wurde vermerkt, daß
die ursprünglichen Pläne von einem schweizer Konzern namens Genom
stammten und dieser mit den Forschungen weiter war. Außerdem wurde
ersichtlich, das Seader starkes Interesse an dem Projekt zeigte. Der Rest
waren alles medizinische Daten, die Nathalie nicht verstand. Markus runzelte
die Stirn und sagte: "Seader hat Interesse an der Sache, vielleicht
sind sie unsere Auftraggeber gewesen." "Ist jetzt auch egal,
laßt uns das Zeug endlich loswerden.", sagte Dirk freudig, während
er Nathalies Arm streichelte. Nathalie sah ihn verständnislos an und
erwiderte: "Das kannst du so nicht sagen, Dirk. Es ist immer gut zu
wissen, für wen man arbeitet!" Dirk schaute verlegen auf den
Tisch und sagt: "War nicht so gemeint, Engel. Ich will die Sache nur
hinter mir haben." "Er hat recht! Laßt uns Sheila anrufen!",
sagte Markus entschlossen. Er stand auf und holte den Telekom. Kurze Zeit
später erschien Sheilas Gesicht auf dem Schirm. Sie sah etwas besorgt
aus. "Wie ist es gelaufen? Hab´ gehört ihr hattet Schwierigkeiten.",
sagte sie vorsichtig. Markus sah sie verärgert an und erwiderte: "Schwierigkeiten
ist gut! Die Hälfte des Team ist verschwunden oder tot. Aber wir haben
die Daten! Wann können wir uns treffen?" Sheila nickte zufrieden
und antwortete: "Heute Abend halb acht vorm
Cinema-Palast in Nußloch. Bringt die Karre und die Drone mit!"
Dirk schüttelte ernst den Kopf und drängte sich ins Bild. "Tut
mir leid Lady, die Drone hats zerlegt!", sagte er schuldbewußt.
Sheila war der Ärger darüber leicht anzusehen: "Na ja, kann
man machen nichts! Aber den Wagen habt ihr noch." Dirk nickte und
antwortete: "Klar, hat keinen Kratzer abbekommen." "Nun
gut. Dann bis heute Abend", schloß Sheila und legte auf. "Hm,
vor dem Cinema-Palast, was haltet ihr davon, wenn wir uns heute einen schönen
Abend machen?", sagte Dirk gut gelaunt, während er an seinem
Kaffee nippte. Markus lächelte und meinte: "Schaut euch den an:
Gestern noch halb tot und heute will er schon wieder ausgehen!" Nathalie
mußte herzhaft lachen. "Tja, er ist halt hart im Nehmen!",
sagte sie, während sie nach Dirks Hand tastete. Dieser ergriff sie
glücklich und fragte: "Was nun, das Treffen ist erst in fünf
Stunden." Nathalie stellte die Tasse ab und meinte:"Ich werde
noch ein bißchen im Gitter spazieren gehen. Hab´ ein paar Bekannten
versprochen sie heute zu treffen!" Als sie Dirks besorgtes Gesicht
sah stand sie auf und küßte ihn auf den Mund: "Keine Angst
Dirk. Ich habe mir ja auch keine Sorgen gemacht, als du deinen Wagen abgeholt
hast. Hab´ ja nicht vor, in´n heißes System zu decken.
Will nur ein paar Chumskies besuchen." Sie stand auf und ging zur
Couch. Dort legte sie sich hin und stöpselte sich in die Telekomstation
auf dem Wohnzimmertisch ein. Markus sah sie warnend an und sagte: "Mach
bloß keinen Blödsinn! Ich kann hier keine Bullen gebrauchen!"
Das hörte sie jedoch schon gar nicht mehr. Der Schamane schüttelte
den Kopf und sah Dirk klagend an: "Da hast du dir was eingefangen!
Es ist leichter eine Horde Geister zu bändigen, als dieses kleine
Luder. Hilfst du mir wenigstens abspülen?" Dirk nickte lachend,
nahm zwei Tassen und folgte ihm in die Küche. Markus ließ Wasser
in die Spüle laufen und legte das Geschirr hinein. "Seltsam,
bis jetzt hat sie sich noch nie für Männer interessiert. Sie
hat schlechte Erfahrungen gemacht, weißt du. Mit zehn wurde sie auf
der Straße vergewaltigt. Damals fand ich sie halb tot in der Gasse",
sagte er nachdenklich. Dirk sah ihn entsetzt an und sagte erschüttert:
"Oh mein Gott. Jetzt verstehe ich auch ihre Panik, als ich sie Gestern
festgehalten habe. Hat man die Kerle erwischt?" Markus verzog sein
Gesicht zu einem bitteren Grinsen und antwortete grimmig: "Wolf hat
sie bestraft. Sie starben einen schnellen, aber sehr schmerzhaften Tod."
Dirk nahm eine Tasse aus dem Wasser und trocknete sie vorsichtig ab. Dann
legte er sie auf den Tisch. Er hielt sich an der Tischkante fest und niedergeschlagen
schüttelte den Kopf: "Mein armer Engel. Warum!" Markus legte
ihm die Hand auf die Schulter und sagte: "Sorry, ich glaubte, das
solltest du wissen. Sie ist ein wunderbares Mädchen, auch wenn sie
oft etwas vorlaut ist. Bitte behandle sie gut." Dirk hatte Tränen
in den Augen als er antwortete: "Ich weiß. Ich liebe sie. Ich
würde alles dafür geben, damit sie glücklich ist."
Sie räumten zusammen die Tassen in den Schrank und begaben sich wieder
ins Wohnzimmer. Nathalie lag immer noch auf dem Sofa und schien ihre Umgebung
nicht wahrzunehmen. Die beiden setzten sich vor das Sofa und schalteten
das Trideo ein. Es kamen einige langweilige Serien. Aber mit ein par Stuffers
und einer Coke vor der Nase konnte man sie ertragen. Da sie nichts besseres
zu tun hatten, blieben sie vor dem Trideo sitzen bis Nathalie die Matrix
wieder verlies.
Kurz nachdem Nathalie den Link zum Gitter aktiviert hatte verlor sie
ihre weltliche Wahrnehmung. Sie stand plötzlich auf einer riesigen
schimmernden Kristallebene, die von zahllosen kleinen weißen Pyramiden
überseht war. Jede dieser Pyramiden stellte einen Matrixzugang da.
Über der Ebene schwebten die Konstrukte der größeren Hosts.
Wunderschön gezeichnete Iconen, wie zum Beispiel das Schloß
der Heidelberger Uni und der Stern von Fuchi International. Sie fühlte
sich großartig, der große Geist des Gitters schien ihr neue
Kraft zu geben. Zu schade, das Dirk das nicht erleben konnte. Sie schwebte
graziös auf das Schloß zu und ihr war, als spüre sie einen
leichten Luftzug. Am Fuße des, dem Heidelberger Schlosses nachempfundenen
Baus sah sie den kleinen Wehrgang, den die Community in Heidelberg für
ihre Treffen benutzte. Sie lächelte, denn sie hatte daran mitgearbeitet
die viertausend Megapuls von dem Unihost abzuzweigen. Sie schwebte durch
den kleinen Eingang und befand sich bald in dem schönen Versammlungsraum.
Sie strich liebevoll über den Marmortisch in der Mitte des Raumes
und spürte das kühle Gestein unter den Fingern. Sie hatten ein
Marmormuster aus dem Fuchistar für den Tisch benutzt. Ein leises Plätschern
machte sie auf einen kleinen Brunnen am Rande des Raumes aufmerksam, Aus
dem Stein der Wand sprudelte kristallklares Wasser, das von einer Obsidianschale
aufgefangen wurde. Kleine leuchtende Edelsteine auf dem Grund der Schale
ließen das Wasser in allen Farben des Regenbogen schillern. Sie lief
entzückt zu dem neuen Icon hinüber. Vorsichtig tauchte sie die
Hände in das Wasser ein und ein schauer lief ihr über den Rücken
als sie die erfrischende Kälte spürte. Sie schöpfte eine
Handvoll des Wassers aus dem Brunnen und trank es. Überraschenderweise
fühlte es sich wirklich an, als ob sie trinken würde. Dieser
Brunnen war eine Meisterleistung. "Hallo Little! Gefällt er dir?",
hörte sie eine Jungenstimme hinter sich sagen. Sie drehte sich um
und sah Quicksilver, ein junges Mitglied der Community. Sie schaute ihn
lächelnd an und sagte: "Er ist wunderschön. Wie geht es
dir?" Der Junge, der ebenfalls aussah, als wäre er direkt von
der Straße in die Matrix maschiert, lief auf sie zu und setzte sich
auf den Tisch. "Was gefällt dir so an dem Typ an dessen Arm du
seid gestern hängst?", fragte er unmutig. Nathalie dachte kurz
nach und merkte, daß sie das selbst nicht genau wußte, aber
bei dem Gedanken an ihn wurde ihr warm. Sie schaute den Freund spitzbübig
an und sagte: "Warum interessiert dich das? Bist du eifersüchtig."
Quicksilver schaute mit offen zur Schau getragener Empörung von ihr
weg, als er sagte: "Wie kommst du darauf? Find´s nur ein bißchen
seltsam, da du von Jungen sonst nichts wissen willst." Sie strich
ihm grinsend mit dem Zeigefinger über´s Gesicht und sagte herausfordernd:
"Tja jeder kann sich ändern. Vielleicht ist mir bis jetzt nur
noch nicht der Richtige begegnet?" Quicksilver ging darüber hinweg.
"Na gut, ich habe ein paar Nachforschungen über ihn eingezogen
und er scheint in Ordnung zu sein. Paß aber auf, keiner dieser Autoduellisten
ist ganz normal!", sagte er, wobei er wie ein Tiger um sie herumlief.
Nathalie schaute ihn böse an und sagte: "Was fällt die ein!"
Quicksilver lachte laut: "Och, ich wunderte mich nur. Er ist schließlich
keiner von uns, aber du neigtest ja immer schon zum Ungewöhnlichen!"
Sie ging zum Brunnen und kühlte sich das Gesicht mit dem wunderbaren
Wasser und sagte ärgerlich: "Ach hör´ schon auf. Ich
liebe ihn einfach, verstanden! Hast du irgend etwas über meinen letzten
Job herausgefunden?" Quicksilver schaute sie strafend an und sagte:
"Natürlich, oder hast du etwas anderes erwartet? Euer Auftraggeber
war tatsächlich Seader und ich habe in den Daten eine Signatur von
Genom gefunden. Tja, ihr habt also geklaute Daten nochmals geklaut, lustig
nicht?" Sie schaute ihn anerkennend an und sagte: "Oh, das ist
Einiges! Danke." Er lächelte sie an und sagte verführerisch:
"Für dich tu´ ich doch alles, Schatz." "Das glaub´
ich dir auf´s Wort", antwortete sie lachend. Sie verabschiedeten
sich von einander und Nathalie schwebte wieder ins Gitter hinaus.
Dirk spürte wie sich Nathalies Arme um ihren Oberkörper legten
und schnurrte genüßlich. Er legte vorsichtig den Kopf nach hinten
auf ihre Brust und küßte sie. Sie sahen sich einige Sekunden
glücklich in die Augen, dann fragte er sie neugierig: "Ich weiß
nicht viel über die Matrix aber wo ist eigentlich dein Deck?"
Sie lachte und küßte ihn zärtlich auf den Mund. "Ach
Schatz, du weißt wirklich nicht viel. Ich brauche kein Deck. Ein
Deck ist was für Unwissende. Ich lebe in der Matrix. Der große
Geist hat mir eine lebende Persona geschenkt!" Dirk schaute sie ungläubig
an und sagt: "Dann ist mein Engel eine dieser legendären Otaku?"
Sie lachte herzhaft und kraulte ihm den Kopf: "Wenn du mich so nennen
willst." Nun setzte sich Dirk neben Nathalie auf das Sofa und legte
den Arm um sie. So verbrachten sie die nächsten Stunden. Fünf
vor sieben stand Markus auf und nahm seine Jacke: "Kommt schon ihr
Turteltauben, wir haben einen Termin." Die beiden standen lachend
auf und gingen Hand in Hand zur Garderobe. Dirk reichte Nathalie ihre Jacke,
welche diese lachend entgegennahm. Sie schaute Markus grinsend an und sagte:
"Siehst du, er ist halt ein Gentleman." Fünf Minuten später
standen sie in der Garage. Dirk öffnete den Lieferwagen und sie fuhren
nach draußen. Diesmal saß Nathalie neben ihm. Dirk hielt neben
seinem Honda an und stieg aus. Er öffnete die Tür den Sportwagen
und Aktivierte den Autopiloten. Dieser sagte ihm mit seiner üblichen
betörenden Stimme: "Was wünschst du?" Dirk brummte
verärgert und leierte seinen Befehl herunter: "Folge dem Inridio
bis zum Cinema-Palast in Nußloch und suche dir dort einen Parkplatz."
Der Autopilot antwortete mit seinem: "Auftrag verstanden!" Dirk
schloß die Tür und ging wieder zum Inridio. "Schöner
Wagen.", meinte Nathalie anerkennend. Dirk startete den Wagen und
fuhr die B3 in Richtung Nußloch. Nach dreizehn Minuten erreichten
sie den Cinema-Palast. Ein riesiges Chrom-Glas-Gebäude mit ausgedehnten
Parkplätzen. Direkt daneben lag der große Komplex der Montana
Textil Intenational. Sie parkten den Inridio am Rand des Parkplatzes. Der
Honda suchte sich einen Parkplatz in der Nähe. Markus stieg aus und
lief zu den anderen nach vorne. Er klopfte an die Fahrertür und rief:
"Auf Leute etwas mehr Bewegung bitte." Dirk öffnete die
Tür und antwortete mürrisch: "Nur keine Hektik, Chummer!"
Währenddessen war Nathalie bereits ausgestiegen. Dirk kramte den Optochip
aus dem Handschuhfach und stieg ebenfalls aus.
Sie liefen alle drei zum Eingang des Kinos. Dirk entdeckte Sheila etwas
abseits von der Menge. Er nickte den anderen zu und lief in Richtung der
Schieberin. Die anderen folgten ihm. Sheila hatte, wie üblich, ein
paar Bodyguards dabei. Sie schaute den Runnern entgegen. Markus trat auf
sie zu und sagte: "´n abend Sheila. Wie geht's!" Sheila
sah ihn ungerührt an: "Gut, danke der Nachfrage. Habt ihr die
Daten?" Dirk zeigte wie beiläufig auf seine Jackentasche und
antwortete: "Selbstverständlich." Sie nickte ihm zu und
sagte: "Gut, dann laßt uns zu dem Lieferwagen gehen!" Markus
nickte und drehte sich um. Die anderen folgten ihm zum Inridio. Dort zog
Dirk den Chip aus der Jacke und gab ihn der Schieberin. Diese legte ihn
in einen Chipleser und prüfte die Daten. Dann nickte sie zufrieden
und verlangte den Schlüssel des Wagens. Dirk händigte ihn ihr
aus. Sie prüfte den Wagen und schaute sie dann höchst zufrieden
an. "Der Wagen ist in Ordnung und den Verlust der Drohne kann ich
verschmerzen. Hier sind eure Checksticks. Dirk wollte seinen sofort einstecken,
aber Nathalie hielt seine Hand fest und legte den Ebbie in einen Datenleser.
Während das Gerät arbeitete schaute sie Sheila an und sagte:
"Nichts gegen dich. Reine Routine." Die Schieberin lächelte:
"Verstehe schon. Habt gute Arbeit geleistet, wenn ich wieder einen
Job habe, weiß ich an wen ich mich wenden muß. Wie seid ihr
mit Raider zurecht gekommen, ich hörte, er hat einiges abbekommen."
Dirk schaute auf den Boden, diese Ohrfeige hat gesessen. Doch Nathalie
lächelte und sagte begeistert: "Er hat sich benommen wie ein
alter Profi, im Gegensatz zu deinen Muskeln!" Während sie das
gesagt hatte, bestätigte das Lesegerät die Echtheit der Ebbies.
Sheila nickte ihnen zu und stieg dann in den Wagen. "War mir ein Vergnügen
mit euch zu arbeiten." Auch ihre Beschützer stiegen in den Inridio
ein. Sheila startete den Wagen und fuhr davon. Dirk schaute die anderen
beiden schuldbewußt an und sagte: "Ähm, wie kommen wir
wieder nach Hause?" Markus schaute ihn verständnislos an und
sagte: "Du hast doch deinen Honda dabei, oder hast du Angst, daß
wir ihn dir schmutzig machen?" Dirk schüttelte den Kopf und antwortete:
"HA, ha. Das nicht, aber die Kiste ist ein Zweisitzer. Kein Kofferraum
und kein Platz hinter den Sitzen." Markus wandte sich ab: "Verstehe
schon, ich fahr mit dem Bus." Dirk schüttelte aber den Kopf:
"Nein, ich würde sagen wir fahren alle mit dem Bus. War mein
Fehler, ich zahle die Karten." Nathalie schaute die beiden an und
schimpfte: "Mann habt ihr Probleme, laßt uns erstmal schauen,
was heute läuft." Markus schaute Dirk fragend an. Doch Dirk lachte
und machte eine auffordernde Kopfbewegung. Nathalie nahm Dirks Hand und
alle drei gingen zum Kino hinüber. Doch das Programm konnte sie nicht
so recht überzeugen. Statt dessen beschlossen sie in eine der, an
den Komplex angeschlossenen Eisdielen zu gehen. Jeder bestellte sich einen
riesen Eisbecher. Als Nathalie den Löffel in die Hand nahm stöhnte
sie leise und ließ ihn gleich wieder Fallen. Dirk griff sanft nach
ihrer Hand und sah, daß die Haut, dort wo sie von dem Löffel
berührt worden war, zu Bluten begonnen hatte. Sie schaute ihn leidend
an und sagte: "Silber. Keine Angst, geht wieder vorbei." Sie
zog ein Tuch aus der Tasche und band es sich um die Hand. Sie rief nach
der Bedienung und ließ sich einen neuen Löffel bringen. Die
Frau war bestürzt und entschuldigte sich immer wieder, aber Nathalie
winkte nur ab. Sie aß nun genüßlich ihr Eis. Schließlich
fuhren sie dann doch alle drei in dem Honda zu Markus. War eine abenteuerliche
Fahrt. Nathalie saß auf Dirks Schoß, der den Wagen über
seinen Fahrzeugadapter steuerte. Dirk betete in keine Polizeikontrolle
zu kommen. Aber Nathalie schien die Fahrt großen Spaß zu machen.
Vor Markus´ Wohnung wurden sie von Hawk, einem jungen Schamanen,
der mit Markus gut befreundet war erwartet. Er schaute die drei ernst an
und sagte: "Hy Houl. Ich brauche dringend deine Hilfe." Er schaute
sich Dirk an und fragte mißtrauisch: "Kann ich reden?"
Markus schloß die Tür auf und sagte beruhigend: "Kein Problem,
is´n Chummer, aber laß uns rein gehen!" Sie gingen in
die Wohnung und Markus gab Nathalie ein Zeichen, worauf diese Dirk bei
der Hand nahm und ihn in die Küche zog: "Komm, wir lassen die
beiden erstmal allein, können bestimmt ´ne Tass Kaff gebrauchen."
Als sie wieder ins Wohnzimmer gingen sah Markus ziemlich ernst aus. Sie
setzten sich zu den beiden Zauberern an den Tisch. Markus sagte ernst:
"Dieses Problem könnten wir nur durch ein Ritual lösen,
aber dafür brauchen wir einen sicheren Platz und nach deinen Berichten
finden wir den bestimmt nicht bei dir zuhause." Nathalie stellte den
Kaffee auf den Tisch und fragte: "Ist diese Wohnung etwa kein sicherer
Platz." Hawk schaute sie traurig an: "Schon , aber wir wollen
dich nicht in Gefahr bringen und können auch nicht verlangen, daß
du die Nacht auf der Straße verbringst." Dirk schaute die drei
lächelnd an und sagte: "Vielleicht könnte ich helfen."
Markus schaute ihn traurig an und sagte: "Wie denn, bist du etwa Magier?"
Dirk schüttelte wehement den Kopf und antwortete: "Nein aber
ich habe schließlich auch eine Wohnung und wenn Nathalie nichts dagegen
hat, kann sie heute bei mir übernachten." Markus nickte: "Gute
Idee, was meinst du Nathalie?" Sie nahm Dirk in den Arm und küßte
ihn: "Natürlich bin ich einverstanden." Sie schaute Markus
besorgt an: "Paß auf großer Bruder." Er lächelte
und sagte: "Kein Problem, wird schon schiefgehen!" Er machte
sich auch Sorgen, aber er war froh Nathalie in guten Händen zu wissen.
Dirk nahm Nathalie bei der Hand. "Houl, wir sehen dich morgen. In
einem Stück! Halt die Ohren steif Chummer!", verabschiedete sich
Dirk und verließ mit Nathalie die Wohnung. Markus schüttelte
den Kopf, was für ein ungleiches Paar.
Kurze Zeit später standen Dirk und Nathalie vor dem Honda. Dirk
schloß auf und lachte herzlich: "Diesmal ist der Beifahrersitz
aber frei!" Nathalie legte den Kopf etwas schief und lächelte
ihn unschuldig an: "Schade." Als sie eingestiegen waren schaute
Nathalie neugierig nach hinten und fragte: "Was hast du eigentlich
hinter dieser Stahlwand versteckt?" Dirk zog das Glasfaserkabel aus
der Verschalung heraus und schaltete die Elektronik ein. Während er
das Kabel in seine Datenbuchse steckte drehte er den Kopf zu Nathalie und
sagte: "Alles mögliche, hauptsächlich Elektronik."
Er verzichtete bewußt darauf, ihr von der Bewaffnung des Fahrzeugs
zu erzählen; denn er hatte Angst, daß sie diese Art von Gewalt
erschrecken könnte. Doch sie lächelte ihn an und fragte weiter:
"Auf dem Dach habe ich eine feine Kannte entdeckt, was kommt denn
da raus?" Dirk ärgerte sich, er vergaß immer wieder, daß
das zarte Mädchen eine erfahrene Runnerin war. "Du hast mich
ertappt! Dieses Auto ist ziemlich schwer bewaffnet. Schockt dich das Engel?"
Sie lächelte immer noch auf ihre unschuldige aber wissende Art: "Nein,
ganz und gar nicht. Ich habe gehört, daß du versuchst bei deinen
Rennen möglichst niemanden zu töten. Das imponiert mir. Mich
stoßen Männer ab, die erfreut die Toten auf ihrem Weg zählen."
Dirk startete den Motor und fuhr aus der Garage heraus. Er nickte Nathalie
zu und sagte resignierend: "Du hast recht, es kommt nicht darauf an,
welche Waffen man benutzt, sondern wie man sie benutzt. Auch ich hasse
unnötiges Töten." Sie legte ihm zärtlich die Hand auf
den Arm: "Wenn ich das nicht wüßte, säße ich
jetzt nicht hier neben dir." Dirk schluckte. Dieses Mädchen stellte
ihn immer wieder vor Rätsel. Einmal war sie das kleine trotzige Kind,
dann die hoch intelligente Computerspezialistin und dann wieder dieses
wunderbare verletzliche, einfühlsame Wesen und gerade das liebte er
an ihr. Sie fuhren die Schnellstraße zwischen Leimen und Schwetzingen
entlang, als neben dem Honda zwei Motorräder auftauchten. Der eine
Fahrer klopfte während der Fahrt mit einer MP an die Scheibe des Hondas.
Nathalie hielt sich ängstlich an Dirks Arm fest. Dirk jedoch war an
solche Situationen gewöhnt. Er ließ die Scheibe einen kleines
Stück herunter. Gerade so weit, daß er den Kerl verstehen konnte.
Dieser sah ihn bösartig an und schrie: "Geile Karre Mann. Aber
das ist unsere Straße! Halt an und zahle Wegzoll. Gar nicht teuer,
wir wollen nur die Kleine!" Nathalie klammerte sich noch fester an
Dirks Arm und zitterte. Dirk kochte vor Wut. Ein kurzer Neuralimpuls und
der Turm war ausgefahren. -MG feuerbereit , Granatwerfer feuerbereit- Dirk
ließ den Turm drehen und der Körper des Punks erschien im Zielfenster.
-Ziel erfaßt Trefferwahrscheinlichkeit 99%- Er schaute seinen Engel
neben sich an und schüttelte den Kopf. Das Zielkreuz wanderte ruckartig
ein Stückchen höher und die SF-20 begann zu bellen. Der Kerl
hatte den Turm bis jetzt noch nicht bemerkt. Jetzt aber bremste er sein
Motorrad ab und geriet ins Schleudern. Auch der Andere versuchte schnell
von dem Honda wegzukommen. Dirk fuhr den Turm wieder ein und sagte grimmig:
"Die Drekheads haben ihre Lektion gelernt!" Dann merkte er jedoch,
das Nathalie leichenblaß war und wie Espenlaub zitterte. Er schaltete
den Autopiloten ein und nahm sie tröstend in den Arm: "Engel...
Hab keine Angst, es ist vorbei. Sie sind weg." Er drückte sie
fest an sich und strich ihr beruhigen durch die Haare. Sie klammerte sich
fest an ihn und weinte. Dirk stiegen Tränen in die Augen und sagte
leise: "Engel, mein armer Engel, was haben sie dir angetan?"
Er befahl dem Autopiloten den Wagen in die Garage zu fahren und stöpselte
sich aus. Nathalie sagte kein Wort, sondern lag nur leise schluchzend in
seinen Armen. Dirk war am Ende. Sie tat ihm leid. Er könnte schreien.
Warum hatte er den Bastard nicht von der Straße geblasen? Ohne, das
er es merkte erreichten sie die Garagen. Der Wagen parkte mit elektronischer
Perfektion und der Motor verstummte. Dies alles wurde Dirk jedoch erst
bewußt, als er die Stimme des Autopiloten hörte: "Auftrag
ausgeführt, neue Befehle?" Er schüttelte den Kopf. Dann
wurde ihm aber bewußt, daß der Computer das nicht wahrnehmen
konnte und er gab den Befehl ein. Dann stieg er aus und führte Nathalie,
welche immer noch schluchzte, zu seiner Wohnung. Zum erstenmal wurde ihm
das Chaos in seiner Behausung bewußt. Seine Wohnung besaß eine
kleine Küche, ein Bad und ein Zimmer, das ihm als Wohn-, Schlaf- und
Arbeitszimmer diente. Auf dem Tisch lagen Pläne seines Autos und seine
zerlegte Combat wild zerstreut herum. Auf dem Boden sah er den Verschluß
seiner zweiten SF-20, die an der Wand lehnte. Er führte das Mädchen
zu einem Stuhl, und sie setzte sich bereitwillig. Dann sammelte er Teile
seiner MP zusammen und legte sie auf den Schreibtisch. Die Pläne rollte
er notdürftig zusammen und stellte sie in einen Schrank. Nathalie
starrte apathisch vor sich auf den Tisch. Dirk biß sich auf die Lippe,
bis er den metallischen Geschmack seines Blutes im Mund wahrnahm. Es brach
ihm fast das Herz sie so zu sehen. Er ging in die Küche und kochte
einen starken Tee. Dann setzte er sich zu ihr an den Tisch. Und bat ihr
eine Tasse an: "Trink das, Engel es wird dir guttun." Sie schauten
ihn an und weinte: "Sie, sie haben... Sie wollten... Oh Dirk!"
Er nahm sie wieder in den Arm und sagte sanft: "Ruhig, dir kann nichts
mehr passieren. Das lasse ich nicht zu." Ohne, daß er es wollte
konnte man in seinem letzten Satz deutlich einen grimmigen, zu allen entschlossenen
Unterton hören. Langsam beruhigte sich Nathalie wieder. Sie drückte
sich fest an ihn: "Oh Dirk es war so schrecklich!" Dirk war unfähig
etwas zu erwidern, er streichelte nur zärtlich ihr Gesicht. Er glaubte
sein Herz wolle ihm zerspringen. Sie hatten sich lange nur in den Armen
und spürten die Nähe des anderen. Angst und Depression wichen
allmählich einem Gefühl tiefer Verbundenheit. Plötzlich
sah Dirk sie fragend an: "Wie alt bist du eigentlich, mein kleiner
Engel?" "Siebzehn, aber die meisten schätzen mich viel jünger.",
sagte sie leise. Er küßte sie sanft auf die Stirn. "Ich
hätte dich auf etwa fünfzehn geschätzt.", gab Dirk
leise zu. Sie schmiegte sich eng an ihn und sagte: "Liegt an meiner
Krankheit. Hab da´n paar Stoffwechselprobleme, deshalb sehe ich vielleicht
etwas schwächlich aus." Dirk schaute auf die Uhr und mußte
festellen, daß der neue Tag bereits dreieinhalb Stunden alt war.
"Langsam sollten wir schlafen gehen.", sagte er und stand auf.
Nathalie nickte müde. Er sah in Richtung Bett, dann schüttelte
er den Kopf und ging zu einem Schrank. Er holte ein paar Decken und ein
Kissen hervor und sagte: "Dir gehört heute Nacht das Bett, Engelchen.
Ich mach mir auf dem Boden gemütlich." Nathalie griff nach seinem
Arm und sagte kopfschüttelnd: "Nein, ich brauche heute Nacht
deine Nähe!" Er umarmte sie zärtlich und küßte
sie. Dann kramte er aus einer Schublade einen Schlafanzug heraus und reichte
ihn ihr: "Kannst dich im Bad umziehen, ich räume derweil hier
ein bißchen auf." Sie nickte und ging ins Bad, während
er versuchte das Chaos in seiner Wohnung einigermaßen unter Kontrolle
zu bekommen. Dirk hörte, wie die Dusche eingeschaltet wurde, na gut
sie hatte die Dusche bestimmt genauso nötig, wie er. Nach zehn Minuten
kam sie wieder aus dem Bad. Der enge Schlafanzug betonte ihre zierliche
Figur. Dirk hielt den Atem an. Sie war wunderschön. "Leg dich
schon mal hin. Ich werde mich auch noch duschen. Schätze ich hab´s
nötig.", sagte er und lief an ihr vorbei ins Bad. Nathalie machte
es sich derweil im Bett bequem. Nach einer ausgiebigen Dusche legte sich
Dirk neben die Elfe und drückte sie fest an sich. Er tastete mit der
Hand nach dem Lichtschalter, den er nach längerem suchen dann auch
fand. Das Licht erlosch. "Schlaf´ gut Engel.", sagte Dirk
und legte sich auf den Rücken. Nathalie schmiegte sich sanft an seine
Schulter und schnurrte behaglich. Sie gab ihn noch einen Kuß auf
die Wange und sagte: "Gute Nacht Dirk." Ihm wurde erst jetzt
bewußt, was ihm die ganze Zeit gefehlt hatte. Bald darauf schliefen
beide zufrieden ein.
Am nächsten Tag besuchten sie Markus. Er hatte das Ritual gut überstanden
und freute sich die beiden zu sehen. Nathalie wohnte jedoch von da an bei
Dirk und sie verbrachten einige wunderschöne Tage miteinander.
3. Beinarbeit
Drei Tage später klingelte bei Markus das Telephon. Markus war
gerade dabei, an seiner neuen Medizinhütte zu arbeiten. Jetzt, wo
Nathalie bei Dirk wohnte und er mehr Platz hatte, richtete er in seinem
Wohnzimmer eine Medizinhütte ein. Markus ignorierte das Klingeln einige
Sekunden, dann stand er knurrend auf und ging zum Telefon. Er nahm ab und
auf dem Monitor erschien Sheila. Sie schaute ihn ärgerlich an und
sagte: "Sag mal Houl, mußtest du das Telefon erst kaufen?"
Houl erwiderte lachend: "Erst mal hallo. Hatte gerade etwas zu tun!"
Sheila schaute ihn mißmutig an: "Glauben wir dir´s mal!
Spaß bei Seite. Ich hätte da ein Problem, und da ihr den letzten
Auftrag zu meiner vollen Zufriedenheit erledigt habt, glaube ich, daß
du mir helfen kannst." Markus runzelte die Stirn: "Kommt ganz
darauf an. Um was geht es denn?" Sheila setzte ihre Geschäftsmiene
auf: "Nicht einmal etwas illegales. Die Frau eines Klienten wird vermißt
und der besagte Klient traut der Polizei nicht. Er hätte gerne ein
paar Profis, die sich auch mit den Schattenseiten des Lebens auskennen.
Ich glaube du verstehst, was ich meine." Markus spielte mit dem Telefonkabel.
"Hm. Klingt ganz interessant. Wann und wo?" Sheila lachte: "Das
liebe ich an dir, du kommst immer schnell zur Sache. Melde dich heute um
16.00 Uhr bei Fuchi Mannheim. Verlange nach Andreas Müller. Ich habe
bereits einen Termin vereinbart. Bring Little und Raider mit." Sie
unterbrach die Verbindung ohne eine Antwort abzuwarten. Markus notierte
sich die Informationen und wählte Dirks Nummer. Einige Sekunden später
erschien Dirks Gesicht auf dem Monitor. Ein feines Kabel steckte in seiner
Stirnbuchse und hinter ihm konnte Markus den Fahrersitz des Hondas erkennen.
Der Rigger war also gerade unterwegs. "Hallo Markus, was gib´s?",
sagte Dirk etwas abwesend. Markus lächelte: "Hey Dirk. Wo geisterst
du denn gerade rum. Ganz allein, ohne Nath?" Dirk zog sich das Kabel
aus der Buchse und antwortete: "Warum hast du mir nicht gesagt, wieviel
die Kleine verdrücken kann? Bin gerade dabei meine Vorräte etwas
aufzustocken." Markus erwiderte schallend lachend: "Wenn ich
dir das gesagt hätte, würde sie wahrscheinlich immer noch mir
die Haare vom Kopf fressen. Themawechsel! Sheila hat angerufen. Sie hätte
da`n kleinen Auftrag. Kommt am besten nachher mal bei mir vorbei."
Dirk lächelte: "Ich werd´ mal sehen was sich machen läßt.
Bis später Chummer!" Markus nickte: "Bis später."
Dirk schaute nachdenklich. Der letzte Run war nicht gerade angenehm. Na,
ja. Mal sehen, was Nathalie dazu sagt.
Als er in seine Wohnung kam, fand er Nathalie auf dem Sofa vor. Sie
hatte immer noch den Schlafanzug an und schien gerade einen Matrixspaziergang
zu machen. Er strich ihr zärtlich über die Wange und sie dankte
ihm es mit einem genießerischen Schnurren. Er lächelte und ging
in die Küche. Dort sah er sich seinen Einkauf an und überlegte,
was man heute essen könne. Er entschied sich für Steaks aus Sojafleischimitat,
Nudel und Pilzsoße, alles mit einer beunruhigenden Menge von Chemikalien
versetzt, aber er hatte es sich angewöhnt, dieZutaten gar nicht mehr anzusehen. Er seufzte und machte sich daran die
Mahlzeit zuzubereiten. Während er den Tisch deckte, begann sich Nathalie
zu regen. Sie zog das Kabel aus der Stirnbuchse und ging leise zu Dirk.
Sie schmiegte sich an seinen Rücken und legte ihre Arme um seine Hüfte.
Dirk drehte sich langsam um und küßte sie auf die Stirn: "Hallo
Engel. Wieder unter den Weltlichen?" "Ja. Du weißt doch,
daß ich Essen trotz dem RAS Override wittere", sagte sie und
spähte neugierig über seine Schulter. Dirk lachte: "Tja,
da steht noch nichts. Wirst mir erst noch' raustragen helfen müssen."
Gesagt, getan. Bald saßen sie beide am Tisch und aßen sich
satt. Dirk wunderte sich immer wieder, daß dieses künstliche
Zeugs erträglich schmeckte. Nach dem Essen räumten sie gemeinsam
den Tisch ab und Dirk nutzte die Gelegenheit um Nathalie von Markus` Anruf
zu erzählen. Nachdem sie in der Küche wieder halbwegs aufgeräumt
hatten, machten sie sich auf den Weg zu Markus. Dieser erwartete sie bereits
ungeduldig. "Wo wart ihr so lange. Es ist schon halb drei und wir
haben um vier einen Termin in Mannheim." Dirk schaute ihn lächelnd
an und sagte: "Mal langsam. Davon hast du mir vorhin nichts gesagt.
Um was geht es eigentlich?" Markus ließ die beiden erst mal
hereinkommen. Bevor er ihnen von dem Run erzählte. Dirk sagte nachdenklich:
"Klingt nicht sonderlich gefährlich. Da werden wir ja sogar mal
weitgehend legal arbeiten" Er sah Nathalie bei dem letzten Satz mahnend
an, worauf diese schuldbewußt auf den Boden schaute. Dirk und Markus
begannen schallend zu lachen, und Nathalie sah sie böse an. Dirk küßte
sie auf den Mund: "Sei nicht böse Engel. Mich dürfte man
mit dem Honda auch nicht anhalten." Sie zeigte ihm noch mal knurrend
die Zähne, dann lächelte sie und erwiderte seinen Kuß.
Markus schaute ungeduldig auf die Uhr: "Könnt ihr das nicht auf
später verschieben? Es ist schon viertel Vier!" Dirk ergriff
Nathalies Hand und sagte entschlossen: "Na dann los! Wir treffen uns
vor dem Haus," So verließen sie die Wohnung. Dirk und Nathalie
gingen zu Dirks Sportwagen, während Markus sein Motorrad aus der Garage
holte.
Um 15.40 Uhr standen sie dann vor dem Chrompalast von Fuchi Mannheim.
Dirk parkte den Honda lächelnd auf dem Gästeparkplatz. Ob man
den auch bei diversen nächtlichen Besuchen benutzen darf? Sie gingen
zügig in das Gebäude. Es machte sich nicht gut, wenn man zum
Treffen mit Schmitt zu spät kommt. Die Empfangsdame schaute sie sehr
mißtrauisch an und schickte sie nur widerwillig zu Müllers Büro.
Die Runner warteten geduldig vor dem Büro, bis sie hereingebeten wurden.
Der Raum war übertrieben protzig eingerichtet. Herr Müller schaute
ihnen erwartungsvoll entgegen. Der Zwerg saß in einem riesigen Ledersessel
und war hinter seinem Mahagonieschreibtisch kaum zu sehen. Er schien etwas
enttäuscht als er die Runner sah. Er hatte sich wahrscheinlich muskelstrotzende
Halbcyborgs vorgestellt. Besonders Nathalie schaute er verständnislos
an. Trotzdem bat er den Runnern freundlich drei Stühle an und sagte:
"Ich bin sehr erfreut, daß sie sich entschlossen haben mich
aufzusuchen." Markus nickte ihm freundlich zu und antwortete: "Die
Freude liegt bei uns. Wir danken für ihr Interesse an unseren Diensten."
Der Zwerg schaute ihn verzweifelt an: "Sie sind meine letzte Hoffnung,
die Polizei ist nicht in der Lage mir zu helfen. Meine Frau ist seit drei
Tagen verschwunden, dabei wollte sie nur einige Bekannte im Hotel Ritter
in Heidelberg treffen. Wenn es ihnen gelingt meine Frau zu finden bin ich
bereit jedem von ihnen zehntausend EC zu zahlen, wenn sie noch weitere
Hilfe benötigen rufen sie mich an. Ich tue alles für sie, nur
bringen sie mir meine Frau wieder." Der Zwerg ließ alle Förmlichkeit
fallen und ihm stiegen Tränen in die Augen. Markus schaute ihn ungerührt
an und sagte: "Nun mal langsam, wir haben ihre Frau ja nicht entführt.
Wir nehmen den Auftrag an." Er machte eine kurz Pause und schaute
Nathalie und Dirk an, die ihm zustimmend zunickten. Dann sprach er weiter:
"Ich vermute, daß ihre Frau ebenfalls der Spezies Pumilionis
angehört." Der Zwerg schaute ihn wütend an und fragte: "Haben
sie Probleme damit?" Markus lächelte kühl: "Überhaupt
keine! Es ist jedoch möglich, daß ihr während den Übergriffen
der Nationalen Aktion etwas zugestoßen ist. Die Tatsache, daß
sie eine Zwergin ist, läßt diese Theorie wahrscheinlich werden.
Wir benötigen außerdem noch ein Photo ihrer Frau und den genauen
Zeitpunkt ihres Verschwindens." Der Zwerg überreichte ihnen ein
Photo: "Sie fuhr am Montag um acht nach Heidelberg, um Ihre Freundin
Maria Anderson zu treffen und kam nicht mehr zurück." Markus
nickte den anderen zu und schloß die Verhandlung ab: "Wir werden
tun was wir können. Wenn ihre Frau noch lebt, werden wir sie auch
finden. Wir melden uns, wenn wir etwas herausgefunden haben." Sie
standen auf und verließen das Büro. Sie machten sich auf den
Weg zu Markus´ Wohnung um den Fall zu besprechen.
Eine halbe Stunde später saßen sie in Markus´ Wohnung.
Dirk schaute seine beiden Chummer an und sagte: "Die Sache gefällt
mir nicht. Ich habe bei der Sache mit der Nationalen Aktion kein gutes
Gefühl." Markus meinte mißmutig: "Du hast gut reden,
du bist ein Norm. Dir tun sie nichts." Nathalie schüttelte den
Kopf: " Wenn sie rausfinden, daß er mit mir zusammen ist, ist
er in ihren Augen noch weniger wert als wir!" Dirk erwiderte: "Hilft
alles nicht. Wir haben den Auftrag angenommen, und jetzt müssen wir
damit zurecht kommen. Kannst du ein paar Informationen über die NA
organisieren, Engel?" Nathalie nickte. "Dirk, was hälst
du davon, wenn wir uns solange in Heidelberg etwas umhören?",
meinte Markus. Dirk war einverstanden: "Gute Idee. Aber wir müssen
erst zu mir. Hab´ keine Lust mit dem Honda in die Innenstadt zu fahren;
viel zu viel Kontrollen." Nathalie stand auf und kramte ein Datenkabel
aus der Tasche: "Dann kann ja losgehen!" Man konnte ihr schon
deutlich die Vorfreude auf die Matrixarbeit ansehen. Dirk lachte: "Du
kannst es wohl nicht erwarten." Sie lächelte und legte sich,
wie immer bei Matrixruns, auf die Couch. Dirk schüttelte den Kopf
und Markus sagte, lachend: "Sei doch zufrieden, du stehst bei ihr
ziemlich weit oben auf der Prioritätenliste. Direkt nach der Matrix."
Dann verließen die beiden Runner die Wohnung.
Nathalie stöpselte sich ein, und die Welt um sie herum verschwamm.
Bald nahm sie nur noch die bunte Welt des Gitters wahr. Sie machte sich
in Richtung Neonlight, einem Matrixtreff, indem sie einige Chummers hatte,
auf den Weg. Das Neonlight war einem der Ufobilder aus dem späten
zwanzigsten Jahrhundert nachempfunden und strahlte in allen Farben. Sie
ging durch eine kleine Luke ins Innere des Diskus. Dort erwartete sie ein
völlig anderes Bild. Sie stand inmitten einer Disko und wurde von
einem wahnsinns Syntisound begrüßt. Sie schickte ihr Sprite
Struppi los, damit es nach Chummers suchen konnte. Bei diesem Betrieb hatte
der Streuner mehr Aussicht auf Erfolg als sie selbst. Einige Minuten später,
in der realen Welt waren es nur Sekundenbruchteile, kam der kleine Hund
zurück und machte sie auf ein besonders schön gearbeitetes Icon
in Form eines Feuervogels aufmerksam. Sie erkannte Phönix. Sie kannte
ihn aus der Community. Ihm war leider die Tiefenresonanz, so bezeichnen
die Otaku die Entwicklung der lebenden Persona, verwehrt geblieben, er
war jedoch trotzdem ein novaheißer Decker geworden. Nathalie ging
auf ihn zu und begrüßte ihn: "Hoi Phönix, wie geht´s
denn so?" "Oh hallo Little. Sieht man dich auch mal wieder? Hab'
gehört, du hast´n Freund mein Glückwunsch. Was führt
dich hierher?", sagte der Decker freundlich. Nathalie erwiderte ärgerlich:
"Warum weiß jeder über mich und Raider Bescheid?"
Phönix lachte: "Tja. Neuigkeiten verbreiten sich im Gitter sehr
schnell. Sie rasen immerhin mit Lichtgeschwindigkeit durch die Drähte.
Kannst davon ausgehen, daß jeder deiner Chummer und noch einige mehr
Bescheid wissen." Nathalie schüttelte den Kopf und sagte: "Freut
mich ja ungemein, aber deshalb bin ich nicht hier. Ich benötige einige
Infos über die NA. Kannst du mir da helfen." Die Flammen die
den Vogel umloderten wurden etwas intensiver: "Sind verdammte Drekheads.
Was willst du von den Typen?" Nathalie antwortete ruhig: "Nichts
bestimmtes. Hab´n Auftrag und sie sind wahrscheinlich die Gegenseite."
Phönix klang sehr besorgt, als er meinte: "Mit den Kerlen ist
nicht gut Kirschen essen. Paß bloß auf dich auf. Leider kann
ich dir nichts über sie erzählen, außerdem, was du sowieso
schon weißt. Hat die Sache mit den Übergriffen letzte Woche
zu tun?" Nathalie räusperte sich: "Das geht dich ja eigentlich
nicht an, aber du könntest recht haben." Phönix sagte nachdenklich:
"Die Übergriffe waren etwas seltsam, meinst du nicht? Sie paßten
nicht in das Schema der NA. Normalerweise masakrieren sie ihre Opfer auf
offener Straße, aber letzte Woche kam es zu Verschleppungen. Warum
schaust du nicht mal im Polizeicomputer nach?" Nathalie lachte: "Eigentlich
wollte ich illegale Aktionen vermeiden, aber was soll´s? Danke für
den Tip. Man sieht sich mal wieder." Sie verließ den Treff und
machte sich in Richtung Polizeisystem auf den Weg. Als sie dort ankam,
wußte sie warum Herr Müller der Polizei nichts zutraute. Das
System war grenzenlos veraltet. Wo sah man heute noch UMS-Standart- Methaphorik?
Sie berührte den weißen Klotz, der die SAN darstellte und wurde
ohne Gegenwehr eingelassen. Sie quälte sich durch einige SPU´s
bis sie sich schließlich in der CPU befand. Dort ließ sie ihre
Schmöker Komplex Form, daß sich vor ihr als ein in Leder eingeschlagenes
Buch materialisierte, nach NA und den Krawallen letzte Woche, suchen. Sie
erhielt fast sofort einige Speicheradressen. Machte gar keinen Spaß.
Viel zu einfach. Nathalie ging unangefochten in den genannten Datenspeicher
und griff nach dem grün schimmernden Datenblock. Nachdem sie die Daten
heruntergeladen hatte, verließ sie den Host wieder. Sie wollte die
Daten unter dem freiem Matrixhimmel anschauen, den die Methaphorik des
Polizeihosts frustrierte sie. Phönixs Aussagen bekräftigten sich.
Es war wirklich von zahlreichen Verschleppungen die Rede. Außerdem
fand sie die Systemadresse eines vermeintlichen NA-Hosts. Sie beschloß
sich das Ding gleich mal anzusehen. Das System war mit Matrixgraphiti übersäht.
Meist primitive nationalistische Symbole, wie Hakenkreuze und Ähnliches.
Nathalie widerte das Alles an, aber sie war ja nicht zum Vergnügen
hier. Sie ging in den Host hinein. Er war im Inneren wie ein Versammlungsaal
aus dem Dritten Reich gestaltet. Sie suchte nach Datenspeichern und fand
sie auch in Form von Fahnen und Bildern an den Wänden. Struppie war
bereits wieder unterwegs und suchte nach Daten die sich von der normalen
Propaganda unterschieden. Nathalie wurde auf eine kleine Datei aufmerksam,
die finanzielle Informationen enthielt. Als sie sie herabladen wollte erschien
ein neues, sehr grobes Icon hinter ihr. Mit einiger Phantasie konnte man
Adolf Hitler darin erkennen. Bevor sie reagieren konnte löste sich
von der Hand des Diktators ein greller Blitz und Nathalie zuckte unter
einem stechenden Schmerz zusammen. Sie ärgerte sich weniger über
den Schmerz als über die primitiven Icons. Der Blitz war eine einfache
weiße Linie ohne jegliche Farbschattierungen oder Lichteffekte, das
war eine Beleidigung für den großen Geist des Gitters. Solche
primitiven Systeme machten ihn krank. Nathalie schloß die Augen und
hob die Hände wie zum Gebet. Plötzlich war die Luft von einem
hellen Singen erfüllt und zwischen ihren Hände zuckten schillernde
bläuliche Blitze hin und her. Der gesamte Raum wurde von einem apokalyptischen
Licht- und Schattenspiel erfüllt. Dann schoß ein mächtiger
Flammenstrahl durch den Raum und zerfetzte Hitler in Milliarden von Pixel.
Nathalie war zufrieden und als sie die Datei im Speicher hatte stöpselte
sie sich aus.
Nathalie lag bewegungslos auf der Couch. Sie war nun wieder in den Weiten
der Matrix unterwegs. Dirk trat unruhig von einem Fuß auf den anderen.
Ihm war es nicht recht sie hier allein zu lassen. "Meinst du wirklich
wir sollen sie hier allein lassen. Wenn ihr da drinnen etwas zustößt.",
sagte er nervös zu Markus, während er mit seiner Uhr spielte.
Markus legte ihn die Hand auf die Schulter und sagte: "Keine Angst,
sie will ja nicht in ein rotes System decken. Unkraut vergeht nicht."
Die beiden machten sich auf den Weg zu Dirk. Markus fuhr dem Rigger mit
seiner BMW Hawk hinterher. In Schwetzingen angekommen holte Dirk seine
Rapier XS aus der Garage und sie fuhren gemütlich in die Innenstadt.
Dort stellten sie die Motoräder in einer Tiefgarage in der Nähe
der Hauptstraße ab. Die Garage war sehr sauber, im Gegensatz zu anderen
Einrichtungen dieser Art. Sie liefen durch die vollgeparkte Halle und gingen
über die Treppe ins Freie. Bald befanden sie sich in Mitten einer
drängelnden Menschenmenge auf der Hauptstraße. Markus schaute
etwas mürrisch drein. Er fühlte sich angesichts dieser Menschenmengen
etwas unwohl. Er steuerte zielstrebig auf eine der Nebenstraßen zu.
Dirk bemühte sich mit ihm Schritt zu halten und drückte sich
durch die Massen. Beide atmeten erleichtert auf, als sie der Menge entkommen
waren. Die Seitenstraße war relativ leer. Auch hier war alles sehr
sauber, nicht zu vergleichen mit anderen Stadtteilen. Nach einigen Minuten
standen sie vor dem alten Gebäude. Ein hervorragend erhaltener Fachwerkbau,
mit eines der ältesten Bauwerke Heidelbergs. Es hatte zwei Weltkriege
und die Erbfolgekriege des Absolutismus überstanden. Markus schaute
Dirk mahnend an: "Bitte laß mich reden, ich habe etwas mehr
Erfahrung." Dirk nickte und sie gingen in das Gebäude. Der Schankraum
war mit antiken Möbeln eingerichtet und Dirk wollte gar nicht wissen,
was das alles wert war. Sie gingen an die Theke, wobei sie von einigen
Gästen mit geringschätzigen Blicken bedacht wurden. Sie waren
zwar gut gekleidet, hoben sich aber doch gegen die Leute, die dieses Restaurant
besuchen, ab. Hier verkehrte nur die absolute High Society. Der Kellner
begrüßte sie freundlich aber distanziert: "Guten Tag, die
Herren. Was wünschen sie?" Markus setzte seine Geschäftsmine
auf und sagte ebenfalls freundlich: "Entschuldigen sie, wir sind mit
der Suche nach dieser Frau beauftragt." Er legte das Photo der Zwergin
auf die Theke, "Sie wollte letzten Freitag ihr Restaurant aufsuchen
und kam nicht mehr nach Hause. Es wäre uns eine große Hilfe,
wenn sie uns einige Hinweise geben könnten." Der Kellner runzelte
die Stirn und meinte: "Ich kenne die Frau. Sie speist oft hier, aber
letzten Freitag war sie nicht hier. Vielleicht kann ihnen Andrea Baumann
weiterhelfen. Sie ist mit Lisa Müller befreundet und sitzt dort hinten
am Tisch." Er deutete auf eine etwa dreißigjährige gutaussehende
Frau. Markus bedankte sich, und sie gingen zu der Frau an den Tisch. Sie
unterhielt sich gerade mit einem älteren luxuriös gekleideten
Mann. Dirk hielt sich etwas hinter Markus. Der Elf wartete, bis die beiden
eine kurze Pause in ihrem Gespräch einlegten und sagte dann freundlich:
"Entschuldigen sie, würden sie uns ein paar Fragen beantworten?
Es dreht sich um Lisa Müller." Der Mann schaute ihn herablassend
an: "Sind sie von der Polizei? Können sie sich ausweisen? Ansonsten
lassen sie bitte die Dame in Ruhe!" Doch die Frau machte eine beruhigende
Geste: "Laß doch die Herren erst einmal ihr Anliegen vorbringen."
Dann wandte sie sich an Markus: "Setzen sie sich doch bitte."
Markus bedankte sich förmlich und die beiden Runner setzen sich an
den Tisch. "Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Thomas Heinze,
Privatdetektiv und daß ist mein Partner Willam Ulrich." Dirk
schmunzelte über die falschen Namen und ließ ihn weiterreden,
"Frau Müller ist vor drei Tagen spurlos verschwunden und ihr
Mann macht sich große Sorgen. Er hat meine Detektei beauftragt nach
ihr zu suchen. Uns wurde gesagt, daß sie sie recht gut kennen und
wir hoffen, daß sie uns einige Hinweise geben können."
Die Frau schaute ihn traurig an: "Ich kenne sie tatsächlich gut.
Wir wollten uns letzten Freitag hier zum Essen treffen, aber sie ist nicht
erschienen. Ich mache mir ebenfalls große Sorgen. Kurz bevor sie
kommen wollte brachen in der Hauptstraße diese Krawalle los. Sie
muß genau zu dieser Zeit auf der Straße gewesen sein und diese
rechten Verbrecher entführten viele Metamenschen. Ich war bereits
hier im Lokal und einige Sicherheitsleute verhinderten, daß die Terroristen
das Haus stürmten. Leider weiß ich nicht mehr. Ich hoffe, daß
ihnen diese Informationen nützen." Markus kratzte sich nachdenklich
am Kinn und meinte: "Hm... Das verfestigt unsere Vermutung, daß
Frau Müller von NA-Aktivisten verschleppt wurde. Danke, sie haben
uns sehr geholfen. Auf Wiedersehen." Markus stand auf und verließ
von Dirk gefolgt das Restaurant. Hier würden sie nicht mehr erfahren.
Sie machten sich auf den Rückweg zu ihren Maschinen. Als sie wieder
in den ruhigeren Seitenstraßen waren fragte Markus nachdenklich:
"Was hälst du von der Sache?" Dirk kaute nervös auf
seiner Unterlippe: "Gefällt mir nicht. Ich glaube wir müssen
davon ausgehen, daß sie von den NA - Aktivisten verschleppt wurde.
Die Chance sie noch lebend zu finden ist damit ziemlich gering." Markus
seufzte und zuckte mit den Schultern: "Laß uns erstmal sehen
, was Nat herausgefunden hat." Sie gingen ins Parkhaus und zahlten
die Parkgebür. Die Stimmung der Runner war nicht gerade sehr gut,
denn sie mußten ihren Auftraggeber vielleicht mitteilen, daß
seine Frau tot ist. Als sie Markus Wohnung erreichten fanden sie Nathalie
friedlich schlafend auf der Couch vor. Dirk lächelte, wie unschuldig
und schön sie war. Auf dem Couchtisch stand ihr Notebook. Es hatte
auf Stanbymodus umgeschaltete. Nathalie mußte beim Arbeiten eingeschlafen
sein. Markus ging in die Küche um erstmal einen seiner berühmten
Kaffees zu brauen. Dirk setzte sich zu Nathalie aufs Sofa und streichelte
sie vorsichtig: "Wach' auf Engel, wir haben einiges zu besprechen!"
Nathalie öffnete stöhnend die Augen: "Ach du bist´s.
Könnt ihr mich nicht schlafen lassen?" Dirk lächelte und
nahm ihre Hand: "Na nu, daß ist aber nicht gerade eine freudige
Begrüßung. Wir haben leider nicht sehr viel Glück gehabt.
Hast du mehr Glück gehabt?" Nathalie streckte sich ausgiebig,
dann legte sie Dirk die Arme um die Schultern und küßte ihn
lächelnd auf den Mund. "Vielleicht habe ich da was.", sagte
sie frech. Dirk stand auf und ging zum Tisch. Nathalie schnappte sich ihr
Notebook und folgte ihm. Nachdem Markus dann noch mit dem Kaffee aus der
Küche kam saßen sie gemeinsam am Eßtisch. Markus erzählte
ihr kurz, was sie erfahren hatten. Dann sahen sie die Daten durch. Das
Interessanteste war das Datenpaket das Nathalie aus dem Netz der Nationalen
Aktion geholt hatte. Alle drei starrten verwundert auf den Satz vor ihnen
auf dem Bildschirm: "Lieferung erfolgt. Haben 40.000 EC von Thomas
Marson erhalten." Dirk sah seine Kameraden nachdenklich an und sagte:
"Irgendwas ist da oberfaul. Warum töteten die NA`ler ihre Opfer
nicht und was ist mit dieser Zahlung von 40.000 EC?" "Keine Ahnung.
Aber ich glaube wir sollten uns mal um diesen Thomas Marson kümmern.",
meinte Nathalie nachdenklich, während sie mit dem Touchpad ihres Notebooks
spielte. Sie aktivierte noch mal das Suchprogramm. Diesmal suchte sie nach
der Zeichenkette Meta*. Einige Sekunden später sahen die Chummers
einen weiteren Satz: "Bei der gestrigen Aktion 12 Metameschen gefangen."
Markus schaute seine Freunde betroffen an und sagte: "Ich bin mir
nicht sicher aber allmählich ergibt das alles einen Sinn. Die NA fängt
Metamenschen und verkauft sie an diesen Thomas Marson. Es wäre nicht
unwahrscheinlich, das die Frau unseres Klienten unter diesen 12 Menschen
ist. Sicher, das ist alles noch sehr wage und wir haben keine Beweise.
Aber eine andere Spur haben wir momentan nicht. Wir sollten der NA mal
einen Besuch abstatten. Nathalie, du könntest dich mal nach diesem
Thomas Marson umhören." Nathalie sagte verzweifelt: "Wer
sollte sich Metamenschen fangen lassen und vor allem warum?" Dirk
legte tröstend den Arm um sie und sagte: "Oh Engel. Mir fallen
da gleich einige Gründe ein. Aber die sind so grausam, daß ich
gar nicht genauer darüber nachdenken will. Markus, selbst wenn Frau
Müller nicht von den NA´lern erwischt worden ist, sollten wir
der Sache trotzdem nachgehen." Markus nickte betreten und sagte: "Der
Meinung bin ich auch. Wenn wir gegen die NA vorgehen wollen benötigen
wir jedoch Muskeln. Wir sollten ein Treffen mit Sheila und Herrn Müller
vereinbaren. Außerdem müssen wir noch den Unterschlupf der NA
herausfinden." Nathalie lehnte sich an Dirks Schulter und genoß
es von ihm gestreichelt zu werden. "Ich hab da eine Conection bei
der Polizei. Vielleicht kann der was über den Unterschlupf der NA
herausfinden. Kannst du Sheila anrufen?" Markus nickte und erwiderte:
"Kein Problem, aber deinen Chummer wird die Infos kaum vor morgen
früh bekommen. Außer er fährt noch mal ins Revier zurück.
Denn schätzungsweise arbeitet außer der Nachtbereitschaft bei
der Polizei um sieben Uhr niemand mehr. Ich werde noch Sheila anrufen und
Nat kann sich nach dem Kerl erkundigen. Und dann reicht das glaube ich
für heute." Dirk nickte, und er fragte Nathalie: "Was meist
du Engel?" Nathalie schnurrte leise und schaute ihm dann schräg
von unten an: "Gute Idee. Meinst du ich kann auch bei dir zu Hause
in die Matrix gehen?" Dirk strich ihr über die Stirn: "Kein
Problem Engel. Was meinst du Markus?" Markus zuckte mit den Schultern
und meinte: "Nichts dagegen. Ich ruf' euch dann an, wenn ich mit Sheila
gesprochen habe." Dirk und Nathalie gingen in die Garage hinunter
und Makus setzte sich ans Telephon. Nach einigen Sekunden meldete sich
Sheila: "Hoi Houl, was gibst?" Markus schilderte ihr die Situation
und Sheila dachte kurz nach. Dann meinte sie nachdenklich: "Ich werde
Herrn Müller anrufen. Ich ruf' dich dann zurück." Mit diesen
Worten legte sie dann auf. Houl wartete nervös. Erst lief er im Wohnzimmer
auf und ab, dann legte er sich auf die Couch und bohrte an Polster herum.
Nach einer Stunde rief Sheila zurück. Sie sah ziemlich gestreßt
aus, als sie sagte: "Unser Klient ist beinahe in Tränen ausgebrochen
als ich ihm eure Geschichte erzählt habe. Er ist bereit für die
Kosten des Angriffteams aufzukommen. Ich werde ein Team für euch zusammenstellen.
Ruft mich an wenn ihr das Ziel kennt." Markus sah sie ernst an: "Achte
aber darauf, daß die Sams nichts gegen Metamenschen haben. Fireball
war zum Beispiel auf Elfen nicht gut zu sprechen." Sheila nickte:
"Ich werde darauf achten. Bis dann." Sie legte auf und Markus
lehnte sich zurück. Er beschloß erstmal was zu essen, bevor
er Nathalie und Dirk die Neuigkeiten erzählte.
Die Fahrt zu Dirks Wohnung war etwas abenteuerlich. Nathalie und Dirk
saßen zu zweit auf der XS. Nathalie machte das einen rißen
Spaß, aber Dirk betete, daß er nicht mit ihr von der Polente
erwischt würde. Die Rapier ist eindeutig ein Einsitzer. Sie hatten
Glück und saßen bald in Dirks Wohnung. Während Nathalie
in die Matrix ging, kochte Dirk das Abendessen und deckte den Tisch. Es
gab Bohneneintopf. Pünktlich zum Essen, wie könnte es auch anders
sein, hatte die Elfe ihre Arbeit erledigt. Sie stöpselte sich aus
und lächelte Dirk keß an. Dann sah sie sich das Essen an und
leckte sich die Lippen. Dirk trommelte mit den Fingern ungeduldig auf dem
Tisch herum: "Und hast du etwas herausgefunden?" "Ja, Volltreffer.
In der näheren Umgebung gibt es drei Thomas Marson.... Reichst du
mir mal das Cola?", sagte sie und schöpfte sich dabei kräftig
aus. Dirk knurrte und gab ihr die Flasche, dann erzählte sie weiter:
"Nummer eins und zwei fallen weg. Der eine ist ein Methamenschenrechtler,
der andere ein verarmter achtzigjähriger Greis. Doch der dritte ist
Exec bei der AG-C. Klingelt es?" Sie schenkte sich lächeln das
Cola ein. Dirk nickte: "Das muß unser Mann sein. Wir sollten
ihm Morgen einen Besuch abstatten." Kurz nach dem Essen klingelte
das Telefon. Dirk nahm ab. Es war Markus. Der Schamane erzählte im
kurz von seinem Gespräch mit Sheila. Dann sagte Dirk: "Ich werde
dich anrufen wenn ich mit meinem Chummer gesprochen habe. Nathalie hat
übrigens unseren Mann gefunden. Er ist Exec bei der AG-C!" "Die
Sache wird ja immer widerlicher. Wenn wir morgen mit der NA fertig sind
sollten wir auch noch bei diesem Drekhead vorbeischauen.", sagte Markus
mit bestürztem Tonfall. Dirk stützte sich mit dem Ellenbogen
auf dem Tisch ab und schloß das Gespräch ab: "Ganz meine
Meinung. So, wir sollten jetzt ins Bett. Wird morgen ein langer Tag. Bis
dann Chummer." Er legte auf und sah Nathalie lächelnd an: "Schätze
du hast alles mitbekommen. Dann machen wir uns mal zum Schlafen fertig."
Sie waren beide ziemlich müde und kurze Zeit später lagen sie
eng aneinandergekuschelt im Bett und schliefen ruhig. Ohne zu wissen, was
sie am nächsten Tag alles erwarten sollte.
4 Schlagabtausch
Es war erst acht Uhr, als das Telefon klingelte. Dirk stöhnte,
er hatte noch geschlafen. Er schüttelte den Kopf und nahm ab. Tim
meldete sich und schaute den verschlafenen Dirk lachend an: "Moi'n
Dirk. Noch geschlafen?" Dirk sah böse in die Kamera und antwortete:
"Ja! Warum zum Geier rufst du so früh an?" Der Freund schaute
ihn unschuldig an und meinte: "Och, ich dachte es würde dich
interessieren, daß ich`n tausender Gurt APDS bei mir rumfahren habe."
Dirk kratzte sich im Genick: "Oh wirklich. Da könntest du recht
haben! Was verlangst du?" Tim lachte: "Ich will das Zeug loswerden!
10.000 EC und er gehört dir." Dirk überlegte, das war wirklich
ein guter Preis. Er zuckte mit den Schultern und meinte: "Wäre
schon interessiert. Wann kann ich das Zeug abholen?" "Komm so
um zehn bei mir vorbei. Bis dann Chummer.", sagte Tim. Dirk nickte:
"Bis später Chummer" Nathalie schmiegte sich schnurrend
an seinen Rücken und fragte: "Wer war das?" Dirk drehte
seinen Kopf und gab ihr einen Kuß: "Morgen Engel. Das war Tim.
Er hat mir Munition angeboten. Ich werde nachher kurz zu ihm 'rüber
fahren und das Zeug abholen. Willst du mitkommen?" "Nein, ich
glaube ich bleibe hier.", antwortete Nathalie. Dirk stand auf und
streckte sich. Er sagte lächelnd: "Wie auch immer, ich werde
jetzt erstmal Frühstück machen." Er ging in die Küche
und kochte Kaffee. Kurze Zeit später kam Nathalie nach und half ihm.
Sie plünderte Dirks Kühlschrank und backte eine gigantische Menge
Rühreier mit synthetischem Speck. Nachdem sie ausgiebig gefrühstückt
hatten, zog sich Dirk an und fuhr zu Tim.
Währenddessen stöpselte sich Nathalie in die Matrix ein und
arbeitete an einer Komplexen Form. So merkte sie nicht, wie die Tür
aufgebrochen wurde und fünf Glatzen in die Wohnung kamen. Plötzlich
zerbrach die virtuelle Realität als ihr einer das Kabel aus der Stirnbuchse
zog. Ein stechender Schmerz raste durch ihren Korpf. Eine Folge des unkontrollierten
Auswurfs. Als sie die Kerle in der Wohnung sah blieb ihr beinahe das Herz
stehen. Ein fetter Kerl mit einer Narbe im Gesicht packte sie am Nachthemd
und zog sie hoch. Er schaute sie haßerfüllt an und sagte böse:
"Du schnüffelst in unseren Angelegenheiten rum und das mögen
wir gar nicht. Du wirst jetzt mit uns kommen" Er schlug ihr mit der
Handfläche ins Gesicht. Sie stöhnte leise und schmeckte Blut
in ihrem Mund. Nathalie wehrte sich verzweifelt. Der Kerl war ihr jedoch
weit überlegen, und er zerrte sie mit sich. Plötzlich zerriß
ihr Nachthemd mit einem lauten Ratschen, so daß die Elfe nur noch
in Unterwäsche dastand. Nathalie schaute weinend auf den Boden. Der
Glatzkopf packte sie brutal an der Schulter und brüllte sie an: "Hör'
auf zu heulen Hure! Und komm mit." Sie zerrten sie in einen Wagen
und brachten sie in ein altes Haus am Stadtrand. Dort prügelten sie
sie in den Keller, und schlossen sie in einem leeren Raum ein. Nathalie
war halb bewußtlos und blutete aus zahlreichen Wunden. Es stank furchtbar
nach Kot und Urin. Sie mußte sich übergeben. Außerdem
war es verflucht kalt und die Elfe zitterte. Sie war am Ende und kauerte
sich in eine Ecke, wo sie weinend sitzenblieb.
Als Dirk wieder nach Hause kam erlitt er einen ziemlichen Schock. Die
Möbel in seiner Wohnung wahren mit Hakenkreuzen beschmiert und auf
dem Boden sah er Nathalies zerrissenes Nachthemd. An der Innenseite der
Tür laß er einen Schriftzug: "Hy Elfenficker! Deine kleine
Hure haben wir schon, und dich bekommen wir auch noch!" Dirk ließ
sich auf die Knie sinken und schrie verzweifelt: "Nathalie, nein!"
Dann stieg blanker Haß in ihm auf. Er rannte zum Schrank und holte
seine Urban Combat und drei Reservestreifen hervor. Während er die
Waffe überprüfte rief er Ingo Weigel, seinen Freund bei der Polizei
an. Als der Junge Beamte abnahm, hob Dirk gerade ein Teil seiner Waffe
auf, so daß der Freund ihn nicht sehen konnte. Ingo las jedoch die
Infozeile auf seinem Telefon ab und wußte somit, mit wem er es zu
tun hatte und sagte erwartungsvoll: "Hallo Dirk. In welche Kontrolle
bist du nun wieder geraten?" Als jedoch Dirk wieder in den Aufnahmebereich
der Kamera kam stockte dem Polizisten der Atem. Er blickte in ein haßerfülltes
zu allem entschlossenen Gesicht. Auch die Tränen in den Augen des
Freundes entgingen ihm nicht und er fragte bestürzt: "Um Gottes
willen, Dirk! Was ist passiert?" "Die Schweine von der NA haben
mein Mädchen! Kannst du herausfinden wo die Hurensöhne ihren
Unterschlupf haben?", sagte Dirk verzweifelt und hielt den Hörer
dabei so fest, daß sein Knöchel weiß hervortraten. Er
konnte nur mit Mühe die Tränen zurückhalten. Ingo sah in
bestürzt an und sagte leise: "Wir haben da eine Vermutung, können
aber nichts beweisen. Uns sind somit die Hände gebunden. Keine Beweise,
kein Durchsuchungsbefehl!" "Bitte, du mußt mir sagen, was
du weißt", flehte Dirk und ihm schossen die Tränen in die
Augen. Ingo gab ihm die Adresse und fügte hinzu: "Ich weiß
nicht, was du vorhast. Aber paß' auf dich auf und laß' dich
nicht erwischen. Viel Glück Chummer." Dirk verabschiedete sich
und legte auf. Er wußte, daß es Ingo ehrlich mit ihm meinte.
Dirk hatte ihm vor einiger Zeit bei einer Schießerei das Leben gerettet
und die beiden waren gute Freunde geworden. Seitdem helfen sie sich öfters
gegenseitig. Dirk spielt Ingo Informationen zu und der Polizist läßt
dafür so manchen Strafzettel verschwinden. Dirk war mit der Überprüfung
der Waffe fertig und schob einen Streifen Explosivmun ins Magazin. Jetzt
mußte er nur noch Markus anrufen. Dummer Weise erreichte er den Schamanen
nicht. Entgegen aller Vernunft beschloß er allein loszuziehen. Er
rannte zu seinem Wagen und ließ den Turm ausfahren. Er holte die
tausender APDS-Gurtbox aus dem Auto und schob sie in die Magazinhalterung.
Heute würde er schießen um zu töten. Bei der Adresse, die
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